Merkur am 29. Juni

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Canonist

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Hallo zusammen.
Gestern war ein durchaus besonderer Beobachtungstag. Merkur steht immer noch recht weit weg von der Sonne in Abendsichtbarkeit (die man aber im Moment fast nur mit einem Feldstecher verfolgen kann), seine Phase und Helligkeit haben aber inzwischen erheblich abgenommen.
Nach Beobachtungen am 27. (nur mit dem 7"-Refraktor) und am 28. Juni hatte ich am 29. nun endlich genug Zeit, ihn am späten Nachmittag aufzusuchen. Erfahrungsgemäß ist die Luft dann am besten, wenn Ein- und Abstrahlung sich irgendwann mal die Waage zu halten scheinen.
Nach Start über Venus machte die Auffinderei aufgrund eines Rechenfehlers zunächst Probleme (ich hatte mich um ein Grad Höhe vertan), nach einer halben Stunde hatte ich ihn dann endlich ; und war sofort erstaunt über ein scharfes, kaum bewegtes Sichelbild.
In der Tat gab sich das Seeing selbst in etwa 30 Grad Höhe noch ausgezeichnet ruhig. Ich habe daher gut scharfstellen können und auch nur ein ganz langes Video (fast 40 Minuten) gemacht, in dem mit der DMK21 rund 125.000 frames zusammenkamen.
Schon am Monitor waren Albedostrukturen erkennbar, im Summenbild ist noch einiges mehr zu sehen (am besten mit etwas Abstand betrachten).
So dürfte der helle Krater oben in der Sichel der Krater Bartâk sein. Der Krater Balzac hat in etwa der Mitte einen hellen Fleck hinterlassen und unten ist eine helle Ebene zu erkennen.
Merkurtab_290619.jpg


Angespornt durch diesen Erfolg habe ich danach versucht, auch noch Mars in Merkurs Nähe zu finden, was gar nicht so schwer war, und da auch hier noch gutes Seeing herrschte, konnte ich tatsächlich von dem nur noch 3,66" kleinen Planeten am Taghimmel ein sinnvolles Bild gewinnen. Das aber in einem anderen Thread.
Später kamen noch Jupiter und Saturn dazu, so dass ich insgesamt fünf Planeten einsammeln konnte. Wäre ich nicht so müde gewesen, hätte ein Gesamtritt durchs Sonnensystem dringelegen...
CS
Rudolf
 
Wie immer eine tolle Aufnahme. Im Detail möchte ich dazu anmerken, dass der Horizont bei der Aufnahme - was die Strukturerkennbarkeit angeht - zwar nicht zu gebrauchen ist, aber der das innere der Sichel dafür schärfer - und damit besser - wirkt als die verschwommene Simulationsabbildung. Das macht die Abbildung sehr merkant (im posetiven Sinne).
 
Hallo Peter,
ich denke, ich verstehe, was Du meinst. Als Horizont ist wohl der helle Rand Merkurs links, also die sonnenzugewandte Seite gemeint. Der sieht immer anders aus als in der Simulation. Der reale Merkur gibt natürlich eine Helligkeitsreflexion wieder, die durch den Einfallswinkel des Sonnenlichtes verursacht wird. Die Simulation ist eine virtuelle Kugel, bei der die Helligkeiten diesen Einfallswinkel nicht berücksichtigen. Die virtuelle Kugel ist ja praktisch aus einer Gesamtkarte gebildet worden, bei der die Sonne zumeist praktisch hinter dem Beobachter gestanden hat.
Ein weiteres Problem ist die Bildbearbeitung am realen Bild: Durch die Schärfung werden Überschwinger erzeugt. Das hebt den Rand hervor und lässt zum Beispiel den hellen Krater auf etwa 10 Uhr am Rand nur noch als leicht heller als den restlichen Rand erkennen (aber auch nur bei komplexer Bearbeitung wie hier). Die zweite heller Linie parallel zum Rand etwas innerhalb der Sichel dürfte durch einen Überschwinger verursacht worden sein. Damit kämpfe ich immer wieder mal. Daher sind hier auch zwei Bearbeitungsschritte in einem Bild zusammengekommen: Vorsichtige Randschärfung und stärkere für den inneren Bereich.
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

klasse Arbeit und erstaunlich, dass Du den überhaupt findest. Also ich habe das visuell nach dem 17.06. nicht mehr geschafft.
Außerdem sind die Strukturen bei einer schmalen Sichel schwerer zu erkennen, so dass ich es dann auch nach ein paar vergeblichen Versuchen aufgegeben habe.

Gruß,
Holger
 
Hi Holger.
Visuell wäre es nur mit extremem Glück machbar gewesen. Ich muss nach dem Wechsel von fokal auf Okularprojektion die Schärfe neu suchen, und oft ist dann Merkur etwas aus der Mitte. So stelle ich nach Möglichkeit erstmal mit einem Okular scharf, dass leider auch so manches an Staub hat. Dazwischen ist die schwache Sichel schnell übersehen, so weiß ich, wie schlecht sie tatsächlich zu sehen war.
Tatsächlich sind bei schmalen Sichel oft weniger Details zu sehen - klar, die Fläche ist ja auch bedeutend kleiner, aber es mag auch mit der Bildbearbeitung zusammenhängen (s. obige Randproblematik)
CS
Rudolf
 
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