Milchstraße mit dem Fernglas

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ThN

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Hallo!
Nach langer, langer Zeit habe ich gestern wieder mal beobachtet. Die Bedingungen waren aber auch hervorragend. Um ca. 23 Uhr packte ich meinen Rucksack: Ein sehr Brillenträger-freundliches Nikon 10x50 Fernglas, den Starguide Atlas von Sándor Szabó, ein LED-Fahrradrücklicht und meinen handlichen digitalen Recorder Audioline VR-C10. Außerdem nahm ich noch einen dieser billigen leichten Plastik-Gartenstühle aus einem Stück mit Armlehnen mit. Dann gings ca. 5min durch unseren kleinen Weiler steil auf einen Hügel, dem Bühl. Dort ist eine große von Bäumen umgrenzte Weide, die Streulicht abschirmt.

Der Anblick des Sternenhimmels war wirklich umwerfend, die Milchstraße reich gegliedert. Daher visierte ich gleich einen zufälligen Ort in der Milchstraße an. Prompt wischte M11, der Wildentenhaufen durchs Blickfeld. Er wirkt sehr kompakt, wie ein Kugelsternhaufen, und hell. Sicherlich eines der auffälligsten Objekte heute.

Da ich nach der langen Zeit nicht mehr so versiert bin, schaute ich häufig in den Atlas um mich zu vergewissern. Der Starguide ist wirklich praktisch, bleibt aufgeblättert und ist gut gegliedert. Man findet sehr schnell die richtige Karte und die angezeigten Sterne korrespondieren gut mit den durchs FG sichtbaren. Leider enthält er keine Dunkelnebel. Das Licht des Fahrradrücklichts (in der Faust gehalten) kann man gut dosieren in dem man mehr oder weniger Licht durch die Finger strahlen lässt. So kann man die Karte gut lesen.

Der Dunkelnebel Barnard 142 war dann auch mein nächstes Ziel. Neugierig darauf wurde ich durch eine Frage von A. Aslan hier im Forum. Die Stelle des Nebels ist leicht zu finden. Er befindet sich nahe des Sterns Gamma Aquila, gleich oberhalb von Atair im Adler, einem der drei Sterne des Sommerdreiecks. Die Sterne Gamma, Xi und HD 185018 (6m.0) bilden ein flaches Dreieck. Der Dunkelnebel befindet sich auf der Hälfte der langen Seite, gleich oberhalb eines schwächeren Sterns (8m.0).

Der Nebel ist nur klein, etwa Vollmondgröße. Ich hätte gerne etwas mehr Vergrößerung gehabt. Der Himmel ist dort tatsächlich sehr dunkel, was einem besonders bei indirektem Sehen auffällt. Leider konnte ich seine Struktur aber nicht wirklich erkennen. Ich werd's heute nochmal probieren. Ich habe noch ein Fernglas, das bis 20x vergrößert - ich beobachte aber nicht gerne damit.

Die nächsten Objekte fielen mir allerdings wie reife Früchte in den Mund. ;-) Da wären:

M71: Vom Adler ist es nicht weit zum Sternbild Sagitta, dem Pfeil (der ja den Adler erlegen sollte). Erstaunlich wie unauffällig dieses Sternbild bei gutem Himmel ist wenn die Milchstraße drumherum leuchtet. Der Kugelsternhaufen ist, wenn man die Position gefunden hat, bei indirektem Sehen leicht auszumachen. Der Haufen ist nur klein und schwach - aber immerhin.

M27: Leicht zu finden wenn man von Gamma Sagitta grob senkrecht zur Pfeilrichtung aufwärts schwenkt. Da steht er, der Hantelnebel, geisterhaft als blasses, gar nicht so kleines Scheibchen. Dieser Anblick im Fernglas gefällt mir immer wieder sehr.

M26: Weiter gings wieder zur prächtigen Schildwolke. Südlich von M11 auf der Verlängerung von Alpha und Delta Scutum liegt M26. Es ist ein offener Sternhaufen, der aber wie ein schwaches Wölkchen wirkt und indirekt gut zu erkennen ist.

