Lucifugus
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Servus beinand,
in der Polarlichtnacht war bei mir eine Luftfeuchtigkeit von 95% angesagt und in der Tat wurde es gleich bei Dämmerungsbeginn nebelig. Ich hätte trotzdem rausfahren sollen, denn aus einem Nachbardorf kamen später Bilder per WhatsApp, die einfach nur cool waren. Zum Glück hatte ich ja schon einmal das Vergnügen, ein knallrote und grüne Polarlichtnacht auf meinem Hügel zu erleben. Eine Wiederholung hätte aber was gehabt. Wie auch immer, die Nacht vom 20. auf den 21. Januar wurde besser vorhergesagt, kein Nebel, trotzdem luftfeucht (zwischen 80 und 90%), aber eben sternenklar. Mit meinem kleinen 9 × 42 Fernglas bewaffnet ging es raus zu meinem Beobachtungshügel, 5 Minuten von zuuhause entfernt.. Das Längste an der Vorbereitung war es, den Winterzwiebelschalenlook anzuziehen. Sonst nur den Campingstuhl und Beistelltisch ins Auto, Fernglas (ohne Stativ, einfach frei Hand), Bleistift, Spitzer, Radiergummi, Handwärmer und los gings. Grab & Go, wenig Aufwand!
Auf meinem Beobachtungshügel angekommen habe ich sofort die Handwärmer aktiviert. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit fühlten sich die -4°C (später -6°C) deutlich kälter an. Dann das Fernglas unter die Jacke gesteckt, in den Stuhl gesetzt und mit bloßem Auge den Himmel bewundert. Der Orion stand hoch im Süden, der Große Hund begrüßte mich, die Milchstraße war gut zu sehen, M 35 natürlich mit bloßem Auge sichtbar (M 41 auch, aber nicht so schön flächig erscheinend), aber am Horizont war es deutlich dunstig. Von de Taube war diesmal nur Phakt (α Columbae) zu sehen. München leuchtete auch deutlich im Nordosten, was die hohe Luftfeuchtigkeit bedingt. Im Nordwesten hellt Landsberg auf, aber diesmal war es auch im direkten Norden aufgehellt. Es war mittlerweile Viertel nach Zehn, ich war dunkeladaptiert und da fällt es besonders auf. Also noch ein schwaches Polarlicht, aber nicht farbig erscheinend. Das wurde später bestätigt, als gegen 23.30 Uhr ein Beamer senkrecht hoch bis in den Kopf des Drachens leuchtete (im Nordnordosten). Das Schauspiel war aber nach wenigen Minuten wieder vorbei, mehr war nicht mit dem bloßen Auge zu sehen. Aber immerhin.
Beim Adaptieren habe ich schon ein Paar Objekte mit dem Fernglas besucht:
Platais 5, ein großer, Offener Sternhaufen südlich der Verbindungslinie von beta Canis Majoris (Murzim) und delta Leporum (Arsh al Jauzah). Der Haufen berührt die Linie in der Mitte zwischen beiden Sternen und reicht in der Deklination von ca. -20° bis runter zu -25°, ein Durchmesser von etwas mehr als 5°. Man sieht hier eine Sternverdichtung relativ heller Sterne, wobei das Gesichtsfeld des Fernglases nicht ausreicht, ihn komplett zu zeigen. Daher ist die Verdichtung nicht sehr auffällig. Platais 5 ist nach Dias et al. 2002 60 Millionen Jahre alt und 890 Lichtjahre entfernt. Ich schaue ihn immer wieder gerne an, obwohl er nicht sehr auffällig ist.
Collinder 65, an der Grenze zwischen Stier und Orion, ist etwas kleiner und deutlich dichter gepackt. Er liegt direkt südwestlich vom „Ruby Star“, 119 Tauri. Man sieht Sterne zwischen Vierter und sechster Größenklasse, weshalb der Haufen auch mit bloßem Auge erkennbar ist. Mit 4° Durchmesser muss man auch schon etwas mit dem Fernglas hin und her gehen, aber die Verdichtung ist auffällig. Mit 26,7 Millionen Jahren ist es ein junger Haufen, der eben noch einige, sehr helle Sterne enthält. Es ist ein Paradeobjekt für das Fernglas, am besten für noch kleinere Ferngläser.
