JochenEd
Neues Mitglied
5. April 2003
Dachbodenfenster in Hamburg-Rahlstedt, und
Die Krüh (Stormarns höchster Berg, 83m), Eichede, Schleswig-Holstein
Danubia/Synta Newton 200/1000 "Grover" auf GPE/HAL-110 mit DD-1
Okulare Eu-20, Eu-15, Eu-10
Feldstecher Minolta Activa 10x50 "Zoe"
Samstag tat sich über Hamburg schon am späteren Nachmittag ein tiefblauer und transparenter Himmel auf, der ganz eindeutig nach Spechtelalarm aussah. Nach einem geburtstäglichen Kuchenesssen bei Freunden gab es für den weiteren Abend keine konkreten Pläne. Kaum zu Hause eingetroffen wurde also CdC gestartet und erstmal auf Sommerzeit umgestellt (UT+2), damit die Berechnungen zu Dämmerung und Monduntergang wieder passen. Auf dem Übersichtsbild zum Sonnen- und Monduntergang im Westen fiel mir Merkur auf, der in diesen Tagen in eine sehr günstige Stellung vorrückt. Derzeit ist er noch zu über 75% beleuchtet und soll mit erstaunlichen -1m1 leuchten. Die Beobachtung erfolgte aus dem Velux-Fenster auf dem Dachboden. Ein benachbartes Haus in Richtung WNW ist noch eine Etage höher. Die Frage war also, wie viel Horizontdistanz das kosten würde. Zoe, die schöne Ackerpiekserin von Minolta, war schnell zur Hand. Die herrliche Mondsichel gab einen guten Anhalt. Es dauerte dann eine Weile bis die Dämmerungshelligkeit so weit abgesunken war, dass Merkur im Feldstecher als heller Punkt aufleuchtete. Die Farbe kam mir diesmal viel weißlicher und weniger gelblich vor, als im letzten Jahr. Nach weiteren 10 Minuten war die Sichtung dann auch mit bloßem Auge möglich. Zum Zeitpunkt des Erreichens der gegenüberliegenden Dachkante vermeldete CdC eine Horizontdistanz von 5 Grad. Das Velux-Fenster bekommt also den Status des offiziellen Merkur-Observatoriums. Der Mond stand ziemlich genau zwischen Merkur und Saturn. Obwohl Saturn nur mit 0m9 leuchtet, war er natürlich viel leichter zu erkennen.
Danach habe ich mir schnell zwei Scheiben Toast eingeworfen und in CdC eine Aufsuchkarte gedruckt. Mir war ein Galaxienpaar im Sternbild Sextans aufgefallen, bei dem beide Partner heller als 10m5 waren. Damit war das Beobachtungsprogramm abgesteckt. Südlich des Löwen sollten alle mir noch unbekannten Galaxien mit 10m5 und heller erspechtelt werden. Damit reichte ein Ausdruck, der das Feld von Regulus bis M104 umfasste. Ich war erst um 22:15 auf der Krüh (SPOK III). Aufgrund der Wettervorhersage hatte ich ziemliche Bedenken, wie der angedrohte Nordwind sich an dieser ungeschützten Stelle wohl auswirken würde. Bis Mitternacht hielten sich die Böen aber noch in Grenzen und Grover ließ sich nicht erschüttern. Die Ohrenklappen an meiner Wintermütze waren bei Temperaturen um den Gefrierpunkt überlebenswichtig. Grover kühlte in dem Wind schnell aus und das Seeing war noch erstaunlich brauchbar. Die Grenzhelligkeit ließ sich von der Mondsichel nicht beeinträchtigen und lag bei geschätzten 5m7.
So jetzt zu den Galaxien. Dabei gibt es erst die Fakten zusammen mit der Kryptik-Beschreibung aus dem NGC. Dann kommt meine bescheidene visuelle Wahrnehmung. Die vergleiche ich NACHHER dann mit Images aus der Digital Sky Survey (DSS). Die meisten Beobachtungen habe ich gestern mit dem 15 mm Eudiaskopischem Okular bei 66x durchgeführt.
NGC3166 - 10m4 - Sex - B,pS,R,psmbM
NGC3169 - 10m2 - Sex - B,pL,vlE,pgmbM,*
Beobachtung: Zwei kleine, rundliche und diffuse Nebel. Auch bei direktem Sehen noch erkennbar. Keine Helligkeitsabstufungen.
Nachlese: Beide Galaxien haben lichtschwache Halos, so dass bei der Beobachtung nur die Kernbereiche gesehen wurden. NGC3169 ist eine kompakte Spirale.
NGC 3640 - 10m4 - Leo - B,pL,R,psbM
Beobachtung: Gut erkennbar ohne weitere Auffälligkeiten. Rundlich.
Nachlese: Es handelt sich um eine elliptische Galaxie ohne Strukturen. Ganz schwacher Halo.
NGC 3521 - 9m0 - Leo - cB,cL,mE 140,vsmbMN
Beobachtung: Große, auffällige Galaxie. Warum steht die nicht im Karkoschka? Länglich (1:3) mit gut erkennbarem Halo.
Nachlese: Große Spirale mit ausgeprägtem Kerngebiet. Blickwinkel vielleicht 35 Grad zur Ebene. Staubstrukturen fotografisch auffällig.
NGC 4546 - 10m3 - Vir - vB,cL,pmE78,vsmbMN
Beobachtung: Klein, hell und sturkturlos. Länglich. Eingerahmt von drei Sternenpärchen. Einzelner Vordergrundstern.
Nachlese: Flächenhelle elliptische Galaxie. Vordergrundstern ist wohl TYC4951-00796-1 mit 11m8. Die Sternpärchen sind in CdC deutlich, jeweils mit gut 15 Bogenminuten Abstand von der Galaxie und 2 bis 5 Bogenminuten untereinander.
NGC 4753 - 9m9 - Vir - cB,L,vlE,vglbM
Beobachtung: Hell und diffus. Nördlich ein Sternchen. Südwestlich weiterer Nebel?
Nachlese: Sternchen nicht mehr im Tycho, also wohl schwächer als 12m0. Südwestlich keine weiteres Objekt - Phantom beobachtet.
NGC 4699 - 9m5 - Vir - vB,R,vmbMrN,r
Beobachtung: Heller Kern mit gut erkennbarem Halo. Rund.
Nachlese: Großer heller Kern mit schwach strukturierten engen Spiralarmen. Sieht in DSS aus wie ein Spiegelei.
NGC 4697 steht im Karkoschka und hatte bereits ein Häkchen. Auf einen Beobachtung habe ich verzichtet. Auf dem DSS-Image eine helle elliptische Galaxie. Die Objektauswahl ist mir in diesem Fall nicht einleutend. NGC 3521 ist auf jeden Fall spektakulärer. Ihr seht also, dass die Grossinquisition durchaus die "Bibel" kritisch hinterfragt!
NGC 4594 - M104 - Sombrero-Galaxie!
Nach sieben neuen Galaxien stieß im am Ende des Feldes auf diese alte Bekannte. Die asymmetrische Helligkeitsverteilung war gut zu erkennen. Dies lieferte mir eine Bestätigung, dass die Beobachtungen bis dahin unter wirklich soliden Bedingungen gemacht wurden.
Zum abgesteckten Feld gehörte zuletzt noch die Spindelgalaxie NGC 3115. Sie zeigte sich erfreulich hell und erwartungsgemäß länglich. Grover hing etwas ungünstig in seinen Rohrschellen und ich verrenkte mich noch etwas, um Jupiters Geist aufzusuchen. Der machte wieder den fröhlichen Strahlemann. Trotz Io-Durchgang habe ich das lebendige Gegenstück keines Blickes gewürdigt. Shame on me!
Abschließend noch Genußspechteln: M13 wirkte restlos aufgelöst - ein Traum. M51 bestätigte die guten Galaxienbedingungen und ist inzwischen einer meiner einfachsten Starhops. M106 ist schon schwerer aufzusuchen. Der Halo mit dem asymmetrisch positionierten Kern wirkt strukturiert. Wirklich ein Highlight unter den Galaxien am Himmel.
Übrigens nehme ich es zurück, dass ich Spechtler, die schon im Februar anfangen die typischen Frühlingsgalaxien zu gucken, für blöd erklärt habe. Da es jetzt noch immer saukalt in den Nächten ist, macht es wirklich keinen Unterschied!
