Gelöschte Mitglieder 487
Hallo zusammen,
an der mehr oder minder deutschlandweiten Zwischenhoch“katastrophe“ konnten in der Nacht von Montag auf Dienstag auch ich und mein 12“er teilhaben. So gern ich aber auch auf den Berg wollte, es ging leider nicht. Mir blieb nur die Chance auf ein paar Stunden am Fuße des Mangfallgebirges, meinem Lieblingsplatz in Geitau auf ca. 850 m Höhe. Eigentlich ging gar nichts, wenn man ganz bei Trost wäre. Basis-Problem: morgens ab 8.00 Uhr musste ich auf der Arbeit wieder Gewehr bei Fuß stehen und mein fahrbarer Untersatz – die Bayerische Oberlandbahn – fährt erst morgens ab 5 Uhr wieder.
Nach einem Tag, wo ich bereits 8 Stunden in der Bahn saß, sah es folgend nämlich so aus: mit der Bahn um 21.15 Uhr zu Haus gekommen, eine knappe halbe Stunde alles Gerümpel in den großen Rucksack, Stullen geschmiert, alles geschultert, auf zum Bahnhof. Geplant hatte ich nichts in Hinblick auf eine Objektauswahl - ich war froh, dass ich mich für eine Hauruck-Aktion entschließen konnte... In Anbetracht der Zeit war die Bahn schön leer...
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/b726e6-1393634356.jpg
Um 22.40 Uhr war ich am Platz und 23.30 Uhr beobachtungsbereit.
Der Plan war, 3 Stunden gucken und zwei Stunden zu schlafen versuchen. Hierzu hatte ich extra meinen Schlafsack eingepackt (ein absolutes persönliches Novum für eine einzelne Beobachtungsnacht), obwohl ich genau weiß, dass ich eh nicht schlafen kann unter solchen Umständen... Aber der Reihe nach.
Der gewohnte 20-minütige Spaziergang stand an bis ich an meinem Platz angelangt war...
im Bild rechts vom Teleskop der ferne Wendelsteingipfel
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/36ac2d-1393637208.jpg
Objekte?
Erst mal: Die SN in M 82 begutachten, das letzte mal ist zwei Wochen her und geschah vom Stadtrand Münchens aus. Die Supernova kam nicht mehr so eindrücklich rüber, aber dafür die Gx umso mehr. Ein toller Anblick immer noch insgesamt.
Der Galaxienhimmel lag einem mit dem kulminierenden Löwen quasi zu Füßen – mein Gott, der Orion ging schon unter und ich hatte noch überhaupt kein Wintergefühl... na ja, von einer Glatteiskopfplatzwundeneinlage per Rad mal abgesehen.... glücklicherweise ohne Teleskop.
Es stehen also Galaxien an – zunächst bekanntere. Beim Leotriplett soll man bei der länglichen NGC 3628 angeblich das Staubband sehen können. Das ist mir in meinen Spontanbesuchen nie aufgefallen und ich wollte es nun mal forcierter angehen. Najaaaaa... also mit dem 12er Nagler konnte man sich ein Staubband einbilden. Aber sehr sehr vage.
Mein Haustier der Waldkauz rief aus südwestlicher Richtung, wo sich noch schneebedeckte Berge präsentierten.
Die Staubbandexkursion ging weiter zu Hickson 44. Die wohl einfachste Hicksongruppe findet sich bekanntermaßen im Löwenkopf. Alle vier Gx wie gewohnt zu sehen. Die schwächste auch im 26 mm Übersichtsoku. Die NGC 3190 mit dem Staubband zeigte ihr Charakteristikum zumindest in Form einer scharfen Abgrenzung auf einer Seite. Ich habe aber nicht zu sehr vergrößert, das 8 mm-Oku blieb im Koffer glaube ich.