Etwas weiter nordwestlich findet man schließlich Platais 4. Der große, Offene Sternhaufen grenzt an NGC 1746/1790, einem dahinter gelegenen Offenen Sternhaufen. Iota Tauri liegt am Südwestrand von Platais 4, ist aber wohl nur ein Vordergrundstern (muss ich mal bei Gelegenheit mit den Gaia-Daten prüfen). Jedenfalls sieht man ein paar helle Sterne locker verteilt, aber zudem einige Sterne zwischen 7 mag und 8,5 mag. Mit 3,4° Durchmesser ist Platais 4 im Fernglas gut zu beobachten. Im direkten Vergleich zu Collinder 65 muss hier der Haufencharakter im Fernglas quasi erarbeitet werden. Mit 100 Millionen Jahren ist er ein Halbstarker, aber die ganz hellen Scheinwerfer sind schon über den Jordan gegangen, während die bei Collinder 65 noch leuchten. Deshalb finde ich die beiden Haufenim direkten Vergleich zueinander richtig interessant. Zumal beide einen ähnlichen Abstand zu uns haben (Platais 4 ist etwas näher).
Dann noch Sight Seeing: Messier 41 im Großen Hund ist auch im kleinen Fernglas richtig hübsch, da er bereits in viele Einzelsterne aufgelöst wird.
Jetzt ging es aber zum ersten Objekt auf meiner Zeichnungs-Bucket-Liste: Collinder 69, dem Kopf des Orion. Meissa, Khad Prior und Khad Posterior dominieren den Sternhaufen und bilden auch für das bloße Auge den Kopf des Orion. Im Fernglas sieht man viel mehr, so auch die bekannte Dreierkette zwischen bzw. knapp östlich der Verbindungslinie von Meissa und Khad Prior. Mit einem Alter von nur 5 Millionen Jahren noch ein Säugling, frisch geschlüpft. Vom Emissionsnebel rundherum ist im Fernglas aber nichts zu sehen. Die Zeichnung hat ungefähr eine Stunde Zeit beansprucht. Wäre es nicht so unangenehm kalt an den Händen gewesen, wäre ich sicher schneller gewesen.
Jetzt kurz zu M 35 und NGC 2158 als Sight Seeing – im Fernglas springt M 35 ins Auge, viele Einzelsterne und daneben eine nebelige Aufhellung: NGC 2158. Hübsch die beiden.
Collinder 70, NGC 2024 und der Mintaka-Haufen waren die nächsten Ziele, sprich der Gürtel des Orion. Collinder 70 ist der Sternhaufen rund um Alnilam. Die Sterne rund um Mintaka sind ein davon unabhängiger Haufen, der aus einer anderen Gaswolke entstand. NGC 2024 war an der Grenze des Erkennbaren, mal gar nicht zu sehen, dann wieder durch Bewegen des Fernglases. Ich habe aber erstmal angefangen, die Sterne, die ich mit bloßem Auge sehen konnte, zu zeichnen, dann mit dem Fernglas die schwächeren zu ergänzen. Die Helligkeitsdynamik ist schwer hinzubekommen. Im Fernglas ist das „große S“, das Sterne beider Haufen, Collinder 70 und des Mintaka-Haufens, gemeinsam mit einer kleinen Unterbrechung bilden, gut zu sehen. In der Skizze kommt das nicht so recht heraus. Es ist aber auch mein erster Versuch. Das Hauptproblem: man wird vor Sternen erschlagen. Schön war der Unterschied der feuchten Luft bei mir daheim mit der trockenen in den Alpen zu vergleichen. Bei Namlos hatte ich Collinder 70 mit bloßem Auge gezeichnet, das wäre hier eine sehr sternarme Skizze geworden.
NGC 2024 habe ich dann nochmal verifiziert und an der Stelle eingezeichnet, wo ich ihn indirekt beim Fernglasbewegen gesehen habe. Hier das Ergebnis:
Dann noch kurz zu M 1 – geht der mit dem Fernglas? Der Krebsnebel ist 8m4 hell, aber eben auf eine Fläche verteilt. Und siehe da, ja, da ist er. Klar erkennbar, wenn man das Fernglas bewegt. Direkt nicht zu halten, aber indirekt immer wieder da, und zudem noch etwas oval erscheinend. Cool! Ich war ja eh schon in der Ecke, als ich Platais 4 angeschaut habe, also über den Ruby Star nochmal kurz runter zu Platais 4, dann wieder hoch und hoppala, was ist denn da? Ein witziges Sternmuster. Es erinnerte mich direkt an eine Krabbenspinne (z. B. Pistius truncatus). Ich habe deshalb das Sternmuster und Messier 1 zusammen gezeichnet, was bedeutete, dass ich den Ausschnitt im Fernglas beim Zeichnen erweitern musste. Dafür habe ich andere Sterne dann weggelassen, so auch das Spermatozoon, das in der Nähe ist. Im kleinen Fernglas fand ich die Krabbenspinne sehr auffällig, im Teleskop muss ich sie auch mal anschauen. Mit 1° Durchmesser ist sie etwas für kleine Vergrößerungen. Die Sterne sind zwischen 6m6 und 8m2 hell, die ich im Fernglas auffällig fand. Die Position ist bei R.A. 05h 43min und Dekl. 18°47‘. Hier die Skizze:
Die "Krabbenspinne" ist unten links im Bild.
Und als Abschluss wollte ich den Orionnebel zeichnen, was dazu geführt hat, dass ich das ganze „Schwert“ skizziert habe:
Auffällig war, dass der Orionnebel nach Südwesten so weit und asymmetrisch reicht. Die Oberkante war richtig deutlich und M 43 abgesetzt drüber. Die Schwingen sind vielleicht in der Skizze zu hell dargestellt, aber es war klar erkennbar dass der Nebel an der Oberkante hell ist, dann sich einbiegt und in der Mitte ein heller „Zapfen“ nach unten zeigt. Im Nebel leuchten zwei „Sterne“ hekk hervor, wobei einer der „Sterne“ das Trapez ist. Und plötzlich ist dann noch ein dritter, schwächerer Stern zu erkennen, wenn man das Fernglas ganz ruhig hält.
Erwähnenswert ist der Running Man. Erst habe ich keinerlei Nebel gesehen, dann aber, und nur, wenn ich das Fernglas bewege und indirekt, einen Nebelstrich. Also nur den hellen, südlichen Bereich. Drüber wäre der Dunkelnebel, der nicht erkennbar ist. Klar, bei so kleiner Optik. NGC 1977 ist der Offene Sternhaufen in dem Nebel,
Collinder 72 sind hier nur drei Sterne (der südlichste Punkt des Schwerts, auch ein Offener Sternhaufen). NGC 1980, der meist als der Haufen geführt wird, ist eigentlich nur der Reflexionsnebel. Der ist manchmal nur schwer zu sehen, auch im Teleskop, manchmal aber recht einfach. Hier meine ich, um den westlichen Stern ein Bisserl was Nebeliges gesehen zu haben.
NGC 1981 sieht auch hübsch aus, der Kohlenwagen. Aber die Objekte sind ja alle bekannt, daher als Abschluss des Beobachtugsberichts die Zeichnung. Mittlerweile war es -6°C und danach musste ich einfach heim. Die Konzentration war eh weg durch das Zeichnen.
Ich habe zwar meinen Dino, einen 22"-Dobson, den ich sehr schätze und liebe, aber manchmal reizt es mich, auch mit kleiner Öffnung oder auch nur dem bloßen Auge zu beobachten. Jedes Fernglas hat seine Objekte. Collinder 65 im 22-Zöller? Passt vorne und hinten nicht rein. Oder die Platais-Haufen (nur Platais 1 ist kleine genug)... Und so vieles mehr. Ferngläser werden oft belächelt. Für mich völlig zu Unrecht. Manchmal ist weniger mehr. Und der Vorteil meines 9 × 42: ich kann es auch ohne Stativ sehr ruhig halten. Mit meinem 20 × 60 Fernglas ist das nicht so einfach. Dafür ist damit NGC 2024 easy peasy. Er geht aber eben auch mit 42 mm Öffnung.
In diesem Sinne liebe Grüße,
Christoph
in der Polarlichtnacht war bei mir eine Luftfeuchtigkeit von 95% angesagt und in der Tat wurde es gleich bei Dämmerungsbeginn nebelig. Ich hätte trotzdem rausfahren sollen, denn aus einem Nachbardorf kamen später Bilder per WhatsApp, die einfach nur cool waren. Zum Glück hatte ich ja schon einmal das Vergnügen, ein knallrote und grüne Polarlichtnacht auf meinem Hügel zu erleben. Eine Wiederholung hätte aber was gehabt. Wie auch immer, die Nacht vom 20. auf den 21. Januar wurde besser vorhergesagt, kein Nebel, trotzdem luftfeucht (zwischen 80 und 90%), aber eben sternenklar. Mit meinem kleinen 9 × 42 Fernglas bewaffnet ging es raus zu meinem Beobachtungshügel, 5 Minuten von zuuhause entfernt.. Das Längste an der Vorbereitung war es, den Winterzwiebelschalenlook anzuziehen. Sonst nur den Campingstuhl und Beistelltisch ins Auto, Fernglas (ohne Stativ, einfach frei Hand), Bleistift, Spitzer, Radiergummi, Handwärmer und los gings. Grab & Go, wenig Aufwand!
Auf meinem Beobachtungshügel angekommen habe ich sofort die Handwärmer aktiviert. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit fühlten sich die -4°C (später -6°C) deutlich kälter an. Dann das Fernglas unter die Jacke gesteckt, in den Stuhl gesetzt und mit bloßem Auge den Himmel bewundert. Der Orion stand hoch im Süden, der Große Hund begrüßte mich, die Milchstraße war gut zu sehen, M 35 natürlich mit bloßem Auge sichtbar (M 41 auch, aber nicht so schön flächig erscheinend), aber am Horizont war es deutlich dunstig. Von de Taube war diesmal nur Phakt (α Columbae) zu sehen. München leuchtete auch deutlich im Nordosten, was die hohe Luftfeuchtigkeit bedingt. Im Nordwesten hellt Landsberg auf, aber diesmal war es auch im direkten Norden aufgehellt. Es war mittlerweile Viertel nach Zehn, ich war dunkeladaptiert und da fällt es besonders auf. Also noch ein schwaches Polarlicht, aber nicht farbig erscheinend. Das wurde später bestätigt, als gegen 23.30 Uhr ein Beamer senkrecht hoch bis in den Kopf des Drachens leuchtete (im Nordnordosten). Das Schauspiel war aber nach wenigen Minuten wieder vorbei, mehr war nicht mit dem bloßen Auge zu sehen. Aber immerhin.
Beim Adaptieren habe ich schon ein Paar Objekte mit dem Fernglas besucht:
Platais 5, ein großer, Offener Sternhaufen südlich der Verbindungslinie von beta Canis Majoris (Murzim) und delta Leporum (Arsh al Jauzah). Der Haufen berührt die Linie in der Mitte zwischen beiden Sternen und reicht in der Deklination von ca. -20° bis runter zu -25°, ein Durchmesser von etwas mehr als 5°. Man sieht hier eine Sternverdichtung relativ heller Sterne, wobei das Gesichtsfeld des Fernglases nicht ausreicht, ihn komplett zu zeigen. Daher ist die Verdichtung nicht sehr auffällig. Platais 5 ist nach Dias et al. 2002 60 Millionen Jahre alt und 890 Lichtjahre entfernt. Ich schaue ihn immer wieder gerne an, obwohl er nicht sehr auffällig ist.
Collinder 65, an der Grenze zwischen Stier und Orion, ist etwas kleiner und deutlich dichter gepackt. Er liegt direkt südwestlich vom „Ruby Star“, 119 Tauri. Man sieht Sterne zwischen Vierter und sechster Größenklasse, weshalb der Haufen auch mit bloßem Auge erkennbar ist. Mit 4° Durchmesser muss man auch schon etwas mit dem Fernglas hin und her gehen, aber die Verdichtung ist auffällig. Mit 26,7 Millionen Jahren ist es ein junger Haufen, der eben noch einige, sehr helle Sterne enthält. Es ist ein Paradeobjekt für das Fernglas, am besten für noch kleinere Ferngläser.