M8: Der Lagunennebel.Ziemlich weit unterhalb, mit bloßem Auge gut zu erkennen und daher ein wichtiger Navigationspunkt. Ein prächtiger Anblick, dieser offene Sternhaufen mit dem nebligen Aussehen.

M22: Die langgestreckte Form von M8 gibt die Richtung zum Stern Lambda im Schützen vor. Etwas nord-östlich davon hat man dann gleich M22 im Blick. Ein prächtiger, fetter, heller Kugelsternhaufen! Noch größer und heller als M13 im Herkules. Sehr eindrucksvoll im Fernglas, neben einer hübschen kleinen Sternengruppe.

M28: Der Kugelsternhaufen ist recht klein und schwächer als M22. Nahe bei Lambda. Indirektes Schauen hilft viel.

NGC 6642: Ein Kugelsternhaufen nahe westlich M22. Der Ort war leicht zu finden. Leider konnte ich ihn nicht ausmachen. Ist wohl eher ein Fernrohrobjekt. Helligkeit 10.4 und nicht einmal 1' im Durchmesser. Damit ist er 2.5 Größenklassen schwächer und nur halb so groß im Durchmesser wie M71. Als Fernglas-Herausforderung aber vllt. nicht schlecht!

M20 (Trifidnebel) und M21. M21 ist nur ein kleiner Sternhaufen. Das neblige an M21 konnte ich nicht erkennen, nur ein paar Feldsterne. Da ist wohl mehr Öffnung und Vergrößerung gefragt.

M24: Das ist eine Sternwolke, die kleine Sagittarius-Sternwolke mit vielen kleinen Sternen. Sehr hübsch und ein wichtiges Navigationsobjekt fürs Fernglas.

M25: Nicht weit entfernt, östlich. Ein ziemlich lockerer offener Sternhaufen. Nicht besonders spektakulär.

M23: Westlich von M24. Ein ziemlich großes schwaces Nebelchen. In Wirklichkeit ein offener Sternhaufen.

M18, M17: Nördlich von M24. Zwei recht schwache aber deutliche Nebel. M18 ist ein offener Sternhaufen. M17 ist etwas größer und deutlicher. M17 ist der Omeganebel oder Schwanennebel.

M16: Weiter nördlich. Vier recht eng bei einander stehende kleine Sterne. Drum herum ein nebliger Schimmer, der Adlernebel.

Das war's dann! Aber noch nicht ganz. Den Stuhl Richtung Nordosten gedreht schaute ich mir die Gegend um Perseus, Andromeda und Dreieck an. Zunächst mal H und Chi, den Doppelsternhaufen der einem förmlich ins Gesicht springt. Dann:

M31: Die Andromeda-Galaxie. Wie gemacht für's Fernglas! Zunächst der enorm helle Kern und dann weit ausgestreckt der silbrige Nebel. Leider habe ich nicht auf die Satelliten-Galaxien geachtet.

M33: Die Triangulum-Galaxie. Einfach zu finden. Man bildet einen etwa 100°-Winkel im Stern Alpha Triangulum auf der Linie Beta-Alpha und schwenkt Richtung Andromeda. Man kommt zunächst an einem Stern 6. Größe vorbei und sieht dann einen sehr schwachen, großen Fleck, M33. Bei indirektem Schauen sieht man die elliptische Form. Vllt. auch bei sehr gründlichem Gucken die Spiralarme? Das ist was fürs nchste Mal.

So! Kurz nach 1 Uhr früh gings dann aber doch - diesmal bergab - nach Hause.

Heute werde ich versuchen, ein paar dieser Beobachtungen zu verfeinern und vllt. noch ein paar andere Objekte zu erwischen.

Thomas



 
̉Hallo Thomas,

Das ist ein schöner und ausführlicher fernglas-beobachtungsbericht ;-) Du hast öfters ein aufnahmegerät dabei, mit dem du deine beobachtungen akustisch dokumentierst?

Punkto sitz & transportmöglichkeit kann ich dir einen tip geben, google mal "Eckla Beach Rolly" sehr praktisch zum sitzen und für den transport, kamera/astroequipment mit den großen reifen.

