Merkwürdige Auswertung

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Re: Unabhängige Selbstkontrolle - nicht bei Prüfern!

Hallo Leute,

Tassilo zeigt den gangbaren Weg für Händler, die Einhaltung der Beugungsgrenze zusagen. Die Produktion mit eigenen Mittelm prüfen und die entsprechende Zusage machen reicht dem interessierten Nutzer in den allermeisten Fällen und wenn ein Spiegel erst beim Nutzer auffällt, dann ist das eben so und war schon immer so. Das ist dann ein Reklamationsgrund und nach Prüfung Grund zur Nachbesserung.

Ich finde Hersteller/Händler gut, diesen Weg gehen.
Das war, zumindest für mich, nie Thema in diesem Thread.

Es geht mir auch nicht um die vielen "Glasquäler" und ihre äußerst vorzeigbaren Resultate (Spiegel). Wenn da in Selbstbauboards Messungen, Vorgehensweisen, auswirkungen und Resultate, diskutiert werden.

Es gibt aber eben auch und aus verschiedensten Gründen, eine Flut von Zertifikaten die einen definitiven Qualitätsnachweis zum Anspruch haben und entsprechend eingesetzt werden.
Da ist die Festlegung eines Standards für mich sehr wünschenswert bis erforderlich und das Projekt von Sven unentbehrlich.
Es gibt, so weit ich das jetzt überblicke, für niemanden einen "sauberen" Grund dagegen zu sein.

Gruß
günther

 
Re: Unabhängige Selbstkontrolle - nicht bei Prüfern!

Zitat von Quanten:
[...] zweitens wird dieser 8m Spiegel durch Aktive und Adaptive Optik auch auf einen höheren Strehl getrimmt ;)
Moin Uwe,

die 0.25 sind schon der "getrimmte" Wert. Mehr als 0.45 (ganz selten mal) ist auch mit adaptiver Optik nicht drin - und das langt offensichtlich völlig. Für einen Spiegel, den man per aktiver Optik aber zwischen Cassegrain (Parabel) und RC (Hyperbel) hin- und herverzerren kann, außerdem ganz ordentlich würde ich meinen.

Viele Grüße
Caro
 
Re: Unabhängige Selbstkontrolle - nicht bei Prüfern!

Hallo Uwe,

ein Ronchitest taugt eigentlich nur um vorneweg die "Gurken" aus zu sortieren.
Ja! Genau darum geht es ja (auch) bei der Prüfung! Allerdings hat der Test mit viel(!) Erfahrung eine gewisse Aussagekraft. Ansonst d'accord!

Erstens kenne ich keinen Amateur, welcher einen 8m Spiegel in seinem Garten stehen hat
Ich auch nicht ;)
Aber, es hat auch nicht jeder ein Seeing von 0,2" FWHM hinterm Haus!
Aus diesem Grund hatte ich letztes Jahr mein Seeing hier auf 2" geschätzt und die Spec's für mein circa 10x kleineres Spiegelchen eiskalt von der ESO übernommen.
Leider habe ich im Frühjahr in einer Ausnahmenacht um die 0,85" gemessen. Dumm gelaufen, läuft der Spiegel dann Out-of-spec :Trost: Aber egal, das eine mal im Jahr werde ich es verschmerzen :schwitz:

Caro schrieb:
die 0.25 sind schon der "getrimmte" Wert.
Exakt! Alles was sich irgendwie aktiv rausdrücken lässt ist da schon abgezogen. Der Spiegel hat ansonsten keine definierte Form. Die Spiegel haben dann die Spec's übertroffen (um die Strehl 0,80, die synthetischen Igramme passen soagr zu diesem Wert! :biggrin:), aber um das gesamte Fehler-Budget schlagen sich ein Dutzend andere Einflüsse (Sekundärspiegel, Justagetoleranzen, Tubusbiegung trotz aktive Optik....)

Es gibt meines Wissens keine beugungsbegrenzten Großteleskope, manche sind weit weg davon.
Der beste(*) Haupspiegel ist der vom HST ("echte" Strehl um die 0,98, leider falsche CC die per "Brille" korrigiert wurde), insgesamt ist das HST knapp beugungsbegrenzt.

Das schöne an einem richtig ermittelten Strehl, ist doch, dass man eine Fehlerquelle (optische Qualität), neben vielen weiteren ausschließen kann.
Ganz meine Meinung! Das ist eine super Sache! Aber Tassilo's Ausführungen ist nichts entgegenzusetzen. Nur, was kümmert mich der restliche Consumer-Markt? Vielen reicht es, den Sternhimmel zu geniesen. Das geht ganz hervorragend auch mit einem halbwegs gutem Teleskop undefinierter Qualität.
Wer es genauer wissen will und sich ernsthaft bemüht, der bekommt eine eigene Messung hin - es gab noch nie soviele Möglichkeiten incl einer starken Community dazu.

Viele Grüße
Kai

ps. (*) ich kenne einen Spiegelschleifer, der nachvollziehbar Strehl 0.98-0.99 in zwei 28" Zerodurklötze poliert hat.
Habe den Interferogramm-Satz selbst begutachten dürfen!
 
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Re: Unabhängige Selbstkontrolle - nicht bei Prüfern!

Hallo allerseits,

Zur Performance der VLT 8-m Spiegel gibt es ja einen schönen Bericht:

The VLT primary mirrors

Two mirrors have been completed and tested so far. Interferometric tests have revealed that in active mode both mirrors are diffraction-limited at H (wavefront RMS error of 43 and 38 nm, respectively).

In Tabelle 3 werden für die ersten beiden Hauptspiegel Strehlwerte von 0.714 bzw. 0.791 bei einer Wellenlänge von 500 nm genannt, wofür aber ein "aktiver" Spiegelsupport erforderlich ist. Die Performance vom gesamten optischen System einschließlich Sekundärspiegel unter realistischen Arbeitsbedingungen am Himmel ist dann nochmal eine andere Geschichte.

Und zur Performance von Adaptiver Optik (AO) an Großteleskopen gibt es diese Übersicht:

Adaptive Optics Worldwide

Wie man dort der Tabelle entnehmen kann, werden mit Großteleskopen wie VLT und Keck selbst mit Adaptiver Optik bei wissenschaftlichem Einsatz bestenfalls Strehlwerte von etwa 0.5 bis 0.6 im Infraroten erreicht. Wobei man dabei bedenken muss, dass dies auch nur für sehr kleine Felder und mit erheblichem technischen Aufwand möglich ist.

Für professionelle Astronomie mit Großteleskopen sind das bereits Spitzenwerte. Für gewöhnliche Arbeiten ohne AO sind die effektiven Strehlwerte natürlich nochmal erheblich kleiner. Und bei Sichtbaren Wellenlängen wird es dann ganz mies.

Strehl ist also sicher nicht alles, worauf es ankommt ...

Gruß, Peter

 
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