Etwas weiter nordwestlich findet man schließlich Platais 4. Der große, Offene Sternhaufen grenzt an NGC 1746/1790, einem dahinter gelegenen Offenen Sternhaufen. Iota Tauri liegt am Südwestrand von Platais 4, ist aber wohl nur ein Vordergrundstern (muss ich mal bei Gelegenheit mit den Gaia-Daten prüfen). Jedenfalls sieht man ein paar helle Sterne locker verteilt, aber zudem einige Sterne zwischen 7 mag und 8,5 mag. Mit 3,4° Durchmesser ist Platais 4 im Fernglas gut zu beobachten. Im direkten Vergleich zu Collinder 65 muss hier der Haufencharakter im Fernglas quasi erarbeitet werden. Mit 100 Millionen Jahren ist er ein Halbstarker, aber die ganz hellen Scheinwerfer sind schon über den Jordan gegangen, während die bei Collinder 65 noch leuchten. Deshalb finde ich die beiden Haufenim direkten Vergleich zueinander richtig interessant. Zumal beide einen ähnlichen Abstand zu uns haben (Platais 4 ist etwas näher).
Dann noch Sight Seeing: Messier 41 im Großen Hund ist auch im kleinen Fernglas richtig hübsch, da er bereits in viele Einzelsterne aufgelöst wird.
Jetzt ging es aber zum ersten Objekt auf meiner Zeichnungs-Bucket-Liste: Collinder 69, dem Kopf des Orion. Meissa, Khad Prior und Khad Posterior dominieren den Sternhaufen und bilden auch für das bloße Auge den Kopf des Orion. Im Fernglas sieht man viel mehr, so auch die bekannte Dreierkette zwischen bzw. knapp östlich der Verbindungslinie von Meissa und Khad Prior. Mit einem Alter von nur 5 Millionen Jahren noch ein Säugling, frisch geschlüpft. Vom Emissionsnebel rundherum ist im Fernglas aber nichts zu sehen. Die Zeichnung hat ungefähr eine Stunde Zeit beansprucht. Wäre es nicht so unangenehm kalt an den Händen gewesen, wäre ich sicher schneller gewesen.
Jetzt kurz zu M 35 und NGC 2158 als Sight Seeing – im Fernglas springt M 35 ins Auge, viele Einzelsterne und daneben eine nebelige Aufhellung: NGC 2158. Hübsch die beiden.
Collinder 70, NGC 2024 und der Mintaka-Haufen waren die nächsten Ziele, sprich der Gürtel des Orion. Collinder 70 ist der Sternhaufen rund um Alnilam. Die Sterne rund um Mintaka sind ein davon unabhängiger Haufen, der aus einer anderen Gaswolke entstand. NGC 2024 war an der Grenze des Erkennbaren, mal gar nicht zu sehen, dann wieder durch Bewegen des Fernglases. Ich habe aber erstmal angefangen, die Sterne, die ich mit bloßem Auge sehen konnte, zu zeichnen, dann mit dem Fernglas die schwächeren zu ergänzen. Die Helligkeitsdynamik ist schwer hinzubekommen. Im Fernglas ist das „große S“, das Sterne beider Haufen, Collinder 70 und des Mintaka-Haufens, gemeinsam mit einer kleinen Unterbrechung bilden, gut zu sehen. In der Skizze kommt das nicht so recht heraus. Es ist aber auch mein erster Versuch. Das Hauptproblem: man wird vor Sternen erschlagen. Schön war der Unterschied der feuchten Luft bei mir daheim mit der trockenen in den Alpen zu vergleichen. Bei Namlos hatte ich Collinder 70 mit bloßem Auge gezeichnet, das wäre hier eine sehr sternarme Skizze geworden.
