Paddy777
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Hallo Sternfreunde!
Gestern hatte ich im diesigen Hamburg endlich mal wieder freie Sicht auf den Himmel! Und laut Wetterbericht waren wir „Nordlichter“ in der Republik damit auch die Einzigen... was ja selten genug ist!
Ich hatte also seit dem 30.12. zum ersten Mal wieder Gelegenheit Saturn mit der Webcam auf die Pelle zu rücken! Wenn ich hier fast täglich die neuen, großartigen Bilder von unserem Ringplaneten sehe, juckt es mir in den Fingern... aber mit dem Wetter muss man nun einmal leben, oder man kann es lassen!
Also ging es voller Vorfreude los: Um 17 Uhr Feierabend gemacht und ab nach Hause. Unterwegs noch schnell den alten Kombi aufgetankt, da ich zu diesem Zeitpunkt plante, nach Kellinghusen in Schleswig-Holstein rauszufahren. Meine Eltern besitzen dort eine Hütte in einer Kleingartenanlage. Genau das Richtige, um sich zwischendurch aufzuwärmen und dem lichtverschmutzen Himmel über der Hansestadt zu entfliehen, denn von meinem Wohnort aus liegt in Richtung Süd-Ost der Hamburger Hafen...
Doch was muss ich im Radio hören?? Starke Bewölkung und heftige Schneeschauer am „späteren Abend“? Das entsprach nun gar nicht dem, was ich im Netz gelesen hatte: Dort war von klarem Himmel bis mindestens 03:00 Uhr die Rede. Sauerei, wenn ich eines hasse, dann sind es sich widersprechende Wettervorhersagen für die von mir auserkorene Astronomie-Nacht!
Ich kam aufgrund der Unsicherheit zu dem Schluss, mir die 75 Kilometer nach Kellinghusen zu ersparen: Im vergangenen Dezember hatte ich bereits so einen ergebnislosen Versuch hinter mir: Dichte Wolkendecke statt funkelnde Sterne, das war sehr frustrierend.
Zu Hause angekommen, begann ich so gleich mit den Vorbereitungen. Meine zwei tragbaren Akkus und den Laptop hatte ich in weiser Voraussicht am Vortag aufgeladen. Nachdem mein Teleskop in der Nacht auf den 31.12. komplett eingefroren war, weil der 7AH-Akku um vier Uhr morgens leergelutscht war, bin ich froh, nun noch einen Zweiten zu haben. Es sollte sich aber rausstellen, dass ich diesen nicht benötigen würde...
Ich begann also meine Ausrüstung aus dem ersten Stock nach unten zu schleppen, das Auto stand zum Glück nur 20 Meter von der Haustür entfernt. Ich schleppte also:
- Tasche mit meinem C9.25 samt Tauschutzkappe und Kabeln für die Heizmanschette
- Tasche mit dem Berlebach-Stativ
- Tasche mit der Vixen SP-Montierung (die GP-DX ist mangels Steuerung noch nicht einsatzfähig)
- Sporttasche mit ca. 11kg Gegengewichten, Okularablage vom Stativ, Cat-Cooler zum schnelleren Auskühlen der 23,5 cm Optik, Fotostativ zur Befestigung des Künstlichen Sterns
- Zubehörkoffer mit Okularen usw.
- Alukoffer mit Laptop
- Zubehörkoffer mit DKM21-CCD-Kamera, Philips Webcam, Filterrad und Kabeln
- Rucksack mit Verpflegung, Ersatzbatterien für den Nachführmotor und Stirnlampe
- JMI Motorfokussierer, ein 7AH- und ein 17AH-Akku
- Moonboots
- Angel-Klappstühlchen
- Eine große Plastikbox, wo mein Sohn Spielzeug aufbewahrt... als Tisch!
So, hab ich auch nichts vergessen? Vielleicht etwas zu lesen, für die Zeit des Auskühlens. Also noch ein Buch rausgeholt.