Freundliche grüße, Marius
 
Hi Marius, freut mich dass es gefallen hat.
Zitat von Marius83:
Du hast öfters ein aufnahmegerät dabei, mit dem du deine beobachtungen akustisch dokumentierst?
Ja, immer. Das Ding ist klein (Hemdtasche), leicht, billig und einfach im Dunkeln zu bedienen. Außer einer winzigen roten Diode leuchtet auch nichts. Hier mal ein Link: Bedienungsanleitung
Punkto sitz & transportmöglichkeit kann ich dir einen tip geben, google mal "Eckla Beach Rolly" sehr praktisch zum sitzen und für den transport, kamera/astroequipment mit den großen reifen.
Danke, notiert. Aber im Moment kein Bedarf.

Thomas
 
Oh, der ist schon einige Jahre alt. Kann schon sein. Das wäre schade, denn ich finde, der ist ideal geeignet. Vllt. findet man so ein Gerät auch unter anderem Namen. Wichtig ist: Lichtlos, leicht, klein und einfach zu bedienen.

Thomas
 
Hallo Thomas,

ich war auch eine Nacht später am 2.8. mit dem Fernglas unterwegs. Ich bin mit meinem VW-Bus raus aufs offene Feld und habe von meinem Schaukelstuhl aus einen fast identischen Spaziergang durch die Milchstrasse (M0) unternommen.
Es war ein phantastischer Himmel. Da ich nur auf Standartobjekte fixiert, also unvorbereitet war, habe ich mein Diktiergerät nicht benutzt. Aber es ist bei mir oft im Gebrauch. Ich nehme es auch zum Aufsuchen von Objekten wenn ich mit größerem Gerät unterwegs bin.
Den Nebel, den du nicht gesehen hast, stammt natürlich von M20 nicht von M21.
Vielen Dank für deinen schönen BB!
 
Hallo Helmut!
Vor einigen Jahren haben wir uns hier im Forum ja öfter - besonders zum Thema Milchstraße und Fernglas ausgetauscht.

@M20 (Trifidnebel): Ronald Stoyan (Atlas der Messier-Objekte) schreibt: "Mit dem Fernglas ist M20 ein schwieriges Objekt, es zeigt sich nur ein kleiner schwacher Nebelfleck um den hellen 6m.9-Zentralstern".

Ich hoffe auf noch besseren Himmel in den nächste Tagen, auch für Barnard 142.

Thomas
 
Hallo Thoma!
An andere Stelle empfahl ich hier im Formum ein Fernglas zum Einstieg in die Astronomie. Das wurde von einem anderen User als sehr fragwürdig eingestuft. lol
Das hast du, für mich war das sowieso klar, eindeutig wiederlegt. Ein echt toller Beobachtungsbericht mit dem Fernglas!!! Da kann man mal sehen was da schon alles möglich ist.
Viele Grüße Raimund
 
Nachtrag

Letzte Nacht waren wieder in etwa die Verhältnisse vom Donnerstag. Diesmal beobachtete ich aber aus Bequemlichkeitsgründen aus unserem Innenhof. Die Rundumsicht ist nicht so gut, aber hier gibt es auch kaum Lichtverschmutzungen.

Nach ca. 20, 30 Minuten hatten sich die Augen in etwa akkommodiert. Ich zählte im Sterndreieck Gamma, Zeta, Delta Aquilae [1] insgesamt 8 Sterne (incl. der drei Randsterne) wobei der schwächste, HD185018 mit 6m.0, bei indirektem Schauen westlich von Gamma aufblitzte. Ich hatte also einen meinen alten Augen entsprechenden Himmel von Fst ("Faintest star") 6.0. Das war jetzt keine Verbesserung gegenüber Donnerstag.

Dementsprechend konnte ich auch keine großartigen Verbesserungen bei der Sichtung von Barnard 143 ausmachen. Ich meine aber diese C-förmige Gestalt (ein E kann ich auch auf Fotos nicht ausmachen) jetzt bei indirektem Schauen gut erkennen zu können. Wär' schön, einmal einen 6m.5 oder 7m.0 Himmel zu haben...

