Mein erstes Mal

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lonewolf

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Das erste Mal ist doch immer was Besonderes! Im Vorfeld steigt die Aufregung, zumindest wenn es nicht spontan ist, sondern sich dezent anbahnt. Und kurz vorher kommt Nervosität hinzu, schließlich will man keinen Fehler machen. Fragen schwirren durch den Kopf, während man die letzten Vorbereitungen trifft: Wie wird es sich wohl hinterher anfühlen? Ist man ekstatisch oder ernüchtert? Ist es so aufregend wie alle sagen oder verliert es nach dem ersten Mal etwas von seinem Zauber? Werde ich alles richtig machen?

Ja, ich fühlte mich vor dem ersten Blick durch das Teleskop etwas an ein früheres erstes Mal erinnert. Aber dieses erste Mal, war besser als das andere ?
Seit einigen Wochen lese ich alles, was mir unter die Finger kommt und annähernd was mit Astronomie zu tun hat. Ausschlaggebend war ein Heft von „Sterne und Weltraum“, das ich neulich in die Finger bekam. Darin: Werbung für Teleskope. Schon immer faszinierte mich der Weltraum. Als Kind stellte ich mir zum Einschlafen oft vor, wie ich durch Raum und Zeit schwebte und auf dem Licht reitete, Sterne, Planeten und andere fremde Welten entdeckte. Gerne beobachtete ich auf Jugendfreizeiten abends die Sterne und bahnte mit der Begleitung das andere erste Mal an ? Heute lese ich mit Vergnügen Artikel auf Spektrum.de und bin fasziniert davon, wie verrückt unser Universum doch ist. Doch auf die Idee durch ein Teleskop zu schauen, darauf bin ich nie gekommen.

Nun, im Alter von 30 Jahren und nach einer Werbeanzeige in einem Printmedium, machte es Pling! Eine kurze Online-Recherche ergab, dass selbst gute Teleskope günstiger sind als ich dachte. Der kleine Funke wurde zu einem kleinen Feuer, das mit jedem Wort, jeder Zeile, jedem Text und jedem eurer faszinierenden Berichte größer wurde. Ich begann, mich in die Teleskopbauarten einzulesen, studierte Fachbegriffe und arbeitete mich immer tiefer in die Materie ein, mit dem Ziel eure vielen Beiträge irgendwann halbwegs verstehen zu können.
So langsam erschloss sich mir dieses Feld. Gleichzeitig wuchs aber auch die Erkenntnis, dass mein Budget derzeit keine solche Anschaffung hergibt. Das gerade erworbene Eigenheim frisst mehr Geld als geplant. Das schmälerte zwar meine Begeisterung ein wenig, nicht jedoch meine Wissbegier und so las ich oft bis nach 0 Uhr über Teleskope, Montierungen und Okulare.

Dann vor drei Wochen bei einem Familientreffen kam meine Freundin quer über das Gesicht grinsend an und kündigte mir eine Überraschung an. Ihr Vater hat sein Teleskop mitgenommen und wir könnten es hier im Harz direkt ausprobieren – stimmt ja, der hat ja ein Teleskop! GENIAL! So gleich bat ich ihn, sein Schmuckstück aufzubauen und mir alles zu erzählen – nun viel wusste er nicht, nicht mal wie viel Öffnung oder Brennweite es hat. Nur die Erklärung der Handhabung war aufschlussreich für mich. Aber sei’s drum! Er bot mir an, das Bresser 130/650 Spica auf einer EQ3 mit nach Hause zu nehmen und für einige Wochen auszuprobieren. Am selben Abend wollten wir die Party nicht für die Sterne verlassen, sodass der erste Blick noch etwas warten musste. Die Vorfreude auf das erste Mal war nun kaum aushaltbar.

Da es ja „leider“ Sommer ist, war eine Beobachtung während der Arbeitswoche nicht sinnvoll, sodass ich auf das folgende Wochenende setzte. Leider war dies wolkenverhangen und ich wollte die Vorfreude nicht durch eine enttäuschende Beobachtung durch Wolken mindern. Am folgenden Samstag war dann ideales Wetter. Einer Erkältung trotzend, stellte ich das Teleskop um 22:30 Uhr auf der Terrasse in einer nord-/mitteldeutschen Ortschaft (je nach Perspektive) nahe Minden auf, justierte es und nordete so gut es ging ein. Das Wetter war ideal: tagsüber war es zwar warm, aber es kühlte bereits ab 18 Uhr merklich ab, sodass das Seeing nicht schlecht sein sollte. Venus zeigte sich bereits hellstrahlend über dem Horizont. So wagte ich einen Blick auf Venus. Großartig! Auch wenn mich die Planetenbeobachtung weniger reizt als die DS-Beobachtung, so ist es doch faszinierend unsere Begleiter im Sonnensystem mit eigenen Augen zu sehen.

