Merkwürdige Haufen vor der Haustür... (OHs in And)

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Kay

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… eigentlich wollte ich die Klammer nicht mehr in die Überschrift setzen, aber andererseits dachte ich, dass sonst mancher abgeschreckt sein würde. Zur Erläuterung (wer die Fakten schon kennt, bitte freundlich drüber hinweg sehen):

Zuhause habe ich nur einen kleinen Himmelsausschnitt von Nordosten bis Süden (bis ca. Himmelsäquator) und in den Zenit, dazu eine ordentliche Dunstglocke aus dem nahen Dresden, eine ca. 15 Meter entfernte Straßenlaterne, die unser hellgraues Fachwerkhaus anstrahlt. Aber – es sind eben nur 0,00357 km zum Beobachtungsplatz, mein Dobson steht aufgebaut im Schuppen, der Ofen glüht, das WC ist warm, bis ins Bett schaffe ich es vom „Last Skylight“ in ca. 10 min. Und obwohl eigentlich alles dagegen spricht, ich hatte schon mal einen 6,3 mag-Himmel, so 5,5-5,7 mag sind normal. Wenn dann noch ein Arbeitstag auf mich wartet oder die letzte Nacht meinem Sternchen Svenja (heißt mit drittem Vornamen übrigens „Hokulani“, auf hawaiianisch „Stern am Himmel“) gewidmet worden ist, die mit ihren 15 Monaten auch noch ein Recht darauf hat, dann ziehe ich diese minimalistische Variante einem Ausflug in noch so tolle Gegenden vor (und wir haben hier Orte wie Reichstädt bei Dippoldiswalde, wo uns auch mal 6,5-6,8 mag-Sterne zublinkern).

Apropos Reichstädt: am Montag vorletzter Woche guckte ich nette zwei Stunden vom heimatlichen „Nicht-Standort“ aus (bei immerhin um 5,6 mag in And), am Donnerstag wollten wir zu zweit raus ins Astro“paradies“, dann aber doch nicht, weil Freitag besser wäre. Ich sage nur: ausschlafen. Am Freitag, nachdem die halbe Dresdner Astrocommunity via Mail und Telefon wildgemacht wurde: Zirren. Am Samstag ein bisschen Nebel um die Straßenlaternen, der Himmel nix halbes und nix ganzes... da ich ja nicht groß zum Ausschlafen komme tagsüber, überlegte ich in dieser heißen Kinderphase zweimal, bevor ich mich für meinen „ollen Hoff“ entschied, wie der Brandenburger sagt, der ich trotz sächsischen Wohnorts nun mal bin.

Das Wichtigste zuerst: ich habe mein erstes astromaximalistisches, ähem, „Projekt“ (laut „Praxishandbuch Deepsky“ ist ja ein Projekt etwas von mehreren Teilnehmern, allein absolviert man Programme... aber das klingt irgendwie wie fernsehen oder Reha-Gymnastik) geschafft! Ich kann einfach nicht rumgucken, hier M 57, dort M 27, da ein bisschen Cirrus, dort mal Stephans Quintett... Nein! Das langweilt mich ehrlich gesagt ein bisschen. „Ich habe einen Plan!“, hat Egon Olsen in dieser schönen dänischen Krimiserie „Die Olsenbande“ immer gesagt. Mein Plan ist immer den realen Bedingungen geschuldet, für Reichstädt habe ich schon was richtig Ordentliches in der Tasche, aber das wird noch nicht verraten.

Aber für Zuhause müssen die nicht ganz so schweren Sachen her, die aber leider nur wenige machen: Offene Sternhaufen. Ist schon für Ferngläser immer wieder ein abendfüllendes Thema. Und dann kommt noch diese Ungewissheit dazu, welche Sterne dazu gehören, ob das alles nicht nur ein zufälliges Sternmuster ist, also kann man Abende im Internet hängen und recherchieren, was das NGC/IC-Pojekt, Steve Gottlieb, Messier45, SIMBAD, die Deepskyhunters und das OHrdnungsamt schreiben. Das mag nicht viele interessieren, aber ich finde so was spannend.

Jedenfalls bin ich in meinem STAR GUIDE, der of verrissen wird, mir aber wegen seines Maßstabes und der großen Zahl galaktischer Objekte gut gefällt, über etliche Haufen in den Herbststernbildern gestolpert.
Eigentlich hatte ich ja Lacerta im Auge, aber die steht z.Zt. im Zenit, was mir beim Aufsuchen und Nachführen immer wieder Nackenschmerzen und „Rangierkoller“ beim Herumdobsen verursacht. Kurz vor dem Ziel stößt der Tubus an die Rockerbox, kennt ihr das???
Also wurde es zunächst die Prinzessin links neben Pegasus, ihr wisst schon, die benebelte. Was gibt es da so: NGC 752 (klar, mit bloßem Auge bei gutem Himmel), NGC 956 (irgendwo schon mal gelesen), NGC 272 und IC 72 (Was ist denn das???) und natürlich die Sternwolken im Andromedanebel, auch wenn die nicht ganz so easy sind, zumindest von unserer Milchstraße aus. Ich weiß nicht, welche OHs die Jungs und Mädels von M 31 bei uns so sehen (könnten ja auch mal was im Forum posten), von uns aus ist NGC 206 die erste Anlaufstelle.

