Mein Eindruck vom Fernglas TS 15x70

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas Rudi
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Rudi

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Hallo Sternenfreunde

Seit einigen Tagen bin ich im Besitz von diesem Binokular. Seitdem konnte ich es 4mal nachts ausprobieren, ein erfahrener Spechtelfreund, der immerhin ein 20x77er Miyauchi hat, habe ich zwecks Beurteilung hinzugezogen.

Ich dachte erst, ohne Stativ läßt sich das gar nicht richtig benutzen, aber es läßt sich (mit Einschränkung) durchaus auch freihändig verwenden. Mit 1,3kg ist es nicht viel schwerer als mein Revue 7x50, das auch fast'n Kilo wiegt und es liegt sehr gut in der Hand. Die 'Zitterpartie' war kaum schlimmer als mit dem 7x50er, klar ist, besser man stützt sich wo ab, ideal auf Dauer sehr empfehlendswert ist natürlich ein Stativ. Aber selbst freihändig konnte ich die Saturnringe erkennen. Die Schärfe ist im mittleren Bereich des Gesichtsfeldes (bis ca.50°) wirklich gut, zum Rand hin läßt sie beim genauen Hinsehen merklich nach, doch auch ganz am Rand sind die Sterne noch recht ansehnlich. Mit seinen 18mm Augenabstand konnte ich sogar mit Brille das große Gesichtsfeld von 66° überblicken, Günther schaffte das nicht, da seine Brille größer ist und nicht so eng anliegt als meine. Ich empfehle aber sowieso die Gummiaugenmuscheln vorzuklappen und ohne Brille (und ohne seitliches Streulicht) zu beobachten. Der Dioptrienausgleich am rechten Okular empfand Günther etwas knapp, er konnte mit seinen Wert von fast -3dpt das knapp nicht mehr ausgleichen. Das große Gesichtsfeld von 4,4° Grad ist wirklich ein Genuß. Als ich dann wieder das 7x50er nahm, merkte ich erst, welchen Tunnelblick das kleine hat.

Ein paar besondere Eindrücke:
Sehr schön ist M101, die Spiralradgalaxie zu sehen, selbst bei nur 15facher Vergrößerung deutlich als Scheibe erkennbar, mit ein paar helleren Stellen im Halo, diesen konnte ich sogar wegen der geringen Flächenhelligkeit im 10 Zöller bei 45fach nicht besser sehen. M51 auch deutlich als flächiges Objekt mit zwei Kernen. Ansonsten ist ein Fernglas eher was für Sternhaufen, die gibt es eigentlich immer zur Genüge. Die Kette von M35 bis M38 ist immer lohnend. Am meisten hat mich M44 beeindruckt mit dem strahlend hellen Jupiter mit seinen Monden knapp daneben, das sah richtig Klasse aus. Der Coma-Sternhaufen paßt gerade noch so ins Gesichtsfeld, auch sehr schöner Anblick mit den vielen locker gestreuten hellen und schwachen Sternchen. Gerade in der Gegend, nahm ich noch die Galaxien M99, M100, M84, M86, M60 und ein paar andere mit. Sie zeigen sich als sehr kleine nebelige Objekte mit hellerem Kern, mal rund, mal oval bis schmal. Wobei die Form in der geringen Vergrößerung nicht ganz einfach zu erkennen ist. Ein paar Kugelsternhaufen suchte ich dann noch: M3, M5 und M13. Diese sind im Fernglas sehr helle Objekte, auflösen kann man sie natürlich nicht, aber auch mal ganz sehenswert, wie so ein kleines Bällchen inmitten unzähliger Sternen schwebt. Diesen Eindruck hat man im Teleskop so nicht.


Letztendlich muß ich sagen, daß ich begeistert bin von dem Gerät. Der Preis von unter 130 Euros ist für ein Fernglas dieser Größe auch ganz okay. Günther mit seinem 20x77 Miyauchi meinte, daß die Abbildung in seinem nur wenig aber merkbar besser ist, es zeigt aber auch am Rand etwas unscharfe Sterne. Wir hatten die beiden Gläser aber nicht direkt nebeneinander gestellt. Klar, der 45° Schrägeinblick beim Miyauchi macht die Beobachtung des Nachthimmels viel angenehmer und wer viel und länger mit einem solchen Fernglas beobachtet, kann sich eine solche Anschaffung überlegen, leider kostet sowas auch 7-8mal soviel. Ich jedenfalls freue mich auf die Sommermilchstraße, hier gibt es für jedes Fernglas viele schöne Dinge zu entdecken, für die ein Teleskop nicht so gut geeignet ist

Viele Grüße
Rudi
 
Hallo Rudi!

Schöner Bericht, danke dafür!

Was mich aber immer wieder wundert, ist die Tatsache, was ihr alle so selbst mit einem Fernglas sehen könnt. Bei mir in der Großstadt geht da gar nichts, M101 oder M51 habe ich schon zig-mal vergeblich gesucht (obwohl ich genau weiß, wo ich suchen muss). Es scheint, als wäre ein guter Standort mehr wert als jedes Teleskop.

Gruß-
Peter
 
Hallo,

ein dunkler Standort ist unbezahlbar.
Nehm´ Dir einfach mal einen Abend Zeit und fahre ein paar Kilometer raus.

In der Stadt "siehst" Du die Objekte auch, aber sie werden vom
Streulicht einfach überdeckt.

Ein Fernglas mit kleiner Austrittspupille wäre hier vielleicht
noch die einzig sinnvolle Lösung, da der Hintergrund abgeschwächt wird und zumindest helle Objekte besser zu sehen sind.
Ein 15 x 50 oder 20 x 60 dürfte hier die beste Wahl sein.

Doch wenn Du unter dunklem Himmel mal durch ein 11 x 80 schaust, wirst Du sofort auf´s Land umziehen wollen ;-)

Wobei, mich stört ja schon die eine Straßenlaterne gegenüber ;-)


Viele Grüße
Dirk

mohlitz@t-online.de

www.beobachterforum.de

http://www.fh-jena.de/contrib/fb/et/stud/sebastiansauer/meister.htm
 
Hallo,

Ich hatte ganz vergessen, meine Beobachtungsbedingungen anzugeben. Die Grenzhelligkeit war in der Tat um die 6mag. Ich wohne hier auf dem Land, wenn es einigermaßen klar ist, wird dies zumindest in Zenitnähe meist auch erreicht. Wär's anders gewesen, wären diese Beobachtungen nicht möglich gewesen. Aber bei diesen guten Bedingungen waren M101 und M51 auffällige Objekte im Fernglas, zumal sie jetzt günstig im Zenit stehen (weniger günstig für's Genick).

Gruß Rudi
 
Re: 11x80 und Kind

He Mohlitz - Glückwunsch zum Kind- da dürften ja die ruhigen Nächte in Zukunft gezählt sein.

Aber zum Fernglas: 11x80 ist auch für mich das einzig sinnvolle Großglas, die Großgläser mit Pupille
<7 sind zwar bei schlechtem Himmel besser aber man sieht da dann halt doch nix damit: kein M33,
keine Scheibe von Andromeda, kein Rosettenebel usw. - da kann man dann gleich ein gutes
10x50 nehmen.

Oder? (hast ja selbst genug gehabt)
 
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