Mars IR-RGB-UV 08.09.2020 | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Mars IR-RGB-UV 08.09.2020

Andreas_L

Mitglied
Hallo zusammen,

hier ein Mars von letzter Woche. Das Seeing war mittelmäßig, hat aber gereicht für eine nette Serie. Da der Venus-UV-Filter noch im Filterrad war, habe ich probiert, was bei Mars geht. Die Belichtungszeit im UV war zwar mit 1/4 Sekunde bei vollem Gain recht lang, immerhin hat es für ein paar 100 Frames gereicht. Im UV zeigen sich die Wolken nochmals deutlicher als im Blaukanal. Gerade die Nordpolhaube und die Wolke über Arsia Mons stechen heraus.

Die ganze Serie von IR (685nm) über R-G-B bis UV ist hier zusammengestellt:

5-Kanal.jpg


Daraus zusammengestellt ein übliches LRGB Komposit mit dem IR als Luminanzkanal. Zusätzlich ein Komposit mit überlagertem UV-Kanal (50% Deckkraft). Das UV-Bild arbeit die Dunstschleier etwas besser heraus. Das Gebiet um Arsia Mons ist aber so hell, dass der Effekt nur marginal ist. Vielleicht wäre noch etwas mehr Deckkraft im UV-Kanal nötig, das macht aber den Terminator wiederum recht dunkel.

_PS_Mars_Komposit.jpg


Viele Grüße
Andreas
 

Andreas_L

Mitglied
Hallo,

ich schiebe einen Mars hinterher, vier Tage später am 12.09.2020 bei deutlich besserem Seeing:

_PS_Mars_LRGB.jpg


Das Bild ist ein IR-RGB Komposit. Im UV habe ich dieses mal nicht aufgenommen, habe das vorher eher als Spielerei abgetan. Vielleicht sollte ich in Zukunft wieder UV mitnehmen.

Noch ein paar Daten zur verwendeten Ausrüstung:
300/5400 mm Cassegrain + ADC
TIS DMK21AU618

Gruß
Andreas
 

Pete_Finnigan

Mitglied
Diese letzte Aufnahme ist tatsächlich deutlich besser als die im Eingangspost präsentierte - das bessere Seeing ist erkennbar.
Weshalb ist diesmal ein blausaum stellenweise am Rand der Planetenscheibe (um genau zu sein ein bißchen auf ca. 9 Uhr und gravierender auf 1 Uhr)? Könnte das am ADC liegen; hattest du den eigendlich letztes Mal auch verwand?
Ansonsten kann ich deinen Gedankengang, mit dem wiederreinnehmen der UV-Spectrums, nur unterstützen! Bei deiner Teleskopdimension lohnt es sich offenbar deutlich - also bitte, bitte begeister uns mit Ultravioleter-Strahlung! :alien:
 

Andreas_L

Mitglied
Hallo,

den ADC hatte ich auch das letzte mal verwendet. Wäre wahrscheinlich für Grün-, Rot-, IR-Kanal nicht nötig. Bei Blau und im UV macht es noch Sinn.

Der blaue Saum kommt aus dem Blaukanal. Das sind Wolken am Planetenrand (Sonnenaufgang) und die Nordpolhaube. Zum gewissen Teil ist aber noch eine nicht genaue Überlagerung der Farbkänale mit drin. Ich müsste die Kanäle in der Bildgröße hoch skalieren, dann subpixelgenau ausrichten und wieder runter skalieren. Vielleicht mache ich das noch, oder bearbeite die neuen Aufnahmen von letzter Nacht, dann wieder mit UV.

Gruß
Andreas
 

Andreas_L

Mitglied
Hallo,

jetzt habe ich die Aufnahmen von letzter Nacht (15./16.9.) bearbeitet. Endlich mal eine andere Region im Zentralmeridian. Die Nordpolhaube war auch sehr gut visuell zu sehen.

Zuerst wieder die einzelnen Kanäle, 20% Verwendung aus jeweils 5000 frames für IR, R, G, B und aus 1000 frames für UV:

5-Kanal.jpg


Daraus erstellte Komposits, IR-RGB und mit überlagertem UV-Kanal:

_PS_Mars_Komposit.jpg


Viele Grüße
Andreas
 

Martin_B

Mitglied
Sehr schön!
Jetzt sehe ich das erst genauer; ich hatte in einem anderen Thread schon danach gefragt ..
Auch bei dir ist die "obere" Polkappe klar zu sehen, aber nur im UV.
Ist das die obere Polkappe?
Dann wäre klar, warum die in vielen Aufnahmen nicht zu sehen ist, weil kein UV explizit dabei war.
 

Andreas_L

Mitglied
Hallo Martin,

es ist nicht direkt die Polkappe, also das Eis auf der Oberfläche. Es handelt sich um eine ausgedehnte Dunstschicht in der Atmosphäre. Deshalb die Bezeichnung Polhaube und nicht Polkappe.