Als nächstes nahm ich mir die Gegend westlich des "Big Rift", d.h. westlich der Milchstraßenteilung vor.

IC4756 + NGC6633: Ich finde, das ist ein "Geheimtip" für Fernglasbeobachter. Der lockere IC4756 und der dichter gepackte NGC6633 bilden ein hübsches Paar und füllen in etwa das Bildfeld des Fernglases aus.

IC4665: Nördlich von Beta Ophiuchi. Wieder ein hübscher lockerer Sternhaufen. Etwas kompakter als IC4756.

Zum Schluss noch zwei schöne Sternmuster fürs Fernglas:

Delta Aquila, 3m.4, und die 4 Sterne der 6. Größe HD183227, HD183589, HD183793 und 35 bilden eine Miniatur Lyra.

Im Steinbock stehen die Sterne Nu, Alpha1, Alpha2 und 3 in einer geraden Linie.

Thomas

P.S. Das E in Barnards E ergibt sich, wenn man den Nebel Barnard 142 hinzunimmt.
Siehe: http://www.allthesky.com/nebulae/big/barnard143-b.jpg

Der Kontrast war aber nicht großg enug um das sehen zu können - vllt. bei dunklerem Himmel.

[1] Siehe Weblink, Area 5
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Nachtrag

Nach ca. 20, 30 Minuten hatten sich die Augen in etwa akkommodiert.
Eher adaptiert, sonst solltest Du einen Augenarzt aufsuchen. ;)


Zitat von ThN:
IC4756 + NGC6633: Ich finde, das ist ein "Geheimtip" für Fernglasbeobachter. Der lockere IC4756 und der dichter gepackte NGC6633 bilden ein hübsches Paar und füllen in etwa das Bildfeld des Fernglases aus.

IC4665: Nördlich von Beta Ophiuchi. Wieder ein hübscher lockerer Sternhaufen. Etwas kompakter als IC4756.
Das ist auch meine Meinung! Diese drei Sternhaufen gehörten übrigens zu den ersten Deep-Sky-Objekten, die ich beobachtet habe.

Allerdings habe ich damals bei IC 4665 angefangen.

Grüße

fquadrat
 
Re: Nachtrag

Zitat von fquadrat:
Nach ca. 20, 30 Minuten hatten sich die Augen in etwa akkommodiert.
Eher adaptiert, sonst solltest Du einen Augenarzt aufsuchen. ;)
Autsch! Stimmt! Ganz so schlimm ist es noch nicht. Allerdings: Auf Nahdistanzen kann ich nicht mehr akkommodieren (besonders schlimm bei Rotlicht) - da muss ich die Brille abnehmen. Ziemlich lästig beim häufigen Gucken im Atlas. Eigentlich müsste eine neue Gleitsichtbrille her (am besten mit einer Stufe für Rotlicht :D )

Thomas
 
Re: Nachtrag

Moin Thomas!

> Gleitsichtbrille

Vorsicht: Rutschgefahr! ;)
SCNR

Man wird nicht ynger.
 
Re: Nachtrag

Hi Thomas,

(besonders schlimm bei Rotlicht) - da muss ich die Brille abnehmen

Autsch, ich muss das auch seit einem Jahr. Das ist echt lästig. Schei.. Alter!

An Barndard 143 kann ich mich noch gut aus dem Jahr 2002 im Spessart erinnern, dort hatten wir so Bortle 3, die Michlstraße war sehr strukturiert. Im 10x40 Zeiss Fernglas war das "E" gar kein Problem. Ich habe den Dunkelnebel seit her niemals mehr so gut gesehen. Allerdings beobachte ich Dunkelnebel eher selten.