Saturnaufgang sollte um ca. halb acht sein, ich rechnete mit drei Stunden für Aufbau, Auskühlung der Optik und Justage. (Das mache ich jetzt regelmäßig vor der Webcam-Filmerei. Nach einigen Versuchen hab ich da inzwischen einigermaßen den Bogen raus.)
Um halb neun verließ ich das Haus, das würde mir für alles genug Zeit lassen. Hoffentlich macht mir das Wetter keinen Strich durch die Rechnung!
Mein innerstädtischer Beobachtungsort ist eine etwas abgelegene Straße direkt am Hamburger Volkspark, in der Umgebung des HSV-Stadions. Von dort hab ich eine (für Großstadtverhältnisse) sehr gute Horizontsicht in einem Bogen von Ost bis Süd, direkt über eine Kleingartenanlage hinweg. Nachts ist dort sehr wenig los, Autos fahren nur sehr vereinzelt. Immer wieder lustig zu beobachten, wie diese plötzlich langsamer werden, weil sie denken, ich wäre ein Blitzer... Spaziergänger muss man natürlich auch immer wieder mit den selben Infos versorgen: Nein, ich blitze nicht, das ist ein Fernrohr, ja, man kann was sehen heute, da ist Saturn, nein, das ist kein Stern, ja, der ist weiter weg als der Mond usw. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig der durchschnittliche Bürger über den Himmel weiß. Einer erzählte mir, er habe kürzlich auf La Palma Saturn um 16:00 Uhr Nachmitags gesehen. Und das er dort ja im Westen aufgehe... schon ok. Auch wenn sich das jetzt nicht so anhört: Aber ich bin immer sehr höflich und auskunftsfreudig! Wenn die Leute nicht zu blöd daherkommen. Während der vergangenen Jupiter-Saison musste ich pro Abend schon mal locker sechs unterschiedliche Grüppchen von Spaziergängern aufklären. Sehr nervig, wenn man grade versucht zu fokussieren, ohne das der Planet vom Monitor flutscht!
Am Beobachtungsplatz angekommen, schaue ich erst mal nach Saturn. Der Löwe thront im Osten, noch ist der Ringplanet im Dunst aber kaum zu entdecken. Ich schätze die Bahn ab, die er am Himmel nehmen wird und entscheide mich für einen Aufstellungsplatz. Es ist einsam, kalt und ich bin erschöpft von der Arbeit. Doch die Vorfreude auf die bevorstehenden Stunden lässt mich all das vergessen!
Ich beginne mit der Aufstellung des Stativs und der Montierung. Den Polarstern kann ich durch die kahlen Bäume hinter mir grade so erkennen. Ich richte die Montierung mit Hilfe eines Kompasses und des Polsuchers so exakt aus, wie es geht. Zur Langzeitbelichtung würde das zwar lange nicht reichen, aber was sollte ich hier auch langzeitbelichten?! Die Bahrenfelder Trabrennbahn hat noch Betrieb, und durch den Wald neben mir strahlen viele Tausend Watt Licht! Nur Geduld. Spätestens um zehn ist da „Schicht“.
Es ist neun Uhr als ich das Schmidt-Cassegrain auf die Montierung wuchte. Sind zwar „nur“ neun Kilo und ich bin noch eher jung (29), aber ganz easy ist der Aufbau und das Geschleppe auch für mich nicht. Hätte ich einen Garten, hätte ich wohl einen 12“-Newton. Jetzt bin ich froh, dass ich keinen habe!
Für das Auskühlen rechne ich mit drei Stunden. Um das etwas zu beschleunigen, habe ich einen sogenannten Cat-Cooler: Das ist ein Blasrohr mit einem kleinen Lüfter am Ende, der kalte Luft in den Tubus bläst und dessen vorderes Ende exakt in mein Teleskop passt. Natürlich ohne die Gefahr, dass ich damit gegen den Fangspiegel stoße und die Schmidt-Platte aus Ihrer Halterung drücke. Ich hole den kleinen 7AH-Akku aus dem Auto und schmeiße das Teil an.
So, jetzt heißt es warten! Ich setze mich in das eiskalte Auto und ziehe erst mal meine Moonboots an, hab ich fast vergessen. Das Licht der Straßenlaterne fällt ins Auto, ich denke, ich werde etwas lesen. Rucksack auf und... was ist das? Mist, Buch liegt noch auf der Kommode im Flur, na toll. Ich trinke erst mal einen Kaffee und vertrete mir ein bischen die Füße. Saturn ist jetzt deutlich auszumachen, aber noch viel zu niedrig, um ihn mit Aussicht auf Erfolg zu filmen. Ich hab Zeit... wenn mir nur nicht so langweilig wäre! Zwar genieße ich die Ruhe und die frische Luft, aber drei Stunden hier tatenlos rumstehen..? In Kellinghusen könnte ich mich jetzt mit einem Kaffee ins Bett legen, das hätte schon was!
Die Ungeduld hat gesiegt: Nach etwas über einer Stunde wage ich einen ersten Versuch zur Justage des C9.25: Ich schnappe mir den Künstlichen Stern und das Fotostativ und wanke in meinen Moonboots los, mindestens 100 Meter weg. Zurück am Beobachtungsplatz kommt der Cat-Cooler raus, Heizmanschette und Tauschutzkappe auf und der motorisierte OAZ an den Tubus. Schnell noch den 8x50-Sucher montieren und den Kunststern anvisieren. Meine ersten Justierversuche am realen Stern waren damals echt stressig: Nicht nur, dass ich mit dem Justiervorgang als solchen große Probleme hatte, durch das Shifting beim Drehen an den Justierschrauben und der Himmelsrotation konnte ich mich gar nicht auf den Stern konzentrieren. Zudem war das Seeing nicht gut genug, um den Justagezustand korrekt beurteilen zu können! Der Künstliche Stern hat mir das Ganze extrem erleichtert: Sofern das Teleskop ausgekühlt ist hat man ein perfektes Beugungsbild!
Apropos ausgekühlt: So weit war es leider noch nicht! Ein erster Blick auf den Stern zeigt einen leichten aufsteigenden Luftstrom, der das ganze Bild versaute. Na gut, also noch warten! Ist ja auch erst 22:30 Uhr und NOCH sind keine Wolken in Sicht! Dafür aber der abnehmende Mond, der sich fast voll und riesig über den Horizont erhebt. Den werde ich nachher auch nochmal aufs Korn nehmen, dachte ich!
Nach einer knappen weiteren Stunde der zweite Versuch: Nun klappt es, Justagezustand ist sogar fast perfekt, eine winzige Drehung an einer Schraube genügte.
Jetzt wird es ernst: Eine wohlige Hektik befleißigt sich meiner, ich hole die übrige Ausrüstung aus dem Kofferraum des inzwischen mit Eis bedeckten Autos und beginne die Aufnahmen vorzubereiten: Tisch und Computer werden aufgestellt, Kameras bereitgelegt und die restliche Optik vorbereitet: Der neue Flip Mirror kommt in den JMI Okularauszug, da rein das Filterrad und die 2x-Barlowlinse. Dank des Klappspiegels kann ich endlich sehen, wohin das Teleskop zeigt, ich bin nicht mehr auf das winzige Gesichtsfeld der Webcam angewiesen. Diesen legte ich mir zu, nachdem ich beim letzten Mal eine halbe Stunde gebraucht hatte, um den Planeten auf dem winzigen Chip zu zentrieren, das zerrt an den Nerven und kostet Zeit!
Diesmal klappt natürlich alles besser. Ich bin aufnahmebereit und der Himmel ist noch immer komplett wolkenfrei. Schön, wenn sich der NDR beim Wetter zu meinen Gunsten irrt...
