Merkur - extrem sonnennah

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Canonist

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Hallo zusammen.
Nach langer Zeit mal wieder was aus der Grasweg-Sternwarte. Die war zwar in den letzten Monaten keineswegs inaktiv, aber ich bin wegen des langen Sommers mit dem Aufarbeiten überhaupt nicht mehr hinterhergekommen.
Deshalb von hinten aufgerollt was ganz Frisches:
Am Dienstag der letzten Woche gab es richtig blauen Himmel. Sowas zum Merkus-Suchen am Tage... Leider stand der Götterbote laut Guide nur 2,7 Grad von der Sonne entfernt. Wer mich kennt, weiß, dass mich das nicht von einer Nachsuche abhält. Die ging aber nur mit dem Refraktor, ins C14 hätte die Sonne ja direkt mit hineingeschienen.
Im 7-Zoll-Refraktor habe ich Merkur tatsächlich nach einigen technischen Problemen (bei Verwendung des ADC und Wechsel von fokal auf Barlow waren Gesichtsfeld und Schärfe nicht mehr auffindbar) finden können - digital natürlich, also durch Schwenkabsuchen mit der ASI224MC am Rohr.
Unter Verwendungung der 2xBarlow und eines Extenders habe ich dann ca. 5m Brennweite zusammenbekommen, für die nicht mal ganz 5 Bogensekunden des Merkur an sich immer noch zu wenig. Trotzdem ist Albedo zu erkennen, die sich auch gut mit der JUPOS-Simulation in Einklang bringen lässt. Mehr geht mit dieser Konfiguration kaum. Immerhin hab ich so mal einen Fast-Obere-Konjunktions-Merkur bei 99,6 % Beleuchtung einfangen können.
Und das ist er:
Link zur Grafik: http://www.diefotomaus.de/astro/merkur%20tab%2018092018.jpg
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

klasse Aufnahme und das trotz eher ungünstiger Zeit am Nachmittag. Bei mir ist das Seeing am Morgen meist besser aber so nah an der Sonne habe ich es nicht mehr versucht.

Mein letzter Versuch war am 05.09.18 (siehe Anhang).

Da hast Du diesmal ja die selbe Methode wie ich angewandt. Inzwischen versuche ich es nicht mehr visuell sondern gleich mit Asi120mm. Allerdings erst einmal ohne Barlow um mehr Gesichtsfeld zu haben. Dennoch muss ich meist über eine halbe Stunde systematisch den Bereich absuchen bis ich den Merkur endlich auf dem Display habe. Dann nehme ich in firecapture das Fadenkreuz dazu und stelle den Merkur so ein, dass er das Zentrum durchläuft bzw. nach ein paar Sekunden treffen wird. Anschließend der schnelle Wechsel auf Kamera mit Barlow und Fokus / Belichtungszeit passend ändern und schon taucht der Merkur wieder auf.
Geht so recht gut aber 2,7° Abstand zur Sonne sind mir dann doch zu riskant. Selbst wenn das Haus als Sonnenschutz dient, wäre der Zeitraum ja extrem kurz bis der 12er Dobson wieder in der Sonne stehen würde. So schnell könnte ich den Merkur niemals finden.

Für Verwirrung sorgt bei mir immer der Vergleich zu der Winjupos Simulation. So richtig passt das eigentlich nicht zu meinen Aufnahmen. Ok, mit etwas Phantasie vielleicht aber da ist eventuell eher der Wunsch der Vater des Gedankens.

Dein Winjupos Bild ist viel unschärfer als bei mir, hast Du das extra so bearbeitet um es besser mit deinem Bild vergleichen zu können ?

Gruß,
Holger
 

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Hallo Holger.
Besten Dank. Bin zufrieden.
So schlecht ist der Nachmittag oft bei mir gar nicht, so auch an dem Tag nicht.
Die Methode des digitalen Aufsuchens habe ich vor zwei Jahren mal angefangen, weil Merkur visuell gerade nahe der Sonne oder als lichtschwache Sichel kaum zu finden ist. Digital klappt fast immer. Natürlich fokal und mit dem großen Chip der ASI224, während die oben gezeigte Aufnahme ja mit der DMK gemacht ist. Sie eignet sich als Monokamera auflösungstechnisch besser für Merkur als die Farb-ASI, vor allem im Zusammenwirken mit den IR-Pass-Filtern, die ich bei Merkur immer einsetze.
Mit der schweren parallaktischen Montierung riskiere ich auch in größter Sonnenähe nicht zu viel, mein engster Abstand war noch kleiner.
Das WinJupos-Bild ist nur in CS so per Gaussfilter weichgezeichnet worden, wie es der kleinen Aufnahme am Refraktor entspräche. Die Details sehen in der Realität aber immer ein wenig anders aus, vielleicht auch durch andere Aufnahme-Filter als bei den Messengeraufnahmen. Gerade bei den geringen Bildgrößen werden helle Stellen z.B. leicht durch die Filteranwendung beim Schärfen überhöht. In meinem Fall verfließen dunkle Stellen zudem so zu einem Ring, wo sie etwas besser aufgelöst schon wieder als Einzelschwerpunkte erkennbar würden. Die Verteilung von Hell und Dunkel aber stimmt und bei genauer Betrachtung wird die Strukturgleichheit hinter dem Bild erkennbar.
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

als rein visueller Beobachter bin ich ja ein bisschen neidisch, wenn ich dein Merkurbild sehe. Wann immer möglich beobachte ich Merkur am Taghimmel. Visuell konnte ich aber noch nie Strukturen sehen.

Zum Thema Sonnennähe:
Ich habe auch visuell keine Angst, bei knappem Sonnenabstand zu beobachten. Dann allerdings nicht mehr mit dem Dobson! Das halte ich für extrem leichtsinnig. Bei knappem Abstand nehme ich eine parallaktische Montierung. Ich setze einen Sonnenfilter und eine "Taukappe" vor einen 114/900er Newton und zentriere die Sonne im Okular. Den Abstand Merkur-Sonne in Rektaszension und Deklination lese ich aus einer Planetariumsapp ab. Die entsprechenden Differenzen stelle ich dann an den beiden Rädchen der Montierung ein. Dann Sonnenfilter ab und nochmal vorne ins Teleskop geschaut, um zu kontrollieren bis wohin die Sonnenstrahlen vordringen.

Gerade bei geringem Abstand ist die Treffergenauigkeit trotz oft schlechter Einnordung extrem hoch, sodass Merkur sofort im Okular erscheint. Wichtig: Direkt hoch vergrößern und nicht mit Aufsuchokular herumfriemeln. Dann ist die Sonne auch sicher nicht mehr im Gesichtsfeld.

Clear Skies
Wolfgang
 
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