Mars 2 Nächte - 11.01. + 12.01.2025

TorstenHansen

Aktives Mitglied
Hallo,

letztes Wochenende hatte ich mal klaren Himmel und konnte ein wenig Planeten aufnehmen. Da der Mars kurz vor seiner Opposition bzw. in Erdnähe stand, musste diese Gelegenheit genutzt werden, zumal auch noch attraktive Gebiete zu sehen waren. Da ich mit der Farbkamera am Mars bisher keine guten Farben erhalten hatte, musste also wieder die Schwarzweißkamera mit den RGB-Filtern ran; gerade am Mars finde ich da die Bearbeitung etwas einfacher.

Mars 11.01.2025: http://www.aau.telebus.de/Ver_7/use...250111/Mars20250111RGBUT0048undUT0224Alpo.jpg

Mars 12.01.2025: http://www.aau.telebus.de/Ver_7/user/Torsten_Hansen/Mars20250112/Mars20250112RGB.jpg

Mars20250111RGBUT0048undUT0224Alpo.jpg


Mars20250112RGB.jpg


Grüße
Torsten
 
Zuletzt bearbeitet:
Sehr schöne, ausgewogene Bilder.
Ich erkenne auch sofort den Unterschied zu den Farbkamerabildern. Deine Ergebnisse geben viel eindrücklicher den atmosphärischen Zustand des Planeten wieder, den ich in vielen anderen Aufnahmen vermisse, weil die Farbkameras offenbar alle etwas blauschwach sind.
Und was Deine Bilder ebenfalls von anderen hier abhebt, ist die gute Bearbeitung der Polkappe. Die finde ich viel zu oft einfach überstrahlt und ausgebrannt, dabei zeigt sie im Moment wirklich viel an Details.
Da sieht man eben doch die lange Erfahrung ... :)
CS
Rudolf
 
Tolle Fotos, Torsten! Gehört mit zum Besten, was ich dieses Jahr von der Opposition gesehen habe. Lediglich der Kontrast scheint mir etwas zu flach, da könnten die Mittelwerte etwas abgesenkt werden, denke ich.

Darf ich fragen, wie du die Schärfung und Glättung vornimmst? Ich experimentiere mit Giotto und Astrosurface, stoße aber immer wieder an die Grenze, dass ich zu große Radien schärfen muss und dass die Glättung zu Artefakten führt. Deine Bilder sehen recht natürlich aus.

Viele Grüße
Stefan
 
Hallo Rudolf und Stefan,

ich danke Euch für Eure freundlichen Kommentare und Eure Einschätzungen zu den Bildern.

Zu den Kontrasten; das ist so beabsichtigt, um den natürlichen Gesamteindruck zu wahren und den Betrachter nicht "anzuschreien" bzw. aufdringlich "zu rufen, hier bin ich".

Um den Unterschied zu anderen Autoren hier deutlich zu machen, zeige ich unten die einzelnen Kanäle der Bilder, aus denen sie im Endbild zusammengesetzt sind. Als erfahrener Bildbearbeiter kannst Du das ja einschätzen und von anderen Autoren mal diese Zerlegung selbst vornehmen. Nun, ich denke, so sehen die allerwenigsten Bilder aus; bei sehr vielen Beispielen in diesem Forum ist entweder nur der Rotanteil als Luminanz benutzt worden oder ein graviernder Teil dieses Rotanteils. Bei Farbkameras ist die Blauschwäche ja hinlänglich bekannt. Die Probleme mit der daraus resultierenden Farbgebung sind auch bekannt, und ich denke, dass in der Rezeption, den meisten Betrachtern dies nicht unbedingt bewusst ist.
Ein Wort noch zu den Blaukanalbildern vom 11.01.25; offenbar gab es ein leichtes Blue-Clearing, d.h. die dunklen Albedostrukturen der Marsoberfläche zeichnen sich in Teilen auch im Blaubild ab. Diese Erscheinung, die in der visuellen Marsbeobachtung schon lange bekannt ist, habe ich häufiger schon mit Video um die Opposition dokumentieren können. Im "Normalfall" zeigen sich kaum oder gar keine Strukturen der Oberfläche im Blauen.

