maximal mögliches Sehfeld?

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Robert_Lorch

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Hallo,
habe zwei generelle Fragen zum Sehfeld von Ferngläsern:
1) maximal mögliches Sehfeld
was ist das mathematisch maximal mögliche Sehfeld
auf 1000 Meter bei Achtfacher Vergrösserung?
Bisher habe ich in der Realität 143m bei 8x32 als
Maximum gesehen.
2) Bei den 8x42-Gläsern ist das Sehfeld meist
geringer als bei den entsprechenden 8x32-Gläsern
Gibt es dafür eine konstruktionsbedingte Begründung?
hätte eher das Gegenteil vermutet....

Viele Gruesse
Robert
 
Es gibt für Fernrohre Okulare, die 90° scheinbares GF haben. Von mehr habe ich noch nichts gehört. Bei 8x wären das 11,2° wahres GF oder 199m / 1000m. Wahrscheinich benötigt man größere Prismen, als wir es gewohnt sind, 2 Zoll eben.
 
Hallo Robert,

Leitz hatte mal ein 8x40 Trinovid mit 175m/1000m. Dazu hatten die ein spezielles Spiegel/Prismen System entwickelt, das wesentlich kompakter war als die herkoemmlichen Prismen. Leider hat sich diese Technik nicht durchgesetzt.

Wie Uwe schon sagte, ist die Groesse der Prismen oft der begrenzende Faktor. Oft verwendet man Baureihen mit identischen Gehaeusen/Prismen, und da, bei identischem Sehfeld, ein 8x42 eigentlich groessere Prismen braeuchte als ein 8x30, ist man dann gezwungen, beim 8x42 das Sehfeld einzuschraenken.

Viele Gruesse,
Holger

P.S. Mein 8x30 Nikon E2 hat 8.8 Grad Sehfeld, das sind
immerhin ueber 150m/1000m
 
1) maximal mögliches Sehfeld
was ist das mathematisch maximal mögliche Sehfeld
auf 1000 Meter bei Achtfacher Vergrösserung?
Bisher habe ich in der Realität 143m bei 8x32 als
Maximum gesehen.

Hallo Robert,

mathematisch? Keine Ahnung. Praktisch? Schau Dir doch mal die alten Schätze aus Jena an: das U-Boot Glas 8x60 mit 160m/1000m Sehfeld oder das Deltarem mit sagenhaften 198m/1000m. Neben der Prismengröße (wie man es gut am Deltarem sehen kann) steigt sicher auch der Aufwand für die Konstruktion guter Okulare, wenn sie nicht nur einen total unscharfen Randbereich und auffällige Farbsäume in Richtung Rand produzieren sollen. Wer soll heute noch diesen Aufwand treiben, bezahlen und zum Schluß entsprechende Ferngläser verkaufen können? Wenn Du ein solches Fernglas nutzen möchtest, dann solltest Du Dich bei ebay auf die Lauer legen. Es kommt selten vor, aber hin und wieder taucht mal ein Deltarem oder Deltar in einer Auktion auf und i.d.R. geht es nicht unter 1000 Euro über den virtuellen Ladentisch. Einen interessanten Aufsatz von Horst Köhler zu einem extremen Weitwinkelokular findest Du hier und die Schnittzeichnung hier. Für ein normales Fernglas dürften solche Okulare wahrscheinlich wegen ihrer Größe weniger geeignet sein.


2) Bei den 8x42-Gläsern ist das Sehfeld meist
geringer als bei den entsprechenden 8x32-Gläsern
Gibt es dafür eine konstruktionsbedingte Begründung?
hätte eher das Gegenteil vermutet....

Die Öffnungsverhältnisse der Objektive liegen bei Ferngläsern meist im Bereich von ca. 1:4 bis 1:5. Objektive mit 42mm Öffnung haben i.d.R. eine längere Brennweite als Objektive mit 32mm Öffnung. Will man ein 8x42 mit dem selben Sehfeld wie ein sehr gutes 8x32 ausstatten (z.B. 150m/1000m), dann braucht man (bei gleicher Vergrößerung) eine längere Okularbrennweite und dementsprechend Okulare mit einer größeren Sehfeldblende. Sollen die Okulare für ein so großes Sehfeld ausreichend gut korrigiert sein und vielleicht sogar mit einer für Brillenträger ausreichend groß bemessenen AP-Schnittweite ausgestattet werden, dann wachsen die Dimensionen des Okulars weiter und irgendwo gibt es wohl eine Grenze, wo der Aufwand an Optik und Mechanik einfach zu groß wird. Dazu kommt natürlich noch, dass das Prismensystem ausreichend dimensioniert sein muß, um das große Sehfeld möglichst ohne auffällige Vignettierung auszuleuchten. Das alles würde bei einem 8x42 mit deutlich größerem Sehfeld als 150m/1000m zu einem größeren Gehäuse führen und irgendwann kauft es keiner mehr, weil es zu schwer und zu unhandlich wird. Alternativ könnte man schnellere Öffnungsverhältnisse als 1:4 verwenden, dann könnte man Okulare mit kürzerer Brennweite verbauen. Aber wie beim Teleskop steigen auch hier die Anforderungen an ein Okular mit schnellerem Öffnungsverhältnis des Objektivs. Außerdem kann man das Öffnungsverhältnis nicht zu extrem auslegen, denn zwischen Objektiv und Okular muß ja noch das Prismensystem passen. Also sucht man am Ende einen Kompromiss und der schließt eine Größe des Sehfeldes ein, womit sich das Fernglas verkaufen und nutzen läßt. Die oben genannten, alten Zeiss Gläser sind sicher was besonderes, aber für den breiten Verkauf sind sie weniger geeignet.

Frank.
 
Hallo Frank,

erstaunlich, was Du da ausgegraben hast! Vor einiger Zeit hatte ich mich in dieser Rubrik über das Gesichtsfelder heutiger Gläser mokiert. Ich selber habe ein altes 7x35 Porro von Celestron mit einem Gesichtsfeld von 11° (193m/1000m). Aber sowas gibt es inzwischen kaum noch zu kaufen, allenfalls noch von Miyauchi und Kronos wie Holger und Ralf seinerzeit berichteten.

Ziemlich komisch finde ich auch, dass man anscheinend amerikanische Uebersetzungen bemühen muss, um diese bemerkenswerten aber verborgenen optischen Leistungen von Zeiss/Jena auszugraben.

Wenn ich sehe, was mittlerweile auch in diesem Forum als Grossfeldbinokular gilt, kann ich eigentlich nur mit dem Kopf schütteln.

Mit freundlichen Gruessen,
Peter
 
Maximal mögliches Sehfeld: wozu?

Vor einiger Zeit hatte ich mich in dieser Rubrik über das Gesichtsfelder heutiger Gläser mokiert.

Wenn ich mir die Specs heutiger 7x oder 8x Gläser anschaue, bin ich immer wieder verblüfft, was für mickrige Gesichtfelder die im Vergleich zu meinem alten Porro haben und dazu gehören insbesondere auch die sehr teuren Dachkantgläser von Leica und Zeiss ...

Hallo Peter,

früher war ich auch mal ein Freund der richtig großen Sehfelder, inzwischen sehe ich das etwas differenzierter. Neben einem japanischen 7x35 (vielleicht mit Deinem Celestron vergleichbar?) hatte ich auch ein Kronos 6x30, ein Minolta Standard 7x35 EW und aus der selben Reihe das 8x40 EW. Ferngläser mit scheinbaren Sehfeldern von deutlich mehr als 70 Grad sind schon beeindruckend, aber im Vergleich mit modernen Ferngläsern (das müssen gar nicht mal die teuren "Edelmarken" sein) fallen die genannten Modelle in allen wichtigen Punkten (außer dem Sehfeld) deutlich zurück. Mein altes, japanisches 7x35 hatte Prismen aus BK-7, nicht die beste Vergütung und damit verbunden hatte es Probleme mit Streulicht, eine recht auffällige Vignettierung im Randbereich und es fehlte dem Bild einfach am Kontrast. Die Minolta Gläser hatten schon eine MC-Vergütung und Prismen aus BaK-4, der Kontrast war deutlich besser, dafür hatten sie einen recht auffälligen Farbstich am Tag und der knappe AP-Abstand trug nicht gerade zu einem bequemen Einblickverhalten bei. Das Kronos 6x30 war gemessen am Preis gar nicht mal übel. Allerdings zeigte es eine so deutliche Vignettierung, dass der Randbereich samt Sehfeldbegrenzung am Nachthimmel schlicht nicht mehr zu erkennen war.

Ferngläser mit so großen Sehfeldern bereiten den Konstrukteuren erhebliche Probleme und wenn die optische Leistung insgesamt deutlich hinter dem Sehfeld zurück bleibt, dann frage ich mich heute, wo der Sinn eines solchen Fernglases liegt. Für Himmelsbeobachtungen ist ein großes Sehfeld natürlich eine feine Sache, aber das Sehfeld ist nur ein Punkt von vielen. Transmission und Kontrast, eine sehr gute Schärfe im Zentrum und eine akzeptable Unschärfe im Randbereich sind für mich genauso wichtig wie eine sorgfältige Unterdrückung von Streulicht und ein vernünftiges Einblickverhalten. Das alles bei einem sehr großen Sehfeld unter einen Hut zu bringen ist vermutlich nicht einfach und billig wird es erst recht nicht. Ein 8x40 mit 165m/1000m Sehfeld ohne große Schwächen bei der optischen Leistung, dabei noch einigermaßen kompakt, nicht zu schwer und mit Okularen für Brillenträger ausgestattet würde ich sofort kaufen, wenn es ein bezahlbares Exemplar zu kaufen gäbe. Da es sowas nicht gibt, schraube mich meine Anforderungen ans Sehfeld lieber etwas zurück und schaue, dass ich ein Fernglas bekomme, welches mich in den übrigen Disziplinen nicht im Stich läßt. Das kann ein Docter 8x42 B/CF, ein Zeiss 8x40 Conquest, ein Nikon 8x40 Action EX oder ein ordentlich justiertes Minolta 8x40 aus der Activa Serie sein. In der Summe der für mich wichtigen Eigenschaften sind diese Ferngläser deutlich besser als die oben genannten (natürlich älteren) Ferngläser mit beinahe extremen Weitwinkelokularen. Ein großes Sehfeld allein ist nicht der Weisheit letzter Schluß ...

So beeindruckend die optischen Leistungen aus Jena auch sind, das Deltarem oder das 8x60 waren Spezialgläser für einen besonderen Zweck. Weitwinkelgläser wurden seinerzeit nicht für Sterngucker, Jäger oder Ornithologen entwickelt sondern fürs Militär. Auf See oder bei der Flugabwehr war ein möglichst großes Sehfeld wichtig, um bewegte Objekte oder Objekte aus der Bewegung sicher und rechtzeitig erfassen zu können. Wenn die Soldaten früher feindliche Flugzeuge mit einem 8x40 mit vielleicht 40 oder 50 Grad scheinbarem Sehfeld ausmachen mußten, dann war das Deltarem vermutlich eine riesiger Sprung nach vorn. Die Randschärfe war dabei weniger wichtig. Heute stellen private Nutzer andere Anforderungen an ihre Ferngläser und ob ein modernes Deltarem den nötigen Absatz finden würde, das wage ich zu bezweifeln. Das heißt aber nicht, dass ich ein gebrauchtes Deltarem für 50 oder 100 Euro ausschlagen würde. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />

Viele Grüße, Frank.
 
Re: Maximal mögliches Sehfeld: wozu?

Hallo Frank,

vielen Dank fuer diese realistische Einschaetzung. Ein weiterer Punkt ist wohl auch das hohe Gewicht von solchen Glaesern, das sie jedenfalls fuer das allgemeine Publikum unattraktiv macht.

Was mich noch interessieren wuerde: wo hast Du denn diese interessanten Literaturquellen entdeckt und gibt's noch mehr davon? Stammt vermutlich vom amerikanischen Militaer. Muss die wohl ganz schoen beeindruckt haben ...

Mit freundlichen Gruessen,
Peter
 
Re: Maximal mögliches Sehfeld: wozu?

Was mich noch interessieren wuerde: wo hast Du denn diese interessanten Literaturquellen entdeckt und gibt's noch mehr davon?

Hallo Peter,

The history of the telescope & the binocular. Der Link ist doch hier im Forum allgemein bekannt. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> Falls Du Dich auch für Zeiss interessierst, dann gibt es hier eine schöne Seite zur Geschichte der Firma. Tolle Bücher gibt es natürlich auch, meist aber nur noch gebraucht oder neu und ziemlich teuer. Zum Beispiel:

- Carl Zeiss, die Geschichte eines Unternehmens, 3 Bände (nicht so teuer)
- Handbuch zur Geschichte der Optik (sehr teuer)

und natürlich von Hans Seeger:

- Feldstecher - Ferngläser im Wandel der Zeit, 1. Auflage 1989
- Militärische Ferngläser und Fernrohre in Heer, Luftwaffe und Marine.

Man müßte sich mal die Zeit nehmen und eine Recherche nach Beiträgen in alten deutschen Fachzeitschriften aus dem Bereich Optik starten. Mit Namen wie Moritz von Rohr, Horst Köhler, Albert König und August Sonnefeld sollte sich doch einiges finden lassen ...

Viele Grüße, Frank.
 
Re: Maximal mögliches Sehfeld: wozu?

Hallo Frank,

besten Dank für die Literaturquellen ...!

Vermutlich sind dort die Antworten auf viele der hier gestellten Fragen zu finden. Also schau'n wir mal ...

Mit freundlichen Grüssen,
Peter
 
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