Uwe65
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Mit dem Fernglas durch die Nacht
Die Reise begann bei a Herkulis (Rasalgethi). Auffällig war eine westlich liegende Sternkette. In dieser erschien HIP 83430 im FG rotorange; in der Nachbetrachtung bestätigt sich das durch die Spektralklasse M. Lt. skysafari hat der Stern bei 1,2 Sonnenmassen einen fast 72-fachen Sonnendurchmesser und strahlt das 687-fache der Sonnenenergie ab. Das sind nennenswerte physikalische Parameter, die Vielfalt im Universum darstellen. Bei den Werten ist mir unsere Sonne als Zentralgestirn angenehmer J.
Der Blick wandert nach Osten. Als Aufsuchhilfe dient β Ophiuchi. Nördlich davon steht IC 4665, ein klassisches Fernglasobjekt, das gut aufgelöst werden kann und seinen Charakter als offener Sternhaufen darstellt. Markant ist die Formation der Sterne 66, 67, 68, 70 Ophiuchi weiter nach Osten. Ein weiteres Sterndreieck fällt auf, in dessen östlicher Ecke eine grieseliger Fleck auftaucht, der ein wenig wie eine kleinere Ausgabe des vorgenannten Haufens wirkt und sich als NGC 6633 erweist. Direkt östlich liegt ein wolkig wirkendes Sternfeld. Einerseits steht hier der ausgedehnte Sternhaufen IC 4756 (Æ 40‘), andererseits findet sich hier ein dichter Bereich der Milchstraße.
Vom Schlangenträger zum Adler
Beim Schwenk weiter gen Ost komme ich in das Sternbild Adler. Sozusagen im Bereich der rechten Schwinge kann ich die offenen Sternhaufen NGC 6709 und 6738 erkennen (6,7mag und 8.3mag). Beide Sternhaufen sind im FG erkennbar aber an der Sichtbarkeitsgrenze. Mittels der skysafari-App können sie identifiziert werden, visuell im FG unauffällig und nur als kleine, schwach opake Aufhellungen wahrnehmbar.
Weiter südlich fällt zwischen den Sternen 21 Aquilae und Theta Serpentis Caudae ein ca. 2,5-3,0° ausgedehenter, hellerer Bereich der Milchstraße auf. Eine vergleichbare Aufhellung der Milchstraße kann ich zw. HD 178129 (7,5mag) und HD 177332 (6.7mag) ausmachen
Ebenfalls augenfällig ist eine 3er Sternenformation in deren Mitte HD 172744 (6.8mag) steht, eine unregelmäßige Sternkette dehnt sich grob nach West bis HR 6976 (6.5mg) aus (die Linie hat gut 2° Länge).
Zwischen Füchschen und Pfeil
Der offene Haufen Collinder 399 ist ein weiterer Klassiker für Ferngläser im unscheinbaren Sternbild Füchschen. Der Kugelsternhaufen M 71 im Pfeil ist gut als runde, milchige Aufhellung zwischen d und g Sge erkennbar
Östlich von Cr 399 zeigt sich ein verschobenes „Y“ aus Sternen, man mag auch an eine Stimmgabel denken, in dessen Öffnung der kleine, offene Haufen NGC 6823 (7.1mag) zu sehen ist. Über 12 Vulpeculae geht der Blick weiter zu M 27, der etwas heller und größer als M71 wirkt und im FG kreisrund erscheint.
Im Schwan
Ab hier kommt Dynamik in die Beobachtung. Aus Pappringen und ca. 2cm starken Plastazoteringen hatte ich mir Halterungen für 2“-Filter für das FG gebastelt („improvisiert“ ist näher an der Wahrheit J). 2“ Zoll-Filter passen prima vor die Öffnung eines FG mit 42mm Öffnung. Somit habe ich ein Objektiv des Glases mit einem CLS-Filter von von explore scientific und das andere mit einem UHC-Filter von svbony versehen.
Damit war ich für das eher lichtschwache (lichtscheue) „Gesindel“ am Himmel ausgrüstet. Das Ergebnis war eine merkliche Kontrasterhöhung durch die Filterkombi, der Himmelshintergrund erschien schwarz und nicht mehr anthrazit
Beginnend bei 52 Cygni erschien westlich zunächst der offene Haufen NGC 6940 (6.3mag) hell und groß (25‘)
Beim Supernovaüberrest wurde es schon kniffliger, so dass sich nur NGC 6995 als diffuser Bogen zeigte
Die Region um g Cygni erschien ebenfalls mit zahlreichen Aufhellungen, wobei ich nicht entscheiden konnte, was Gas und was Sternwolken waren. Der Bereich zw. g und h Cygni wartete mit vielen Details auf, an denen ich lange „hängen“ geblieben bin. Jetzt ist mir auch klar, warum Messier die Nr. 29 in seinen Katalog aufnahm. Mit kleiner Optik ist es tatsächlich eine opake, kometenartige Erscheinung. In allen modernen Teleskopen ist es ein wenig spektakuärer offener Haufen mit wenig Mitgliedern. Messier hatte eben auch kleine Optiken zur Verfügung und M29 hebt sich im FG erkennbar von der reichen Umgebung ab.