NGC 272 ist ein lustiger Halbkreis bzw. ein Teil davon, das Ganze erinnert sehr an Collinder 21 in Tri, den sog. „Putter cluster“. Übrigens sollen beide gar keine OHs, sondern nur Asterismen sein, steht in neueren Publikationen.

An der Stelle von IC 72 ist, nun ja, nichts. Klar, ein paar Sterne finden sich schon, aber nach Haufen sieht das alles nicht aus. Dort wurde wohl um einen Doppelstern vom Entdecker ein bisschen Nebel gesehen. Danach nie wieder. Aber nachsehen musste ich.

NGC 752 ist eigentlich ein typisches Fernglasobjekt, im 14,5er mit 1,3 Grad Sehfeld wirkt er wie ein reiches Sternfeld, wobei die Homogenität der meisten Sterne auffällt – fast alle ziemlich gleich hell.

An der Stelle von NGC 956 bietet sich ein kurioser Anblick: ein „S“, von dem eine Kette heller Sterne abgeht. Was ist Haufen, was nicht? Jedenfalls irgendwie ein lustiger Anblick. Ich sollte mir eine Blende basteln, so ca. 6 Zoll, weil manche Haufen aufgrund der hohen Grenzgröße im großen Teleskop unsichtbar werden. Hat jemand damit Erfahrung

Nun, auf zu den Nachbarn, M 31 steht einigermaßen hoch am Himmel. Aber, beim Blick ins Okular war schnell klar, dass es eben das nicht war. Nächster Blick zur Straßenlaterne bzw. dem „Hof“ drumherum: es muss ziemlich viel Feuchtigkeit in der Luft sein!
Es hat gar nicht mehr gelohnt, die M31-Karte auszupacken, dann lieber noch ein paar weitere Haufen:

Der alte und polnahe NGC 188 fällt auch in einer großen Optik unter diesen miesen Bedingungen nicht sofort ins Auge. Fünf helle Sterne bilden quasi einen Rahmen in, ich sehe das zumindest so, Patronenhülsenform, drinnen tauchen immer mehr Sterne auf, je länger man hin- und leicht vorbei schaut, nämlich indirekt. Schön!

Am ersten der beiden Abende standen noch Harvard 20 und M 71 im Visier. M 71 genau wie in der Forschung: irgendwie ein Kugelsternhaufen, aber für diese Gesamthelligkeit eigentlich nicht konzentriert genug. Also doch „nur“ ein OH?

Von Harvard 20, knapp neben M 71, sieht man schon im 8x30 die zwei hellsten Sterne, wobei de eine wohl doch nicht zum Haufen gehört. Im 14,5er erstreckt sich von diesen ein Schwarm schwächerer Sterne wie eine wegstrebende Pfeilspitze.

Klar, das ist alles nicht wirklich superspannendes, aber für mich immer noch besser als nichts. Vielleicht regt dieser BB ja den einen oder die andere in einer ähnlichen Situation etwas an.



 
Hallo Kay,

beeindruckender Bericht, der zum Nachbeobachten animiert, Harvard 20 habe ich auch schon mal besucht, allerdings konnte ich ausser den 2 hellen Sternen nur schwer mehr erkennen, ich hatte allerdings auch nicht viel Zeit dort verbringen können.

Grüße Benny
 
Hallo Kay,

sehr schöner Bericht mit netten Zwischentönen.
Für mich bist Du ein Kanditat für einen Richfielder auf dem Dobs. Schon Mal drüber nachgedacht?

Gruß und CS
*entfernt*
 
Hallo Benny,
bei Harvard 20 habe ich die beiden 9mag-Sterne im 8x30 gesehen und dachte, das wäre der ganze Spaß. Tja, manchmal bringt mehr Öffnung auch mehr (Ein-)Sicht.

Hallo Günther,
ich warf ja Jahre ausschließlich mit diversen Ferngläsern von 8x30 bis 20x80 zugange. Aber zur Beruhigung: der 102/500er kommt... Musste ja mal sein.
 
Hallo Kay

Echt toller beobachtungs bericht den du da geschrieben
hast, mit netten Zwischentönen wie Günther Schreibt, das
mir auch gefällt.

Manfred
 
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