Die Bedingungen
Das Seeing war jetzt auch nicht übermäßig gut. Zumindest mit dem bloße Auge hat es bei den horizontnahen Sternbildern ordentlich geflackert. Der Himmel an sich war aber schön wolkenlos und durchaus als klar zu bezeichnen, wenngleich nicht der Oberbrüller. Das Bild durchs Oku war stets etwas grau. Allerdings hatte ich ausnahmsweise die Streulichthülle nicht drumrum, lediglich die Gegenlichtblende. Bisherige Test ergaben aber keine fassbaren Unterschiede... Manchmal schaut man einfach nur hoch und es entfleucht einem ein BOAH. Dann braucht man als erfahrener Beobachter gar nicht mehr anfangen mit Bortle-SQM-FST-Bestimmereien. Das ist dann einfach eine Bombennacht – wenn es eine solche ist, sieht man es sofort. Und dann ist klar, 6m8 sind hier locker am Start. Dieses mal hier war das Himmelsgewölbe der Kategorie guter Landhimmel zuzuordnen, wo man viel Spaß haben kann, es aber besser geht. Kein Wind, die angesagte Feuchte von 90% schien mir deutlich unterschritten, da nix feucht wurde, Temperaturen nur knapp unter Null – kurz: eine sehr angenehme, schöne Nacht.
Umzingel den Löwen!
Nach einem kurzen Abstecher zu NGC 2903 mit den Ansätzen von Spiralstruktur – einfach ein Liebling von mir – hieß es nun endgültig:
DeepskyAtlas aufschlagen! Überflugsartig suchte ich nach Galaxiengruppen, helleren Spindeln und auffälligen Kompositionen Galaxie/hellerer Stern. Das ist das schöne an dem Atlas – alles an Hicksons und Arps ist drinnen, toll. Es ging los mit der Entdeckung von Hickson 59. Auf dem Weg dorthin stolperte ich unweit von Denebola über NGC 3872 und UGC 6758, welche nicht weiter spektakulär waren. Aber wenn man was anderes sucht und nicht mit höherer V draufhält, kann man sich da auch durchaus irren.
Irgendwann fiel mir ein Nebelblobb bei einem 14 mag-Sternchen im Zielgebiet auf. Es galt höher zu vergrößern, mit 8 mm. Bei längerer Betrachtung zeigte sich noch eine weitere Galaxie – nach meiner Interpretation per Check in wikisky war dies PGC 36853, was auch stimmt, aber gleichzeitig ist dies auch IC 737, wikisky ordnet hiernicht richtig zu (Danke Uwe für den Hinweis!).
Aus fünf Mitgliedern bestehend, konnte ich in Hickson 59 letztlich also zwei Galaxien dingfest machen, welche sich durch den Abstand vom Sternchen und in ihren Helligkeitsunterschieden mit dem Bild der DSS-Aufnahmen decken. IC 736 und IC 737 sind gleichzeitig die hellsten der Gruppe. Phasenweise meinte ich, noch die eine oder andere weitere Aufhellung wahrzunehmen aber konnte nichts greifbares isolieren. Nicht einfach das ganze – hohe Vergrößerung ist schon nötig. Aber nicht um irgendwas zu trennen, sondern generell des Kontrasts wegen.
Ich finde es immer spannend, nicht zu wissen, was einen erwartet – und plötzlich taucht irgendwo noch eine Gx während der konzentrierten Beobachtung auf. So kann man zumindest sicher sein, nicht Opfer des Willens gewesen zu sein und sich was einzubilden... So auch hier – ich stellte bei dem Erschienen der zweiten Gx fest, das es einfach Spaß macht, wenn unverhofft aus dem Nichts noch etwas auftaucht. Immer nach dem zu suchen, was man sehen müsste, muss also nicht immer der richtige Weg sein... Aus Gaudi versuchte ich mich an einem Kugelhaufen in der Region: Koposov 1. Also ich habe nichts finden können. Vielleicht war ich als Galaxienfan auch einfach zu ungeduldig? Deshalb weiter mit Galaxien... Arp 83 nahe des Popo vom Löwen – alias NGC 3800/3799: eine hübsche Kombi, welche sich aus einer unregelmäßigen und zu einer Seite diffus auslaufenden Wulst und einem abgesetzten rundlichen Nebelbausch zusammensetzt, in einer Sternenkette eingebettet, die mit dem Galaxiengewusel einen „Flitzebogen“ ergibt. Im 8 mm-Okular empfand ich den Eindruck am schönsten und detaillreichsten.
Dieses mal rief ein Waldkauz aus östlicher Richtung.
Im Dunkel und Umherirren per Kopflampe habe ich als nächstes Ziel Hickson 57 auserkohren – auch Arp 320 genannt oder auch „Copelands Septett“. Dieses wird u.a. von NGC 3745,50,54 gebildet. Rein zufällig ausgewählt, stelle ich fest, dies ist laut Reiner mit die reizvollste HCG...Im Sehfeld ist ein winziges fast rechtwinkliges Dreieck etwa gleichheller Sternchen zu sehen. Dieses dient gut als Aufsuchhilfe, da sich um dessen Spitze das ganze Geschehen abspielt. Drei Blobbs konnte ich sicher erkennen, wovon einer ganz offenbar ein Gewusel aus mehreren Mitgliedern ist. Ich habe ggf. etwas zu nachlässig beobachtet, aber ich konnte diesen einen Flecken nur in zwei unterschiedliche Objekte differenzieren. Eigenartigerweise sind im Deepskyatlas die benannten NGCs als einzige der Gruppe aufgeführt, wohl deshalb, weil es die hellsten wären. Wikisky zeigt mir jedoch, dass ich teils andere Exemplare als die hellsten empfunden habe. 3748 empfand ich als recht schwierig. Hat laut Steinicke auch nur 14m8. Wobei die 3746 mit 14m1 hier auch nicht als brüllend hell ausgewiesen ist.
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/c28f8a-1393635617.jpg
Eigentlich hätte ich wohl noch mehr Gxsens hier sehen müssen. Allerdings hatte ich leider stets eine reichlich unbequeme Beobachtungsposition, welche die Sichtungen bzw. Nichtsichtungen etwas schwierig in deren Bewertung werden lässt. Da kann man sehen, was eine bequeme Position unter Umständen ausmacht. F 5/3 ist bei ´nem 12er Käse diesbezüglich. Bei f/4 könnte ich schön sitzen und müsste nicht immer wie Quasimodo am Oku hängen. Beobachtungsstuhl? DEN schleppe ich nich auch noch mit mir rum – sorry ;-)
Interlude
Von den südwestlichen Bergen her näherte sich ein mittelstarkes Donnern von trampelnden Hufen in etwa meiner Position. Öhm... und jetzt? Flach auf den Boden legen und Hände über den Kopf? Ich versuchte es mal mit einem kurzen Händeklatschen und irgendwelchen halbmotivierten Rufen in Richtung des Getrampels. Ja bin ich denn in der Prärie hier? Immer wieder was neues... Waren das Kühe? Pferde? Rehe mit Wildschweinhaxen? Keine Ahnung. Glücklicherweise haben die Zentauren wohl noch eine Kurve gemacht und mein Teleskop heile gelassen. Vielleicht kam es mir auch nur so nah vor?
Blackout
Nächstes Ziel war NGC 4064, die als etwas heller und annähernd spindelförmig im Atlas daherkam: Da gab es nichts markantes festzustellen mit 12“, also bin ich schnell weiter Richtung Hickson-Group 58 , dieses mal weiter unterhalb vom Löwenhintern. Und jetzt wird’s kurios. Hier habe ich nämlich keine Aufzeichnungen, obwohl Helligkeitstechnisch die NGCs sehr leicht hätten machbar sein müssen. Da gibt’s jetzt verschiedene Möglichkeiten vom verstellten Rigel und vergeblichem Suchen, Totalblackout oder einem Anflug von massiver Überheblichkeit: „die sehe ich ja alle, die zeichne ich daher nicht und merken tu ich mir die erst recht nicht“... öhmm...Tja - 0 AHNUNG! Aber angesteuert hab ich die, da bin ich mir ziemlich sicher. Verrückt, dabei war ich gar nicht müde oder wissentlich verpeilt... Seltsam. In der Jungfrau oberhalb von Porrima fand sich eine weitere, grundsätzlich leicht anvisierbare Arp-Gruppe: Arp 277. Zwischen NGC 4799 und 4772 gelegen, welche jetzt keine besonders markanten Wegmarkierungen waren, sollte die Gruppe irgendwo zu finden sein. Die beiden NGC 4809/10 konnte ich trotz moderater Helligkeit von 13m8 bzw. 14m3 nicht aufspühren. Ich blieb erfolglos. Gut, was ich manchmal herumrühre, um M 27 zu finden, ist auch nich mehr normal ;-) Wer weiß.
