Merkur 12. Juni

Canonist

Aktives Mitglied
Hallo zusammen.

Merkur ist jetzt wieder auf der Abendseite, passiert also nach der Sonne den Meridian. Ich habe die Beobachtung gegen 14 Uhr MESZ begonnen, da fehlte noch knapp eine halbe Stunde bis Meridian, aber ich kann das Teleskop auf der Ostseite so weit überschwenken, dass ich dann schon mit Westblick anfangen kann.
Die Aufsuche erfolgte über den digitalen Sucher, da war Merkur nach kurzer Suche gut auffindbar. Im Okluar des C14 diesmal auch gut visuell sichtbar.

Da der Sonnenabstand nur etwa 15 Grad betrug, musste ich die Kuppel zur Abschattung nutzen. Hieß: Der Kuppelspalt versperrte aber auch dem C14 mindestens zur Hälfte den Blick, wenn gar kein Sonnenstrahl die Optik treffen sollte. Das tat aber der Auflösung offenbar keinen Abbruch, bereits im Livebild waren Details zu sehen.
Schwieriger hingegen war, eine halbwegs konstante Objekthelligkeit beim Aufnehmen zu halten, denn durch die Bewegung zog Merkur natürlich immer mehr hinter die Kuppelabschattung. Ich musste also während des Aufnehmens alle paar Minuten ein Stück dosiert nachschieben.

Solange keine Sonne aufs Teleskop schien, gab es zeitweilig kurze Phasen mit scharfen Bildern. Ich habe versuchsweise auch weiter aufgemacht und die Sonne reinscheinen lassen. Dann wird das Bild deutlich heller, ich kann kürzer belichten, gain runternehmen und mehr frames sammeln, aber es gab auch schnell erkennbar schlechteres Seeing bis hin zur Unbrauchbarkeit. Am besten war eindeutig die abgeschattete Position, auch wenn das Teleskop dabei nicht die volle Öffnung nutzen konnte.

Aufgenommen habe ich drei Videos zu mindestens 100.000 frames, zwei mit IR 685 Filter, eines mit Rotfilter. Letzteres war besser aufgelöst als die beiden IR's.
Aus den Videos fanden die besten 20% Verwendung, wobei zugleich auf 60 Prozent normalisiert und Resample20 angewandt wurde. Die in Giotto geschärften Ergebnisse habe ich dann in Photoshop zusammengebracht.
Grundlegend anders als beim Mars ist bei den Merkurbeobachtungen der deutlich höhere Aufwand. Viel längere, GB-reiche Videeos und eine seeeehr lange Bearbeitungszeit.
Der Aufwand lohnt aber bei dem Seeing, wie man am Ergebnis sieht. Die Auflösung ist mit der am Mars vergleichbar. Deutlich sind einzelne Krater erkennbar, und - soweit die mir vorliegenden Karten das hergeben - auch benennbar.
Diese Merkurbeobachung konnte ich zudem am 13. und 14. Juni genauso wiederholen, die beiden Folgetage sind noch in Arbeit. Sie zeigen aber, das kann ich schon sagen, die selben Details mit dem erstaunlich großen Tagesversatz. Vllt krieg ich das aus den drei Tagen ja mal ansehnlich animiert, denn drei Tage mit etwa gleicher Qualität nacheinander sind am Merkur ziemlich selten.
Soweit erstmal dazu, mehr folgt.
CS
Rudolf
 

Anhänge

  • c250612_RAH.jpg
    c250612_RAH.jpg
    55,1 KB · Aufrufe: 111
Hallo Rudolf,

sehr coole Aufnahmen! Du schreibst, dass die Aufnahmen mit Rotfilter besser waren als die mit dem IR685. Kannst Du abschätzen, wie oft das der Fall ist (auch bei anderen Objekten)?

CS Jochen
 
Moin Jochen.
Immer!
Ausnahme vllt, das Seeing ist selbst im Rotfilter so bewegt, dass IR 685 eine erkennbare Beruhigung bietet, dann kann dessen Ergebnis das bessere sein. Ansonsten gilt für mein Teleskop ganz klar: Beste Auflösung nur im Rotfilter, bei IR 685 ist sie bei gleichen Bedingungen bereits erkennbar geringer.
CS
Rudolf
 
Zurück
Oben