Mars und M42 (leider bei hellem Himmel)

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

aths

Aktives Mitglied
Nachts ist es kälter als draußen. Um durch ein vernünftiges Fernrohr gucken zu können, muss man entweder zur Sternwarte fahren, oder zunächst viel schleppen, mindestens eine halbe Stunde aufbauen, und darf beim Abbau schön kaltes Metall anfassen. Warum tut man sich das an?

Weil es sich lohnt.

Wo: Wismar
Wie: Diesige Luft, heller Himmel
Was: Mars, Orionnebel
Wann: Nacht vom 5. 11. 05 auf den 6. 11. 05.
Womit: Vixen 4" ED f/9, Baader 60° Bino mit 1,7x GK, 2x 25 mm LV, 2x 9 mm LV.

Vorgestern, als ich kurz von 20:00 Uhr noch einkaufen war, sah ich einen hellen hellorangen Punkt am Himmel – wird wohl der Mars sein. Später gehe ich vors Haus und sehe, dass der Mars von der Wiese vorm Haus aus zu sehen ist. Also baue ich das Teleskop auf und sage via ICQ einem Freund bescheid, der ganz in der Nähe wohnt. Während des Aufbaus kommen noch vier Jugendliche vorbei.

Das Fernrohr richtig aufzustellen dauert immer länger, als man denkt. Dann das Problem den großen Wagen zu finden, um von dort den Polarstern zu bestimmen. Es dauerte eine Weile, bis ich merkte, dass der noch im Aufgang befindliche große Wagen eben nur teilweise zu sehen war, weil umliegende Wohnblöcke viel verdecken. Ich holte noch fix den Feldstecher, die Montierung wurde ganz grob eingenorded (ohne im Polsucher den Polarstern einzustellen) und los gings.

Der Mars entpuppte sich bei 63x als kleines, bei 174x also größeres, eher gelbes Scheibchen. Man sah keine Polkappen. Rechts oben war ein längliches Dunkelgebiet zu erkennen. Insgesamt eher enttäuschend, vor zwei Jahren war mehr drin (rötliche Oberfläche, mindestens eine Polkappe, gräuliche Dunkelgebiete.) (Später stellte ich fest, dass der Mars tatsächlich keine Polkappen zeigte, und ein längliches Dunkelgebiet, das wir gesehen haben. Danke an Frank für den Tipp.)
Den Jugendlichen, die auch mal gucken durften, wurde es zu kalt. Einigen von ihnen drückte ich meinen Feldstecher (10x40) in die Hand, damit sie damit mal die Plejaden angucken. Die finde im Feldstecher sehr gut, während sie im Teleskop weniger beeindrucken. Einer hätte gerne den Mond gesehen, aber der war noch nicht aufgegangen.

Wie bei Planeten leider immer, bekomme ich das Bild im Bino leider nicht zur Deckung, andere haben damit kein Problem.

Wir beiden Verbliebenden guckten weiter zum Kriegsgott und diskutierten die Marsfarbe, die weniger rötlich war, als erwartet. Vielleicht hängt das vom Lichteinfallswinkel der Sonnenstrahlen ab? Der Mars steht ja fast in Opposition. Immerhin: Das Bildwabern nahm inzwischen ab, wahrscheinlich weil das Fernrohr inzwischen besser auskühlte. Was aber blieb waren leichte Farbsäume, auf der einen Seite grünlich oder bläulich, auf der anderen eher rötlich. Ist das Fernrohr etwa mit 174x schon überfordert? Wahrscheinlicher ist wohl, dass es an der Luft lag – der Mars stand über dem Wohnblock.

Wäre noch mehr zu sehen? Das Programm "Stellarium" zeigt: Orionnebel und Saturn. Dazu müsste man aber den Blick nach Süden frei haben, das Fernrohr müsste demnach woanders aufgebaut werden. Ich sage jemandem aus dem Studentenwohnheim bescheid, das in der Nähe ist, und wir fahren das Fernrohr, grob in seine Teile zerlegt, mit dem Auto dorthin. Denn dort gibt es einen kleinen Hügel, von dem man gute Sicht nach Süden hat.

