Meine Eindrücke vom 9. HTT (Vorsicht! Lang)

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ddehnert

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Moin Leute,

vergangenes Wochenende war ich das erste mal auf einem Teleskoptreffen mit Camping im Zelt. Holger und ich waren auf dem 9. HTT. In der Vorbereitung hatte ich mir eigentlich nicht viel zur Beobachtung vorgenommen. Mich interessierten hauptsächlich planetarische Nebel abseits der üblichen Verdächtigen. Den einen oder anderen wollte ich sogar zeichnen.

Aber es kam wie immer alles ganz anders. Am Freitag Nachmittag dort angekommen stand Zeltaufbau und Auto entladen auf dem Programm. Da Holger einige Bekannte bei den Astrofüchsen hatte und Ronald auch prompt aufkreuzte, durfte er nach der Begrüßung auch gleich beim Aufbau des Zeltes mit anpacken;-)

Wie üblich schauten wir uns um. Genau dieses taten auch unsere direkten Nachbarn. Nun, der Mensch ist neugierig und wir, Holger und ich, sind auch nicht gerade Kontaktscheu. Das Begutachten der Beobachtungshardware begann, aber nicht in der Art "Mein Teleskop, meine Montierung, mein Okular...". Nein, vollkommen wertfrei und nur auf die Sache bezogen. Das Fachsimpeln fing an und die Zeit floß dahin.

Holger wollte doch den Vortrag hören. Also marschierten wir Richtung H-Alpha Bar zum Vortragsraum. Gegen kurz vor Sieben war es noch hell, also haben wir keine Rotlicht-Lampen mitgenommen. Der Vortrag von Prof. Dr. Dieter B. Herrmann - Sorry, aber Akademiker lieben das volle Ausschreiben von Titel und Namen - mit der Frage "Gibt es intelligentes Leben im All?" begann etwas später. Das akademische Viertelstündchen ist ja allseits bekannt und wurde auch voll ausgenutzt. Trotzdem hat es der Vortragende verstanden das Thema angenehm, interessant und spannend rüberzubringen. Hut ab, denn Powerpoint-Präsentationen mit dem Herunterleiern von Fakten sind mir ein Greuel. Lange Rede, kurzer Sinn. Etwa Viertel nach Acht war die Veranstaltung vorbei und Holger und ich verließen den Saal. Mittlerweile war es drauáen dunkel. Nun, unsere Augen waren von Dunkeladaption weit entfernt, aber der Blick zum Himmel war für uns, die wir nur Lichtsuppe kennen, eine Offenbarung. So deutlich habe ich die Milchstraße mit meinen Augen schon lange nicht mehr gesehen. Allein dafür hat sich unsere Fahrt von fast 500km (Bremerhaven) gelohnt.

Zurück am Zelt, andere waren schon fleißig beim beobachten und fotografieren, habe ich mein Programm schnell vergessen, mich auf einen Stuhl gesetzt und versucht unter den ganzen Sternen Sternbilder zu erkennen. Surfen mit dem Fernglas war angesagt. Überwältigend was einem damit schon geboten wird. Nach einer Stunde wollte ich meinen 12" Dobson aktivieren, aber von Eckhard, unserem Nachbarn, hörten wir nur das Angebot "Schaut mal, M sowieso..." - ich kann mich leider nicht mehr erinnern, ein Tribut des Alters. Nix wie hin zu seinem 12,5" und schauen. Anschließend bei mir einer der üblichen Highlights.
So ging es weiter bis bei mir der Sucher beschlug und ich nix mehr gefunden habe. Tja, die Übung fehlt halt. Egal, Fernglas raus und damit beobachten und ab und zu bei Eckhard schauen, der weniger Probleme hatte die Objekte zu finden. Irgendwann nach Mitternach kam auch Nebel auf, aber Holger und ich hatten uns schon an die H-Alpha Bar verholt und neue Ost-West Beziehungen aufgebaut. Das Gespräch mit Matthias und Roger (Betreiber der H-Alpha Bar) war sehr fruchtbar und angenehm.

Am Samstag, nach dem die Sonne den Nebel vertrieben hatte, war natürlich Sonne anschauen angesagt. Zunächst im Weisslicht mit Baader Sonnenfilterfolie. Eckhard hatte auch ein PST dabei. Also H-Alpha und Protuberanzen schauen. Zwei waren am Rand auch zu sehen, wobei die auf etwa zwei Uhr auch recht groß war. Beim Laufen über den Platz fällt mir ein orangefarbener 6" Refraktor auf. Der hat doch nicht etwa, ja doch, einen Herschel-Keil. Sowas wollt ich mir schon immer mal anschauen. Ich hab den Kollegen angesprochen - leider habe ich den Namen wieder vergessen - und er hat ihn mir und damit die Sonne gezeigt. Dazu noch binokular mit entsprechendem Ansatz. Genau in dieser Konfiguration möchte ich das für meinen kleinen 80er ED Refraktor. Kurzerhand pakt er den Keil ein und wir gehen rüber zu meinem kleinen und haben es mit meinem Binokular-Ansatz ausprobiert. Ich war erstaunt was man da so alles sehen kann. Nee, klar, auf der Sonne ist jetzt im Minimum ja noch nichts los, aber was nicht ist wird dann schon. Seitdem steht der Herschel-Keil ganz oben auf meiner Einkaufsliste fürs ATT nächstes Jahr.

Gegen Abend verzogen sich die Wolken des Tages und der Himmel klarte auf. Die Milchstraße kam wieder imposant hervor und, da war doch was, ach ja, mein Programm. Nee, wieder nix. Die Luft war abermals sehr feucht und der "Finder" wieder total abgesoffen. Nix mit finden, aber ein anderer Geselle wollte meinen 12" Alu-Dobson mal ausprobieren. Auch seinen Namen habe ich wieder vergessen. Zu meinem Glück kannte er sich gut am Himmel aus und ihm reichte Peilen über den "Finder" und mein 42er Übersichtsokular um die Standard-Objekte zu finden. Die habe ich mir dann auch angeschaut. M27 ohne OIII schon
imposant und mit noch einen Tacken besser. Ein paar der Standard-Messiers besuchten wir auch noch. Jedes mal war ich überrascht was ein wirklich dunkler Himmel bringt. In beiden Nächten war es nach meiner Schätzung, und meine Augen sind nicht die Besten, auf jeden Fall besser als 6mag. Nachdem uns die Feuchtigkeit immer mehr zu schaffen machte, blieb ich beim Fernglas. M31 war sehr schön anzuschauen. Ich konnte in meinem 10x50 Fujinon außer der unglaublichen Breite der Galaxie nicht viel Detail erkennen. M33 hab ich das erste Mal in dem Teil gesehen. Ich war überrascht wie einfach sie zu finden war. M51 war auch kein großes Problem. Sogar M101 konnte ich dem Glas als leichten Nebelhauch ausmachen.

Zu später Stunde machte ich noch die Platzrunde um jeweils einen Blick durch die anwesenden Großteleskope zu werfen. NGC6781 im 30-Zöller kommt schon gut rüber. M42 im 42-Zöller war auch ein Genuß. So viel Detail und so hell hab ich das Trapez noch nicht gesehen.

Bis drei Uhr morgens haben Holger und ich noch auf dem Stuhl gesessen und einfach Milchstraße geschaut und mit dem Fernglas gesurft. Dann war die Nacht für uns gelaufen.

So viele Eindrücke muss man erst einmal verarbeiten. Viele angenehme Gespräche rund um das Geschehen rundeten für mich das Teleskoptreffen ab. Für mich und Holger ist klar: Wenn es der Termin nächstes Jahr erlaubt, sind wir wieder
dabei.

Bitte nicht schlagen für das viele Geschwafel hier, aber diese Eindrücke muss ich einfach loswerden.

In diesem Sinne immer eine handbreit klaren Himmel vorm Objektiv wünscht Euch

Dirk (zur Zeit in Bremerhaven)
 
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