ThN
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Hallo!
Nach langer, langer Zeit habe ich gestern wieder mal beobachtet. Die Bedingungen waren aber auch hervorragend. Um ca. 23 Uhr packte ich meinen Rucksack: Ein sehr Brillenträger-freundliches Nikon 10x50 Fernglas, den Starguide Atlas von Sándor Szabó, ein LED-Fahrradrücklicht und meinen handlichen digitalen Recorder Audioline VR-C10. Außerdem nahm ich noch einen dieser billigen leichten Plastik-Gartenstühle aus einem Stück mit Armlehnen mit. Dann gings ca. 5min durch unseren kleinen Weiler steil auf einen Hügel, dem Bühl. Dort ist eine große von Bäumen umgrenzte Weide, die Streulicht abschirmt.
Der Anblick des Sternenhimmels war wirklich umwerfend, die Milchstraße reich gegliedert. Daher visierte ich gleich einen zufälligen Ort in der Milchstraße an. Prompt wischte M11, der Wildentenhaufen durchs Blickfeld. Er wirkt sehr kompakt, wie ein Kugelsternhaufen, und hell. Sicherlich eines der auffälligsten Objekte heute.
Da ich nach der langen Zeit nicht mehr so versiert bin, schaute ich häufig in den Atlas um mich zu vergewissern. Der Starguide ist wirklich praktisch, bleibt aufgeblättert und ist gut gegliedert. Man findet sehr schnell die richtige Karte und die angezeigten Sterne korrespondieren gut mit den durchs FG sichtbaren. Leider enthält er keine Dunkelnebel. Das Licht des Fahrradrücklichts (in der Faust gehalten) kann man gut dosieren in dem man mehr oder weniger Licht durch die Finger strahlen lässt. So kann man die Karte gut lesen.
Der Dunkelnebel Barnard 142 war dann auch mein nächstes Ziel. Neugierig darauf wurde ich durch eine Frage von A. Aslan hier im Forum. Die Stelle des Nebels ist leicht zu finden. Er befindet sich nahe des Sterns Gamma Aquila, gleich oberhalb von Atair im Adler, einem der drei Sterne des Sommerdreiecks. Die Sterne Gamma, Xi und HD 185018 (6m.0) bilden ein flaches Dreieck. Der Dunkelnebel befindet sich auf der Hälfte der langen Seite, gleich oberhalb eines schwächeren Sterns (8m.0).
Der Nebel ist nur klein, etwa Vollmondgröße. Ich hätte gerne etwas mehr Vergrößerung gehabt. Der Himmel ist dort tatsächlich sehr dunkel, was einem besonders bei indirektem Sehen auffällt. Leider konnte ich seine Struktur aber nicht wirklich erkennen. Ich werd's heute nochmal probieren. Ich habe noch ein Fernglas, das bis 20x vergrößert - ich beobachte aber nicht gerne damit.
Die nächsten Objekte fielen mir allerdings wie reife Früchte in den Mund. ;-) Da wären:
M71: Vom Adler ist es nicht weit zum Sternbild Sagitta, dem Pfeil (der ja den Adler erlegen sollte). Erstaunlich wie unauffällig dieses Sternbild bei gutem Himmel ist wenn die Milchstraße drumherum leuchtet. Der Kugelsternhaufen ist, wenn man die Position gefunden hat, bei indirektem Sehen leicht auszumachen. Der Haufen ist nur klein und schwach - aber immerhin.
M27: Leicht zu finden wenn man von Gamma Sagitta grob senkrecht zur Pfeilrichtung aufwärts schwenkt. Da steht er, der Hantelnebel, geisterhaft als blasses, gar nicht so kleines Scheibchen. Dieser Anblick im Fernglas gefällt mir immer wieder sehr.
M26: Weiter gings wieder zur prächtigen Schildwolke. Südlich von M11 auf der Verlängerung von Alpha und Delta Scutum liegt M26. Es ist ein offener Sternhaufen, der aber wie ein schwaches Wölkchen wirkt und indirekt gut zu erkennen ist.
M8: Der Lagunennebel.Ziemlich weit unterhalb, mit bloßem Auge gut zu erkennen und daher ein wichtiger Navigationspunkt. Ein prächtiger Anblick, dieser offene Sternhaufen mit dem nebligen Aussehen.
M22: Die langgestreckte Form von M8 gibt die Richtung zum Stern Lambda im Schützen vor. Etwas nord-östlich davon hat man dann gleich M22 im Blick. Ein prächtiger, fetter, heller Kugelsternhaufen! Noch größer und heller als M13 im Herkules. Sehr eindrucksvoll im Fernglas, neben einer hübschen kleinen Sternengruppe.
M28: Der Kugelsternhaufen ist recht klein und schwächer als M22. Nahe bei Lambda. Indirektes Schauen hilft viel.
NGC 6642: Ein Kugelsternhaufen nahe westlich M22. Der Ort war leicht zu finden. Leider konnte ich ihn nicht ausmachen. Ist wohl eher ein Fernrohrobjekt. Helligkeit 10.4 und nicht einmal 1' im Durchmesser. Damit ist er 2.5 Größenklassen schwächer und nur halb so groß im Durchmesser wie M71. Als Fernglas-Herausforderung aber vllt. nicht schlecht!
