Mein erster Jupiter und viel Glück

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Der_Andre

Aktives Mitglied
Donnerstag, 24.07.08, 22:15 – 23:15

Hallo miteinander!
Das ist mein erster BB in diesem Forum, bisher hatte ich irgendwie nicht den nötigen Ansporn zum schreiben. Für gewöhnlich schreibe ich keine Texte, sondern fertige mir tabellenartige Einträge mit Stichwörtern und Zeichnungen an um meine Beobachtungen in Erinnerung zu behalten. Aber nach der gestrigen Beobachtung juckt es mir einfach in den Fingern und der Ansporn ist auch auf einmal irgendwie da :) .

Na gut, zugegeben, eine Stunde beobachten ist nun wirklich nicht lange, aber für mich persönlich hatte diese Stunde einige Highlights. Folgende Objekte wurden beobachtet:

- Jupiter
- ISS

Beobachtet wurde mit einem 8“ Dobson f/6

Ich versuche euch dann mal zu vermitteln, was mich so umgehauen hat ;) . Also,Jupiter…er ist vielleicht ein sehr einladendes Objekt (vor allem für Anfänger wie mich), aber dass er immer so tief stehen muss, und dann auch noch im Süden. Schon klar, Ekliptik halt ;) , aber warum muss es ausgerechnet Süden sein? Zur Erklärung: Zur Südseite hin habe ich so gut wie keine Möglichkeit vernünftig zu beobachten, dort sammeln sich nervigen Faktoren, die einem einen Beobachtungsabend echt vermiesen können. Zuerst einmal wäre da unser Haus, welches volle Breitseite im Weg steht und somit die Sicht gen Süden bis zu einer Höhe von ca. 30° versperrt, dann die nächst gelegene Kleinstadt inklusive Lichtkegel sowie einen Nadelwald. All diese Dinge machen es ziemlich schwer tiefstehende Objekte im Süden zu sichten. Die einzige Möglichkeit Jupiter bisher zu beobachten war der Blick durchs Fenster. Ich habe Jupiter also noch nie wirklich beobachten können und war tierisch aufgeregt, denn einen Planeten sieht man ja schließlich nicht alle Tage zum ersten Mal ;) .

Für gestern Abend habe ich dann aber vorausgeplant, damit ja nichts schiefgeht. Am Mittwoch habe ich durch Zufall bemerkt, dass ich Jupiter durch eine Lücke zwischen unserem und dem Nachbarhaus für etwa eine ¾ -Stunde sehen kann. Leider hatte ich Mittwoch keine Zeit, also habe ich schon mal auf einen klaren Himmel am Donnerstagabend gehofft. Und voilà, das Wetter spielte mit!

Der Dobson stand gegen 21:00 schon bereit und um viertel nach zehn ging‘s dann los. Also gleich auf Jupiter geschwenkt, erstmal das 32mm Plössl zur besseren Übersicht rein (und um mich auf mehr Vergrößerung zu freuen) und … WOW! Jupiter mir allen 4 galiläischen Monden und für die Höhe relativ scharf. Obwohl es die minimale Vergrößerung war hat es mir die Sprache verschlagen. Selbst so konnte ich schon 2 dunkle Wolkenbänder auf Jupi erkennen. Wie gesagt, Jupiter habe ich vorher noch nie beobachtet. Es war dieser Aha- Effekt, wie er auch bei meiner ersten Saturn-Sichtung vorkam. Ich habe erstmal eine gefühlte Ewigkeit einfach nur auf den Gasriesen gestarrt.

Dann hab ich mich über das 12mm Plössl und mein Speers Waler Zoom (8mm) weiter an die maximal machbare Vergrößerung getastet. Doch hey! Was sehe ich da? Einer der Monde war verdächtig nahe am Planeten. Sofort wurde das Himmelsjahr aus dem Beobachtungskoffer gekramt und ... tatsächlich! Nach den Angaben aus dem Himmelsjahr sollte um 22:31 eine Bedeckung von Io stattfinden. Ich war von den Socken. Zum ersten Mal Jupiter im Okular und dann durch Zufall auch gleich noch ein Ereignis mit einem der Monde miterleben! Tja, dann hab ich es mir bei angenehmer Temperatur mit ein paar Keksen gemütlich gemacht und Io beim Verschwinden hinter Jupiter zugeschaut. Ein irrer Anblick! Anschließend hatte ich Zeit Jupiters Wolkenbänder in Ruhe zu betrachten. Gesehen habe ich zwei sehr auffällige dunkle Wolkenbänder in Äquatornähe. Nach einiger Zeit habe ich auf der „oberen“ Hälfte ( das müsste dann ja die Südhalbkugel sein, kann man das so sagen?) in der Nähe des „Südpols“ einen sehr schwachen, aber etwas dunkleren Wolkenstreifen gesehen. Ansonsten waren dem Planeten keine weiteren Details zu entlocken.