Die nächsten 1,5 Stunden verbringe ich mit Videoaufnahmen des Saturn durch die verschiedenen RGB-Filter, sowie separat durch die Philips ToUcam 740K. Das Seeing wird dabei sichtbar besser, wabbelte der Planet bei den ersten Aufnahmen noch durchs Bild, steht er später immer ruhiger da.
Belichtungszeiten für die einzelnen Kanäle waren übrigens:
L=1/30
R=1/15 (versuchsweise auch mal 1/10 mit weniger Gain)
G=1/15
B=1/9.
Den IR742-Filter lasse ich diesmal weg. Der schluckt am Saturn einfach zu viel Licht.
Einmal wird meine Aufnahmesession durch ein Versagen des Nachführmotors aufgehalten: Das Batteriepack ist leer! Ärgerlich, aber gut: Die Batterien sind schnell gewechselt und weiter geht’s. Um 01:30 Uhr ist es weiterhin klar und inzwischen richtig kalt. Ich merke, wie Müdigkeit und Kälte Ihren Tribut fordern. Ich schaffe noch einen kurzen „Ausflug“ zum Mond, der inzwischen auch hoch über dem Horizont steht. Bei der Aufnahme stürzt allerdings zweimal die Aufnahme-Software ab. Das ist das Zeichen für mich zu gehen. Auch gut, ich bin müde und beginne einzupacken. Fast hätte ich noch meinen Künstlichen Stern vergessen, der einsam seit Stunden vor sich hin leuchtet...
Um 02:15 Uhr liege ich im Bett und freue mich, dass heute fast alles geklappt hat. Ich bin sehr gespannt auf die Bilder, zu deren Auswertung ich aber erst am Sonntag komme.
Das Ergebnis meiner Bemühungen werde ich auf jeden Fall kommende Woche zeigen. Mir war es aber wichtig, meine Eindrücke zu schildern, solange sie noch frisch sind!
Viele Grüße!
Patrick
Gestern hatte ich im diesigen Hamburg endlich mal wieder freie Sicht auf den Himmel! Und laut Wetterbericht waren wir „Nordlichter“ in der Republik damit auch die Einzigen... was ja selten genug ist!
Ich hatte also seit dem 30.12. zum ersten Mal wieder Gelegenheit Saturn mit der Webcam auf die Pelle zu rücken! Wenn ich hier fast täglich die neuen, großartigen Bilder von unserem Ringplaneten sehe, juckt es mir in den Fingern... aber mit dem Wetter muss man nun einmal leben, oder man kann es lassen!
Also ging es voller Vorfreude los: Um 17 Uhr Feierabend gemacht und ab nach Hause. Unterwegs noch schnell den alten Kombi aufgetankt, da ich zu diesem Zeitpunkt plante, nach Kellinghusen in Schleswig-Holstein rauszufahren. Meine Eltern besitzen dort eine Hütte in einer Kleingartenanlage. Genau das Richtige, um sich zwischendurch aufzuwärmen und dem lichtverschmutzen Himmel über der Hansestadt zu entfliehen, denn von meinem Wohnort aus liegt in Richtung Süd-Ost der Hamburger Hafen...
Doch was muss ich im Radio hören?? Starke Bewölkung und heftige Schneeschauer am „späteren Abend“? Das entsprach nun gar nicht dem, was ich im Netz gelesen hatte: Dort war von klarem Himmel bis mindestens 03:00 Uhr die Rede. Sauerei, wenn ich eines hasse, dann sind es sich widersprechende Wettervorhersagen für die von mir auserkorene Astronomie-Nacht!
Ich kam aufgrund der Unsicherheit zu dem Schluss, mir die 75 Kilometer nach Kellinghusen zu ersparen: Im vergangenen Dezember hatte ich bereits so einen ergebnislosen Versuch hinter mir: Dichte Wolkendecke statt funkelnde Sterne, das war sehr frustrierend.
Zu Hause angekommen, begann ich so gleich mit den Vorbereitungen. Meine zwei tragbaren Akkus und den Laptop hatte ich in weiser Voraussicht am Vortag aufgeladen. Nachdem mein Teleskop in der Nacht auf den 31.12. komplett eingefroren war, weil der 7AH-Akku um vier Uhr morgens leergelutscht war, bin ich froh, nun noch einen Zweiten zu haben. Es sollte sich aber rausstellen, dass ich diesen nicht benötigen würde...
Ich begann also meine Ausrüstung aus dem ersten Stock nach unten zu schleppen, das Auto stand zum Glück nur 20 Meter von der Haustür entfernt. Ich schleppte also:
- Tasche mit meinem C9.25 samt Tauschutzkappe und Kabeln für die Heizmanschette
- Tasche mit dem Berlebach-Stativ
- Tasche mit der Vixen SP-Montierung (die GP-DX ist mangels Steuerung noch nicht einsatzfähig)
- Sporttasche mit ca. 11kg Gegengewichten, Okularablage vom Stativ, Cat-Cooler zum schnelleren Auskühlen der 23,5 cm Optik, Fotostativ zur Befestigung des Künstlichen Sterns
- Zubehörkoffer mit Okularen usw.
- Alukoffer mit Laptop
- Zubehörkoffer mit DKM21-CCD-Kamera, Philips Webcam, Filterrad und Kabeln
- Rucksack mit Verpflegung, Ersatzbatterien für den Nachführmotor und Stirnlampe
- JMI Motorfokussierer, ein 7AH- und ein 17AH-Akku
- Moonboots
- Angel-Klappstühlchen
- Eine große Plastikbox, wo mein Sohn Spielzeug aufbewahrt... als Tisch!
So, hab ich auch nichts vergessen? Vielleicht etwas zu lesen, für die Zeit des Auskühlens. Also noch ein Buch rausgeholt.
Saturnaufgang sollte um ca. halb acht sein, ich rechnete mit drei Stunden für Aufbau, Auskühlung der Optik und Justage. (Das mache ich jetzt regelmäßig vor der Webcam-Filmerei. Nach einigen Versuchen hab ich da inzwischen einigermaßen den Bogen raus.)
Um halb neun verließ ich das Haus, das würde mir für alles genug Zeit lassen. Hoffentlich macht mir das Wetter keinen Strich durch die Rechnung!
Mein innerstädtischer Beobachtungsort ist eine etwas abgelegene Straße direkt am Hamburger Volkspark, in der Umgebung des HSV-Stadions. Von dort hab ich eine (für Großstadtverhältnisse) sehr gute Horizontsicht in einem Bogen von Ost bis Süd, direkt über eine Kleingartenanlage hinweg. Nachts ist dort sehr wenig los, Autos fahren nur sehr vereinzelt. Immer wieder lustig zu beobachten, wie diese plötzlich langsamer werden, weil sie denken, ich wäre ein Blitzer... Spaziergänger muss man natürlich auch immer wieder mit den selben Infos versorgen: Nein, ich blitze nicht, das ist ein Fernrohr, ja, man kann was sehen heute, da ist Saturn, nein, das ist kein Stern, ja, der ist weiter weg als der Mond usw. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig der durchschnittliche Bürger über den Himmel weiß. Einer erzählte mir, er habe kürzlich auf La Palma Saturn um 16:00 Uhr Nachmitags gesehen. Und das er dort ja im Westen aufgehe... schon ok. Auch wenn sich das jetzt nicht so anhört: Aber ich bin immer sehr höflich und auskunftsfreudig! Wenn die Leute nicht zu blöd daherkommen. Während der vergangenen Jupiter-Saison musste ich pro Abend schon mal locker sechs unterschiedliche Grüppchen von Spaziergängern aufklären. Sehr nervig, wenn man grade versucht zu fokussieren, ohne das der Planet vom Monitor flutscht!
