Mein erster Mars 2010 im 6"-Refraktor

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Lotz

Aktives Mitglied
Hallo Planetenfreunde,

Am Sonntag konnte ich in einer 3-stündigen Wolkenlücke endlich mal -bei durchschnittlichem seeing -
Mars als LRGB mit der ALccd5 am 6" f/8-Refraktor aufnehmen.

Hier ein Bild, entstanden bei einer Äquivalentbrennweite von f=6000mm. Erstaunlich, wie klein
die 14" des Marsscheibchens trotz 6m Brennweite doch bleiben:

Link zur Grafik: http://astronomie.n-t-l.de/galerypages/dce90900.jpg


Um das Resultat etwas "bequemer" anschaubar zu machen, habe ich hier noch mit 2-fach-Superresolution gestackt,
das LRGB ausgearbeitet und am Ende auf 75% resized:

Link zur Grafik: http://astronomie.n-t-l.de/galerypages/dcf2c2c0.jpg

Auf meiner Planetenseite
findet Ihr in der JMarsrubrik den mit Link zum meiner detaillierten 2010er Marsoppositionsseite.

Kritik und Hinweise sind wie immer erwünscht.


Viele Grüße,


Markus


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Markus A. R. Langlotz
Dr.-Bruno-Sahliger-Str. 8
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Die Astroseite: www.N-T-L.de
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Die Mailadresse: ntl.observatory at freenet.de
 
Hallo Markus,

Du folgst ja als offensichtlicher Autor des aktuellen Artikels über Planetenfotografie im Interstellarum mit Deiner Brennweitenwahl sehr konsequent den dort von Dir entwickelten Erkenntnissen. So nehme ich an, dass Du Deinen für 6“ - wie ich finde – recht ordentlichen Mars mit Belichtungszeiten länger als 1/10 s aufgenommen hast.

Zur Frage der Belichtungszeiten und der damit verbundenen, seeingbedingten Bewegungsunschärfe haben wir gerade eine Diskussion in einem parallel laufenden Thread.

Dort hatte ich mich aus gegebenem Anlass bereits kritisch – wenn auch zunächst etwas unspezifisch – zu Deinem Artikel geäußert. Da Du Dich nun hier selbst mit Deinem Mars gemeldet hast, will ich die Gelegenheit wahrnehmen, Dir einige wenige Punkte zu nennen, die mir an Deinem Artikel kritikwürdig erscheinen:

(1) Eine strenge Begrenzung der Übertragungsbandbreite, auf die Du in Verbindung mit dem Shannon-Kriterium hinweist, ist bei der Abtastung von teleskopischen Bildern an der Auflösungsgrenze des Teleskops – im Gegensatz zu der von Dir zitierten Abtastung von Audiosignalen – nicht erforderlich, weil es hier gar keine feineren als die Beugungsstrukturen selbst abzubilden gibt.

(2) Die Demonstration der Anisotropie bei der Abbildung von Linienrastern halte ich im Zusammenhang mit der Verarbeitung von unruhigen Bildern für unangebracht. Die Stackprogramme zentrieren ja gerade nicht auf das Abtastraster, sondern auf die Bildinhalte. Anderenfalls würden sie ja das Raster selbst hervorheben. Das Raster verschwindet aber beim Stacken und hat somit keine Bedeutung.

(3) Du erwähnst an keiner Stelle die Bedeutung des Bildschirmrasters für die Erkennbarkeit von Bilddetails und in diesem Zusammenhang die Möglichkeiten der datentechnischen Nachvergrößerung, die zumindest einen Teil der optischen Nachvergrößerung mittels Barlow-Linse entbehrlich macht.

(4) Eine Kamera-Ankopplung bei f/D = 6,6*p/µm halte ich für etwas abwegig und praxisfremd allein im Hinblick auf die Tatsache, dass ich meine am höchsten aufgelösten Mond- und Planetenbilder mit Pixelweiten von 8,3 µm bzw. 7,4 µm bei f/20 gewonnen habe – siehe [1], [2] und [3] – d.h. also bei f/D = (2,4 ... 2,7)*p/µm. Meine wenigen Versuche mit Barlowlinse bei f/40 sind wegen der damit verbundenen schwachen Lichtverhältnisse kläglich am Kamerarauschen gescheitert.

Ich weiß nicht, ob das hier der richtige Platz ist, über einen Zeitschriftenartikel zu diskutieren. Andererseits geht es ja genau um das Thema, welches die Besucher dieses Forums nicht zuletzt im Hinblick auf die Verbesserung der eigenen Bilder besonders interessieren dürfte.

Gruß, Jan
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Jan,

danke für Dein sehr ausführliches feedback an dieser Stelle.

Hierzu einige Anmerkungen zu Deinen Fragen:

Belichtungszeiten waren - aufgrund der hohen Flächenhelligkeiten des Mars - lediglich bei 38 (L) bzw 55 msec (R;G;B). Bei Jupiter komm ich an die 100ms ran.

Nit f/40 liege ich für meine Kamera noch 20% zu hoch, eine passenderes Projetiv (3x Televue) ist im Beschaffungsstatus.

An der Analyse meiner eigenen Aufnahmen hatte ich immer die Resultate, daß Details, die mit f/40 in den Bildern waren, mit f/20 nicht da waren und auch durch drizzling oder Superresolution nicht aus den kürzerbrennweitigen Aufnahmen zu erzeugen waren.

Zur Bandbreitenbegrenzung: eine solche fordere ich ja auch nicht, aber den durch die Beugung der Optik begrenzten Bandbreiteninmhalt sollte man mit etwas Abstand "oversamplen".

Die Anisotropie der Auflösung ist definitiv ein Thema, welches durch Stacking nicht beseitigt werden kann. Die Linienstruktur soll natürlich nicht das Abtastraster simulieren, sondern eine abzubildende Struktur. Die aus geometr. Gründen vorhandene Reduzierung der Kontrastübertragung und Auflösung des Sensors bei unterschiedlich ausgerichteten Strukturen denke ich, aknn durch diese Testaufnahmen sehr schön gezeigt werden.

Beim Auflösungsgewinn durch statistisches sampling und hochdrizzling ist das ja so eine Sache: bei perfektem seeing sollte eine Struktur auch immer auf die selben Pixel abgebildet werden -> kein Benefit durch drizzling. Wird sie stochastisch auf mehrere Pixel dispergiert, kann man lediglich die Verschmierung durch das seeing in gewissen Maßen wieder auskorrigieren. Was andres wäre, wenn man bei extrem ruhigen Seeing das Teleskop bewußt ganz langsam ein regelmäßiges "Viereck" abscannen läßt, um den Planeten bewußt im Bildschirm - göleichverteilt auf alle Richtungen - im Bild zu verschieben. Ob das mal nen Versuch wert wäre?


Viele Grüße

Markus



 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Markus,

danke für die aufklärenden Bemerkungen. - Den letzten Gedanken finde ich interessant. Ich hatte solch eine Art kreisförmige Verschiebung schon mal von Hand vorgenommen, um bei der Aufnahme eines Tischtennisballs in der Wohnung anstelle eines Planeten am Himmel die Luftunruhe zu simulieren - sonst zentriert nämlich das Stackprogramm tatsächlich auf das Pixelraster! Die Aktion sollte eigentlich dazu beitragen, diesen ominösen Geisterbildern bei der DMK nachzugehen, hat aber am Ende nicht funktioniert ...

Ich wünsche Dir weiterhin viel Spass mit den langen Brennweiten ... ;)

Gruß, Jan
 
Hallo Jan,

wie Du siehst, auch bei der ALccd5 hab ich solche Geisterbilder. Hab auch noch nicht rausgefunden woher.

Ich werde mir mal ein systematisches Testsetup überlegen, um das rauszufinden.

Gruß

Markus

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Hallo,

wenn Du meine Marsbilder ansiehst, zeigt sich rechts unterhalb des Planeten eine Art Ringsegment. Das ist nicht vom Schärfen, ist nämlich in den Summenbildern auch vorhanden.

Sogar in Torsten Hansens genialen Marsbildern der letzten zeit ist das ansatzweise erkennbar. Scheint also auch die DMK zu betreffen.
Ich denke, das kommt vom Filterrad, werd da aber noch meßtechnisch nachgehn.

Gruß

Markus

 
Hi,

einerseits bin ich dann ja beruhigt, wenn es nur ein Beugungseffekt ist.
Was mich allerdings wundert, daß ich den Effekt erst sehe, seit ich mit der S/W-Kamera und dem Filterrad arbeite.

Leider hab ich ferstgestellt, daß ich zusätzlich zu den LRGB Filtern im Wheel auf der Kamera noch zusätzlich den IR/UB Block draufhatte - völlig unnötig, hatte ich übersehen.

Viele Grüße

Markus


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