JSchmoll
Aktives Mitglied
Beobachtungsort: Castle Eden Walkway Planetarium ( http://www.planetarium.btinternet.co.uk/index2.htm ) suedlich von Durham, Nordengland
Mitwirkende:
Mr Chevalier ("Chevi"): Refraktor 117/1750mm auf EQ6, mit Baader-Folienfilter
Grubb ("Grubbchen"): Refraktor 100/500 auf EQ5, mit CORONADO Solarmax 40
ausserdem waren da noch ...
... Keith mit seinem 5-Zoeller und einer nicht naeher bestimmten Anzahl von Videokameras
... die Zwillinge mit ihrem 10"-Newton auf einer mechanisch verbesserten Vixen SP
... ein excellenter Low-Tech-Dobson 8 3/4 Zoll
... ein 80/1250er Japan-Refraktoroldie
... ein 150/750er Orion UK Newton
... ein 20x80-Feldstecher mit Projektionsbox hintendran
Erster Akt: Prolog im Himmel
Wir hatten beschlossen, schon die Nacht zuvor fuer Deepsky zu nutzen, um die Geraete einzunorden. Auf Schlaf verzichtend, wurde ich kurz vor 12 abgeholt (nachdem der Chevi schon tags zuvor mit dem gleichen Ford Fiesta transportiert wurde, mehr ging in die Kiste nicht rein). Draussen ab und zu ein diffuser Mond, gelegentlich leichter Regen ...
Am Planetarium angekommen, lege ich erstmal meine Zwiebelschalenkleidung an. Es weht ein eiskalter Wind, zum Glueck aus Westen. So kann ich auf der Ostseite des Planetariums (das wie eine Pyramide exakt nach Nordsued ausgerichtet ist und so das Einnorden erleichtert) im Windschatten aufbauen. Was ich bei bewoelktem Himmel und unter den unglaeubigen Blicken meiner Freunde auch tue. Um ein Uhr steht der Chevi, und von dieser Zeit an flitze ich aller 10 Minuten raus, um nach Regen zu schauen ...
Die Nacht im Planetarium verkuerze ich mir neben der Einnahme diverser Keksriegel mit der Besichtigung eines 114ers, wie ich ihn nie zuvor gesehen hatte: Ein 114/1200er Newton, Spinne als Kreis ausgefuehrt zur Beugungsminimierung, Tubus vorne voll, hinten Gitter und fuer Transport ineinanderschiebbar. Dieser Exot stammt aus den 60ern und wurde unter der Bezeichnung "Greenkat" von den Japanern verkauft. Ein sehr fremdartiger Vorgaenger des spaeteren 114/900ers ...
Zweiter Akt: Trueber Tag, Feld
Irgendwann wurde es heller und lauter draussen: Erst fing das Gefluegel an zu quietschen, spaeter bloekten die Schafe - ein trueber Tag begann. Na immerhin kein Regen, und die hoechst inhomogene Wolkenschicht eher blaugrau mit signifikanter Aufhellung in Richtung Sonne. Das liess hoffen. Mehr und mehr Autos kamen und weitere Teleskope wurden aufgestellt.
Der 1. Kontakt verstrich ungesehen. Dann wurde der Fleck am Horizont heller und kleiner - schliesslich brach die Sonne ganz langsam durch den Hochnebel, freilich genau hinter einem Hochspannungsmasten ...
So etwa gegen 7 Uhr kam von allen Seiten der befreiende Ruf "I see it !". Und in der Tat, das schmandige Sonnenbild hatte am Nordwestrand einen runden kleinen Fleck. Mittlerweile wurde die Durchsicht teilsweise so gut, dass ich am Chevi hoeher vergroessern konnte und einen am Sonnenrand stehenden exakt runden Sonnenfleck erkannte. Sah schon irgendwie unnatuerlich aus, normal sind die Flecke in der Position ja eher verzerrt. Grubbchen fuehrte mit seinem Coronado ein Schattendasein, mehr als ein oranger Matschfleck war nicht erkennbar.