Erfolreich war ich aber bei NGC 4517 in Virgo. Wenn ich diesen fetten Brummer übersehen hätte... Auf NGC 4517 A habe ich nicht geachtet, sehe ich erst jetzt bei der Nachbearbeitung, dass da ein Abstecher der Vollständigkeit halber nötig gewesen wäre... Im Atlas bewarb sich 4517 mit extremer Schmalheit, großer Helligkeit und Größe an sich. Leicht aufzufinden im Sternfeld ebenfalls. Es zeigt sich im 26 mm sofort eine sehr große längliche Galaxie, die mich etwas an die Heringsgalaxie erinnerte. Eine richtige messerscharfe Gx ist das also nicht, aber eindrucksvoll allemal. Etwa auf halber Länge liegt noch ein helleres Sternchen an. Im 12 mm Okular füllt die Gx das Sehfeld schon beachtlich aus. Auch wegen der 10m4 ein echter Brummer. Wo ich das Bild in wikisky gerade betrachte, kommt mit die Dunkelbandstruktur etwas vertraut vor. Könnte sein, dass ich live davon etwas unbewusst wahrgenommen habe. Wäre nochmal zu prüfen.
Relativitätstheorie
Tja, genauso wie ihr euch sicher wieder fragt, wie man mit so viel Text von so wenig Objekten berichten kann, ist es mir unerklärlich, warum es auf einmal morgens um 4 Uhr ist. Der spontane Blick auf die Uhr war ein kleiner Schock Ich hab so wenig Objekte angesteuert und wollte schon längst abgebaut haben und im Schlafsack liegen! 3.30 Uhr wollte ich abbauen. Das Zusammenpacken braucht locker eine Dreiviertelstunde. Die Bahn wollte ich um 6.17 Uhr erwischen – direkt zur Arbeit ohne Zwischenstop. Mein Knoten im Taschentuch in Form des Mondes, hat sich einfach versteckt – hinter einem Berg. Aufgrund der niedrigen Deklination hat der sich einfach am Horizont herumgeschlichen und mich über die fortgeschrittene Zeit im Unklaren gelassen. Jetzt wurde mir auch klar, warum der Himmel dort bei dem Berg so illuminiert ist...
Der Himmel war eben noch recht lange brauchbar nach Mondaufgang. Aber es wurde zunehmends ersichtlich: das war´s. Also hieß es jetzt, die neue Kamera mal auf ein Nachtpanorama loszulassen ...
nach Klick zur Übersicht bitte auf 50%-Ansicht gehen...
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/8fb2a3-1393634647.jpg
Da habe ich noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen. Zum Beispiel sollte man die Kopflampe ausmachen, wenn man 15 Sekunden belichten möchte....Mitten auf dem Bild sieht man, dass mir dies zu beherzigen nur bedingt gelungen ist... Da ich diese Lampe erst seit kurzem habe, führt die noch ein gewisses Eigenleben... Solange man nicht auf den Boden guckt, sieht man eben nichts davon, dass die an ist. Oder angeschaltener Weise ins Okular guckt – auch geschafft.
Irgendwann war es Zeit für den Rückweg. Aus dem geplanten Nickerchen wurden 0 Minuten Schlaf. Dabei kam ich an irgendeinem Haufen vorbei – vielleicht ein gigantischer Misthaufen - wo oben offenbar eine Lampe montiert war - „Wer macht denn sowas?“ Jetzt haben die schon Angst, dass denen der Misthaufen geklaut wird... Nein, es wurde klar, das war der Mond, der sich nun mit jedem Schritt weiter vom Haufen wegschob. Die schöne Sichel strahlte von dem mittlerweile tiefblau gewordenen Himmel mit der Venus um die Wette. Am Bahnhof angekommen zeigte sich mir das gleiche Bild wie beim Aussteigen ein paar Stunden zuvor: gähnende Leere.
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/b7d482-1393635233.jpg
Immer wieder ein besonderes, unmittelbares und uriges Gefühl.
