Merkur 2. Juni

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Canonist

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Hallo zusammen.
Am Sonntag war nicht nur sommerliche Hitze an einem (fast) blauen Himmel, sondern auch eine gute Gelegenheit, mal wieder nach Merkur in seiner beginnenden Abendsichtbarkeit zu schauen. Dies aber am Nachmittag, als er noch über 50 Grad hoch am Himmel stand. Überraschenderweise war das Seeing trotz gut 30 Grad (in der Sonne noch deutlich mehr) ziemlich gut, die meiste Zeit war eine scharfe Merkurscheibe zu sehen.
Aus drei Aufnahmedurchgängen habe ich von einem anhängendes Bild gewinnen können, das eine der besten Auflösungen bei mir und nur 5,6 Bogensekunden für den Planeten erreichte. Unter anderem ist als unübersehbarer heller Krater nahe der Mitte Kuiper zu identifizieren, des weiteren links oben der helle Krater Debussy am Rand. Viele weitere Features entsprechen sehr eng dem nach WinJupos zu erwartendem Anblick, sind aber entweder namenlos oder für mich nicht benennbar. Der "Proof" für die tatsächliche Beobachtung ist die grundsätzliche Abweichung in der Beleuchtung: Alle Features auf der sonnenbestrahlten Seite kommen immer heller als in der Simulation. Süden ist oben (und die Beschriftung für's internationale Board gleich in Englisch).
CS
Rudolf

Merkurtab_020619.jpg
 
Hallo Rudolf,

tolle Aufnahme, Glückwunsch. Ich hatte das bei der Hitze erst gar nicht versucht. Gut zu wissen, dass es da dennoch besseres Seeing geben kann.
Den hellen Krater habe ich auch auf meiner Aufnahme, die ich gemacht hatte, als der Merkur noch vor der Sonne aufging.
Merkur_090519_100152p150u300-best.jpg

Bei mir ist allerdings Norden oben. Das könnte aber mit der Rotationsrichtung und Zeit hinkommen, oder ?

Gruß,
Holger
 
Hallo Rudolf,

Was Merkuraufnahmen angeht, führst du ja m.E. die Ablichtungliga an. Und auch mit diesem Foto hälst du dein - sowie das von Merkuraufnahmen in diesm Forum überhaupt - Qualitätsniveau vom Jahr 2017. Insfern hutziehende Grüße in die Oberliga, und damit zu dir und danke fürs zeigen.
 
Danke für das nette Lob.
Ich bin selbst mit dem Ergebnis auch zufrieden, solche Auflösung erreiche ich nur selten, weil vielleicht ein- oder zweimal im Jahr das Seeing so gut ist.
Holger: Dein Merkur sieht zwar ähnlich aus, der helle Krater ist aber in Deinem Fall Berkel und nicht Kuiper, der im Mai ganz links am Rand lag. Außerdem zu erkennen ist Debussy links unterhalb von Berkel.
CS
Rudolf
 
Hallo zusammen.
Pfingstsonnabend hatte sich das Wetter nach dem stürmischen Freitag wieder etwas beruhigt. Trotz immer wieder durchziehender Wolken habe ich mal nach Merkur geschaut und zwar ein bewegtes, aber dennoch im Gesamteindruck ausreichend scharfes Seeing vorgefunden. Anbei das Ergebnis des ersten von zwei Bildläufen, beim zweiten ist ein ähnliches, aber leicht schlechteres Ergebnis rausgekommen, da dort das Seeing dann schon wieder schlechter wurde.
Wieder ist der hellste Punkt der nun schon deutlich mehr zum Rand rotierte Krater Kuiper, der kleine helle Punkt rechts unterhalb heißt Dominici. Rechts unten kann die Aufhellung dem Krater Praxiteles zugeordnet werden. Leider haben viele andere helle Details keine mir bekannte Benennung. Die Übereinstimmung der auf den ersten Blick wirr aussehenden Albdeo mit der Simulation ist aber auch diesmal wieder sehr hoch, trotz meistens schlechteren Seeings als am 2. Juni.
Merkurtab_080619.jpg