Ich wartete noch einige Zeit bis ich mich auf die Suche nach einigen Doppelsternen machen wollte. Nun unterliefen mir aber die befürchteten Anfängerfehler. Die Stellarium-App benannte meine Ziele anders als meine handschriftlich angefertigten Vorbereitungen, was gepaart mit meiner Aufregung zu einer Fehlinterpretation der Lage der zwei Doppelsterne führte. Ergo blieben mir die Doppelsterne heute Nacht verborgen. Ich schob es anfänglich auf die wirklich billig wirkenden Okulare (20mm & 4mm sowie Barlow x3), mein Fehler fiel mir aber beim späteren Abbau auf. Beim nächsten Mal werde ich sorgfältiger navigieren.

Inzwischen war es gut 0 Uhr und der Himmel dunkel (unerfahren wie ich bin, wage ich keine Einschätzung nach Bortle, laut LPM liegt ein Wert von 21,24 SQM vor). Die Fledermäuse rauschten ihre stillen Runden über meinem Kopf und die Spitzmäuse wuselten in den Büschen im Garten. Meine Freundin, die früh zu Bett gegangen ist, hat mir Tee vorbereitet und mich mit einem Körnerkissen ausgestattet. Beides gestaltete mir diese sommerliche Nacht behaglich warm. Ich genoss die klare Nachtluft, die stille Nachbarschaft und das Spektakel am Himmel. Nun wollte ich mich dem Kugelsternhaufen M3 widmen, der schon in meiner Planung das Highlight war. Die Position schien einfach aufzufinden zu sein und die Tatsache hunderttausenden Sternen auf einmal beim Funkeln zuzusehen, die dazu in 32.000 Lichtjahren Entfernung in unserer Milchstraße sitzen, übte einen ganz besonderen Reiz aus.
So suchte ich und fand schnell. Ein gräulicher Fleck mit einigen wage aufgelösten, einzelnen Punkten vor dunkelgrauem Hintergrund. Mir stockte etwas der Atem! Ich konnte mich von diesem Anblick kaum losreißen. Ich klebte am 20mm Okular, versuchte mit den Händen die zwei Straßenlaternen in einiger Entfernung vollständig auszublenden, ohne die wackelige Montierung zu berühren.

Mein erstes DSO! Wie hat es hier neulich ein anderes Forummitglied formuliert? „Besser als Sex“ – naja, zumindest besser als mein anderes erstes Mal ?
Das Bresser ist zwar nicht besonders lichtstark, dennoch war der Anblick bewegend für mich!

Ein letztes Ziel hatte ich mir noch ausgesucht. Die Spiralgalaxie M106. Mit ihren 8,3mag wäre sie wohl zu dunkel, vermutete ich schon bei der Planung. So habe ich es auch nicht geschafft sie zu entdecken. Ob es an der Optik oder an meiner einsetzenden Müdigkeit lag, könnt ihr vermutlich besser bewerten.

Gegen 0:45 baute ich alles wieder ab, setze mich aufs Sofa und ließ die gerade gewonnen Eindrücke bei einem Mitternachtssnack auf mich wirken. Mein erstes Mal war verdammt aufregend und hat viel Spaß gemacht. Etwas doof habe ich mich anfänglich schon angestellt, aber ich lerne aus meinen Fehlern, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Und verliert es nach dem ersten Mal an Reiz? Bisher auf jeden Fall nicht!

Mein nächstes Hobby steht jedenfalls fest! Jetzt muss nur ein eigenes Teleskop her.

Viele Grüße
Lukas
 
Und verliert es nach dem ersten Mal an Reiz?
Da mach Dir mal keine Sorgen :sneaky: - es gibt zu viel zu entdecken. Das Bresser Spica ist schon mal ein Anfang, um Erfahrung zu sammeln. Für ein eigenes Teleskop würde ich noch ein wenig sparen, wenn es das Budget noch nicht hergibt. Etwas, das fest steht und (gerade für deep sky) ab 8" Öffnung aufwärts hat, wäre schon prima. Vielleicht können die Astrokollegen aus Minden helfen? www.sternwarte-minden.de In wie weit die für weitere Amateure offen sind weiß ich nicht, aber die, im Bau befindliche, STernwarte könnte ein Anlaufpunkt werden.

Schöner Bericht! Der Funke hat wirklich gezündet:y:
Uwe
 
Hallo Uwe,

Vielen Dank für den Hinweis mit der Sternwarte in Minden! Das ist großartig!
Ich konnte bisher nur die Warten im Hannover und Bielefeld recherchieren, die aber mit 45-60min Fahrtzeit ein gutes Stückchen weiter entfernt sind.

Viele Grüße
Lukas
 
Hallo Lukas, genauso geht das . Einmal Feuer fangen mit einem "normalen" Gerät und dann dranbleiben. Ich finde es wichtig, das Erlebnis zu teilen, am besten mit erfahrenen Astrofreunden, z.B. in einer Volkssternwarte. Das tolle eigene Fernrohr ist am Anfang nicht so wichtig, wichtig ist aber herauszufinden, welches Fernrohr zu dir passt. Der oben schon angesprochene 8-Zöller kann super sein. Meiner steht nur noch in der Ecke, weil er einfach zu schwer und zu unhandlich ist. Hätte ich eine Dachterrasse oder großen dunklen Garten, wäre das bestimmt anders. Heute habe ich einen 100mm Refraktor und bin sehr glücklich damit, weil ich ihn wirklich benutze. Welches Fernrohr für dich ideal ist, kannst du in jedem Astroverein/Volkssternwarte herausfinden. Erst dann solltest du über eine Anschaffung nachdenken und dabei dein Budget gleich verdoppeln, denn Okulare, Filter, Adapter und ähnliches Beiwerk kosten mehr als man denkt.
Viel Erfolg bei deinem Start und CS Harald
 
Kann alles genauestens nachempfinden lieber Lukas, vor allem die Aufregung und Neugierde, die man wegen anderer Verpflichtungen erstmal ausbremsen muss. Dass man einen Kugelsternhaufen findet und zunächst erstmal nur als Matschfleck mit Griesel am Rande erfährt, kann einem unerfahrenen Gucker sehr glücklich machen, denn das Finden ist schon eine Aufregung wert, wie beim Angeln ... man rührt ja doch in tiefen Weiten da herum und dann findet man das begehrte Objekt, da kann es aussehen will es will anfänglich.
Ich bin von den ganz großen Eimern auch runter, weil sie zu unhandlich sind, wenn auch erlebnisstark, doch mit einem handlicheren Teleskop beobachtet man einfach öfter, wenn man sein Equiptment immer wieder ab- und aufbauen muss. Auf so einer Sternwarte unter Sternfreunden wirst Du da einige gute Tipps und Ausprobiermöglichkeiten bekommen. Ich wünsche Dir Dein spezielles Teleskop!!!!
Bin gespannt auf mehr Berichte von Dir, man erlebt das Erstemal wieder mit ... sehr schön!!
LG von Anette
 
Hallo Anette,

schön mal wieder von Dir lesen, ich hatte das Gefühl, dass Du Dich etwas rar gemacht hattest in letzter Zeit. Ich habe Dein Abenteuer mit dem Mak verfolgt und kann mir vorstellen wie sich das ganze abgespielt hat. Tut mir echt leid für Dich. Irgendwie kommt mir Deine Geschichte bekannt vor. Du bist auf den Mak( Hund ) gekommen, weil Du einfach keine Lust mehr gehabt hast, dich mit den anderen schweren Teilen abzuplagen.
Mein Weg sieht Deinem sehr ähnlich. Ich habe jetzt auch ein Alter erreicht ( 72 Jahre ) wo mir mittlerweile dieses ganze einäugige Betrachten immer mehr auf den Geist ging. Maks, Cassegrains , Newtons, Refraktoren, alles in den vergangenen 45 Jahren ausprobiert.

Dann kam vor 5 Jahren der große Ruck, wo ich mir sagte, jetzt ist Schluss mit dem einäugigen Gelinse. Meine Frau hatte auch immer mehr das Interesse verloren. Nicht am Hobby , aber an dem einäugigen Schauen. Wir beide sagten uns schließlich : " Es reicht".

Bis auf den 127er ED Refraktor haben wir alles abgeschafft und sind zum BINO übergegangen. Wenn ich das vorher gewusst hätte, dass sich mir am Himmel ein völlig anders Erlebnis darbietet, hätten wir uns schon vor längerer Zeit ein Großfernglas angeschafft. Es ist wirklich kein Vergleich zum einäugigen Sehen.
Man sieht nicht nur mehr, man ist auch entschieden entspannter. Heute haben wir zwei BINOS, ein 100mm und ein 120mm. Wir fangen mit der Astronomie wieder von vorn an:).

Schaue einmal durch ein solches Glas und du bist verloren. Vielleicht wäre das ja etwas für Dich. Versuche es.

Viele Grüße

Jürgen
 
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