Mars20250111RGBUT0048undUT0224Alpo2.jpg


Zu Schärfung und Glättung; ich benutze in der Vorschärfung fast ausschließlich giotto mit möglichst kleinen Radien am nicht gedrizzelten oder vorvergrößerten Bild. Häufigst benutzte Einstellungen Giotto-Schärfungsmenu: Filterform Rechteck, Charakteristik Butterworth, Rauschfilter in der Mitte Gauss 3. Die Filtergröße und die Filterwirkung hängt von den Aufnahmebdingungen ab. Ziel ist Filtergröße 5, und bei ordentlichen Bedingungen liefert Filterwirkung um 400 sehr brauchbare Ergebnisse. In der Folge benutze ich Konrastanpassungen und bei Gelegenheit unscharfe Maske und Hochpassfilter zum Nachschärfen. Die Glättung funktioniert in fitswork mit den Waveletfiltern dort, dem Gauß glätten oder manchmal auch Medianfilter ganz gut.

Ich hoffe, ich habe alle Fragen beantworten können.
Weiterhin viele angenehme astronomische Erlebnisse,
Grüße
Torsten
 
Hallo Thorsten,

ich habe neulich statt der Kamera ein 3.7Ethos in den Okularstutzen gesteckt und im 18"Dobs bei 600x die Farben des Mars visuell beobachtet.
Die Polkappe erscheint trotz der hohen Vergrösserung strahlend hell und von blauen Wolken oder Dunst war wie üblich nichts zu sehen, diese erscheinen weißlich.

Deine Bilder, oder auch die von Tiziano zeigen eine Bild das einer Kombination des visuellen Eindrucks ohne Filter plus mit Blaufilter ( um die Wolken besser zu sehen) entspricht.

Ich sehe also auf deinen Bildern was ich visuell nur in zwei Sichtungen hintereinander machen kann: Also zuerst eine Skizze ohne Filter, dann eine mit Blaufilter.

Dadurch liefern deine Fotos eine zusätzliche Information zur Atmosphäre.

Aber dem visuellen Anblick entsprechen sie nicht.
CS Mike
 
Hallo Torsten.
Vielen Dank für die ausführliche Darlegung Deiner Arbeitsweise. Das ist hier ja schon eher die Ausnahme, manche machen aus ihrer Arbeit ja mehr ein Geheimnis. Nur über solche Ausführungen aber können viele davon auch was lernen.
Deine Kanalzerlegungen sind musterhaft. Leider komme ich seltenst auf solche Blaubilder, weil da mein C14 nicht mit Newtons wie dem von Ralf Burkart zum Beispiel konkurrieren kann. Ich finde es äußerst bemerkenswert, dass Du solche mit einem SCT hinbekommst. Frage des Filters? Bei mir RGB von Astrolumina. Vllt nicht die besten in Blau? Nicht zu vergessen, dass im Blauen gerade das Seeing sehr kritisch sein kann. Und das ist bei mir selten Spitze, während Ralf da ein ums andere Mal meine Kinnlade runterklappen lässt.
Die Giotto-Bearbeitung kann ich bestens nachvollziehen, weil ich das auch so mache. Allerdings wegen der deutlich größeren Ausgangsbilder mit größeren Filterradien und Wechsel zwischen Butterworth und Bessel, je nachdem, was besser funktioniert.
Das Blue Clearing hat auch ein tolles Blaubild von Ralf Burkart dieser Tage bestätigt. Die Blaubilder zeigen aktuell oft mehr Detail als gewöhnlich. Was bemerkenswert ist, denn angesichts des derzeit großen Feuchtigkeitstransfers vom Nord- zum Südpol sollte die Atmosphäre an sich im Blauen eher undurchsichtiger erscheinen.
CS
Rudolf
 
Ach, noch ein Nachtrag:
Ich habe ja anfangs auch auf Deine gute Herausarbeitung des Pols abgehoben. Die ist auch in den Einzelkanälen sehr gut nachzuvollziehen. Und hier gehen fast alle zu hart dran, dadurch brennen die feinen Strukturen der Polkappe weg, weil entweder die Filterradien oder Prozente zu fett angesetzt waren. Dadurch clippen helle Stellen leichter aus. Pol ist sozusagen die Masterclass der sauberen Bearbeitung :cool:
 
Noch'n Nachtrag als Bearbeitungstipp:
Um das Clippen zu vermeiden, lasse ich meine Bilder von AS!3 auf 65 % normalisieren.
 
Hallo Mike,

danke Dir für Deine Hinweise!

...
Aber dem visuellen Anblick entsprechen sie nicht.
CS Mike

Das hatte ich ich aber so auch nicht behauptet. Die Bilder entsprechen der "authentischen" Interpretation durch die Kamera ohne Betonung einzelner Spektralbereiche wie bei fast allen Autoren hier. Nur dies war unter "natürlicher Gesamteindruck" zu verstehen.
Bei Zerlegung der Bilder in die drei Farbkanäle, so wie ich es oben getan habe, wird deutlich, was die entsprechenden Filter der Kamera mitteilen. Aus eigener Erfahrung mit Filterbeobachtungen am Mars, passt dies aber sehr wohl zur visuellen Wahrnehmung bei Filterbeobachtungen.

Viele Grüße
Torsten
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Thorsten,

ich habe neulich statt der Kamera ein 3.7Ethos in den Okularstutzen gesteckt und im 18"Dobs bei 600x die Farben des Mars visuell beobachtet.
Die Polkappe erscheint trotz der hohen Vergrösserung strahlend hell und von blauen Wolken oder Dunst war wie üblich nichts zu sehen, diese erscheinen weißlich.

Deine Bilder, oder auch die von Tiziano zeigen eine Bild das einer Kombination des visuellen Eindrucks ohne Filter plus mit Blaufilter ( um die Wolken besser zu sehen) entspricht.

Ich sehe also auf deinen Bildern was ich visuell nur in zwei Sichtungen hintereinander machen kann: Also zuerst eine Skizze ohne Filter, dann eine mit Blaufilter.

Dadurch liefern deine Fotos eine zusätzliche Information zur Atmosphäre.

Aber dem visuellen Anblick entsprechen sie nicht.
CS Mike
Moin Mike.
Das mag durchaus so sein, auch ich sehe die Blauanteile mit dem Auge so nicht im Okular.
Aber, wer sagt, dass dann meine CCD-Ergebnisse auch so aussehen müssen? Die Kamera bietet uns aufgrund der Empfindlichkeit für diese Blauanteile einen Mehrwert, und den bringen wir in den RGB-Bilder zum Ausdruck. Die damit getroffene Aussage über atmosphärische Verhältnisse ist ja kein Fake, sondern Abbild von etwas, das vorhanden ist, auch wenn es Dein Auge nicht sieht. Da empfinde ich die meisten Farbkameradirektbilder eben als gehandicapt, weil sie genau das nicht recht zu zeigen vermögen.
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

danke die für Deinee Hinweise!

Ach, noch ein Nachtrag:
Ich habe ja anfangs auch auf Deine gute Herausarbeitung des Pols abgehoben. Die ist auch in den Einzelkanälen sehr gut nachzuvollziehen. Und hier gehen fast alle zu hart dran, dadurch brennen die feinen Strukturen der Polkappe weg, weil entweder die Filterradien oder Prozente zu fett angesetzt waren. Dadurch clippen helle Stellen leichter aus. Pol ist sozusagen die Masterclass der sauberen Bearbeitung :cool:
Ich achte da auch schon bei der Aufnahme drauf und stelle den Gain nicht zu hoch ein. Gerade im Blauen ist die Polkappe schon bei der Aufnahme schnell ausgebrannt (trotz Histogramm-Information).
In der Nachbearbeitung geht es dann bei zu starken Kontrasten natürlich noch schneller, so dass ich grundsätzlich nur das RGB und nicht die Einzelkanäle nachbearbeite.

Viele Grüße,
Torsten
 
Hallo Rudolf,

... Ich finde es äußerst bemerkenswert, dass Du solche mit einem SCT hinbekommst. Frage des Filters? Bei mir RGB von Astrolumina. ...
... Die Blaubilder zeigen aktuell oft mehr Detail als gewöhnlich. Was bemerkenswert ist, denn angesichts des derzeit großen Feuchtigkeitstransfers vom Nord- zum Südpol sollte die Atmosphäre an sich im Blauen eher undurchsichtiger erscheinen.
CS
Rudolf
Ich habe derzeit Baader-Filter im Einsatz; allerdings die älteren, welche ich schon viele Jahre einsetze.

Zum Blue-Clearing; mir ist aufgefallen, dass dieses um die Opposition sehr häufig auftritt. Verallgemeinern lässt es sich vermutlich aber nicht, da ich es auch zu anderen Phasen beobachten konnte.

Viele Grüße
Torsten
 
Hallo zusammen,
ja, dann sind wir uns eh einig. Ich habe meine Ausführungen auch nicht als Kritik gemeint, sondern einfach nur den Unterschied zwischen der Kamera und dem Auge explizit festgestellt. Das die Aufnahmen großartig sind, ist sowieso offensichtlich. :)
CS Mike
 
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