Merkur Taghimmel, 17. April - viele Details

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Canonist

Aktives Mitglied
Hallo zusammen.

Ostern war bestes Astrowetter - und wie sich das so gehört, verreckte am Karfreitag mein Sternwartencomputer.
Vielleicht ausnahmsweise mal zur rechten Zeit, denn so hatte ich an einem freien Osterwochenende die Zeit, Ersatz zu beschaffen. Kurzerhand via ebay-Kleinanzeigen aus der näheren Umgebung zwei neue PCs gesucht, am Sonnabendmorgen abgeholt und mit der Einrichtung begonnen, während das gerade noch einmal in Gang gekriegte Altgerät noch Sonne in h-alpha aufnahm. In stundenlanger Arbeit war bis zum Nachmittag alles soweit erledigt, dass ich auch einen Versuch wagen konnte, Merkur zu suchen, um ihn am neuen PC aufzunehmen.

Der Planet war schnell gefunden, was visuell einfacher ging als mit der Kamera. Nach Ausstattung mit Barlow erste Versuche - Mist! EFW dreht nicht (ZWO Ascom-Treiber fehlte noch). Glücklicherweise war das Rotfilter eingestellt, so konnte ich wenigstens etwas machen. Leider aber war das Seeing am Nachmittag trotz hohen Standes Merkurs noch sehr bewegt - wie von den Sonnenaufnahmen vorher schon zu befürchten.

Nachdem ich dann auch das Filterrad zum Laufen bekommen habe, war es schon deutlich später geworden. Doch dem Merkur tat das keinen Abbruch, die Luft besserte sich, wie so häufig gegen Abend, aber noch vor Sonnenuntergang.

Ich habe mehrere Aufnahmen gemacht, mit IR 685, IR 807 und zuletzt wieder dem Rotfilter. Während dieser R-Aufnahme um 18:52 MESZ sah das Seeing im Livebild eher durchschnittlich aus, es war nicht leicht, überhaupt den Fokus zu finden. Dann habe ich rund 120.000 frames belichtet, wobei der neue Computer aufgrund schnelle Festplatte und kleinen ROI's bis zu 200 frames/sec lieferte, ohne ein lost frame! Ich habe noch nie so schnell ein so fettes Video zusammenbekommen. Zeitweilig schien das Seeing mal etwas inne zu halten, richtig gut erschien es mir aber nie, so dass ich nur mäßiger Hoffnung war, ein gutes Ergebnis unter diesen Umständen zu erlangen.

Umso überraschter war ich nach der Sofortauswertung (witziger Begriff, bei mehr als 15 min Warten beim Stacken), als ich in Giotto die Schärfung vorgenommen habe: Mit dieser Detailfülle hatte ich nicht im Mindesten gerechnet. Wie tief die reicht, wurde erst beim Vergleich mit der WinJupos-Simulation klar. Da waren zahlreiche Features der Oberfläche genau nachzuvollziehen. Dunkle und helle Gebiete und helle Kraterflecken, von denen sich einige auch konkret identifizieren lassen. Leider reicht die Benamsung in Guide nicht so weit, dass einige klar auszumachende Details nicht benannt werden können.

In der Summe das wahrscheinlich beste Merkurbild, das mir jemals gelungen ist, und dies, obwohl die Aufnahmeumstände sowas nie erwarten ließen.
Zusammengekommen, weil:
- eine ganz lange Brennweite zum Einsatz kam, ca. f:40 per Okularprojektion
- ich offenbar mit etwas Glück den exakten Fokus gefunden habe (mir ist aber noch eine zweite Aufnahme mit fast gleicher Schärfe an dem Abend gelungen)
- und in der kurzen Zeit, wo das Seeing etwas besser war, ausreichend viele frames gesammelt werden konnten.
Technisch: C14 mit Okp. auf ca. 15,5 Meter Brennweite, ASI290MM, ca. 120.000 frames in ca. 10 min. Stacking in AS3! bei 3% Verwendungsrate, Mexhat in Giotto, PS-Finalbearbeitung.

Und weil das Seeing eben noch nicht "Bombe" war, ist das sicher auch noch nicht das Ende der Fahnenstange. Es dürfte unter optimalen Umständen noch ein gutes Stück mehr rauszuholen sein.

CS
Rudolf
 

Anhänge

  • merk_tab170422.jpg
    merk_tab170422.jpg
    141,5 KB · Aufrufe: 174
  • merk_legende.jpg
    merk_legende.jpg
    195 KB · Aufrufe: 163
Hallo Rudolf,
so ein detailreicher Merkur war vor kurzer Zeit noch nicht vorstellbar- sehr gutes Ergebnis. Danke auch für die ausführlichen Erläuterungen zur Aufnahme.
Weiterhin beste Beobachtungen nah an den Planeten!
 
Danke Karl-Heinz.
Und ein kleines Erratum hintendran: In der Legende ist ein L verschwunden, der Krater heißt Berkel...
LG
 
Moin,

der Merkur haut einen echt aus den Socken :love:
Auch wenns kein Sammelthread ist, stelle ich mal eine meiner Aufnahmen hier dazu. Bei 6" Öffnung natürlich weniger aufgelöst, ich bin aber trotzdem glücklich über das Ergebnis, vor allem natürlich über die rekordverdächtigen Umstände, dass einmal während der interessanten Phase einer Merkur-Sichtbarkeit tagelang klarer Himmel war, noch dazu mit -für Tagbeobachtungen gesehen - guten Bedingungen. Dazu gehört auch, dass aktuell noch nachmittags die Sonne hier kurz hinter einem Hochhaus verschwindet. Vorher nutze ich sie noch als Startpunkt zum Auffinden, danach kann man ungestört im Schatten beobachten.:cool:
mercury_2022-04-20_enh.jpg

Ich habe die letzten Tage ein Menge Aufnahmen gemacht, und fange gerade erst an mit Auswerten, und arbeite mich chronologisch rückwärts durch das Material.
Übrigens, vergleicht man diese Aufnahme von 20. mit der vom 17. oben sieht man schön die langsame Rotation von Merkur.
-cb

:cool:
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben