Mars war kaum zu erkennen - woran lag's?

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renga84

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Hey Leute,

ich habe nun zum zweiten Mal den Mars mit meinem 10" 1200/250mm Dobson beobachtet. Beim ersten Mal hatte ich ein 9mm Plössl benutzt und konnte trotz der eher geringeren Vergrößerung klare Strukturen erkennen. Auch die typische Farbe war sehr toll zu sehen. Da konnte ich es natürlich nicht abwarten mit der Vergrößerung etwas höher zu gehen.

Kurz darauf musste ich leider meinen OAZ austauschen lassen. In der Wartezeit habe ich mir dann ein Baader 6mm und ein Kokusai 4mm angeschafft.

Neuen OAZ wieder eingebaut, von Grund auf alles neu justiert. Gestern, bei meiner zweiten Beobachtungsnacht war der Mars wirklich sehr hell, im Okular auch heller als in der ersten Nacht. Ich habe aber leider kaum Strukturen erkennen können, auch nicht mit dem 9mm Plössl (was ja meine Referenz war), welches ich ja in der ersten Nacht benutzt hatte. Es war alles nur sehr hell, kein Kontrast, kaum Farbe. Auch mit dem verstellbaren Mondfilter wurde es kaum besser.

Alles war gut ausgekühlt, alle Spiegel zuvor richtig eingestellt, alles nach Anleitung. Sterntest war auch bestanden. Mir fiel diesmal auch auf, dass der Mars in vier Strahlen (oben, unten, links, rechts) lag. Ich denke aber, dass das auf Grund der Helligkeit normal war? Ist mir jedenfalls in der ersten Nacht nicht aufgefallen.

Ich weiß nicht wie das sein kann. Der Mars war wirklich heller als zuvor, müsste man da nicht mehr Details erkennen können? Okulare waren auch nicht zugeschmiert.

Kann mir da vielleicht jemand weiterhelfen?


Gruß
René
 
Hallo René,

die Helligkeit hat mit dem Seeing (der Luftunruhe) nichts zu tun. Manchmal kann man durch leichte Zirren sogar mehr erkennen, weil die Details nicht so überstrahlt werden.

Dass du bei dem 9mm nichts erkennst ist schon ungewöhnlich. Allerdings überstrahlen die Details mit geringerer Vergrößerung auch stärker. Vielleicht hast du den Mars auch nicht so hochstehend beobachtet wie zuvor? War es derselbe Standort?

Andere Probleme, die ich schonmal hatte, waren die Nachführhand ungünstig am Tubus (Beobachterseeing) sowie leicht tränende Augen bei ungemütlicher Witterung.

Ansonsten heißt es schlicht Geduld bewahren.

VG Klaus
 
Hallo Rene,

wie Klaus schon sagte, das braucht Geduld. Die 4 Strahlen kommen von den Fangspiegelstreben; das ist bei Newtons normal.
Vielleicht solltest Du Dir noch einen Neutralfilter (Graufilter) mit ND 0, 6 oder 0,9 anschaffen, im das Licht zu dämpfen.
Das habe ich bei einem 12´´ F5 Newton, den ich lange hatte, auch mit Erfolg so gemacht. Oder einen variablen Polarisations-
filter (Polfilter). Bei 133x (9mm Okular) ist der Mars auch noch sehr klein. Da wird sowieso nicht so sehr viel zu erkennen sein.
Bei 200x müsste es gehen, aber 250 mm sind schon viel, was das Licht angeht; oder 300x , das ist möglicherweise schon zuviel
Vergrößerung bei den derzeitigen Seeingverhältnissen (Ostwind mit Wolken dazwischen (Wolkenseeing)).
Es fehlt Dir m.M. nach ein Okular, das so um die 250x bringt (Normalvergrößerung bei 10`` Öffnung).
Noch was: Die Kontraste auf der Marsoberfläche sind bis auf die Polkappen (strahlend weiß; aber derzeit klein) recht gering
und man muss sich "einsehen". Das kann wirklich etwas Geduld erfordern. Achte mal drauf, ob Du das Seeinggewaber scharf sehen kannst. Dann bist Du sicher, im Fokus zu sein. In dem Gezappel des Planetenscheibchens muss man dann die ruhigen Momente abpassen, um was zu sehen.
Wenn Du ein gutes Planetariumprogramm auf dem Rechner hast (z.B. Stellarium), dann kannst die Dich darauf vorbereiten,
wo auf dem Marsscheibchen, die dunkleren Albedostrukturen zu sehen sein werden zu Deiner Beobachtungszeit.

Nicht aufgeben und viel Erfolg wünscht Michael
 
Hallo René,

tippe mal auf ein schlechtes seeing. In Mitteleruropa sind 4 von 5 Nächten eger mau und vllt 2 von 5 noch brauchbar. Vllt stand Mars auch noch zu tief am Horizint. Beste Beobachtungszeit zwischen 23 und 2 Uhr.

cs
Lothar
 
Hallöchen zusammen


Also der Beobachtungsort blieb gleich. Es war sehr wolkenfrei, dadurch war der Mars auch der leuchtstark. Gegen ca. 1:00 Uhr fing ich den Mars an zu beobachten. Aber vllt, wie ihr schon erwähnt habt, war das seeing einfach nur schlecht.

Ich meine mich aber zu erinnern, dass in der ersten Beobachtungsnacht schlechtere Bedingungen herrschten. Auch im Okular war da der Mars nicht so hell. In seiner schönen Farbe konnte man Strukturen erkennen.

Ich bleibe da aber dran, das tut meinem Interesse null Abbruch.

Gruß
René
 
Hallo Rene,
wie Klaus sagte, die Helligkeit hat mit der Luftunruhe nichts zu tun, tendenziell ist es sogar umgekehrt und manchmal sind mehr Details zu erkennen, wenn der Himmel von dünnen Wolkenschleiern überzogen ist oder gerade Schäfchenwolken aufziehen.
Das Seeing ist ja eine Folge der Turbulenzen und Vermischung unterschiedlich brechender Luftschichten (mit verschiedener Temperatur und Feuchte).

Ein weiterer Punkt ist, dass der Mars uns ja nicht immer die selbe Seite zeigt und daher manchmal weniger Strukturen sichtbar sind. Die Polkappe ist jetzt auch schon sehr klein geworden, also gut möglich, dass einfach wenig spektakuläre Features da waren.

Ich tu mir auch oft schwer mit dem zarten Kontrast der dunklen Strukturen. Und gutes Seeing ist immer die Ausnahme, damit müssen wir hier leben. Mir hilft übrigens ein sogenanntes "Apodisationsfilter" aus Fliegengitter zur Verbesserung des Kontrastes (nicht des Auflösungsvermögens, davon muss man etwas opfern), dessen Wirksamkeit aber kontrovers diskutiert wird. Also kein Wundermittel. Auch Filter sind keine falsche Idee, mit rötlichen Filtern sollten sich die dunklen Gebiete besser abzeichnen, vielleicht kann jemand etwas dazu berichten.

LG und CS, Nikolaus
 
Hey René,
Ich habe ebenfalls ein 10“ Dobson, und am Mars tue ich mich auch sehr schwer. Hatte erst 2-3 Beobachtungsnächte da Neukauf, und die erste Nacht konnte ich richtig schön Mond, Jupiter und Saturn beobachten. Bei Jupiter auch Details wie den GRF. Aber der Mars war nicht scharf zu stellen. Auch aspärische Dispersion schien die Beobachtung zu trüben. Gestern dasselbe, Beobachtung um ca 22.30 . Egal, wieviel mm das Okular hat. Ich werde es wohl auch noch ein paar Mal probieren, vielleicht wird es ja besser.

Gruß

Christian
 
Hallo Christian,

um die Zeit geht bei mir auch oft nicht so viel. Am höchsten Punkt geht es besser. Spiegel sollte vorher natürlich ausgekühlt sein.

VG Klaus
 
Hallo René,

mir fällt auf, dass die Probleme offenbar erst nach dem Umbau des Teleskops angefangen haben (Wechsel OAZ). Bist du wirklich sicher, dass du die Justage so bewerkstelligen konntest, wie es sein sollte? Nach einem Wechsel des OAZ muss sehr darauf geachtet werden, dass der FS wieder mittig unterhalb des OAZ zu liegen kommt und der OAZ nicht gekippt auf dem Tubus sitzt. Ansonsten wird es schwierig mit einer korrekten Justage. Nur so eine Idee meinerseits...;)

Wahrscheinlicher sind natürlich die Seeingeffekte, welche meine Vorredner bereits angesprochen haben. Gerade beim Mars macht sich das bei nicht ausreichender Horizonthöhe oft sehr negativ bemerkbar. Um welche Uhrzeit hast du denn jeweils beobachtet?

