Meade UWA 4,7 Serie 5000 - erster Eindruck

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Laborratte

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Hallo allerseits,

ich konnte just ein 4,7mm Meade UWA Okular aus der relativ neuen 500er-Serie günstig erstehen und möchte hier mal eine paar Eindrücke beschreiben.

Vorgeschichte
Für Beobachtungen im 'Grenzbereich' suchte ich kürzlich ein Okular im Bereich 5mm Brennweite. Dies sollte sowohl für Planetenbeobachtungen taugen, aber auch im Dobson für DS herhalten können (Mein Fuhrpark besteht z.Zt aus ETX 90, ED 80/600, Newton 150/750, MK67 (150/1800) und 'nem 10" Dobson f/5). Unter Einbeziehung optisch-theoretischer Aspekte und praktisch-finanzieller Begrenzungen tendierte ich Richtung Hyperion 5mm oder Burgess 5mm. Natürlich hatte ich mich auch durch Netzwerk-Recherche über die preislich höher angesiedelten Teile (Nagler, Pentax, Tak...) in diesem Brennweitenbereich informiert, wobei ich feststellen musste, dass es zum 'neuen' Meade UWA bisher kaum Erfahrungsberichte gibt.
Da wurde letzte Woche ein 4,7er UWA von privat angeboten, und nach kurzer Verhandlung habe ich dann zugeschlagen. Um dem aktuellen Informationsdefizit mal etwas abzuhelfen, möchte ich meine Meinung zu dem Teil öffentlich zugänglich machen; vielleicht hilft es anderen Sternfreunden in ähnlicher Situation bei ihrer Entscheidung.

visueller/haptischer Eindruck
Zunächst war ich überrascht, wie groß das Okular ist, ich hatte es kleiner erwartet. Ich besitze das UWA 6,7mm der 4000er Serie, welches dagegen fast zierlich erscheint. Die 5000er Serie verfügt über eine durch Drehen in der Höhe verstellbare Augenauflage; diese Augenauflage ist eine recht voluminöse Hülse und umgibt den eigentlichen Okulartubus wie ein halbierter, entkernter Apfel ; der Okularkörper des 4,7er dürfte ähnliche Dimensionen haben wie das 6,7er Okular der 4000er Serie.
Diese Augenauflage dient dadurch gleichzeitig als sehr griffige Anfass-Hilfe und hat im Bedarfsfall vielleicht sogar stoßmildernde Wirkung (ich habe mir aber einen Falltest verkniffen...). Wenn man die Hülse hochschraubt, kommt auf der dann offenliegenden Zylinderfläche eine Gleitcreme zum Vorschein – was natürlich gerade bei Gast-Beobachtern zu Fett an den Fingern (und von da aus nach überall) führen kann.
Das Fett unter der Augenhülse stört mich aber im praktischen Gebrauch nicht wirklich, da ich die Augenauflage sowieso in der untersten Position lasse, dies ist aber natürlich sehr subjektiv – ich bin halt ein Fossil, brauche keine Augenauflage und halte auch elektrische Fensterheber im Auto für Schnickschnack und so nötig wie akustische Aschenbecherfüllstandsmelder. (Um Fett-Unfällen vorzubeugen, werde ich dasselbe bei nächster Gelegenheit entfernen – hat jemand einen Tip dafür, wie man das Zeug wegbekommt, ohne die Optik/Vergütung zu gefährden?)
Ich finde das Design recht gelungen und die Haptik gegenüber einem 'normalen' Okular sogar besser – man kann es im Dunkeln sogar am Gefühl erkennen. (Vielleicht sollte Meade die Augenauflage besser als gefühlsechte Erkennungmöglichkeit bewerben...)

praktischer Eindruck
Das Auge isst bekanntlich mit, wie der Gourmet sagt, aber ein Okular ist primär zum Durchsehen da, nicht zum Ansehen. Seltsamerweise wurde es gestern Abend zeitweise noch so ne Art von klar (neues Equipment induziert ja normalerweise venusische Atmosphäre mit neuen Niederschlagsrekorden), und ich konnte durch grössere Wolkenlücken Jupiter und Saturn angucken ('beobachten' will ich das mal nicht nennen...). Seeing gabs reichlich, ausserdem leben wir ja z.Zt in der twilight-zone, weiterhin stand kein Vergleichsokular gleicher Brennweite zur Verfügung. In Anbetracht dieser Umstände habe ich nur schnell den 'Himmelsbeobachter' 80/600 aufgebaut und ein paar Blicke auf die Gasriesen geworfen.
Das Bild vom Jupiter (V=128, AP=0,6mm) war zwar nicht besonders ruhig, im Vergleich zum Edmund RKE 8mm war keine Verfärbung feststellbar, auch am Rand des angenehm großen Gesichtsfeldes (Literaturwert 82°) war keine Verzeichnung zu sehen, dafür aber in ruhigeren Momenten in den Bändern auf Jupi einige Unregelmässigkeiten (neudeutsch Strukturen) zu erkennen. Einblick sehr angenehm, keine Spur von Nierenbohnen-Effekten, tolerant gegenüber Kopfbewegungen, das gesamte Gesichtsfeld ist auch mit Brille einsehbar und ohne dass man zu dicht an die Linse heran muss (gefühlter Augenabstand 10mm, Literaturwert 14mm). Reflexe habe ich nicht festgestellt, manchmal hatte ich den Eindruck eines ganz leichten hellen Saums um die Planetenscheibe (wobei ich mich frage, ob ich den auch wargenommen hätte, wenn ich diesen Bericht nicht gelesen hätte...).
Am Saturn war die Cassini-Teilung in den Henkeln sowie der Ringschatten auf dem Planeten deutlich zu erkennen, trotz der mäßigen Sichtbedingungen bot sich ein schönes Bild (wobei der Saturn in den letzten Wochen irgenwie kleiner geworden ist – na ja, so'n Planet ist halt auch nur ein Mensch...).
Ein Schärfeverlust zum Gesichtsfeld-Rand hin war mit dem f/7.5-Refraktor nicht feststellbar. Diesbezüglich muss das Okular an den F/5 Geräten mal zeigen, was es kann, aber dafür muss ich auch warten, bis es Nachts mal wieder dunkel wird...

(vorläufiges) Fazit
Ich bin von dem Okular sehr angetan, es ist nach meiner Einschätzung keine Gurke und ermöglicht entspanntes Beobachten bei hoher Vergrösserung mit qualitativ gutem Bild. Für mich persönlich bietet der Blick durch ein extremes Weitwinkel-Okular immer eine besonders ästhetische Ansicht, dieses Mehr an 'Eindruck' vermag in meinem Wertesystem auch kleinere Schwächen zu kompensieren, aber das darf und muss jeder selber beurteilen und diese Bewertung kann einem kein 'Testbericht' und kein Messprotokoll abnehmen. Sicherlich gibt es in allen Einzeldisziplinen bessere Okulare, aber in der Summe der Eigenschaften muss mein neues Baby erstmal geschlagen werden (das Speers Zoom 5-8 wäre vielleicht ein Kandidat dafür, kenne ich zwar nicht persönlich, ist aber von den Eckwerten und dem Preis vergleichbar, andererseits wieder ein ziemlicher Trumm...)
Wie bereits erwähnt, wird es noch interessant, das Okular in einer dunklen Nacht mit einem schnellen Teleskop an Deep-Sky Objekten auszuloten, dafür muss ich aber wohl noch ein paar Monate warten, dann erfolgt evtl. ein Update...

Ich hoffe, das war für einen Kurztbericht nicht zu ab- und ausschweifend...

Gruß
Martin
 
Guten Abend Martin

Danke für Deinen ausführlichen Bericht, bin schon auf Dein evtl. (hoffe doch) noch folgendes update bezüglich schnelleren Teleskop.
Möge der Wettergott doch nun entlich mit uns armen Erdenbügern erbramen zeigen und es nun Sommer werden lassen...

Peter
 
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