Ueberschaer
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Hallo zusammen,
Samstag Abend löste sich langsam die Wolkendecke immer weiter auf. Um 7h treffe ich die Entscheidung, die Nacht astronomisch zu nutzen. Zur Astrofotografie habe ich nicht so die rechte Lust, und gelegentlich durchziehende Wolkenfetzen hätten bestimmt auch die Fotoausbeute geschmälert. Also steht für mich fest: Heute wird visuell beobachtet. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich inzwischen Mars häufiger fotografiert als beobachtet habe...
Ich suche meinen 110/2720-Kutter-Schiefspiegler raus, mit dem ich zum letzten Mal Jupiter und Saturn vor zwei Jahren beobachtet habe. Damals hatte ich noch keinen Sucher montiert, und entsprechend schwierig war auch das Aufsuchen - denn einfach irgendwo drüberpeilen ist bei einem Kutter nicht möglich... Und somit brauchte ich für schwierige Objekte wie halt Jupiter und Saturn bis zu zehn Minuten, bis ich den Planeten im Okular drinnen hatte. Dabei ist wohl auch etwas Frust aufgekommen, daher vielleicht die lange Nutzungspause. Inzwischen habe ich einen alten 60mm-Sucher von Meade drauf (sieht dem 60er-Sucher von Baader seeehr ähnlich...), und somit steht der Benutzung des Schiefs nix mehr im Weg.
Kurz nach Einbruch der Dunkelheit komme ich am Beobachtungsplatz an. Mein Kumpel Holger ist bereits da und baut sein Teleskop auf, nur meine Batterie als Spannungsquelle fehlt noch. Nachdem auch meine Ausrüstung aufgebaut ist, steht Mars bereits knapp über'm Horizont. Mit Hilfe der erleuchteten Fenster an einem entfernten Haus justierre ich den Sucher. Die Optik scheint gut zu sein... Dann rüber nach Mars - waber!
Also ist warten angesagt, bis Mars ein wenig höher kommt. Im Autoradio dudelt WDR2 mit einer Satiresendung zum Thema "Mars" - das paßt! Ein Auto kommt angefahren und schaltet kurz vorm Beobachtungsplatz das Licht aus. Aha, also scheinbar ein weiterer Sternfreund und kein Pärchen. Jörg will mal kurz vorbeischauen und wirft einen Blick durch meinen Kutter. "Das habe ich durch meinen 80er-Vixen (Refraktor) schon besser gesehen!" Ich schaue nochmals durch, und er könnte recht haben. Mars wabert noch immer vor sich hin, umgeben von einem hellen Hof. Mist - ist doch glatt der Fangspiegel mit Tau versifft! Das ist wahrscheinlich die Rache, weil ich das Gerät so selten benutze. Die Zwangspause nutze ich aus, um nochmals den Fangspiegel mit dem Laser zu justieren - oh weia, war das Teil dejustiert... Anschließend Deckel drauf und auf ein verdunsten des Taus hoffen.
Kurz nach Mitternacht - Holger und ich sind wieder alleine - beruhigt sich das Seeing, und es kann mit sauberer Optik losgehen. Holger fotografiert mit der Webcam an seinem Newton, während ich Mars immer mehr auf die Pelle rücke. Bei 162facher Vergrößerung steht das Bild noch sehr ruhig, bei einer höheren Vergrößerung geht die Waberei wieder los. Dann probiere ich verschiedene Farbfilter aus. Mit violett und blau wird die inzwischen sehr kleine Polkappe deutlicher hervorgehoben, wobei die Strukturen auf der Oberfläche eher kontrastärmer werden. Richtig interessant wird es mit Orange- und Rotfiltern. Der Orangefilter verbessert den Kontrast zwischen den Hell-/Dunkelgebieten recht ordentlich. Eine weitere Verbesserung bring der helle und vor allem der dunkle Rotfilter, wobei beide allerdings zu viel Licht schlucken, und das Bild entsprechend dunkel wird. Da ist wohl doch etwas mehr Öffnung als 110mm erforderlich. Daher erscheint für mich der Orangefilter als der optimale Filter für die visuelle Beobachtung. Ab halb eins zieht dann auf Mars eine große Wolkenfront auf, die sich mühsam vom Rheingraben aus hochkämpft und die Beobachtung beendet. Mit der musikalischen Begleitung von "Major Tom" bauen wir die Ausrüstung ab und beenden eine kurze aber erfolgreiche Beobachtungsnacht. Ich bin sehr positiv von der Leistungsfähigkeit meiner kleinen Optik überrascht, und seitdem steht für mich fest, daß ich den "Schief" in Zukunft nicht mehr so stiefmütterlich behandeln sollte.
clear skies,
Stefan
Samstag Abend löste sich langsam die Wolkendecke immer weiter auf. Um 7h treffe ich die Entscheidung, die Nacht astronomisch zu nutzen. Zur Astrofotografie habe ich nicht so die rechte Lust, und gelegentlich durchziehende Wolkenfetzen hätten bestimmt auch die Fotoausbeute geschmälert. Also steht für mich fest: Heute wird visuell beobachtet. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich inzwischen Mars häufiger fotografiert als beobachtet habe...
Ich suche meinen 110/2720-Kutter-Schiefspiegler raus, mit dem ich zum letzten Mal Jupiter und Saturn vor zwei Jahren beobachtet habe. Damals hatte ich noch keinen Sucher montiert, und entsprechend schwierig war auch das Aufsuchen - denn einfach irgendwo drüberpeilen ist bei einem Kutter nicht möglich... Und somit brauchte ich für schwierige Objekte wie halt Jupiter und Saturn bis zu zehn Minuten, bis ich den Planeten im Okular drinnen hatte. Dabei ist wohl auch etwas Frust aufgekommen, daher vielleicht die lange Nutzungspause. Inzwischen habe ich einen alten 60mm-Sucher von Meade drauf (sieht dem 60er-Sucher von Baader seeehr ähnlich...), und somit steht der Benutzung des Schiefs nix mehr im Weg.
Kurz nach Einbruch der Dunkelheit komme ich am Beobachtungsplatz an. Mein Kumpel Holger ist bereits da und baut sein Teleskop auf, nur meine Batterie als Spannungsquelle fehlt noch. Nachdem auch meine Ausrüstung aufgebaut ist, steht Mars bereits knapp über'm Horizont. Mit Hilfe der erleuchteten Fenster an einem entfernten Haus justierre ich den Sucher. Die Optik scheint gut zu sein... Dann rüber nach Mars - waber!
Also ist warten angesagt, bis Mars ein wenig höher kommt. Im Autoradio dudelt WDR2 mit einer Satiresendung zum Thema "Mars" - das paßt! Ein Auto kommt angefahren und schaltet kurz vorm Beobachtungsplatz das Licht aus. Aha, also scheinbar ein weiterer Sternfreund und kein Pärchen. Jörg will mal kurz vorbeischauen und wirft einen Blick durch meinen Kutter. "Das habe ich durch meinen 80er-Vixen (Refraktor) schon besser gesehen!" Ich schaue nochmals durch, und er könnte recht haben. Mars wabert noch immer vor sich hin, umgeben von einem hellen Hof. Mist - ist doch glatt der Fangspiegel mit Tau versifft! Das ist wahrscheinlich die Rache, weil ich das Gerät so selten benutze. Die Zwangspause nutze ich aus, um nochmals den Fangspiegel mit dem Laser zu justieren - oh weia, war das Teil dejustiert... Anschließend Deckel drauf und auf ein verdunsten des Taus hoffen.
Kurz nach Mitternacht - Holger und ich sind wieder alleine - beruhigt sich das Seeing, und es kann mit sauberer Optik losgehen. Holger fotografiert mit der Webcam an seinem Newton, während ich Mars immer mehr auf die Pelle rücke. Bei 162facher Vergrößerung steht das Bild noch sehr ruhig, bei einer höheren Vergrößerung geht die Waberei wieder los. Dann probiere ich verschiedene Farbfilter aus. Mit violett und blau wird die inzwischen sehr kleine Polkappe deutlicher hervorgehoben, wobei die Strukturen auf der Oberfläche eher kontrastärmer werden. Richtig interessant wird es mit Orange- und Rotfiltern. Der Orangefilter verbessert den Kontrast zwischen den Hell-/Dunkelgebieten recht ordentlich. Eine weitere Verbesserung bring der helle und vor allem der dunkle Rotfilter, wobei beide allerdings zu viel Licht schlucken, und das Bild entsprechend dunkel wird. Da ist wohl doch etwas mehr Öffnung als 110mm erforderlich. Daher erscheint für mich der Orangefilter als der optimale Filter für die visuelle Beobachtung. Ab halb eins zieht dann auf Mars eine große Wolkenfront auf, die sich mühsam vom Rheingraben aus hochkämpft und die Beobachtung beendet. Mit der musikalischen Begleitung von "Major Tom" bauen wir die Ausrüstung ab und beenden eine kurze aber erfolgreiche Beobachtungsnacht. Ich bin sehr positiv von der Leistungsfähigkeit meiner kleinen Optik überrascht, und seitdem steht für mich fest, daß ich den "Schief" in Zukunft nicht mehr so stiefmütterlich behandeln sollte.
clear skies,
Stefan