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/e182ba-1393635296.jpg
Heimwärts am Schliersee entlang:
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/144ddd-1393635514.jpg
Schöne Grüße
Norman, der es irgendwie geschafft hat, den Tag darauf zu überleben.
an der mehr oder minder deutschlandweiten Zwischenhoch“katastrophe“ konnten in der Nacht von Montag auf Dienstag auch ich und mein 12“er teilhaben. So gern ich aber auch auf den Berg wollte, es ging leider nicht. Mir blieb nur die Chance auf ein paar Stunden am Fuße des Mangfallgebirges, meinem Lieblingsplatz in Geitau auf ca. 850 m Höhe. Eigentlich ging gar nichts, wenn man ganz bei Trost wäre. Basis-Problem: morgens ab 8.00 Uhr musste ich auf der Arbeit wieder Gewehr bei Fuß stehen und mein fahrbarer Untersatz – die Bayerische Oberlandbahn – fährt erst morgens ab 5 Uhr wieder.
Nach einem Tag, wo ich bereits 8 Stunden in der Bahn saß, sah es folgend nämlich so aus: mit der Bahn um 21.15 Uhr zu Haus gekommen, eine knappe halbe Stunde alles Gerümpel in den großen Rucksack, Stullen geschmiert, alles geschultert, auf zum Bahnhof. Geplant hatte ich nichts in Hinblick auf eine Objektauswahl - ich war froh, dass ich mich für eine Hauruck-Aktion entschließen konnte... In Anbetracht der Zeit war die Bahn schön leer...
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/b726e6-1393634356.jpg
Um 22.40 Uhr war ich am Platz und 23.30 Uhr beobachtungsbereit.
Der Plan war, 3 Stunden gucken und zwei Stunden zu schlafen versuchen. Hierzu hatte ich extra meinen Schlafsack eingepackt (ein absolutes persönliches Novum für eine einzelne Beobachtungsnacht), obwohl ich genau weiß, dass ich eh nicht schlafen kann unter solchen Umständen... Aber der Reihe nach.
Der gewohnte 20-minütige Spaziergang stand an bis ich an meinem Platz angelangt war...
im Bild rechts vom Teleskop der ferne Wendelsteingipfel
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/36ac2d-1393637208.jpg
Objekte?
Erst mal: Die SN in M 82 begutachten, das letzte mal ist zwei Wochen her und geschah vom Stadtrand Münchens aus. Die Supernova kam nicht mehr so eindrücklich rüber, aber dafür die Gx umso mehr. Ein toller Anblick immer noch insgesamt.
Der Galaxienhimmel lag einem mit dem kulminierenden Löwen quasi zu Füßen – mein Gott, der Orion ging schon unter und ich hatte noch überhaupt kein Wintergefühl... na ja, von einer Glatteiskopfplatzwundeneinlage per Rad mal abgesehen.... glücklicherweise ohne Teleskop.
Es stehen also Galaxien an – zunächst bekanntere. Beim Leotriplett soll man bei der länglichen NGC 3628 angeblich das Staubband sehen können. Das ist mir in meinen Spontanbesuchen nie aufgefallen und ich wollte es nun mal forcierter angehen. Najaaaaa... also mit dem 12er Nagler konnte man sich ein Staubband einbilden. Aber sehr sehr vage.
Mein Haustier der Waldkauz rief aus südwestlicher Richtung, wo sich noch schneebedeckte Berge präsentierten.
Die Staubbandexkursion ging weiter zu Hickson 44. Die wohl einfachste Hicksongruppe findet sich bekanntermaßen im Löwenkopf. Alle vier Gx wie gewohnt zu sehen. Die schwächste auch im 26 mm Übersichtsoku. Die NGC 3190 mit dem Staubband zeigte ihr Charakteristikum zumindest in Form einer scharfen Abgrenzung auf einer Seite. Ich habe aber nicht zu sehr vergrößert, das 8 mm-Oku blieb im Koffer glaube ich.