Jochen Ed.
Dachbodenfenster in Hamburg-Rahlstedt, und
Die Krüh (Stormarns höchster Berg, 83m), Eichede, Schleswig-Holstein
Danubia/Synta Newton 200/1000 "Grover" auf GPE/HAL-110 mit DD-1
Okulare Eu-20, Eu-15, Eu-10
Feldstecher Minolta Activa 10x50 "Zoe"
Samstag tat sich über Hamburg schon am späteren Nachmittag ein tiefblauer und transparenter Himmel auf, der ganz eindeutig nach Spechtelalarm aussah. Nach einem geburtstäglichen Kuchenesssen bei Freunden gab es für den weiteren Abend keine konkreten Pläne. Kaum zu Hause eingetroffen wurde also CdC gestartet und erstmal auf Sommerzeit umgestellt (UT+2), damit die Berechnungen zu Dämmerung und Monduntergang wieder passen. Auf dem Übersichtsbild zum Sonnen- und Monduntergang im Westen fiel mir Merkur auf, der in diesen Tagen in eine sehr günstige Stellung vorrückt. Derzeit ist er noch zu über 75% beleuchtet und soll mit erstaunlichen -1m1 leuchten. Die Beobachtung erfolgte aus dem Velux-Fenster auf dem Dachboden. Ein benachbartes Haus in Richtung WNW ist noch eine Etage höher. Die Frage war also, wie viel Horizontdistanz das kosten würde. Zoe, die schöne Ackerpiekserin von Minolta, war schnell zur Hand. Die herrliche Mondsichel gab einen guten Anhalt. Es dauerte dann eine Weile bis die Dämmerungshelligkeit so weit abgesunken war, dass Merkur im Feldstecher als heller Punkt aufleuchtete. Die Farbe kam mir diesmal viel weißlicher und weniger gelblich vor, als im letzten Jahr. Nach weiteren 10 Minuten war die Sichtung dann auch mit bloßem Auge möglich. Zum Zeitpunkt des Erreichens der gegenüberliegenden Dachkante vermeldete CdC eine Horizontdistanz von 5 Grad. Das Velux-Fenster bekommt also den Status des offiziellen Merkur-Observatoriums. Der Mond stand ziemlich genau zwischen Merkur und Saturn. Obwohl Saturn nur mit 0m9 leuchtet, war er natürlich viel leichter zu erkennen.
Danach habe ich mir schnell zwei Scheiben Toast eingeworfen und in CdC eine Aufsuchkarte gedruckt. Mir war ein Galaxienpaar im Sternbild Sextans aufgefallen, bei dem beide Partner heller als 10m5 waren. Damit war das Beobachtungsprogramm abgesteckt. Südlich des Löwen sollten alle mir noch unbekannten Galaxien mit 10m5 und heller erspechtelt werden. Damit reichte ein Ausdruck, der das Feld von Regulus bis M104 umfasste. Ich war erst um 22:15 auf der Krüh (SPOK III). Aufgrund der Wettervorhersage hatte ich ziemliche Bedenken, wie der angedrohte Nordwind sich an dieser ungeschützten Stelle wohl auswirken würde. Bis Mitternacht hielten sich die Böen aber noch in Grenzen und Grover ließ sich nicht erschüttern. Die Ohrenklappen an meiner Wintermütze waren bei Temperaturen um den Gefrierpunkt überlebenswichtig. Grover kühlte in dem Wind schnell aus und das Seeing war noch erstaunlich brauchbar. Die Grenzhelligkeit ließ sich von der Mondsichel nicht beeinträchtigen und lag bei geschätzten 5m7.
So jetzt zu den Galaxien. Dabei gibt es erst die Fakten zusammen mit der Kryptik-Beschreibung aus dem NGC. Dann kommt meine bescheidene visuelle Wahrnehmung. Die vergleiche ich NACHHER dann mit Images aus der Digital Sky Survey (DSS). Die meisten Beobachtungen habe ich gestern mit dem 15 mm Eudiaskopischem Okular bei 66x durchgeführt.
NGC3166 - 10m4 - Sex - B,pS,R,psmbM
NGC3169 - 10m2 - Sex - B,pL,vlE,pgmbM,*
Beobachtung: Zwei kleine, rundliche und diffuse Nebel. Auch bei direktem Sehen noch erkennbar. Keine Helligkeitsabstufungen.
