Meine Erfahrungen mit dem L200 aus Holland

darkstar

Mitglied
Hallo liebe Spektroskopiker :)

Hat von Euch jemand ähnliche Erfahrungen machen dürfen?

...aber bitte, lest einmal ;-) (langer Text!)

Auf der Suche nach einem höher auflösenden Spektrografen, bin ich auf die preiswerte Alternative zum LHiresIII gestoßen. Nämlich den L200 von Ken Harrison, in Lizenz gebaut von einem Unternehmen in den Niederlanden.
Der erste nette Kontakt mit dem Eigentümer der Firma fand im Oktober 2014 statt. Ende Januar 2015 gab ich die Bestellung für die de Luxe Version auf. Diese beinhaltet neben dem Spektrografen, 3 Gitter nach Wahl, die Kalibriereinheit mit Neonleuchte. Alles verpackt in einem Alukoffer mit Schaumstoffeinlagen. Ich habe den Kaufpreis unmittelbar nach der Auftragsbestätigung und Rechnungszusendung überwiesen und auch vom Geschäftsführer eine Eingangsbestätigung erhalten.
Im Vorfeld wollte ich noch wissen, was ich für den Anschluss meiner ST2000 für einen Adapter benötige, um zu fokussieren. Mir wurde der Borg Helical (per Link) empfohlen, den ich dann auch bei dem Astrohändler meines Vertrauens bestellt hatte.
Dann begann eine nervige Wartezeit, obwohl zu Beginn nur max. 4 Wochen Lieferzeit versprochen wurden. Geliefert wurde im Endeffekt gegen Ende April. Und auch erst, nachdem ich mehrfach nachgefragt hatte. Die Enttäuschung war umso größer nach dem Eintreffen des Paketes aus Holland. In einem Karton fand ich das Spektrografengehäuse und das Standardgitter (600 Lines) Das war es. Ohne Kommentar, ohne Entschuldigung etc… Es fehlten die Gitter 1200 Lines und 1800 Lines, sowie der Alukoffer.
Auf meine Nachfrage, wurde mir mittgeteilt, dass die anderen Gitter gerade nicht lieferbar sind und ich bitte noch etwas Geduld haben sollte.
Ok, ich nutzte dann die Zeit um mich mit der Handhabung etc. vertraut zu machen und die ersten Kalibrierversuche zu machen. Nach Anschluss der Kalibriereinheit musste ich feststellen, dass die Neonlampe munter blinkte, wie ein Blinker am Auto. Dann habe ich eine Energiesparlampe genommen. Es war allerdings unmöglich, den Fokus zu erreichen, da der Lichtweg durch den Fokuser zu lang ist. Ich fand noch einen anderen Fokuser, ebenfalls von Borg, mit einem wesentlich kürzeren Lichtweg. Also dann den bestellt und danach kam ich in den Fokus. Leider war die Ausgabe für den empfohlenen Fokuser für die Katz…
Auf meine Anfrage, warum die Kalibrierlampe blinkt, wurde mir mitgeteilt, dass es an dem Wandler 12V/DC > 220V/AC liegt. Ein Hitzeproblem, weil ein Kühlkörper fehlt. Ich frage mich nur, wie man so etwas Unausgereiftes verkaufen kann…? Egal. Es wurde jedenfalls Abhilfe versprochen und um Geduld gebeten.
Ende des Jahres las ich per Zufall auf Facebook, dass es eine neue Kalibriereinheit gibt und dass schon etliche L200 de Luxe mit allen Gittern ausgeliefert wurden. Nur ich habe davon nichts erhalten. Auf meine Anfrage und fast schon Bettelei, wurde mir mitgeteilt, dass ich die restlichen Teile noch vor Weihnachten erhalte und diese abgeschickt sind. Ich wartete einige Tage, aber ein Paket aus Holland kam nicht. Ich bat um die Trackingnumber, erhielt aber keine. Angeblich wurden die Sachen über die normale Post verschickt. (aus Kostengründen) Im Januar wurde ich dann etwas massiver und kurz danach erhielt ich eine UPS Benachrichtigung. Kurze Zeit später dann auch das lang ersehnte Paket.
Es enthielt sogar die komplette Palette an fehlenden Teilen und eine Ersatzplatine für die Kalibriereinheit. Ich hatte vorher noch ein zusätzliches 300 Lines Gitter bestellt und bezahlt (im November) Als Geschenk oder Trostpflaster wurde mir eine Argon Lampe ohne Fassung beigelegt. Da waren dann also die neuen Gitter und ich konnte loslegen mit Vergleichsaufnahmen, um einmal die Dispersionsunterschiede zu sehen.
Erst das neue 300er, dann das „alte“ 600er. Danach war nix mehr mit Dispersion. Ich bin dahinter gekommen, dass die beiden höher auflösenden Gitter falsch montiert sind. Diese hätten 90° gedreht sein müssen. Es folgte ein elend langer Mailverkehr und ich musste durch Testaufnahmen mit einem Laserpointer beweisen, dass die Gitter zu 100% falsch montiert wurden. Die Tatsache, dass keine Spektren erzeugt werden können, reichte nicht.
Laut Aussage vom Hersteller wurden die Gitter in der Eile falsch montiert. Wenn es um die Verklebung solch teurer und empfindlicher Bauteile geht, sollte man sich eigentlich mehrfach vergewissern, ob das auch so richtig ist… Es wird nun von mir verlangt, dass ich die, mit Epoxy aufgeklebten Gitter, selber vom Aluträger entferne und in richtiger Orientierung neu aufklebe.
Darauf lasse ich mich natürlich nicht ein und schicke die Gitter zurück. Nach meiner Ankündigung, dass ich die Gitter zurückschicke, wurde mir mitgeteilt, dass sie nun selber die Gitter entfernen, neu verkleben und mir zurück schicken. Ich bin gespannt, wann und in welchem Zustand die Gitter zurückkommen.
Im Endeffekt ärgere ich mich sehr, dass ich nicht etwas mehr Geld für einen französischen Spektrografen ausgegeben habe. Dann hätte ich das Gerät viel früher gehabt und nicht diesen ganzen Ärger. Aber hinterher ist man immer schlauer…;-)