Gruß
Lothar
 
Milchstraße mit dem Fernglas, Teil 3

Nach mehreren bedeckten Nächten war es gestern Nacht zunächst wieder klar, bis auf einige Wolken am Horizont. Ich konnte daher meine Milchstraßenwanderung wieder fortführen. Diesmal ging es vom Schwan bis zum Perseus. Der Himmel hatte wieder knapp 6 mag Sichtbarkeit. Die Milchstraße war blass silbrig aber trotzdem reich strukturiert. Beobachtet wurde wieder von meinem bewährtem Platz auf dem Hügel.

Die Milchstraße im Schwan ist ziemlich überwältigend. Besonders der Mittelteil des Schwans zwischen Gamma und Eta ist bereits mit bloßem Auge sehr beeindruckend. Im Fernglas ist der Anblick erstaunlich, da hier auch viele helle Sterne zwischen dem Gewusel kleiner und kleinster Sterne leuchten. Es gibt hier zwar auch einzelne Sternhaufen, z.b. M29, aber das ganze Gebiet ist ein riesiger Sternhaufen den man im großen Bildfeld des Fernglases am besten genießen kann.

Südlich von dieser Achse, Richtung Füchslein, ist "nicht so viel los". Auf einer Fotografie der Milchstraße in diesem Forum fiel mir ein nebliger ovaler Fleck auf, der Sternhaufen NGC6940. Tatsächlich sieht man auch visuell einen schwachen ovalen Fleck.

Zwischen Gamma und Epsilon, in der Nähe von Epsilon befindet sich Ruprecht 173 (Ru173). Sehr locker und ziemlich groß mit einigen helleren Sternen.

Viel Zeit verbrachte ich mit NGC7000, dem Nordamerikanebel. Durchs Fernglas sieht man diesen silbrig-matten Glanz der sich von dem dunklen Himmel absetzt. Es macht Spaß seine Umrisse mit dem Fernglas abzufahren. Sehr schön war diesmal auch die Bucht von Mexiko zu erkennen. In der Umgebung gibt es noch mehr dieser silbrigen Flecken. Wäre sicherlich eine interessante Aufgabe für Zeichner.

Mehr aus sportlichem Interesse versuchte ich den planetarischen Nebel NGC7027 aufzusuchen. Dies gelang auch nach mehrfachem Abchecken von Sternenmustern im Atlas (aber ich liebe Sternenmuster aller Art). Es zeigte sich (natürlich) nur ein Sternlein. Der PN ist für Teleskopbeobachter bestimmt interessant, obwohl recht klein (18"x11"). Die Helligkeitsangaben schwanken stark zwischen 8.5m und 10.0mag

In der Nähe von NGC7000 befindet sich M39. Ich konnte hier bequem ca. 10 bis 12 etwa gleich helle Sterne auf relativ engem Raum, aber gut aufgelöst, zählen. Ganz in der Nähe befinden sich die kleineren und wesentlich schwächeren Haufen NGC7082, 7062. Besonders der kleinere NGC7062 hebt sich gut vom Hintergrund ab. In der Nähe steht ein hellerer Stern mit einem elliptischen Kranz von ca. 6 schwächeren Sternen.

Als nächstes ging es ins Sternbild Perseus. Rund um Alpha, den Stern Algol befindet sich ein prächtiges Sternenfeld für das Fernglas, der Haufen Melotte 20. Sehr viele helle Sterne gruppieren sich in unterschiedlichen Mustern neben dem "Hauptdarsteller" Algol. Es wirkte auf mich tatsächlich wie eine Theaterbühne mit Schauspielern, von oben aus der Loge betrachtet.

Zwischen Perseus und Cassiopeia steht der berühmte Doppelhaufen h und Chi. Ich finde allerdings, dass er bei 10x-Vergrößerung und freihändig gehalten nicht ganz so lohnend ist. Mit 20x im Richfield-Teleskop oder durchs Großfernglas wirkt er sicherlich besser.

Sehr interessant ist aber die Gegend zwischen h+Chi und Cassiopeia. Hier gibt es lockere Felder relativ schwacher Sterne, u.a. den Sternhaufen Stock 2. Aus den Sternhaufen h+Chi "wächst" eine hübsch anzusehende Girlande von Sternen Richtung Cassiopeia.

In der Cassiopeia untersuchte ich die Gegend zwischen Epsilon und Delta. Der bekannte Sternhaufen M103 wirkt im Fernglas nicht besonders, dazu braucht's wohl ein kleines Fernrohr. Stattdessen war NGC663 als kleiner kompakter nebliger Fleck viel auffälliger. In der Verlängerung der Linie Delta-Epsilon fällt mir jedes Mal ein Sternenmuster auf, von dem ich nicht weiß ob es einen Namen hat. Es sieht aus wie ein Keil von ca. 5, 6 Sternen u.a. 52Cas und 53Cas.

Manchmal macht es Spaß ziellos mit dem Fernglas durch den Himmel zu streifen um etwas Neues zu entdecken. Östlich von Algol wischte mir ein deutlicher, kleiner Nebel durch Blickfeld, der Sternhaufen NGC1528 in der Nähe des Sterns Lambda Persei.

Mittlerweile war es recht kalt geworden um 1Uhr30. Ein Blick auf den Himmel zeigte, dass es ziemlich zugezogen hatte. Dies war vllt. die letzte Beobachtung im Mondzyklus. Der Mond dürfte in den nächsten Tagen mehr und mehr stören. Das Wetter soll auch sehr gemischt werden.

Thomas
 
Re: Milchstraße mit dem Fernglas, Teil 3

Hallo Thomas,

zu Deinem Sternmuster um 52Cas und 53Cas, der untere Teil dieses Musters, also nahe bzw. nebst 53Cas wird dem offenen Sternhaufen "Stock 5" zugeordnet.

Schöne Objekte hast Du da beobachtet. Ich könnte Dir da noch etliche nennen.
Als Beispiel die Gegend um IC 4665. Richte Dein Glas mal auf Gamma Ophiuchi. Hier tritt südlich dieses Sterns eine seltsame Konstellation hervor. Diese erscheint einem wie ein Umhang. Ich habe diese Konstellation für mich als das "Gespenst" getauft. Tatsächlich handelt es sich um "Collinder 350". Im 10x50 bei guten Bedingungen sehr schön zu beobachten.

Gruß

Mike
 
Re: Milchstraße mit dem Fernglas, Teil 3

Hallo Mike!

@Sternenmuster, Stock 5: Auf den Sternhaufen habe ich diesmal nicht geachtet.

@IC4665. Ganz meine Meinung! Im 2. Teil ("Nachtrag") hatte ich drüber berichtet. Außerdem IC4756+NGC6633 nicht zu vergessen. Einfach prächtig im Fernglas.

@Gamma Ophiuchu und Sternenmuster. Schade, das habe ich in der 2. Nacht übersehen. Hoffentlich wird das noch was dieses Jahr. Kommt auf meine Beobachtungsliste. Danke!

Thomas
 
Re: Milchstraße mit dem Fernglas, Teil 3

Hallo Thomas,

danke für den tollen Beobachtungsbericht, der Lust macht, in der nächsten klaren Nacht mal wieder nur mit dem Fernglas auf Jagd zu gehen! Seit ich mir ein 10x50 Fernglas zugelegt habe liebe ich auch das herrlich weite Gesichtsfeld und die Unkompliziertheit eines Fernglases, das besonders bei nur kurzen Wolkenlücken den lästigen Transport- und Aufbaustress des Teleskops erspart. Der Genuss großen Gesichtsfeldes hat mich so infiziert, dass ich mir als nächstes einen kleinen Richfield-Refraktor und kein größeres Gerät kaufe, bin mal gespannt, wie das im Vergleich zum binokularen Sehen des Fernglases ist.

CS,
Fabian
 
Re: Milchstraße mit dem Fernglas, Teil 3

Zitat von ThN:
Rund um Alpha, den Stern Algol befindet sich ein prächtiges Sternenfeld für das Fernglas, der Haufen Melotte 20.
Muss heißen: "Rund um Alpha, den Stern Mirfak befindet sich..." Die beiden Sterne bringe ich immer durcheinander. Algol ist natürlich Beta Persei.

Thomas
 
Re: Milchstraße mit dem Fernglas, Teil 3

@ Collinder 350: Hallo Mike! Hatte heute Nacht tatsächlich noch 1 Stunde klaren Himmel, von 0Uhr bis 1Uhr. In der Zeit wurde aber ein Sternbild nach dem anderen von Wolken ausgeknippst. Es reichte noch für eine Beobachtung von Col350. Ein Haufen mit wirklich schwachen Sternchen. Man muss schon eine ganze Weile beobachten um die Sternbahnen herauszuarbeiten. Leider fehlte mir etwas die Phantasie um darin ein Gespenst oder Umhang zu sehen.

Thomas
 
Re: Milchstraße mit dem Fernglas, Teil 3

Hallo Thomas,

ja natürlich, man braucht gewiß ein wenig Phantasie. Und man braucht gedult. Je länger bzw. je öfter ich ein Objekt beobachte, desto eher komme ich auf solch dubiose Namen :)

Folgendes muß ich dazu noch erwähnen.
Als ich mit der Astronomie anfing, hatte ich weder eine Sternkarte noch sonstige Hilfsmittel. Und das Internet war noch gar nicht präsent. Ich kannte die bekannten Sternbilder, die hellsten Sterne und die prominenten Objekte aufgrund einer quasi mündlichen Einweihung eines längst verstorbenen Verwandten. Nun wollte ich mich am Himmel zurecht finden. Mit dem Fernglas fing ich an mir für mich die schönsten und eigenartigsten Konstellationen zu merken und zu notieren, und ihnen einen Namen zu geben. Ich fand sie so halt schneller wieder. Etliche hatten sich im laufe der Jahre eingeprägt. Im Zeitalter des Internets und auch durch Fachzeitschriften ließen sich dann natürlich viele Objekte identifizieren. Jedoch blieben einige dieser Objekte bzw. Konstellationen bis heute ohne Namen und ohne Zuordnung.

Vielleicht erinnerst Du dich mal an das "Gespenst", wenn Du es lange genug beobachtet hast :/

Gruß

Mike
 
Re: Milchstraße mit dem Fernglas, Teil 3

Interessanter Zugang zum Sternenhimmel. Ich "surfe" ja manchmal auch ganz gerne durch unbekannte Filden und stolpere über hübsche Sternenmuster. Hier ein Muster auf das ich zufällig stieß und Hexenhäuschen nannte. Es hat aber schon einen anderen Namen. Kennst du es?

Link zur Grafik: https://dl.dropboxusercontent.com/u/15892273/asterismus.jpg

Ich muss mal in meinen alten Beobachtungsberichten stöbern - da habe ich eine Reihe "selbstentdeckter" Asterismen beschrieben.

Thomas
 
Re: Milchstraße mit dem Fernglas, Teil 3

Ja natürlich, das ist "Melotte 25", die Hyaden. Hexenhäuschen ist aber auch sehr gut ;)

Oh ja, stöber mal nach, vielleicht finden sich Übereinstimmungen.
Kennst Du "Kembles Kaskade"?

Mike
 
Re: Milchstraße mit dem Fernglas, Teil 3

Das ist ja nur ein kleiner Ausschnitt aus den Hyaden - die sind ja viel größer. Ne, ich meinte jetzt speziell diese Sternengruppe. Nico "bluescape" hat mir den Namen mal genannt. Ich zitiere ihn:

"Chris Rasmussen, der den Asterismus im Dezember 2004 entdeckte, nennt ihn Mirror Moth. Also eine Spiegelmotte oder ein Spiegelnachtfalter. Zum einen bezieht es sich auf die Symmetrie der beiden Seiten zueinander und zum anderen natürlich auf die Form des Musters."

Wenn man es sich aus dem richtigen Winkel anguckt sieht es tatsächlich wie eine Motte aus - oder wie ein Nurflügelbomber ohne Cockpit. Oder eben wie ein schiefes Haus. Ich habe das Muster also sozusagen "nachentdeckt".

Thomas

P.S. wir können uns wegen den Asterismen via PM austauschen, OK? Kembles Kaskade ist mir vom Namen her sehr bekannt. Ich weiß aber nicht, ob ich sie schon mal beobachtet habe.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Milchstraße mit dem Fernglas, Teil 3

Zitat von Delyon:
Hallo Thomas, danke für den tollen Beobachtungsbericht, der Lust macht, in der nächsten klaren Nacht mal wieder nur mit dem Fernglas auf Jagd zu gehen!
Danke! Freut mich, wenn meine Berichte zum Nachahmen animieren.

Der Genuss großen Gesichtsfeldes hat mich so infiziert, dass ich mir als nächstes einen kleinen Richfield-Refraktor und kein größeres Gerät kaufe, bin mal gespannt, wie das im Vergleich zum binokularen Sehen des Fernglases ist.
Hoffentlich bereust du es nicht :biggrin: Nein, im Ernst, durch die Montierung und stärkere Vergrößerung gewinnst du natürlich hinzu was du durch kleineres Bildfeld und monokulares Sehen verlierst. Gibt's nicht auch "Binoaufsätze" für den Richfielder? - dann hättest du sogar quasi ein (bei 60mm Öffnung auf 2 Augen verteilt allerdings etwas lichtschwaches) Großfernglas.

Thomas
 
Kleiner Abschlussbericht, Nacht vom 14. auf 15. August

Auf Anregung von Mike habe ich mir Kembles Kaskade angeguckt. Sehr elegant, bezaubernd. Sie wirkt wie eine Perlenkette kleiner Glasbläschen im Sektglas. Der Vergleich passt zwar nicht ganz, aber ich würde die Formation ansonsten "Sektglas" nennen. :biggrin:

Das ganze Gebiet in der Giraffe und im Perseus ist eine Fundgrube für den Fernglasbeobachter. Es gibt dort schöne Sternhaufen aus dem Stock- und Trumplerkatalog. Wie z.B. Trumpler 2, Stock 23 und Trumpler 3 und natürlich Stock 2 beim Doppelsternhaufen h+Chi.

Im Fernglas sieht es so aus als ob aus (h+Chi) ein Segel (D-förmig) Richtung Stock2 herauswächst. Zusammen ergibt sich ein Segelboot!

Das war's im wesentlichen. Zum Abschluss der Beobachtung gegen 2 Uhr habe ich mir dann den Helixnebel angeschaut. Der kulminiert um diese Zeit, bei uns allerdings nur auf 19° überm Horizont. Da wirkt, wegen Extinktion, alles ziemlich blass. Zum Glück gibt es sonst keine Aufhellungen. Außerdem gibt es genügend helle Leitsterne um ihn zu finden. Ganz in der Nähe gibt es ein markantes Muster, sieht aus wie ein >-Zeichen, ein Keil. Der zeigt Richtung Helixnebel. Dort findet man tatsächlich eine große, schwache Aufhellung! Ist schon verblüffend. In einem Monat kulminiert er bereits um Mitternacht, ist also leichter zu beobachten.

Link zur Grafik: https://dl.dropboxusercontent.com/u/15892273/Helixnebel.jpg

So, das war's jetzt wirklich! Jetzt ist Zeit für Mond- und Novabeobachtungen, vllt. auch Doppelsterne. Mal sehen was die nächste Mond-freie Zeit bringt.

Thomas


 
Hallo Thomas,

Nein, im Ernst, durch die Montierung und stärkere Vergrößerung gewinnst du natürlich hinzu was du durch kleineres Bildfeld und monokulares Sehen verlierst. Gibt's nicht auch "Binoaufsätze" für den Richfielder? - dann hättest du sogar quasi ein (bei 60mm Öffnung auf 2 Augen verteilt allerdings etwas lichtschwaches) Großfernglas.

Sind bei meinem Richfielder 80mm Öffnung geworden, nicht 60. Über einen Binoaufsatz habe ich in der Tat schon nachgedacht, da muss ich mal testen, ob das die Stabilität der Montierung ins Wanken bringt - wäre jedenfalls eine günstigere Lösung als noch ein Großfernglas zu kaufen.

CS,
Fabian
 
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