Merkurtransit?!

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R_Andreas

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06. Mai - 22:30: Es regnet! Morgen früh ist der Merkurtransit auf den sich die halbe Astrowelt seit Monaten freut, und ich natürlich auch. Der Wetterbericht sagt allerdings, es soll ab Mitternacht besser werden, naja, meistens traue ich den Wetterfröschen nicht, aber in letzter Zeit stimmten die Vorhersagen.

Okay, der Wecker wird trotzdem auf 5:30 gestellt, für meinen Rhytmus ist das mitten in der Nacht.

07.Mai - 5:30: Der Wecker klingelt 1,5 Stunden eher als üblich und ich fühle mich entsprechend. Nach kurzem Überlegen ertaste ich meine Sehhilfe und schäle ich mich aus dem Bett, tappse zum Fenster und schiebe das Rollo beiseite und - blauer Himmel, yeah, ich bin sofort wach!

Ab in den Keller, das *entfernt* (GSO 80/480 + HEQ5) hochgeschleppt und auf die Terrasse gebracht. Die Okulare könnte man schon mal auspacken - ein 26 mm no name Plössl, ein 8 mm LVW und ein 7,5mm Baader eudiaskopisch.
Danach meldet sich mein Magen, ach ja, das mit dem Kaffee kochen und Brötchen holen könnte ich vielleicht mal zur Abwechslung erledigen, da wird sich die Familie aber wundern.

Nach dem das geschehen ist (wusste gar nicht, dass beim Bäcker morgens um viertel nach sechs so viel los ist) fällt mir siedendheiß ein, dass ich ja gar keinen Sonnenfilter gebaut habe; die Folie liegt noch jungfräulich da. Jetzt ist es eindeutig zu spät, mit Pappe herumzuschnippeln und zu kleben, ich entscheide mich für die "mit zwei Gummiringen über die Taukappe gestülpte" Variante. Nervende 5 Minuten später habe ich zwei geeignete, dicke Gummiringe gefunden - die Familie ist spätestens jetzt von meinem herumgekrame in allen Schubladen wach.

7:00: So, dann mal rein mit dem 26 Okular und die Sonne gesucht; für einen Sucherfilter hat es nun wirklich nicht mehr gereicht. Überraschend schnell die Sonne gefunden; sie steht logischerweise sehr niedrig und das Bild ist so lala. Ich steigere die Vergrößerung mit dem 8 mm LVW auf 60-fach, das Bild ist recht klar, man sieht die großen Fleckengruppen der letzten Tage am Sonnenrand verschwinden, ein fetter Sonnenfleck prangt in der Sonnenmitte. An welcher Stelle des Sonnenrandes sollte der Merkur noch gleich eintreten? Verflixt, wo ist mein Himmelsjahr? Warum habe ich mich nicht besser vorbereitet? Ach ja, im zweiten Stock im Arbeitszimmer - schnell raufgewetzt und gleich gefunden. Rechts oben also ist der Eintrittspunkt, in meinem Refraktor jedenfalls.

7:10: Ist da nicht eine winzige Beule am Sonnenrand, hm, kann auch Einbildung sein.

7:11: Nee, ist keine Einbildung, eine kleine Kerbe bildet sich, die bald eine tiefschwarze Blase wird.

7:15-7:30: Die Blase löst sich vom Sonnenrand und schwebt langsam und unglaublich schön davon. Jetzt ist mir auch klar, warum es so schwer ist, Merkurfasen zu sehen: Er ist sooo klein und dann kommt noch die Horizontnähe in den Sichtbarkeitsfasen hinzu.

Die ersten Nachbarn fahren zur Arbeit und gucken blöd über den Gartenzaun - ich ignoriere sie und starre stur in mein Okular; für Erklärungen habe ich nun wirklich keine Zeit!

Bilde ich mir das nur ein, oder wirkt der Merkur schwärzer als die Umbra des dicken Sonnenfleckes? Vielleicht ist es auch nur der harte Kontrast, der diesen Eindruck hervorruft.

Inzwischen ist das Bild deutlich besser geworden, ich teste mal das 7,5 mm Oku.
Oops! Nachts war mir das enge Gesichtsfeld gar nicht so aufgefallen. Das Bild selber wirkt einen Tick schärfer als im LVW, aber der Preis des schlechten Einblickverhaltens ist mir zu hoch, ich wechsle wieder aufs LVW.

7:30: Ich nötige die Familie auch mal zu gucken, die Kinder finden den Sonnefleck interessanter als Merkur, das muss man akzeptieren;-)

8:00: Merkur hat inzwischen ein gutes Stück seines Weges geschafft, kaum zu glauben, dass er über 4 Stunden für den Transit brauchen wird.
Gerne würde ich noch länger in der Sonne sitzen und dieselbe beobachten, aber leider ruft die Arbeit, die ich heute Morgen nur nebenbei erledigen kann:-).

So wie heute müssten die Tage häufiger beginnen; ich freue mich bereits jetzt auf den Venustransfer nächstes Jahr.

Andreas
 
Hi Andreas,

interessanter Bericht. Hat Spass gemacht ihn zu lesen :-)

Ich hab auch einen auf meine Homepage gesetzt (Link unten--> Berichte --> Merkur Transit), aber meiner ist weniger spektakulär ;-)

Gruß
Guido Homepage
 
Bilde ich mir das nur ein, oder wirkt der Merkur schwärzer als die Umbra des dicken Sonnenfleckes? Vielleicht ist es auch nur der harte Kontrast, der diesen Eindruck hervorruft.

Genau denselben Gedanke hatte ich auch heute gehabt. Dabei war das ein sehr ästhetischer Sonnenfleck, er sah wie eine Stichwunde in der Sonne. Und ich dachte mir beim dann doch überraschend größen Scheibchen (ich hatte den Fliegenschiss im Himmelsjahr im Kopf), das sieht ja perfekt rund aus. Der Merkur hat aber faktisch eh keine Abplattung, aber wenn er eine hätte, dann würde man sie vermutlich auch nicht erkennen.
 
Die Beobachtung kann ich völlig bestätigen - auch als geübter Sonnenfinsternisbeobachter (6 totale ...)

Merkur ist in der Sonnenscheibe das definitiv dunkelste Gebilde, genau wie der Mondrand bei einer Finsternis.

Kein Wunder, sind auch tiefdunkle Sonnenflecken immer noch gute 5500 K heiß und damit würden sie jeden noch so feisten Halogenstrahler zu trüben Funzel machen.

Viele Grüße, Georg
 
In einer der letzen Ausgaben von Sterne und Weltraum hat auch gestanden, daß das Merkurscheibchen auf der Sonne noch dunkler als die Flecken ist. Wurde sogar exakt gemessen und als Grafik dargestellt. Ich glaube es war die April-Ausgabe.

Steve
 
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