M20 (Trifidnebel) und M21. M21 ist nur ein kleiner Sternhaufen. Das neblige an M21 konnte ich nicht erkennen, nur ein paar Feldsterne. Da ist wohl mehr Öffnung und Vergrößerung gefragt.
M24: Das ist eine Sternwolke, die kleine Sagittarius-Sternwolke mit vielen kleinen Sternen. Sehr hübsch und ein wichtiges Navigationsobjekt fürs Fernglas.
M25: Nicht weit entfernt, östlich. Ein ziemlich lockerer offener Sternhaufen. Nicht besonders spektakulär.
M23: Westlich von M24. Ein ziemlich großes schwaces Nebelchen. In Wirklichkeit ein offener Sternhaufen.
M18, M17: Nördlich von M24. Zwei recht schwache aber deutliche Nebel. M18 ist ein offener Sternhaufen. M17 ist etwas größer und deutlicher. M17 ist der Omeganebel oder Schwanennebel.
M16: Weiter nördlich. Vier recht eng bei einander stehende kleine Sterne. Drum herum ein nebliger Schimmer, der Adlernebel.
Das war's dann! Aber noch nicht ganz. Den Stuhl Richtung Nordosten gedreht schaute ich mir die Gegend um Perseus, Andromeda und Dreieck an. Zunächst mal H und Chi, den Doppelsternhaufen der einem förmlich ins Gesicht springt. Dann:
M31: Die Andromeda-Galaxie. Wie gemacht für's Fernglas! Zunächst der enorm helle Kern und dann weit ausgestreckt der silbrige Nebel. Leider habe ich nicht auf die Satelliten-Galaxien geachtet.
M33: Die Triangulum-Galaxie. Einfach zu finden. Man bildet einen etwa 100°-Winkel im Stern Alpha Triangulum auf der Linie Beta-Alpha und schwenkt Richtung Andromeda. Man kommt zunächst an einem Stern 6. Größe vorbei und sieht dann einen sehr schwachen, großen Fleck, M33. Bei indirektem Schauen sieht man die elliptische Form. Vllt. auch bei sehr gründlichem Gucken die Spiralarme? Das ist was fürs nchste Mal.
So! Kurz nach 1 Uhr früh gings dann aber doch - diesmal bergab - nach Hause.
Heute werde ich versuchen, ein paar dieser Beobachtungen zu verfeinern und vllt. noch ein paar andere Objekte zu erwischen.
Thomas
Nach langer, langer Zeit habe ich gestern wieder mal beobachtet. Die Bedingungen waren aber auch hervorragend. Um ca. 23 Uhr packte ich meinen Rucksack: Ein sehr Brillenträger-freundliches Nikon 10x50 Fernglas, den Starguide Atlas von Sándor Szabó, ein LED-Fahrradrücklicht und meinen handlichen digitalen Recorder Audioline VR-C10. Außerdem nahm ich noch einen dieser billigen leichten Plastik-Gartenstühle aus einem Stück mit Armlehnen mit. Dann gings ca. 5min durch unseren kleinen Weiler steil auf einen Hügel, dem Bühl. Dort ist eine große von Bäumen umgrenzte Weide, die Streulicht abschirmt.
Der Anblick des Sternenhimmels war wirklich umwerfend, die Milchstraße reich gegliedert. Daher visierte ich gleich einen zufälligen Ort in der Milchstraße an. Prompt wischte M11, der Wildentenhaufen durchs Blickfeld. Er wirkt sehr kompakt, wie ein Kugelsternhaufen, und hell. Sicherlich eines der auffälligsten Objekte heute.
Da ich nach der langen Zeit nicht mehr so versiert bin, schaute ich häufig in den Atlas um mich zu vergewissern. Der Starguide ist wirklich praktisch, bleibt aufgeblättert und ist gut gegliedert. Man findet sehr schnell die richtige Karte und die angezeigten Sterne korrespondieren gut mit den durchs FG sichtbaren. Leider enthält er keine Dunkelnebel. Das Licht des Fahrradrücklichts (in der Faust gehalten) kann man gut dosieren in dem man mehr oder weniger Licht durch die Finger strahlen lässt. So kann man die Karte gut lesen.
Der Dunkelnebel Barnard 142 war dann auch mein nächstes Ziel. Neugierig darauf wurde ich durch eine Frage von A. Aslan hier im Forum. Die Stelle des Nebels ist leicht zu finden. Er befindet sich nahe des Sterns Gamma Aquila, gleich oberhalb von Atair im Adler, einem der drei Sterne des Sommerdreiecks. Die Sterne Gamma, Xi und HD 185018 (6m.0) bilden ein flaches Dreieck. Der Dunkelnebel befindet sich auf der Hälfte der langen Seite, gleich oberhalb eines schwächeren Sterns (8m.0).