Cepheus und der „ganze Rest“
Mein Weg führte die Milchstraße entlang zu Cepheus. Zwischen a und d Cephei ragt ein mittelheller Teil der Milchstraße in das Sternbild hinein, das in dieser Nacht nach Monduntergang mit freiem Auge tatsächlich zu sehen war und mir zeigte, das eine, für Wohngebietsverhältnisse, selten gute Transparenz der Atmosphäre gegeben war. d Cephei stellt die Spitze eines markanten Dreiecks mit e und z Cephei dar. Zwischen m Cephei und HR 8221 kann ich ein formlose Aufhellung erkennen. HR 8221 steht im Offnen Haufen im Zentrum von IC 1396, dem großen Gaskomplex im Cepheus.
Der „ganze Rest“ der Beobachtungsnacht besteht aus Kurzbesuchen bei M 52 in Cassiopeia. Die nahe gelegen Nova kann ich mit dem FG nicht ausmachen. Ein Genußblick geht noch in die Leier und zwar in die sternreiche Region zw. β und g Lyrae. Der Doppelstern d Lyrae ist gut zu trennen. Den umgebenden Sternhaufen Stephenson 1 zeigt das Fernglas nicht.
Insgesamt 3 helle Perseiden kann ich an diesem Abend als Beigabe vermelden. Allesamt sehr hell (00:04, 00:29 und 02:41 Uhr), >1.0mag und heller. Letzterer mind. so hell wie Jupiter mit einem deutlichen Nachleuchten von ca. 2 Sek. (sehr eindrucksvoll!!). Wenn das die Vorankündigung für das Perseidenmaximum ist, gibt es dieses Jahr ein sehenswertes Ereignis.
Beim Blick durchs FG hatte ich fast immer mind. einen Satelitten im Gesichtsfeld. Mit dem Identifizieren bin ich nicht nachgekommen, da ich sonst nichts anderes mehr gemacht hätte.
Zusammenfassend kann das ein Plädoyer für handliche Optiken sein, das große Gesichtsfeld bietet doch immer wieder andere Ansichten des Himmels, die eine Betrachtung lohnen.
Die Reise begann bei a Herkulis (Rasalgethi). Auffällig war eine westlich liegende Sternkette. In dieser erschien HIP 83430 im FG rotorange; in der Nachbetrachtung bestätigt sich das durch die Spektralklasse M. Lt. skysafari hat der Stern bei 1,2 Sonnenmassen einen fast 72-fachen Sonnendurchmesser und strahlt das 687-fache der Sonnenenergie ab. Das sind nennenswerte physikalische Parameter, die Vielfalt im Universum darstellen. Bei den Werten ist mir unsere Sonne als Zentralgestirn angenehmer J.
Der Blick wandert nach Osten. Als Aufsuchhilfe dient β Ophiuchi. Nördlich davon steht IC 4665, ein klassisches Fernglasobjekt, das gut aufgelöst werden kann und seinen Charakter als offener Sternhaufen darstellt. Markant ist die Formation der Sterne 66, 67, 68, 70 Ophiuchi weiter nach Osten. Ein weiteres Sterndreieck fällt auf, in dessen östlicher Ecke eine grieseliger Fleck auftaucht, der ein wenig wie eine kleinere Ausgabe des vorgenannten Haufens wirkt und sich als NGC 6633 erweist. Direkt östlich liegt ein wolkig wirkendes Sternfeld. Einerseits steht hier der ausgedehnte Sternhaufen IC 4756 (Æ 40‘), andererseits findet sich hier ein dichter Bereich der Milchstraße.
Vom Schlangenträger zum Adler
Beim Schwenk weiter gen Ost komme ich in das Sternbild Adler. Sozusagen im Bereich der rechten Schwinge kann ich die offenen Sternhaufen NGC 6709 und 6738 erkennen (6,7mag und 8.3mag). Beide Sternhaufen sind im FG erkennbar aber an der Sichtbarkeitsgrenze. Mittels der skysafari-App können sie identifiziert werden, visuell im FG unauffällig und nur als kleine, schwach opake Aufhellungen wahrnehmbar.
Weiter südlich fällt zwischen den Sternen 21 Aquilae und Theta Serpentis Caudae ein ca. 2,5-3,0° ausgedehenter, hellerer Bereich der Milchstraße auf. Eine vergleichbare Aufhellung der Milchstraße kann ich zw. HD 178129 (7,5mag) und HD 177332 (6.7mag) ausmachen
Ebenfalls augenfällig ist eine 3er Sternenformation in deren Mitte HD 172744 (6.8mag) steht, eine unregelmäßige Sternkette dehnt sich grob nach West bis HR 6976 (6.5mg) aus (die Linie hat gut 2° Länge).
Zwischen Füchschen und Pfeil
Der offene Haufen Collinder 399 ist ein weiterer Klassiker für Ferngläser im unscheinbaren Sternbild Füchschen. Der Kugelsternhaufen M 71 im Pfeil ist gut als runde, milchige Aufhellung zwischen d und g Sge erkennbar
Östlich von Cr 399 zeigt sich ein verschobenes „Y“ aus Sternen, man mag auch an eine Stimmgabel denken, in dessen Öffnung der kleine, offene Haufen NGC 6823 (7.1mag) zu sehen ist. Über 12 Vulpeculae geht der Blick weiter zu M 27, der etwas heller und größer als M71 wirkt und im FG kreisrund erscheint.
Im Schwan
Ab hier kommt Dynamik in die Beobachtung. Aus Pappringen und ca. 2cm starken Plastazoteringen hatte ich mir Halterungen für 2“-Filter für das FG gebastelt („improvisiert“ ist näher an der Wahrheit J). 2“ Zoll-Filter passen prima vor die Öffnung eines FG mit 42mm Öffnung. Somit habe ich ein Objektiv des Glases mit einem CLS-Filter von von explore scientific und das andere mit einem UHC-Filter von svbony versehen.
Damit war ich für das eher lichtschwache (lichtscheue) „Gesindel“ am Himmel ausgrüstet. Das Ergebnis war eine merkliche Kontrasterhöhung durch die Filterkombi, der Himmelshintergrund erschien schwarz und nicht mehr anthrazit
Beginnend bei 52 Cygni erschien westlich zunächst der offene Haufen NGC 6940 (6.3mag) hell und groß (25‘)
Beim Supernovaüberrest wurde es schon kniffliger, so dass sich nur NGC 6995 als diffuser Bogen zeigte
Die Region um g Cygni erschien ebenfalls mit zahlreichen Aufhellungen, wobei ich nicht entscheiden konnte, was Gas und was Sternwolken waren. Der Bereich zw. g und h Cygni wartete mit vielen Details auf, an denen ich lange „hängen“ geblieben bin. Jetzt ist mir auch klar, warum Messier die Nr. 29 in seinen Katalog aufnahm. Mit kleiner Optik ist es tatsächlich eine opake, kometenartige Erscheinung. In allen modernen Teleskopen ist es ein wenig spektakuärer offener Haufen mit wenig Mitgliedern. Messier hatte eben auch kleine Optiken zur Verfügung und M29 hebt sich im FG erkennbar von der reichen Umgebung ab.
Cepheus und der „ganze Rest“
Mein Weg führte die Milchstraße entlang zu Cepheus. Zwischen a und d Cephei ragt ein mittelheller Teil der Milchstraße in das Sternbild hinein, das in dieser Nacht nach Monduntergang mit freiem Auge tatsächlich zu sehen war und mir zeigte, das eine, für Wohngebietsverhältnisse, selten gute Transparenz der Atmosphäre gegeben war. d Cephei stellt die Spitze eines markanten Dreiecks mit e und z Cephei dar. Zwischen m Cephei und HR 8221 kann ich ein formlose Aufhellung erkennen. HR 8221 steht im Offnen Haufen im Zentrum von IC 1396, dem großen Gaskomplex im Cepheus.
Der „ganze Rest“ der Beobachtungsnacht besteht aus Kurzbesuchen bei M 52 in Cassiopeia. Die nahe gelegen Nova kann ich mit dem FG nicht ausmachen. Ein Genußblick geht noch in die Leier und zwar in die sternreiche Region zw. β und g Lyrae. Der Doppelstern d Lyrae ist gut zu trennen. Den umgebenden Sternhaufen Stephenson 1 zeigt das Fernglas nicht.
Insgesamt 3 helle Perseiden kann ich an diesem Abend als Beigabe vermelden. Allesamt sehr hell (00:04, 00:29 und 02:41 Uhr), >1.0mag und heller. Letzterer mind. so hell wie Jupiter mit einem deutlichen Nachleuchten von ca. 2 Sek. (sehr eindrucksvoll!!). Wenn das die Vorankündigung für das Perseidenmaximum ist, gibt es dieses Jahr ein sehenswertes Ereignis.
Beim Blick durchs FG hatte ich fast immer mind. einen Satelitten im Gesichtsfeld. Mit dem Identifizieren bin ich nicht nachgekommen, da ich sonst nichts anderes mehr gemacht hätte.
Zusammenfassend kann das ein Plädoyer für handliche Optiken sein, das große Gesichtsfeld bietet doch immer wieder andere Ansichten des Himmels, die eine Betrachtung lohnen.