Man sieht die Polhaube auch gut im Blaukanal, sogar etwas im Grünkanal. Visuell mit Binokular und ADC war sie auch recht auffällig. Die Bedingungen waren gut, ich konnte bis über 300x vergrößern.

Viele Grüße
Andreas
 

Andreas_L

Mitglied
Hallo Holger,

verwendet habe ich Photoshop. Dabei habe ich den UV-Kanal als neue Ebene in das bereits fertig gestellte IR-RGB-Bild eingefügt. Als Ebenenmodus für den UV-Kanal habe ich Überlagern gewählt und mit den Reglern für Deckkraft und Fläche gespielt. Man muss da subtil vorgehen, denn die im UV-Bild dunklen Bereiche dunkeln sonst zu sehr ab. Gerade am Terminator macht sich das bemerkbar. Wenn man die beiden Komposits genau vergleicht, sieht man das.

Viele Grüße
Andreas
 

Pete_Finnigan

Mitglied
Also bei euch beiden liest man echt gern mit, nach dem Motto "Lehrreich, lehrreich, lehrreich"

@Andreas: Vielleicht ein Tipp für dich in Bezug der Bildbearbeitung mit Photoshop. Ich arbeite zwar mit Gimp, aber ich denke Photoshop kann folgendes allemal auch. Nimm in deiner besagten UV-Ebene die "Schatten" (wenn es dies bei Ps auch so bezeichnet ist; wenn nicht eben jene dunklen Elemente) raus, bevor du die Ebene mit dem Komposit kombinierst. Oder noch besser - falls möglich - markier alles was nicht Wolke/Dunstschicht ist, als transparent, bevor du kombinierst. Dann sollte doch jener marginale Unterschied neutralisiert sein?!
 

komposer

Mitglied
Hallo,

ich verwende auch gimp aber die Funktionen sind ja ähnlich. Allerdings habe ich immer den Modus Normal verwedet. Da ist bei 100% Deckkraft nur das IR Bild zu sehen und dann kann ich mit dem Regler das Violett-Bild mit einem Prozentsatz auftauchen lassen. Beim Modus Überlagern ist schon bei 100% eine Mischung zu sehen und das IR Bild deutlich blasser.
Keine Ahnung warum, ich muss mich da mal reinlesen. Es gibt so viele Modi.

Pete: Beim Randartefakt arbeite ich ja schon mit Ebenen. Den Rand einer weichen Variante arbeite ich mit dem Radierer in die harte ein. Vielleicht sieht das auch bei der Dunstschicht gut aus. Werde ich mal ausprobieren.

Gruß,
Holger
 

komposer

Mitglied
Hallo,

so Tests abgeschlossen. Also mit den anderen Modi komme ich nicht klar, da bleibe ich bei normal.
Thema Radierer: Deckkraft ca. 5%, dann weichen Pinsel und nur den Rand, oben die Dunstschicht und unten etwas den Pol eingearbeitet. Anschließend noch die Ebenendeckraft auf 90% um im gesamten Bild noch 10% des violett Bildes einzublenden.
Mars_160920_004806p150-10b-radierer.jpg

Jetzt bin ich unschlüssig. Was meint Ihr dazu. Macht es Sinn hier nur einzelne Bereiche des violetten / UV Bildes stärker einzuarbeiten ?
Oder verfälscht das mehr den Gesamteindruck ?

Gruß,
Holger
 

Cpt.Boiler

Mitglied
...Was meint Ihr dazu. Macht es Sinn hier nur einzelne Bereiche des violetten / UV Bildes stärker einzuarbeiten ?
Oder verfälscht das mehr den Gesamteindruck ?
Erlaubt ist, was gefällt. Oder, was du belegen kannst. Wenn du vor dem intergalaktischen Mars-Tribunal ein Blau od. Violett-Kanal Bild als Beweismittel vorlegen kannst, auf dem die Wolken nicht durch eine AI Magic hervorgezaubert wurden, dann wird man dich sicher freisprechen :)

Im Ernst, auf dem ganzen Weg vom Mars bis zum JPG, dass hier präsentiert wird, sind so viele Schritte involviert, und bei jedem gibts gewisse Bereiche in denen ein Tool gut arbeitetet, und wo es an die Grenzen gerät, da ist es m.E. legitim, nachzuhelfen wenn nötig. Die Darstellung am Monitor ist am Ende einer der grössten Flaschenhälse, den es können ja nur 8bit pro Kanal verwendet werden, und hier im Web dann noch vermurkst als JPG. Klar, dass dabei manch feines Detail untergeht, wenn man nicht etwas gegensteuert.
Kritischer und damit nicht zu vergleichen ist m.E. eher, einfach auf einen AI Knopf zu drücken und ohne Check das zu übernehmen, was rauskommt.
-cb
 

Andreas_L

Mitglied
Hallo Holger,

bei deiner Violett-Aufnahme ist der Helligkeitsunterschied zwischen Wolken und Marsoberfläche deutlich geringer als bei meiner UV-Aufnahme. Deshalb musst du wahrscheinlich anders an die Bildüberlagerung ran gehen.

Jetzt bin ich unschlüssig. Was meint Ihr dazu. Macht es Sinn hier nur einzelne Bereiche des violetten / UV Bildes stärker einzuarbeiten ?
Könnte man natürlich, habe auch schon daran gedacht. Anderseits könnte man dann genauso gut das violette/UV Bild sein lassen und die Bearbeitung bereichsweise direkt im Hauptbild vornehmen. Ich habe dann für mich entschieden, eine bereichsweise Bearbeitung zu lassen, auch was den Planetenrand mit dem unschönen Ringeffekt betrifft. Dann lieber weniger schärfen.

Auch wenn dein Bild die ockerfarbene Marsoberfläche gut triff, fehlen etwas die Blauanteile. Selbst die Polkappe ist in einem Gelbton. Vielleicht hilft es, in diese Richtung zu bearbeiten, dann könnten auch die Wolken besser raus kommen.

Viele Grüße
Andreas
 

Pete_Finnigan

Mitglied
@holger: Im prinzip malst du - bzw. radierst - dann die Wolken und Dunstscichten in die Planetenscheibe; so hab ich das jetzt verstanden. Ich persönlich empfinde das als künstlerische Abwandlung. Wenn ich mir deine neuste Kombination anschaue, dann schaut diese zwar besser und schlüssig aus, aber ich weis ja das dies so nicht war. Das würde mich stören. Und bei Vergleich deiner Violettaufnahme mit der neusten Kombination, ist an der oberen Polkappe auch ein wenig an Landdarstellung verloren gegangen gegenüber der originalen Violettaufname.
Ich hätte die Wolken und Dunstbereiche mit dem Freihand-Markiertool aus dem Violett Original markiert, kopiert und ins IR-RGB an passender Stelle eingesetzt. Dann hättest du die Wolken und Dunstschichten aus dem Violettem in deinem IR-RGB ohne bei letzterm den Kontrast verloren zu haben UND es wäre alles direkt aus Orignalaufnahmen kombiniert.
 

komposer

Mitglied
Hallo Pete,
Ich hätte die Wolken und Dunstbereiche mit dem Freihand-Markiertool aus dem Violett Original markiert, kopiert und ins IR-RGB an passender Stelle eingesetzt. Dann hättest du die Wolken und Dunstschichten aus dem Violettem in deinem IR-RGB ohne bei letzterm den Kontrast verloren zu haben UND es wäre alles direkt aus Orignalaufnahmen kombiniert.
Da weiß ich nicht ob das mit fließendem Übergang geht. Übrigens stammt die Dunstschicht aus der Original Viloettaufnahme.
Das ist kein hineinmalen. Ich habe die Violett- und IR Aufnahme als Ebenen geöffnet.
Dann bei der oben liegende IR Datei einen Aplphakanal hinzugefügt. Jetzt kann man mit geringer Deckkraft und weichem Pinsel vorischtig die Dunstschicht der darunterliegenden Violett-Aufnahme in das IR Bild einarbeiten.

Bei der aktuellen Aufname in der Galerie habe ich das aber auch gelassen und nur 20% violett zu 80% IR kombiniert.

Gruß,
Holger
 

Cpt.Boiler

Mitglied
Hi,
sorry, sorry sorry, bitte nicht falsch interpretieren, in Formen gehts ja gerne mal hoch her... aaaaaaaber:

Man muss aufpassen, keinem Trugschluss aufzusitzen. Die RGB u/o UV IR Kanal Komposition ist mathematisch eine Addition, und die ist assoziativ und kommutativ, d.h. es macht fürs Endergebnis keinen Unterschied, auf welcher Ebene man etwas überlagert, ob man z.B. vorher bei den Kanälen ausgewählte Bereiche tw. zusammen führt oder erst ins fertige RGB was überlagert. (Zusätzlich Multiplikationen, Gamma-Korrekturen, Hue/Saturationen etc) machen alles i.d. Praxis natürlich nochmal undurchsichtiger, ändern aber am Grundprinzip nichts, sofern man sie entsprechent konsistent verwendet).

Unabhhängig davon ist der ominöse TS 47 m.E. ja, ähm, hier eher subotptimal (ich gehe mal davon aus, dsss er identisch mit dem Omegon #47 ist, gibt auch sonst gewisse Übereinstimmungen zwischen TS und Omegon Produkten). Wenn man dem TS 47 den IR Schwanz abschneiden will, mit einem IR-Cut, muss man aufpassen, denn IR-Cuts sind i.d.R. auch UV Cuts, d.h. da bleibt dann vom violett/nah-UV Band des TS 47 auch nicht mehr viel übrig. D.h. man hat Daten mit eher lausigem SNR, und sollte daher entsprechenden vorsichtig sein bei der Komposition, um nicht damit die anderen Daten besserer Qualität zu sehr zu korrumpieren..
-cb

edit: typos..
 
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