Der Nebel ist nur klein, etwa Vollmondgröße. Ich hätte gerne etwas mehr Vergrößerung gehabt. Der Himmel ist dort tatsächlich sehr dunkel, was einem besonders bei indirektem Sehen auffällt. Leider konnte ich seine Struktur aber nicht wirklich erkennen. Ich werd's heute nochmal probieren. Ich habe noch ein Fernglas, das bis 20x vergrößert - ich beobachte aber nicht gerne damit.
Die nächsten Objekte fielen mir allerdings wie reife Früchte in den Mund. ;-) Da wären:
M71: Vom Adler ist es nicht weit zum Sternbild Sagitta, dem Pfeil (der ja den Adler erlegen sollte). Erstaunlich wie unauffällig dieses Sternbild bei gutem Himmel ist wenn die Milchstraße drumherum leuchtet. Der Kugelsternhaufen ist, wenn man die Position gefunden hat, bei indirektem Sehen leicht auszumachen. Der Haufen ist nur klein und schwach - aber immerhin.
M27: Leicht zu finden wenn man von Gamma Sagitta grob senkrecht zur Pfeilrichtung aufwärts schwenkt. Da steht er, der Hantelnebel, geisterhaft als blasses, gar nicht so kleines Scheibchen. Dieser Anblick im Fernglas gefällt mir immer wieder sehr.
M26: Weiter gings wieder zur prächtigen Schildwolke. Südlich von M11 auf der Verlängerung von Alpha und Delta Scutum liegt M26. Es ist ein offener Sternhaufen, der aber wie ein schwaches Wölkchen wirkt und indirekt gut zu erkennen ist.
M8: Der Lagunennebel.Ziemlich weit unterhalb, mit bloßem Auge gut zu erkennen und daher ein wichtiger Navigationspunkt. Ein prächtiger Anblick, dieser offene Sternhaufen mit dem nebligen Aussehen.
M22: Die langgestreckte Form von M8 gibt die Richtung zum Stern Lambda im Schützen vor. Etwas nord-östlich davon hat man dann gleich M22 im Blick. Ein prächtiger, fetter, heller Kugelsternhaufen! Noch größer und heller als M13 im Herkules. Sehr eindrucksvoll im Fernglas, neben einer hübschen kleinen Sternengruppe.
M28: Der Kugelsternhaufen ist recht klein und schwächer als M22. Nahe bei Lambda. Indirektes Schauen hilft viel.
NGC 6642: Ein Kugelsternhaufen nahe westlich M22. Der Ort war leicht zu finden. Leider konnte ich ihn nicht ausmachen. Ist wohl eher ein Fernrohrobjekt. Helligkeit 10.4 und nicht einmal 1' im Durchmesser. Damit ist er 2.5 Größenklassen schwächer und nur halb so groß im Durchmesser wie M71. Als Fernglas-Herausforderung aber vllt. nicht schlecht!
M20 (Trifidnebel) und M21. M21 ist nur ein kleiner Sternhaufen. Das neblige an M21 konnte ich nicht erkennen, nur ein paar Feldsterne. Da ist wohl mehr Öffnung und Vergrößerung gefragt.
M24: Das ist eine Sternwolke, die kleine Sagittarius-Sternwolke mit vielen kleinen Sternen. Sehr hübsch und ein wichtiges Navigationsobjekt fürs Fernglas.
M25: Nicht weit entfernt, östlich. Ein ziemlich lockerer offener Sternhaufen. Nicht besonders spektakulär.
M23: Westlich von M24. Ein ziemlich großes schwaces Nebelchen. In Wirklichkeit ein offener Sternhaufen.
M18, M17: Nördlich von M24. Zwei recht schwache aber deutliche Nebel. M18 ist ein offener Sternhaufen. M17 ist etwas größer und deutlicher. M17 ist der Omeganebel oder Schwanennebel.
M16: Weiter nördlich. Vier recht eng bei einander stehende kleine Sterne. Drum herum ein nebliger Schimmer, der Adlernebel.
Das war's dann! Aber noch nicht ganz. Den Stuhl Richtung Nordosten gedreht schaute ich mir die Gegend um Perseus, Andromeda und Dreieck an. Zunächst mal H und Chi, den Doppelsternhaufen der einem förmlich ins Gesicht springt. Dann:
M31: Die Andromeda-Galaxie. Wie gemacht für's Fernglas! Zunächst der enorm helle Kern und dann weit ausgestreckt der silbrige Nebel. Leider habe ich nicht auf die Satelliten-Galaxien geachtet.
M33: Die Triangulum-Galaxie. Einfach zu finden. Man bildet einen etwa 100°-Winkel im Stern Alpha Triangulum auf der Linie Beta-Alpha und schwenkt Richtung Andromeda. Man kommt zunächst an einem Stern 6. Größe vorbei und sieht dann einen sehr schwachen, großen Fleck, M33. Bei indirektem Schauen sieht man die elliptische Form. Vllt. auch bei sehr gründlichem Gucken die Spiralarme? Das ist was fürs nchste Mal.
So! Kurz nach 1 Uhr früh gings dann aber doch - diesmal bergab - nach Hause.
Heute werde ich versuchen, ein paar dieser Beobachtungen zu verfeinern und vllt. noch ein paar andere Objekte zu erwischen.
Thomas