Anschließend dachte ich mir dann, dass der Mars ja nicht weit entfernt steht, ob es da vielleicht eine Auffindungsmöglichkeit am Tage geben könnte. In der Tat habe ich Mars digital nach kurzer Zeit auffinden können und einfach mal ein Bild versucht. Rausgekommen ist das:
Marstab_080619.jpg

Nicht wirklich viel, aber angesichts von gerade mal 3,8 Bogensekunden und damit fast nur der Hälfte des Merkurs oder etwa eines Uranusscheibchens ist immerhin noch was zu sehen - und das trotz schlechten Seeings und vorzeitigen Abbruchs der Belichtung durch Wolkenaufzug. Leider hab ich nur eine IR-Pass-Aufnahme geschafft, Farbe war schon gar nicht mehr drin.
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

wieder sehr beeindruckend. Deine Ergebnisse hatten mich motiviert den Merkur wieder selbst aufzunehmen.
Ich habe ihn gestern ab ca. 13 Uhr auch mit dem 25mm Okular gefunden und zahlreiche Avis aufgenommen. Das Seeing war aber sehr bescheiden und so bin ich gerade dabei manuell aus ca. 30000 Frames die besten auszuwählen.

Gruß,
Holger
 
Hallo Rodolf,

jetzt habe ich alle Frames durch und es sind gerade einmal 695 übrig geblieben von denen ich 90% gestackt habe.
Merkur_090619_131654.jpg

Gruß,
Holger
 
Hallo Holger.
Ich bewundere das immer wieder, wenn sich Leute die Zeit nehmen, Bild für Bild handzuverlesen. Mach ich nie, hätte ich gar keine Zeit zu. Bei mir muss es AutoStakkert richten. Ich frage mich aber auch, wie groß der Unterschied eigentlich wirklich am Ende ist. Wie viel besser ist der Mensch im Aussortieren anstelle des Programms?
Ein weiteres Problem ist, wenn am Ende nur so wenig Material übrig bliebe, wie Du jetzt verwendet hast. Ich nehme in der Regel zwischen 50.000 und über 100.000 frames auf. Bei 10 bis 20 Prozent Verwendungsrate (manchmal auch deutlich mehr) sind das im Minimumm 5000 frames, die gestackt werden können. Und bei denen ist es schon schwer, das Rauschen noch im Griff zu behalten. 20 Prozent geht. Gut sind 40 bis 60 Prozent. Zudem hat es hier mal einen Beitrag gegeben, der zeigte, dass die höheren Verwendungsraten das Bild nicht zwangsläufig gleich sehr viel schlechter ausfallen lassen.
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

ja die Programme leisten da schon gute Arbeit. Der Qualitätsgewinn ist schon sichtbar aber eher im geringen Maße.
Bei der Venus hatte ich zuletzt mal etwas mehr erreichen können.

Heute konnte ich wieder den Merkur visuell mit dem 25mm Okular finden. Der Abstand zur Sonne ist zur Zeit ja wirklich groß.
Von über 30000 Frames habe ich zwar versucht 20% zu stacken, aber da sind dann immer noch viele schlechte Frames im Stack. Die Bedingungen sind da am Nachmittag sehr unruhig.

Ich nehme ja mit 12" F5 und Q-Turret Barlow auf. Mit Filtern erhöht sich der Abstand zum Sensor meiner Asi120mm weiter und so komme ich auf ca. 4500mm Brennweite. Dennoch ist der Merkur immer noch recht klein und vor der Berarbeitung vergrößere ich das Summenbild auf 150%.
Wie machst Du das ?
Dein Ergebnis ist ja hier sehr groß.
Ich muss schon hart bearbeiten (2 x itarativer gauss, mehrmals Wavelet) um Details sichtbar zu machen, ist das bei Dir auch so ?

Gruß,
Holger
 
Hallo Rudolf,
hier zeigst du Spezialaufnahmen mit bemerkenswerter Qualität. Es ist bemerkenswert, dass man bei Merkur Oberflächendetails abbilden kann. Es gehört viel Erfahrung dazu, die Aufnahmen auszuwerten. Es gibt eben auch keine Rezepte, wie viele Bilder man verwenden sollte.
 
Hallo Holger.
4,5 Meter ist arg wenig. Ich setze am C14, das ja fokal schon auf rund 4 Meter käme einen Okularprojektionsansatz ein, hinter dem dann auch noch das Filterrad und eine etwas überdimensionierte Okularaufnahme sitzen. Ich habe es bislang noch nicht genau ausgemessen, aber mein f-Verhältnis liegt irgendwo bei f:30, also etwa 12 Metern Brennweite! Merkur ist da schon bei 100-Prozent-Darstellung auf dem Monitor ziemlich groß, ich lassen AutoStakkert dann zusätzlich noch 1,5 oder 2,0-fach vergrößern. Daher so groß.
Früher habe ich nur eine 2-fach Barlow eingesetzt, das hat sich aber als eher noch zu klein erwiesen. Bei entsprechender Luft bringt die lange Brennweite deutlich mehr Auflösung als aufgepumpte kurzfokale Aufnahmen.
Harte Bearbeitung ist eher nicht nötig. Ich nehme meistens schon mit leicht gesteigertem Kontrast (Gamma bei 75 bis 85 statt 100) auf und stacke bei 55% Normalize. Dann brennen beim Schärfen die Hellstellen nicht weg. Höheres Normalize führt beim Schärfen schnell zu Ausreißern.
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf und Holger,

bei Euren Aufnahmen kann man nur den Hut ziehen, vor allem wenn man wie ich heute
zum ersten Mal erfolglos versucht hat Venus am Taghimmel aufzunehmen.

Mich würde vor allem interessieren, wie Ihr die Thermik im Tubus bändigt. Ok ich habe mit einem
schwarzen Tubus schonmal die schlechtest mögliche Ausgangssituation.

Allerdings hatte ich heute durchziehende Wolken und schon letzte Nacht war das Seeing reichlich
durchwachsen und mit Cirren gestört. Von demher kann ich bei meinen Matschaufnahmen nicht sagen,
ob das heute thermisches oder atmosphärisches Seeing war.

Grüße
Volker
 
Hallo Volker,

also ich stelle den Dobson so auf, das er im Schatten ist. Die Sonne wird also verdeckt durch z.B. Bäume, Hecke, Hauswand usw...
Dadurch heizt sich der Tubus nicht auf. Dennoch ist mittags die Luft oft aufgeheizt und unruhig. Besser ist es am Vormittag nach und am Abend vor der Dämmerung.

Gruß,
Holger
 
Hallo Volker,
ich habe immer irgendwie Schatten, weil ich aus einer Kuppel heraus beobachte. Allerdings muss Merkur mindestens 18 bis 20 Grad von der Sonne entfernt stehen, damit das C 14 mit voller Öffnung im Schatten liegt. Ich kann aber auch schon ab etwa 12 Grad Abstand erste Versuche mit der C 14 machen, dann scheint aber die Sonne mindestens zu einem Teil auf die Schmidtplatte. Seltsamerweise habe ich beobachtet, dass die Luft ruhiger ist, wenn die Sonne draufscheint und unruhiger wird, wenn nicht mehr (mehr Abstrahlung und damit thermisches Seeing?)
Das C14 ist an sich schwarz, ich habe es als Tagbeobachter aber schon vor vielen Jahren zum Merkurdurchgang ganz in Silberfolie eingepackt. Das wirkt.
CS
Rudolf
 
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