Die Bedingungen
Das Seeing war jetzt auch nicht übermäßig gut. Zumindest mit dem bloße Auge hat es bei den horizontnahen Sternbildern ordentlich geflackert. Der Himmel an sich war aber schön wolkenlos und durchaus als klar zu bezeichnen, wenngleich nicht der Oberbrüller. Das Bild durchs Oku war stets etwas grau. Allerdings hatte ich ausnahmsweise die Streulichthülle nicht drumrum, lediglich die Gegenlichtblende. Bisherige Test ergaben aber keine fassbaren Unterschiede... Manchmal schaut man einfach nur hoch und es entfleucht einem ein BOAH. Dann braucht man als erfahrener Beobachter gar nicht mehr anfangen mit Bortle-SQM-FST-Bestimmereien. Das ist dann einfach eine Bombennacht – wenn es eine solche ist, sieht man es sofort. Und dann ist klar, 6m8 sind hier locker am Start. Dieses mal hier war das Himmelsgewölbe der Kategorie guter Landhimmel zuzuordnen, wo man viel Spaß haben kann, es aber besser geht. Kein Wind, die angesagte Feuchte von 90% schien mir deutlich unterschritten, da nix feucht wurde, Temperaturen nur knapp unter Null – kurz: eine sehr angenehme, schöne Nacht.
Umzingel den Löwen!
Nach einem kurzen Abstecher zu NGC 2903 mit den Ansätzen von Spiralstruktur – einfach ein Liebling von mir – hieß es nun endgültig:
DeepskyAtlas aufschlagen! Überflugsartig suchte ich nach Galaxiengruppen, helleren Spindeln und auffälligen Kompositionen Galaxie/hellerer Stern. Das ist das schöne an dem Atlas – alles an Hicksons und Arps ist drinnen, toll. Es ging los mit der Entdeckung von Hickson 59. Auf dem Weg dorthin stolperte ich unweit von Denebola über NGC 3872 und UGC 6758, welche nicht weiter spektakulär waren. Aber wenn man was anderes sucht und nicht mit höherer V draufhält, kann man sich da auch durchaus irren.
Irgendwann fiel mir ein Nebelblobb bei einem 14 mag-Sternchen im Zielgebiet auf. Es galt höher zu vergrößern, mit 8 mm. Bei längerer Betrachtung zeigte sich noch eine weitere Galaxie – nach meiner Interpretation per Check in wikisky war dies PGC 36853, was auch stimmt, aber gleichzeitig ist dies auch IC 737, wikisky ordnet hiernicht richtig zu (Danke Uwe für den Hinweis!).
Aus fünf Mitgliedern bestehend, konnte ich in Hickson 59 letztlich also zwei Galaxien dingfest machen, welche sich durch den Abstand vom Sternchen und in ihren Helligkeitsunterschieden mit dem Bild der DSS-Aufnahmen decken. IC 736 und IC 737 sind gleichzeitig die hellsten der Gruppe. Phasenweise meinte ich, noch die eine oder andere weitere Aufhellung wahrzunehmen aber konnte nichts greifbares isolieren. Nicht einfach das ganze – hohe Vergrößerung ist schon nötig. Aber nicht um irgendwas zu trennen, sondern generell des Kontrasts wegen.
Ich finde es immer spannend, nicht zu wissen, was einen erwartet – und plötzlich taucht irgendwo noch eine Gx während der konzentrierten Beobachtung auf. So kann man zumindest sicher sein, nicht Opfer des Willens gewesen zu sein und sich was einzubilden... So auch hier – ich stellte bei dem Erschienen der zweiten Gx fest, das es einfach Spaß macht, wenn unverhofft aus dem Nichts noch etwas auftaucht. Immer nach dem zu suchen, was man sehen müsste, muss also nicht immer der richtige Weg sein... Aus Gaudi versuchte ich mich an einem Kugelhaufen in der Region: Koposov 1. Also ich habe nichts finden können. Vielleicht war ich als Galaxienfan auch einfach zu ungeduldig? Deshalb weiter mit Galaxien... Arp 83 nahe des Popo vom Löwen – alias NGC 3800/3799: eine hübsche Kombi, welche sich aus einer unregelmäßigen und zu einer Seite diffus auslaufenden Wulst und einem abgesetzten rundlichen Nebelbausch zusammensetzt, in einer Sternenkette eingebettet, die mit dem Galaxiengewusel einen „Flitzebogen“ ergibt. Im 8 mm-Okular empfand ich den Eindruck am schönsten und detaillreichsten.
Dieses mal rief ein Waldkauz aus östlicher Richtung.
Im Dunkel und Umherirren per Kopflampe habe ich als nächstes Ziel Hickson 57 auserkohren – auch Arp 320 genannt oder auch „Copelands Septett“. Dieses wird u.a. von NGC 3745,50,54 gebildet. Rein zufällig ausgewählt, stelle ich fest, dies ist laut Reiner mit die reizvollste HCG...Im Sehfeld ist ein winziges fast rechtwinkliges Dreieck etwa gleichheller Sternchen zu sehen. Dieses dient gut als Aufsuchhilfe, da sich um dessen Spitze das ganze Geschehen abspielt. Drei Blobbs konnte ich sicher erkennen, wovon einer ganz offenbar ein Gewusel aus mehreren Mitgliedern ist. Ich habe ggf. etwas zu nachlässig beobachtet, aber ich konnte diesen einen Flecken nur in zwei unterschiedliche Objekte differenzieren. Eigenartigerweise sind im Deepskyatlas die benannten NGCs als einzige der Gruppe aufgeführt, wohl deshalb, weil es die hellsten wären. Wikisky zeigt mir jedoch, dass ich teils andere Exemplare als die hellsten empfunden habe. 3748 empfand ich als recht schwierig. Hat laut Steinicke auch nur 14m8. Wobei die 3746 mit 14m1 hier auch nicht als brüllend hell ausgewiesen ist.
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/c28f8a-1393635617.jpg
Eigentlich hätte ich wohl noch mehr Gxsens hier sehen müssen. Allerdings hatte ich leider stets eine reichlich unbequeme Beobachtungsposition, welche die Sichtungen bzw. Nichtsichtungen etwas schwierig in deren Bewertung werden lässt. Da kann man sehen, was eine bequeme Position unter Umständen ausmacht. F 5/3 ist bei ´nem 12er Käse diesbezüglich. Bei f/4 könnte ich schön sitzen und müsste nicht immer wie Quasimodo am Oku hängen. Beobachtungsstuhl? DEN schleppe ich nich auch noch mit mir rum – sorry ;-)
Interlude
Von den südwestlichen Bergen her näherte sich ein mittelstarkes Donnern von trampelnden Hufen in etwa meiner Position. Öhm... und jetzt? Flach auf den Boden legen und Hände über den Kopf? Ich versuchte es mal mit einem kurzen Händeklatschen und irgendwelchen halbmotivierten Rufen in Richtung des Getrampels. Ja bin ich denn in der Prärie hier? Immer wieder was neues... Waren das Kühe? Pferde? Rehe mit Wildschweinhaxen? Keine Ahnung. Glücklicherweise haben die Zentauren wohl noch eine Kurve gemacht und mein Teleskop heile gelassen. Vielleicht kam es mir auch nur so nah vor?
Blackout
Nächstes Ziel war NGC 4064, die als etwas heller und annähernd spindelförmig im Atlas daherkam: Da gab es nichts markantes festzustellen mit 12“, also bin ich schnell weiter Richtung Hickson-Group 58 , dieses mal weiter unterhalb vom Löwenhintern. Und jetzt wird’s kurios. Hier habe ich nämlich keine Aufzeichnungen, obwohl Helligkeitstechnisch die NGCs sehr leicht hätten machbar sein müssen. Da gibt’s jetzt verschiedene Möglichkeiten vom verstellten Rigel und vergeblichem Suchen, Totalblackout oder einem Anflug von massiver Überheblichkeit: „die sehe ich ja alle, die zeichne ich daher nicht und merken tu ich mir die erst recht nicht“... öhmm...Tja - 0 AHNUNG! Aber angesteuert hab ich die, da bin ich mir ziemlich sicher. Verrückt, dabei war ich gar nicht müde oder wissentlich verpeilt... Seltsam. In der Jungfrau oberhalb von Porrima fand sich eine weitere, grundsätzlich leicht anvisierbare Arp-Gruppe: Arp 277. Zwischen NGC 4799 und 4772 gelegen, welche jetzt keine besonders markanten Wegmarkierungen waren, sollte die Gruppe irgendwo zu finden sein. Die beiden NGC 4809/10 konnte ich trotz moderater Helligkeit von 13m8 bzw. 14m3 nicht aufspühren. Ich blieb erfolglos. Gut, was ich manchmal herumrühre, um M 27 zu finden, ist auch nich mehr normal ;-) Wer weiß.
Erfolreich war ich aber bei NGC 4517 in Virgo. Wenn ich diesen fetten Brummer übersehen hätte... Auf NGC 4517 A habe ich nicht geachtet, sehe ich erst jetzt bei der Nachbearbeitung, dass da ein Abstecher der Vollständigkeit halber nötig gewesen wäre... Im Atlas bewarb sich 4517 mit extremer Schmalheit, großer Helligkeit und Größe an sich. Leicht aufzufinden im Sternfeld ebenfalls. Es zeigt sich im 26 mm sofort eine sehr große längliche Galaxie, die mich etwas an die Heringsgalaxie erinnerte. Eine richtige messerscharfe Gx ist das also nicht, aber eindrucksvoll allemal. Etwa auf halber Länge liegt noch ein helleres Sternchen an. Im 12 mm Okular füllt die Gx das Sehfeld schon beachtlich aus. Auch wegen der 10m4 ein echter Brummer. Wo ich das Bild in wikisky gerade betrachte, kommt mit die Dunkelbandstruktur etwas vertraut vor. Könnte sein, dass ich live davon etwas unbewusst wahrgenommen habe. Wäre nochmal zu prüfen.
Relativitätstheorie
Tja, genauso wie ihr euch sicher wieder fragt, wie man mit so viel Text von so wenig Objekten berichten kann, ist es mir unerklärlich, warum es auf einmal morgens um 4 Uhr ist. Der spontane Blick auf die Uhr war ein kleiner Schock Ich hab so wenig Objekte angesteuert und wollte schon längst abgebaut haben und im Schlafsack liegen! 3.30 Uhr wollte ich abbauen. Das Zusammenpacken braucht locker eine Dreiviertelstunde. Die Bahn wollte ich um 6.17 Uhr erwischen – direkt zur Arbeit ohne Zwischenstop. Mein Knoten im Taschentuch in Form des Mondes, hat sich einfach versteckt – hinter einem Berg. Aufgrund der niedrigen Deklination hat der sich einfach am Horizont herumgeschlichen und mich über die fortgeschrittene Zeit im Unklaren gelassen. Jetzt wurde mir auch klar, warum der Himmel dort bei dem Berg so illuminiert ist...
Der Himmel war eben noch recht lange brauchbar nach Mondaufgang. Aber es wurde zunehmends ersichtlich: das war´s. Also hieß es jetzt, die neue Kamera mal auf ein Nachtpanorama loszulassen ...
nach Klick zur Übersicht bitte auf 50%-Ansicht gehen...
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/8fb2a3-1393634647.jpg
Da habe ich noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen. Zum Beispiel sollte man die Kopflampe ausmachen, wenn man 15 Sekunden belichten möchte....Mitten auf dem Bild sieht man, dass mir dies zu beherzigen nur bedingt gelungen ist... Da ich diese Lampe erst seit kurzem habe, führt die noch ein gewisses Eigenleben... Solange man nicht auf den Boden guckt, sieht man eben nichts davon, dass die an ist. Oder angeschaltener Weise ins Okular guckt – auch geschafft.
Irgendwann war es Zeit für den Rückweg. Aus dem geplanten Nickerchen wurden 0 Minuten Schlaf. Dabei kam ich an irgendeinem Haufen vorbei – vielleicht ein gigantischer Misthaufen - wo oben offenbar eine Lampe montiert war - „Wer macht denn sowas?“ Jetzt haben die schon Angst, dass denen der Misthaufen geklaut wird... Nein, es wurde klar, das war der Mond, der sich nun mit jedem Schritt weiter vom Haufen wegschob. Die schöne Sichel strahlte von dem mittlerweile tiefblau gewordenen Himmel mit der Venus um die Wette. Am Bahnhof angekommen zeigte sich mir das gleiche Bild wie beim Aussteigen ein paar Stunden zuvor: gähnende Leere.
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/b7d482-1393635233.jpg
Immer wieder ein besonderes, unmittelbares und uriges Gefühl.
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/e182ba-1393635296.jpg
Heimwärts am Schliersee entlang:
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/144ddd-1393635514.jpg
Schöne Grüße
Norman, der es irgendwie geschafft hat, den Tag darauf zu überleben.
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