Viele Grüße
Werner
 
Hallo Klaus,

danke nochmal für den Hinweis mit der Höhe. Konnte leider nicht bis 1.00 Uhr wach bleiben, da ich heute morgen wieder arbeiten musste. Aber werde das definitiv mal ausprobieren, am höchsten Punkt zu beobachten. So langsam wird es vermutlich wichtiger, die Auskühlzeit zu beachten, selbst unterm ( zugemachten) Carport ist es ein paar Grad wärmer als draußen. Hab zwar Quarz aber das hilft mir beim Tubus Seeing ja nix^^
Gruß und CS

Christian
 
Ja, genau, ein richtig "verwaschenes" Bild wäre durch einen Spiegel zu erklären, der noch warm im Vergleich zur Umgebungstemperatur ist. Das Thema war im Sommer weniger auffällig, als jetzt, wenn die Nächte kalt sind und die Geräte oft aus warmen Gebäuden kommen.

Ob das der Grund ist, sieht man sehr gut, wenn man das Bild eines Planeten oder hellen Sterns so unscharf stellt (Richtung egal), dass eine große, helle Scheibe mit dem Schatten des Fangspiegels in der Mitte sichtbar wird. Falls du in dieser hellen Scheibe brodelnde Schlieren siehst, ist das warme Luft, die sich mit kalter mischt und das Bild ruiniert. 1-2 Stunden vor der Beobachtung ins Freie stellen hilft, auch ein Ventilator kann das Auskühlen etwas beschleunigen. Es ist interessant, die eigene warme Hand in den Strahlengang zu halten und die massiven Schlieren zu beobachten, die sie erzeugt. Daher auch Hände weg vom Tubusrand während der Beobachtung... und Luft anhalten ;)

LG Nikolaus
 
Hallo Nikolaus,

apropos Ventilator....das bringt auch etwas bei offenen Geräten während der Beobachtung in der Auskühlphase (die manchmal bei stetig fallenden Außentemperaturen recht lange dauern kann...). Hatte schon oft einen großen ca. 220V 30 cm Ventilator direkt seitlich gestellt und die Luft über den HS streichen lassen.

Ist interessant wie schlagartig das Bild bei eingeschaltetem Ventilator besser wird. Man kann sich das natürlich sparen, wenn man einen Beobachtungsplatz im Freien hat und dort fast immer eine leichte Luftströmung zu verspüren ist.

Viele Grüße
Werner
 
Hallo,

gestern war es an meinem Beobachtungsort windig, aber das Seeing war ziemlich gut. D.h. Mars ist zeitweise hin- und hergesprungen, aber war scharf. So gut habe ich Mars bisher noch nie gesehen (mit 12"+Binoansatz). Wie eine Murmel.

Viele Grüße
Mark
 
Hallo Rene,
ein Tipp noch:
Manchmal hilft auch ein Neutralfilter (ND 0,9 oder 1,8), um die Helligkeit zu dämpfen.
Gruß Michael
 
Hallo Rene,

zum seeing ist hier ausreichend gesagt worden. Da ich auch mit einem 10"er beobachte, kenne ich den Effekt des "hellen" Mars. Kontraste der Oberfläche werden schon mal von der Gesamthelligkeit der Planetenscheibe überstrahlt.
Da hilft der Einsatz von Farbfiltern: Wratten #21 (orange) oder #23a (rot) sind bei mir die Filter der Wahl. Wenn's um die Polkappen geht, werden die durch einen Blaufilter (z.B. #80a) hervorgehoben. Auch helle Wolkenstrukturen kommen damit gut heraus. In den letzten Wochen hatte der Mars oft ein Polhaube im Norden, die der Blaufilter gut im Kontrast verstärkte.

Noch was zum OAZ: Bist du sicher, dass du damit gut in den Focus kommst?

Viele Grüße
Uwe
 

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