Nachlese: Beide Galaxien haben lichtschwache Halos, so dass bei der Beobachtung nur die Kernbereiche gesehen wurden. NGC3169 ist eine kompakte Spirale.
NGC 3640 - 10m4 - Leo - B,pL,R,psbM
Beobachtung: Gut erkennbar ohne weitere Auffälligkeiten. Rundlich.
Nachlese: Es handelt sich um eine elliptische Galaxie ohne Strukturen. Ganz schwacher Halo.
NGC 3521 - 9m0 - Leo - cB,cL,mE 140,vsmbMN
Beobachtung: Große, auffällige Galaxie. Warum steht die nicht im Karkoschka? Länglich (1:3) mit gut erkennbarem Halo.
Nachlese: Große Spirale mit ausgeprägtem Kerngebiet. Blickwinkel vielleicht 35 Grad zur Ebene. Staubstrukturen fotografisch auffällig.
NGC 4546 - 10m3 - Vir - vB,cL,pmE78,vsmbMN
Beobachtung: Klein, hell und sturkturlos. Länglich. Eingerahmt von drei Sternenpärchen. Einzelner Vordergrundstern.
Nachlese: Flächenhelle elliptische Galaxie. Vordergrundstern ist wohl TYC4951-00796-1 mit 11m8. Die Sternpärchen sind in CdC deutlich, jeweils mit gut 15 Bogenminuten Abstand von der Galaxie und 2 bis 5 Bogenminuten untereinander.
NGC 4753 - 9m9 - Vir - cB,L,vlE,vglbM
Beobachtung: Hell und diffus. Nördlich ein Sternchen. Südwestlich weiterer Nebel?
Nachlese: Sternchen nicht mehr im Tycho, also wohl schwächer als 12m0. Südwestlich keine weiteres Objekt - Phantom beobachtet.
NGC 4699 - 9m5 - Vir - vB,R,vmbMrN,r
Beobachtung: Heller Kern mit gut erkennbarem Halo. Rund.
Nachlese: Großer heller Kern mit schwach strukturierten engen Spiralarmen. Sieht in DSS aus wie ein Spiegelei.
NGC 4697 steht im Karkoschka und hatte bereits ein Häkchen. Auf einen Beobachtung habe ich verzichtet. Auf dem DSS-Image eine helle elliptische Galaxie. Die Objektauswahl ist mir in diesem Fall nicht einleutend. NGC 3521 ist auf jeden Fall spektakulärer. Ihr seht also, dass die Grossinquisition durchaus die "Bibel" kritisch hinterfragt!
NGC 4594 - M104 - Sombrero-Galaxie!
Nach sieben neuen Galaxien stieß im am Ende des Feldes auf diese alte Bekannte. Die asymmetrische Helligkeitsverteilung war gut zu erkennen. Dies lieferte mir eine Bestätigung, dass die Beobachtungen bis dahin unter wirklich soliden Bedingungen gemacht wurden.
Zum abgesteckten Feld gehörte zuletzt noch die Spindelgalaxie NGC 3115. Sie zeigte sich erfreulich hell und erwartungsgemäß länglich. Grover hing etwas ungünstig in seinen Rohrschellen und ich verrenkte mich noch etwas, um Jupiters Geist aufzusuchen. Der machte wieder den fröhlichen Strahlemann. Trotz Io-Durchgang habe ich das lebendige Gegenstück keines Blickes gewürdigt. Shame on me!
Abschließend noch Genußspechteln: M13 wirkte restlos aufgelöst - ein Traum. M51 bestätigte die guten Galaxienbedingungen und ist inzwischen einer meiner einfachsten Starhops. M106 ist schon schwerer aufzusuchen. Der Halo mit dem asymmetrisch positionierten Kern wirkt strukturiert. Wirklich ein Highlight unter den Galaxien am Himmel.
Übrigens nehme ich es zurück, dass ich Spechtler, die schon im Februar anfangen die typischen Frühlingsgalaxien zu gucken, für blöd erklärt habe. Da es jetzt noch immer saukalt in den Nächten ist, macht es wirklich keinen Unterschied!
Jochen Ed.