NGC 2024 habe ich dann nochmal verifiziert und an der Stelle eingezeichnet, wo ich ihn indirekt beim Fernglasbewegen gesehen habe. Hier das Ergebnis:
Dann noch kurz zu M 1 – geht der mit dem Fernglas? Der Krebsnebel ist 8m4 hell, aber eben auf eine Fläche verteilt. Und siehe da, ja, da ist er. Klar erkennbar, wenn man das Fernglas bewegt. Direkt nicht zu halten, aber indirekt immer wieder da, und zudem noch etwas oval erscheinend. Cool! Ich war ja eh schon in der Ecke, als ich Platais 4 angeschaut habe, also über den Ruby Star nochmal kurz runter zu Platais 4, dann wieder hoch und hoppala, was ist denn da? Ein witziges Sternmuster. Es erinnerte mich direkt an eine Krabbenspinne (z. B. Pistius truncatus). Ich habe deshalb das Sternmuster und Messier 1 zusammen gezeichnet, was bedeutete, dass ich den Ausschnitt im Fernglas beim Zeichnen erweitern musste. Dafür habe ich andere Sterne dann weggelassen, so auch das Spermatozoon, das in der Nähe ist. Im kleinen Fernglas fand ich die Krabbenspinne sehr auffällig, im Teleskop muss ich sie auch mal anschauen. Mit 1° Durchmesser ist sie etwas für kleine Vergrößerungen. Die Sterne sind zwischen 6m6 und 8m2 hell, die ich im Fernglas auffällig fand. Die Position ist bei R.A. 05h 43min und Dekl. 18°47‘. Hier die Skizze:
Die "Krabbenspinne" ist unten links im Bild.
Und als Abschluss wollte ich den Orionnebel zeichnen, was dazu geführt hat, dass ich das ganze „Schwert“ skizziert habe:
Auffällig war, dass der Orionnebel nach Südwesten so weit und asymmetrisch reicht. Die Oberkante war richtig deutlich und M 43 abgesetzt drüber. Die Schwingen sind vielleicht in der Skizze zu hell dargestellt, aber es war klar erkennbar dass der Nebel an der Oberkante hell ist, dann sich einbiegt und in der Mitte ein heller „Zapfen“ nach unten zeigt. Im Nebel leuchten zwei „Sterne“ hekk hervor, wobei einer der „Sterne“ das Trapez ist. Und plötzlich ist dann noch ein dritter, schwächerer Stern zu erkennen, wenn man das Fernglas ganz ruhig hält.
Erwähnenswert ist der Running Man. Erst habe ich keinerlei Nebel gesehen, dann aber, und nur, wenn ich das Fernglas bewege und indirekt, einen Nebelstrich. Also nur den hellen, südlichen Bereich. Drüber wäre der Dunkelnebel, der nicht erkennbar ist. Klar, bei so kleiner Optik. NGC 1977 ist der Offene Sternhaufen in dem Nebel,
Collinder 72 sind hier nur drei Sterne (der südlichste Punkt des Schwerts, auch ein Offener Sternhaufen). NGC 1980, der meist als der Haufen geführt wird, ist eigentlich nur der Reflexionsnebel. Der ist manchmal nur schwer zu sehen, auch im Teleskop, manchmal aber recht einfach. Hier meine ich, um den westlichen Stern ein Bisserl was Nebeliges gesehen zu haben.
NGC 1981 sieht auch hübsch aus, der Kohlenwagen. Aber die Objekte sind ja alle bekannt, daher als Abschluss des Beobachtugsberichts die Zeichnung. Mittlerweile war es -6°C und danach musste ich einfach heim. Die Konzentration war eh weg durch das Zeichnen.
Ich habe zwar meinen Dino, einen 22"-Dobson, den ich sehr schätze und liebe, aber manchmal reizt es mich, auch mit kleiner Öffnung oder auch nur dem bloßen Auge zu beobachten. Jedes Fernglas hat seine Objekte. Collinder 65 im 22-Zöller? Passt vorne und hinten nicht rein. Oder die Platais-Haufen (nur Platais 1 ist kleine genug)... Und so vieles mehr. Ferngläser werden oft belächelt. Für mich völlig zu Unrecht. Manchmal ist weniger mehr. Und der Vorteil meines 9 × 42: ich kann es auch ohne Stativ sehr ruhig halten. Mit meinem 20 × 60 Fernglas ist das nicht so einfach. Dafür ist damit NGC 2024 easy peasy. Er geht aber eben auch mit 42 mm Öffnung.
In diesem Sinne liebe Grüße,
Christoph
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