CS Holger
 

darkstar

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Hallo,

ein Nachtrag aus aktuellem Anlass. Meine Kritik bezieht sich in keinster Weise auf den L200 Spektrografen selber. Das Gerät arbeitet hervorragend und ist sehr gut verarbeitet.
Was mich massiv gestört hat, waren die elendig langen Wartezeiten und die Versprechungen, die nicht eingehalten wurden.

CS Holger
 

darkstar

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Hallo nochmals,

nun hat sich alles aufgeklärt. Der Hersteller hat mir ausführlich und plausibel die Gründe für die vielen Verzögerungen erklärt. Ich war auch anscheinend der erste Besteller des Spektrografen und bin unbewusst in die Rolle eines Betatesters gerutscht. Hätte man mir das vorher mitgeteilt, dann hätte ich nachsichtiger agiert.
Ich bekomme nun auch nagelneue Gitter zugeschickt.

Ich bin froh, dass sich nun alles geklärt hat und freue mich auf eine klare Nacht seit nunmehr fast 3 Monaten bedeckten Himmels. Irgendwann muss da ja mal eine kommen...;-)
Sobald ich erste Spektren mit dem Gerät gewonnen habe, werde ich diese hier einmal zeigen.

CS Holger
 

darkstar

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Sooo, Ende gut - alles gut :)

Die ganzen Probleme sind entstanden durch eine fehlende Kunstoffkappe auf der Spitze des Mikrometers. Dadurch reichte der Verstellweg für die höher auflösenden Gitter nicht aus. Die Kappe muss sich beim Versand des Spektrografen gelockert haben. Ich habe die Kappe per Zufall gefunden, nachdem ich eine Gehäuseseite geöffnet hatte. Die schwarze Kappe hing verkeilt in einer Ecke des Gehäuses. Darum hat auch nichts geklappert...
Die Verstellung der Gitter funktioniert nun butterweich und alle erforderlichen Positionen werden erreicht. Kleine Ursache - Große Wirkung :)
Kurzum, dem Hersteller trifft keine Schuld. Ich bedanke mich auf diesem Weg für den netten Support des Herstellers.

CS
Holger
 
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