Es wurde waermer, und ich beschloss mich auf die Wiese zu legen und ein wenig zu meditieren. Offenbar half das, gegen acht kam eine weitere Wolkenluecke und wir konnten das inzwischen weitergewanderte Merkurprofil bewundern. Ich fand es verhaeltnismaessig gross, haette es kleiner erwartet. Immerhin - ich hatte es gesehen, die Expedition war nicht vergebens. Obwohl ich doch gern ein Souvenir in Diaform mitgenommen haette ...
Nun, es bewoelkte sich wieder und ich beschloss, zu meiner Meditation "Wiese" zurueckzukehren ... waehrend ich dort lag und kurz einnickte, witzelten die Freunde schon von meinem Ableben und sie fingen an, meine Astroausruestung unter sich aufzuteilen ... nix da. Ich wachte auf, geblendet von der Sonne ! Ran ans Rohr ...
Dritter Akt: Hektischer Schluss
In der Tat hatte es aufgeklart, und diesmal anstaendig. Mehr und mehr blauer Himmel wurde sichtbar. Auch der Coronado kam nun zum Einsatz, und waehrend dort hektische Betriebsamkeit herrschte, konnte ich den Chevi fuer erste Fotos belegen. Insgesamt kamen drei Kameras mit Filmen von 200 ASA (war halt drin) sowie extra beschafften 100er und 50er Fujis zum Einsatz. Nach ersten Fokalaufnahmen verdoppelte und vervierfachte ich die Brennweite. Insgesamt wurden 2 1/2 Filme gefuellt - davon ein grosser Teil auch am Coronado. Hier mit Brennweiten von 1 und 2 Metern, zum Fokussieren unter einem dicken Pullover verborgen (und dem Gelaester der Umstehenden ausgesetzt). Zwischendurch steckte ich immer wieder ein Okular rein und auf einmal sah ich sie - eine riesige Protuberanz, etwa 1/4 Sonnendurchmesser, hatte sich komplett von der Sonne abgeloest. Das machte die Runde, und alles stuermte zum Grubbchen - waehrend ich wieder am Chevi weiterknipste. Schliesslich schloss der Videofreak Keith eine Ueberwachungs-Farbkamera an und dann gabs Merkur und Protuberanz fuer alle ...
Der Austritt nahte. Die Zwillinge hatten ihren 10" schon abgebaut, als ihnen einfiel dass das Ereignis noch nicht zuende war und noch Fotos zu machen seien. Es folgte ein hektisches Aufbauen inklusive Kampf mit der Nachfuehrelektronik, den ich akustisch unter meinem Fokussiertuch mitbekam ... irgendwo hinterm Planetarium ertoente eine hektische Reporterstimme. Wahrend nun alle zu ihrem Fernrohr rannten (und ich zwischen Grubb und dem Chevi hin- und hersprang, da ich als Fotojunkie natuerlich den Austritt gleichzeitig in Weisslicht und H alpha ablichten wollte), beruehrte Merkur den Sonnenrand. Ich knipste aus allen Rohren. Schliesslich war am Chevi der Film alle, ich riss die Kamera ab und stoepselte Prisma mit Okular rein. Ein kleines Fitzelchen vom Merkur war noch erkennbar, die Sonne war noch ein bisschen "angebissen". Ich rief, dass dieses Rohr freigegeben sei und waehrend gleich einige darauf einstuermten, machte ich mich an den Coronado und verballerte hier den Film. Schliesslich hoerte ich von allen Seiten "I dont see it any more, over !" und ich wechselte auch am Grubbchen die Kamera gegen das Oku aus. Und - "I still see it" ! Jemand mit einer Stoppuhr kam angerannt und indeed, Merkur war im Coronado so 1 - 2 Minuten laenger erkennbar. Dies zeigte sehr anschaulich, dass die Chromosphaere _ueber_ der Photosphaere liegt !
Nun, nach dieser Hektik - mich schon an eine Sonnenfinsternis erinnernd - war nun Relax angesagt. Ich bog ums Planetarium und rannte in die Arme des Reporters - der hatte einen kompletten Uebertragungswagen eines lokalen Radiosenders mitgebracht und eh ich mich versah, wurde ich live interviewt. Alles in allem war es trotz negativer Wetteraussicht ein erfolgreiches Ereignis - die Filme sind schon zum Entwickeln gebracht und ich hoffe, unter den 80 bis 90 Aufnahmen sind zehn brauchbare ...
Mitwirkende:
Mr Chevalier ("Chevi"): Refraktor 117/1750mm auf EQ6, mit Baader-Folienfilter
Grubb ("Grubbchen"): Refraktor 100/500 auf EQ5, mit CORONADO Solarmax 40
ausserdem waren da noch ...
... Keith mit seinem 5-Zoeller und einer nicht naeher bestimmten Anzahl von Videokameras
... die Zwillinge mit ihrem 10"-Newton auf einer mechanisch verbesserten Vixen SP
... ein excellenter Low-Tech-Dobson 8 3/4 Zoll
... ein 80/1250er Japan-Refraktoroldie
... ein 150/750er Orion UK Newton
... ein 20x80-Feldstecher mit Projektionsbox hintendran
Erster Akt: Prolog im Himmel
Wir hatten beschlossen, schon die Nacht zuvor fuer Deepsky zu nutzen, um die Geraete einzunorden. Auf Schlaf verzichtend, wurde ich kurz vor 12 abgeholt (nachdem der Chevi schon tags zuvor mit dem gleichen Ford Fiesta transportiert wurde, mehr ging in die Kiste nicht rein). Draussen ab und zu ein diffuser Mond, gelegentlich leichter Regen ...
Am Planetarium angekommen, lege ich erstmal meine Zwiebelschalenkleidung an. Es weht ein eiskalter Wind, zum Glueck aus Westen. So kann ich auf der Ostseite des Planetariums (das wie eine Pyramide exakt nach Nordsued ausgerichtet ist und so das Einnorden erleichtert) im Windschatten aufbauen. Was ich bei bewoelktem Himmel und unter den unglaeubigen Blicken meiner Freunde auch tue. Um ein Uhr steht der Chevi, und von dieser Zeit an flitze ich aller 10 Minuten raus, um nach Regen zu schauen ...
Die Nacht im Planetarium verkuerze ich mir neben der Einnahme diverser Keksriegel mit der Besichtigung eines 114ers, wie ich ihn nie zuvor gesehen hatte: Ein 114/1200er Newton, Spinne als Kreis ausgefuehrt zur Beugungsminimierung, Tubus vorne voll, hinten Gitter und fuer Transport ineinanderschiebbar. Dieser Exot stammt aus den 60ern und wurde unter der Bezeichnung "Greenkat" von den Japanern verkauft. Ein sehr fremdartiger Vorgaenger des spaeteren 114/900ers ...
Zweiter Akt: Trueber Tag, Feld
Irgendwann wurde es heller und lauter draussen: Erst fing das Gefluegel an zu quietschen, spaeter bloekten die Schafe - ein trueber Tag begann. Na immerhin kein Regen, und die hoechst inhomogene Wolkenschicht eher blaugrau mit signifikanter Aufhellung in Richtung Sonne. Das liess hoffen. Mehr und mehr Autos kamen und weitere Teleskope wurden aufgestellt.
Der 1. Kontakt verstrich ungesehen. Dann wurde der Fleck am Horizont heller und kleiner - schliesslich brach die Sonne ganz langsam durch den Hochnebel, freilich genau hinter einem Hochspannungsmasten ...
So etwa gegen 7 Uhr kam von allen Seiten der befreiende Ruf "I see it !". Und in der Tat, das schmandige Sonnenbild hatte am Nordwestrand einen runden kleinen Fleck. Mittlerweile wurde die Durchsicht teilsweise so gut, dass ich am Chevi hoeher vergroessern konnte und einen am Sonnenrand stehenden exakt runden Sonnenfleck erkannte. Sah schon irgendwie unnatuerlich aus, normal sind die Flecke in der Position ja eher verzerrt. Grubbchen fuehrte mit seinem Coronado ein Schattendasein, mehr als ein oranger Matschfleck war nicht erkennbar.
Es wurde waermer, und ich beschloss mich auf die Wiese zu legen und ein wenig zu meditieren. Offenbar half das, gegen acht kam eine weitere Wolkenluecke und wir konnten das inzwischen weitergewanderte Merkurprofil bewundern. Ich fand es verhaeltnismaessig gross, haette es kleiner erwartet. Immerhin - ich hatte es gesehen, die Expedition war nicht vergebens. Obwohl ich doch gern ein Souvenir in Diaform mitgenommen haette ...
Nun, es bewoelkte sich wieder und ich beschloss, zu meiner Meditation "Wiese" zurueckzukehren ... waehrend ich dort lag und kurz einnickte, witzelten die Freunde schon von meinem Ableben und sie fingen an, meine Astroausruestung unter sich aufzuteilen ... nix da. Ich wachte auf, geblendet von der Sonne ! Ran ans Rohr ...
Dritter Akt: Hektischer Schluss
In der Tat hatte es aufgeklart, und diesmal anstaendig. Mehr und mehr blauer Himmel wurde sichtbar. Auch der Coronado kam nun zum Einsatz, und waehrend dort hektische Betriebsamkeit herrschte, konnte ich den Chevi fuer erste Fotos belegen. Insgesamt kamen drei Kameras mit Filmen von 200 ASA (war halt drin) sowie extra beschafften 100er und 50er Fujis zum Einsatz. Nach ersten Fokalaufnahmen verdoppelte und vervierfachte ich die Brennweite. Insgesamt wurden 2 1/2 Filme gefuellt - davon ein grosser Teil auch am Coronado. Hier mit Brennweiten von 1 und 2 Metern, zum Fokussieren unter einem dicken Pullover verborgen (und dem Gelaester der Umstehenden ausgesetzt). Zwischendurch steckte ich immer wieder ein Okular rein und auf einmal sah ich sie - eine riesige Protuberanz, etwa 1/4 Sonnendurchmesser, hatte sich komplett von der Sonne abgeloest. Das machte die Runde, und alles stuermte zum Grubbchen - waehrend ich wieder am Chevi weiterknipste. Schliesslich schloss der Videofreak Keith eine Ueberwachungs-Farbkamera an und dann gabs Merkur und Protuberanz fuer alle ...
Der Austritt nahte. Die Zwillinge hatten ihren 10" schon abgebaut, als ihnen einfiel dass das Ereignis noch nicht zuende war und noch Fotos zu machen seien. Es folgte ein hektisches Aufbauen inklusive Kampf mit der Nachfuehrelektronik, den ich akustisch unter meinem Fokussiertuch mitbekam ... irgendwo hinterm Planetarium ertoente eine hektische Reporterstimme. Wahrend nun alle zu ihrem Fernrohr rannten (und ich zwischen Grubb und dem Chevi hin- und hersprang, da ich als Fotojunkie natuerlich den Austritt gleichzeitig in Weisslicht und H alpha ablichten wollte), beruehrte Merkur den Sonnenrand. Ich knipste aus allen Rohren. Schliesslich war am Chevi der Film alle, ich riss die Kamera ab und stoepselte Prisma mit Okular rein. Ein kleines Fitzelchen vom Merkur war noch erkennbar, die Sonne war noch ein bisschen "angebissen". Ich rief, dass dieses Rohr freigegeben sei und waehrend gleich einige darauf einstuermten, machte ich mich an den Coronado und verballerte hier den Film. Schliesslich hoerte ich von allen Seiten "I dont see it any more, over !" und ich wechselte auch am Grubbchen die Kamera gegen das Oku aus. Und - "I still see it" ! Jemand mit einer Stoppuhr kam angerannt und indeed, Merkur war im Coronado so 1 - 2 Minuten laenger erkennbar. Dies zeigte sehr anschaulich, dass die Chromosphaere _ueber_ der Photosphaere liegt !
Nun, nach dieser Hektik - mich schon an eine Sonnenfinsternis erinnernd - war nun Relax angesagt. Ich bog ums Planetarium und rannte in die Arme des Reporters - der hatte einen kompletten Uebertragungswagen eines lokalen Radiosenders mitgebracht und eh ich mich versah, wurde ich live interviewt. Alles in allem war es trotz negativer Wetteraussicht ein erfolgreiches Ereignis - die Filme sind schon zum Entwickeln gebracht und ich hoffe, unter den 80 bis 90 Aufnahmen sind zehn brauchbare ...