Am Beobachtungsplatz angekommen, schaue ich erst mal nach Saturn. Der Löwe thront im Osten, noch ist der Ringplanet im Dunst aber kaum zu entdecken. Ich schätze die Bahn ab, die er am Himmel nehmen wird und entscheide mich für einen Aufstellungsplatz. Es ist einsam, kalt und ich bin erschöpft von der Arbeit. Doch die Vorfreude auf die bevorstehenden Stunden lässt mich all das vergessen!
Ich beginne mit der Aufstellung des Stativs und der Montierung. Den Polarstern kann ich durch die kahlen Bäume hinter mir grade so erkennen. Ich richte die Montierung mit Hilfe eines Kompasses und des Polsuchers so exakt aus, wie es geht. Zur Langzeitbelichtung würde das zwar lange nicht reichen, aber was sollte ich hier auch langzeitbelichten?! Die Bahrenfelder Trabrennbahn hat noch Betrieb, und durch den Wald neben mir strahlen viele Tausend Watt Licht! Nur Geduld. Spätestens um zehn ist da „Schicht“.
Es ist neun Uhr als ich das Schmidt-Cassegrain auf die Montierung wuchte. Sind zwar „nur“ neun Kilo und ich bin noch eher jung (29), aber ganz easy ist der Aufbau und das Geschleppe auch für mich nicht. Hätte ich einen Garten, hätte ich wohl einen 12“-Newton. Jetzt bin ich froh, dass ich keinen habe!
Für das Auskühlen rechne ich mit drei Stunden. Um das etwas zu beschleunigen, habe ich einen sogenannten Cat-Cooler: Das ist ein Blasrohr mit einem kleinen Lüfter am Ende, der kalte Luft in den Tubus bläst und dessen vorderes Ende exakt in mein Teleskop passt. Natürlich ohne die Gefahr, dass ich damit gegen den Fangspiegel stoße und die Schmidt-Platte aus Ihrer Halterung drücke. Ich hole den kleinen 7AH-Akku aus dem Auto und schmeiße das Teil an.
So, jetzt heißt es warten! Ich setze mich in das eiskalte Auto und ziehe erst mal meine Moonboots an, hab ich fast vergessen. Das Licht der Straßenlaterne fällt ins Auto, ich denke, ich werde etwas lesen. Rucksack auf und... was ist das? Mist, Buch liegt noch auf der Kommode im Flur, na toll. Ich trinke erst mal einen Kaffee und vertrete mir ein bischen die Füße. Saturn ist jetzt deutlich auszumachen, aber noch viel zu niedrig, um ihn mit Aussicht auf Erfolg zu filmen. Ich hab Zeit... wenn mir nur nicht so langweilig wäre! Zwar genieße ich die Ruhe und die frische Luft, aber drei Stunden hier tatenlos rumstehen..? In Kellinghusen könnte ich mich jetzt mit einem Kaffee ins Bett legen, das hätte schon was!
Die Ungeduld hat gesiegt: Nach etwas über einer Stunde wage ich einen ersten Versuch zur Justage des C9.25: Ich schnappe mir den Künstlichen Stern und das Fotostativ und wanke in meinen Moonboots los, mindestens 100 Meter weg. Zurück am Beobachtungsplatz kommt der Cat-Cooler raus, Heizmanschette und Tauschutzkappe auf und der motorisierte OAZ an den Tubus. Schnell noch den 8x50-Sucher montieren und den Kunststern anvisieren. Meine ersten Justierversuche am realen Stern waren damals echt stressig: Nicht nur, dass ich mit dem Justiervorgang als solchen große Probleme hatte, durch das Shifting beim Drehen an den Justierschrauben und der Himmelsrotation konnte ich mich gar nicht auf den Stern konzentrieren. Zudem war das Seeing nicht gut genug, um den Justagezustand korrekt beurteilen zu können! Der Künstliche Stern hat mir das Ganze extrem erleichtert: Sofern das Teleskop ausgekühlt ist hat man ein perfektes Beugungsbild!