Das war soweit alles zu Jupiter. Als ich mich dann kurz in meinen Beobachtungsstuhl zurücklehnte sprang mir sofort ein heller, sich schnell bewegender Lichtpunkt ins Auge. "AH! … stimmt, du wolltest doch noch die ISS beobachten!" Beim beobachten von Jupiter habe ich wohl irgendwie die Zeit vergessen und nicht mehr an den Überflug gedacht. Das war dann so gegen 22:36. Schnell nochmal das 32mm Plössl eingesetzt und versucht der ISS zu folgen. Zu Beginn war’s problematisch. Mit dem Dobson wollte ich eigentlich nur Jupiter beobachten und deshalb war der Sucher nicht sehr genau justiert. Aber dann hatte ich die ISS im Okular. Auch hier wieder eine Premiere für mich. Die Raumstation habe ich zuvor immer nur mit bloßem Auge beobachtet. Der vermeintliche Lichtpunkt nahm zumindest eine kleine Unförmigkeit an. Wieder war ich begeistert :) .

Leider musste ich danach abbrechen. Nächsten morgen musste ich früh raus, außerdem zogen ein paar Wolken auf.

Für viele ist’s sicherlich nichts besonderes was ich hier beschreibe, aber dieser Abend hatte so viele schöne Momente, dass ich einfach Lust hatte sie auch mal in etwas ausführlicherer Form festzuhalten. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel zu nur zwei Objekten schreiben kann. :biggrin:

Das war es soweit von mir. Ich würde mich über eure Meinung zu meinem BB freuen. Es fällt mir schwer einzuschätzen ob mein erster Bericht einigermaßen gelungen ist.

Jetzt sitze ich wieder an der gleichen Stelle im Garten wie gestern, habe mein Laptop in der Hand und schreibe gerade diesen BB, mein Teleskop steht erneut bereit und ich warte auf die ¾ -Stunde, in der Jupiter hinter der Häuserwand hervor lugt...

Gruß und CS
Andre
 
Hi Andre,

auch ich komme gerade rein von einer Jupiterbeobachtung. Gerade hat IO + Schatten Jupiter verlassen. Das war sehr schön im 8"Dobson bei 171x und 240x zu beobachten. Wie sich der Mond langsam auf der Westseite von Jupiter heraus machte. Auch der Schatten war deutlich als schwarzer runder Punkt zu erkennen.
Habe das ganz parallel auch im 72mm Megrez verfolgt bei 106x. Die Bänder waren schön strukturiert zu erkennen und auch der IO erschien kurz nach zehn wieder, nur den Schatten konnte ich nicht erkennen, was weohl an der zu geringen Vergrößerung und an der wackeligen EQ1 lag.

Gruß

Lots
 
Ja, der Bericht hat mir auch gut gefallen!

Jupiter hat mich neulich auch begeistert, die Gelegenheiten sind jalt einfach zviel zu selten...

Gruß
Tim
 
Hallo Andre,
der Bericht hat mir auch gefallen, auch ich bin erst in deinem Stadium (sogar noch ohne Dobson), habe neulich auch die ISS sehen können.
Gruß,
Doro (alias Hermine).
 
Hallo Andre,

ein schöner Bericht einer "ersten" Beobachtung. Solche Eindrücke halten eine Weile an, und vor allem - diese Erlebnisse spornen einen irgendwie für weitere Einsätze so richtig an.
Ich muss nach einer erfolgreichen Session auch immer erstmal die gesammelten Eindrücke verarbeiten (ich beobachte hauptsächlich Planeten). Oftmals kann ich dann im Bett erstmal gar nicht richtig einschlafen, weil das Gesehene einfach so Unglaublich war. Trotz aller astrofotografischer Möglichkeiten, die es heute gibt, wie Webcams etc., mit denen einfach sagenhafte Aufnahmen möglich sind - eine visuelle Beobachtung ist in meinen Augen nicht zu ersetzen.

Wenn Jupiter irgendwann mal wieder höher steht, und Du dann schon mehrmals diesen Planeten gesehen hast, wirst Du merken, dass Du noch mehr Details siehst, sozusagen - Übung macht den Meister.

Also behalte Deinen Spass an der Astronomie und viel Glück für weitere Beobachtungen.

Clear skies,
 
Hi,

danke erstmal an alle für das große und vor allem positive Feedback. Ich bin normalerweise kein großer Schreiber, deswegen freut es mich umso mehr, dass euch mein Bericht gefallen hat. :)

Ich muss nach einer erfolgreichen Session auch immer erstmal die gesammelten Eindrücke verarbeiten (ich beobachte hauptsächlich Planeten). Oftmals kann ich dann im Bett erstmal gar nicht richtig einschlafen, weil das Gesehene einfach so Unglaublich war.

@ Patric: Jo, da stimme ich dir voll und ganz zu. Nach einer erfolgreiche Beobachtung, am besten noch mit komplett neuen Eindrücken, lässt's sich ganz schlecht schlafen. Ich kann mich noch gut dran erinnern, wie ich zum ersten mal im Februar NGC 2392 (Eksimonebel) gesehen habe. Das war auch etwas, was einen ziemlich starken Eindruck hinterlasse hat.

Gruß und CS
Andre
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben