mein erster Jupiter

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Anette_Aslan

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Liebe Sterndlgemeinde,

Seit Wochen hielt ein über Mitteleuropa rotierender Sahastaubwirbel die Wolkensuppe fest und sorgte reichlich für Kondensationskerne, das äußerte sich in Hochnebel mit ausfallendem Niederschlag, mikrofein, durchmischt mit Mineralstaub, der sich überall als gelbliche Brühe absetzte, nicht zuletzt meine Bronchien nervte und so quälte ich mich keuchend bis heute Morgen durch diese fürchterlichste Zeit des Jahres.
Schon gestern Abend klarte der Himmel auf und bei nur 4mag kam mir das Firmament wie eine Erlösung vor, der Dreck zog endgültig ab und tief durchatmend holte ich vorsichtshalber mal den 10ner Dob raus, der Wind war zu heftig für den 16ner Gitterrohr, der wackelt da wie ein Krähennest eines Dreimasters, einem großen Volltubus hingegen kann der nichts anhaben, das erwies sich als praktisch.

Leider erwies sich der 17 Tage alte Mond, der grad gegen 20:30h tief im SW aufging als nicht sehr vorteilhaft Deepsky zu geniessen, ein Versuch am Andromedanebel hoch im Zenit erwies sich als Kamikazeakt, ich bekam ihn nicht rein, so schwierig ist das, einen Dob im Zenit auf Position zu bringen.

So genoß ich die Plejaden, den noch milchigen M42 im steil aufsteigenden Orion und lud mich nach schrecklicher Abstinenz mit Sternenlicht auf, deckte danach den Dobson ab, um einen Versuch an Jupiter in den frühen Morgenstunden zu wagen.

Gegen 5h hatten wir den ersten Frost mit minus 1,5 Grad, ich hüpfte in den Skieanzug, den eigens zu diesem Zweck angeschafften Astro-Moonboots, Marke Kick zu 4 Euro die Ausschußware und ab nach Draussen, den Dob abgedeckt und mit dem 42mm Weitwinkel in zwei Zoll sofort den Planeten, nahe Regulus hoch im SW angepeilt.
Da ich zunächst bei dieser kleinen Vergrößerung von knapp 30x nur zwei Monde, den einen dabei recht schummerig ausmachen konnte, dachte ich, der Dob sei dejustiert. Ich probierte dann bei hundertfacher Vergrößerung und sah, dass zwei Mondchen sehr dicht beieinanderstanden, solch eine Konstellation hatte ich noch nie geshen. Die Wolkenbänder zeigten sich aber nicht sonderlich kontrastreich, da der Mond rechts zu dicht neben dem Planeten stand.
Ich genoß noch einen Spaziergang auf dem Trabanten und dachte so darüber nach, dass ohne Jupiter unser gesamtes Sonnensystem zusammenklappen würde und unsere Erde mindestens genauso angeschlagen aussehen würde wie der Mond. Nicht umsonst stelle er bei den alten Griechen den Göttervater Zeus dar, dem Chef des gesamten Panteons, der für Ordnung sorgt. Wie konnten diese genau das nur ahnen? Die Griechen stellten sich vor, dass die Planeten kleine Halbschalen wären, die an Kristallschalen befestigt seien und brennende Fackeln enthalten. Manche Menschen glauben heute im 21. Jarhundert, dass das der Polarstern sei ...im Ernst, hab ich schon erlebt, als ich aus einer nächtlichen Versammlung kam und die herausströmende Menschenschar von jemanden auf den nächtlichen Jupiter damals aufmerksam gemacht wurde, dann riefen einige: oh, da der Polarstern!!!!!!!!!! Die hätten das mit den Schalen auch abgekauft.

Nun ziehen wieder Cirren auf, es war nur ein kurzer Blick durchs schnell mal geöffnete Himmelsfenster, aber beglückend.

Liebe saharastaubfreie Grüsse von Anette
 
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