Apropos ausgekühlt: So weit war es leider noch nicht! Ein erster Blick auf den Stern zeigt einen leichten aufsteigenden Luftstrom, der das ganze Bild versaute. Na gut, also noch warten! Ist ja auch erst 22:30 Uhr und NOCH sind keine Wolken in Sicht! Dafür aber der abnehmende Mond, der sich fast voll und riesig über den Horizont erhebt. Den werde ich nachher auch nochmal aufs Korn nehmen, dachte ich!
Nach einer knappen weiteren Stunde der zweite Versuch: Nun klappt es, Justagezustand ist sogar fast perfekt, eine winzige Drehung an einer Schraube genügte.
Jetzt wird es ernst: Eine wohlige Hektik befleißigt sich meiner, ich hole die übrige Ausrüstung aus dem Kofferraum des inzwischen mit Eis bedeckten Autos und beginne die Aufnahmen vorzubereiten: Tisch und Computer werden aufgestellt, Kameras bereitgelegt und die restliche Optik vorbereitet: Der neue Flip Mirror kommt in den JMI Okularauszug, da rein das Filterrad und die 2x-Barlowlinse. Dank des Klappspiegels kann ich endlich sehen, wohin das Teleskop zeigt, ich bin nicht mehr auf das winzige Gesichtsfeld der Webcam angewiesen. Diesen legte ich mir zu, nachdem ich beim letzten Mal eine halbe Stunde gebraucht hatte, um den Planeten auf dem winzigen Chip zu zentrieren, das zerrt an den Nerven und kostet Zeit!
Diesmal klappt natürlich alles besser. Ich bin aufnahmebereit und der Himmel ist noch immer komplett wolkenfrei. Schön, wenn sich der NDR beim Wetter zu meinen Gunsten irrt...
Die nächsten 1,5 Stunden verbringe ich mit Videoaufnahmen des Saturn durch die verschiedenen RGB-Filter, sowie separat durch die Philips ToUcam 740K. Das Seeing wird dabei sichtbar besser, wabbelte der Planet bei den ersten Aufnahmen noch durchs Bild, steht er später immer ruhiger da.
Belichtungszeiten für die einzelnen Kanäle waren übrigens:
L=1/30
R=1/15 (versuchsweise auch mal 1/10 mit weniger Gain)
G=1/15
B=1/9.
Den IR742-Filter lasse ich diesmal weg. Der schluckt am Saturn einfach zu viel Licht.
Einmal wird meine Aufnahmesession durch ein Versagen des Nachführmotors aufgehalten: Das Batteriepack ist leer! Ärgerlich, aber gut: Die Batterien sind schnell gewechselt und weiter geht’s. Um 01:30 Uhr ist es weiterhin klar und inzwischen richtig kalt. Ich merke, wie Müdigkeit und Kälte Ihren Tribut fordern. Ich schaffe noch einen kurzen „Ausflug“ zum Mond, der inzwischen auch hoch über dem Horizont steht. Bei der Aufnahme stürzt allerdings zweimal die Aufnahme-Software ab. Das ist das Zeichen für mich zu gehen. Auch gut, ich bin müde und beginne einzupacken. Fast hätte ich noch meinen Künstlichen Stern vergessen, der einsam seit Stunden vor sich hin leuchtet...
Um 02:15 Uhr liege ich im Bett und freue mich, dass heute fast alles geklappt hat. Ich bin sehr gespannt auf die Bilder, zu deren Auswertung ich aber erst am Sonntag komme.
Das Ergebnis meiner Bemühungen werde ich auf jeden Fall kommende Woche zeigen. Mir war es aber wichtig, meine Eindrücke zu schildern, solange sie noch frisch sind!
Viele Grüße!
Patrick