Dort wurde das Teil also neu aufgebaut. Für den anderen, der uns auch Kaffee gekockt hat, noch mal der Mars. Die Farbsäume waren, wenn ich mich recht entsinne, fast weg. Sterne sind in jedem Fall ein Genuss: punktförmig, absolut klar, wie feinste Nadelstiche.

Dann weiter zu M42, dem Orionnebel. Bei 63x im Bino: Herrlich, obwohl der Himmel ziemlich hell war. Die feuchte Luft sorgte dafür, dass das Streulicht der Stadt ziemlich hoch reichte, so war der Saturn, der lt. Computer längst aufgegangen war, partout nicht zu sehen. Auf diesem Hügel hatte ich, als ich selbst noch im Studentenwohnheim wohnte, ja öfters beobachtet, und da waren einfach mehr Sterne zu sehen als dieses mal.

Den Orionnebel bekomme ich im Bino problemlos zur Deckung. Beidäugige Beobachtung ist ein echter Komfortgewinn. Kneife ich ein Auge zu, ist vom Nebel weniger zu sehen, als wenn ich entspannt mit beiden Auge gucke – durch indirektes Gucken lassen sich auch die "Schwingen" gut ausmachen. Ich wünsche mir, das Fernrohr dereinst an einem rabenschwarzen Nachthimmel an Deeksky-Objekten zu testen.

Meine beiden Freunde hatten mit dem Nebel etwas mehr Probleme, aber dafür braucht man auch Übung, um ihn bei so einem hellen Himmel in seiner Ausdehnung zu sehen. Beide bekamen es dann mit etwas Geduld auch hin, beiden fiel das kleine Stern-Trapez aus, welches im Nebel eingebettet ist.

Leider konnte ich den Karkoschka nicht finden, und wusste nicht, wo man jetzt nach h+x suchen müsste, ein Doppelsternhaufen der im Teleskop beeindruckt. Wahrscheinlich wäre es aber eh zu hell gewesen. Dem anderen gab ich noch mal den Feldstecher damit er sich wenigstens die Plejaden ansieht. Er wollte die ganze Zeit fotografieren (was mangels Kamera mit T2-Anschluss und mangels Nachführmotor allerdings unmöglich war), während der andere das Live-Erlebnis im Fernrohr bevorzugt.

Zuletzt – der Saturn wollte sich partout nicht zeigen – M42 noch mal ohne Bino bei 37x. Kleiner und etwas heller war er – vom Nebel sah man vor allem bei indirekter Betrachtung etwas mehr. Bei dunklerem Himmel müsste er bei 46x im Bino perfekt kommen.

Nur zwei Objekte an einem Abend: Ohne Karkoschka und bei dem schlechten Himmel war eben nicht mehr drin. Eins ist aber fakt: Ich muss mich um eine warme Unterhose kümmern. Der Winter naht mit seinen astronomischen Prachtstücken.
 
Interessanter Bericht, aths. Ich habe ebenfalls gestern abend den Mars aufs Korn genommen. Leider eiere ich immer noch mit einem 40mm-Spektiv und 45x Vergößerung herum, aber den dunklen Fleck habe ich auf dem 2mm-Scheibchen auch ausmachen können. Bei mir waren an dem Abend allerdings sehr gute Bedingungen.
Ich kanns echt nicht mehr erwarten, bis das Teleskop kommt!! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />
 
Ja, wenn das Wetter mitspielt, werde ich mindestens noch ein weiteres mal dem Mars auf die Pelle rücken. Normalerweise ist er ja so weit weg, dass man kaum Chancen hat, Details zu erkennen.
 
Mja.... heute abend ist bei uns richtig klarer Himmel... und ich muß um 6:30 Uhr raus! *heul* Ein halbes Stündchen werde ich gleich aber wenigstens noch in den Mond investieren.
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben