Merkurtransit - ein Thüringer Drama !

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Georg_Dittie

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Hi Leutz,

Bin seit gerade aus Kirchheim (VdS-Sternwarte ...) zurück und habe eine Menge zu bereichten:

Ich hab' den Merkurtransit auch beobachten können - obwohl Sachsen und Thüringen eigentlich völlig clouded out sein sollten - aber es gab dann doch etwa zur Mitte des Transits eine Stunde mit dramatischen Wolkenlücken, wo ich mit sehr schwachen Filtern durchlugen konnte -

(jetzt kommts ...)

- mit meinem Schiefspiegler ! 5 Meter Brennweite, nur ein Glassonnenfilter vor der Korrektor-Gruppe im Fangspiegeltubus und bei den wenigen helleren Momenten noch mit einem 8fach Graufilter vor der Mintron-Kamera.

Mit dem Schiefspiegler bei voller Öffnung Sonne beobachten - das geht ! Ich hatte es beim herrlich sonnenklaren Montag ausprobiert - der Filter bekommt zwar etwa das achtfache an Sonnenlichtab, wie unkonzentriert beschienene Flächen, aber wird gerade lauwarm. Den Rest regelt man mit zwei Graufiltern, 8fach und 64fach und stellt den Shutter der Mintron auf ELC (dritte Option von oben im Menü) Dann regelt sich die Mintron alleine den heller und dunkler werdenden Wolkenlücken nach.

Den Merkureintritt konnte ich nicht sehen - alles zu mit unrettbar dicker Altostratus-bewölkung, die sich dann aber so bis 10.15 langsam zersetzte. Bis 11.30 konnten wir in Kirchheim beobachten, dann war alles wieder unrettbar zu, also fällt auch der Austritt flach.

Aber !

Mit einem vollgeöffneten Schiefspiegler (aus den vorhergegangenen Nächten gut justiert ...), mit Glassonnenfilter und 5 Meter Brennweite: mannoman, das hat mich echt glatt vom Stühlchen gehauen - sowas von scharf. Einen so gut definierten Merkur hab ich bislang noch nicht gesehen. Das Seeing war trotz der dichten Wolken, die nie ganz aufrissen, sekundenweise so gut, daß ich den tiefdunklen Merkur vor der Granulation schweben sah.

Natürlich hab ich auch ca 20 Minuten Video aufgezeichnet - ich seh' zu, daß ich die Bilder sehr schnell verarbeitet bekomme !

Auf jeden Fall ist selbst fokal Merkur schon erstaunlich groß (klaro - größer gehts nicht) In einem kleinen Experiment habe ich dann doch die wenigen klareren Momente zwischen den dunklen Wolken genutzt und die Brennweite auf 10 Meter gesteigert - so ein feister Merkur vor der wabernden Granulation - das alles mit wilden Wolkenfetzen moduliert - Irre. Dazu hatte ich zumindest in den Augenblicken besten Seeings das Gefühl, Merkur sei von Beugungsringen umgeben. Zu schade, keinen der Kontakte erwischt zu haben - das wärs doch, evtl. ein Tropfen-Phänomen oder sowas mit meinem SuSchie zu filmen ! Dummerweise ist der nächste Transit einer der Venus - und die hat bekannterweise eine sehr dichte Athmosphäre.

Wegen der Wolken ist natürlich der Kontrast nicht das was er sein könnte, mein Sonnenfilter ist tiefgrün (da ist Wolfgang Lille völlig schmerzfrei - er läßt alles, was planparallel ist, bedampfen ...). Visuell war Merkur hell bis tiefdunkelgrün vor grellgrüner Sonne - im Video ist alles in gnadenreichem Schwarz-Weiß - Danke Mintron ;-)

Erste Schlüsse aus dieser Transitbeobachtung:

- Ich kann meinen Schiefspiegler optimal zur Transitbeobachtung nutzen, das bedeutet auch, daß ich zum Venustransit 2004 in Europa bleibe und mir einen halbwegs sonnensicheren Ort aussuche, der mit dem Auto erreichbar ist.

- Auch das Wetterrisiko ist kleiner als man denkt. Mit der Kombination aus Vorsonnenfilter mit spiegelschicht und zwei logarithmisch gestuften Graufiltern kann man jedem wetter trotzen. Am superklaren Sonntag habe ich halt mit dem 64x und 1/1000 Shutter der Mintron gearbeitet (fokal bei f 20) Das es heute überhaupt ging, grenzt an ein Wunder.

- Transits sind eine entspannte Sache - man hatte heute 5 einhalb Stunden Zeit auf seine Chance zu warten und siehe da, sie kam. Siehe auch Violau.

Soweit auf die Schnelle, Georg


... der beim Nachhausefahren sich doch schon ein bisschen über das klare Wetter im Westen geärgert hat ... So ein Murphy !
 
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