Mit Herrn Galileo auf Tour

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Anette_Aslan

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Liebes Sternenvolk,
neulich besuchte ich eine Vorlesung an der Uni Wien als Gasthörerin und als ich aus dem Hörsaal kam, lag auf der anderen Seite genau gegenüber der Strasse ein Astroladen! Mein Gott, ich wäre fast mit der Strassenbahn zusammengedonnert, ganz benommen steuerte ich auf den Laden zu und schwänzelte wie ein Hai ums Opfer vor dem Aushang herum, um mit eigentlich gar kein Geld dann schwupps darin zu landen. Ich schaute mich erstmal um und fühlte mich wie in alten Kindertagen, als ich zum erstenmal den Naturfreundladen von Kosmos in Stuttgart betrat.
Da lag ein Crayfordauszug, feathertouch....Leute so muss es Männern gehen, die sich in einen Ferrari setzten, ich fingerte daran herum und verstand, dass mein Dobsi-OAZ ein Abwrackmodell dagegen ist. Preis?.....njam, njam....dann schaute ich weiter und stand vor einem 16ner Dobs.........bitte den Rettungswagen.........um nicht mit leeren Händen rauszugehen holte ich mir den Fernrohrführerschein von Stoyan und das Galileo-Teleskop zum Selberbasteln.........ich versprach mir davon, hinterher zu verstehen, wie verdammt gut es mir doch geht.
Das Ding zusammenzubasteln kostete mich zwei Tage, soviel Gefummel, ätz.......aber ich schaffte es und sah mir gegen 3h Nachts den abnehmenden Mond an. Ich stellte mir vor, wie für dieses Ding aus aller Welt hochgradige Wissenschaftler nach Padua kamen um mit Herrn Galileo den Mond zu betrachten, sich wichtig und voller Stolz ob dieser technischen Erfindung fühlten und das Universum entdecken, ich stellte mir nun vor, ich sei auch mit dabei und machte meinen ersten Blick durch diese leidliche Röhre.........nein, das kann man als Mensch des 21.JHD nicht mehr, dazu ist man zu verwöhnt, weis zu viel.....mit einem Gesichtsfeld so gross wie ein 5 Cent Stück konnte ich sehr wohl schon Krater erkennen, den Kopernikus auf jeden Fall, aber wie erbärmlich! Ok, ich will dem Mann michts vorwegnehmen, besser als alles je zuvor, das muss man ja zugestehen. Nun, 16 fach ist bei einem solchen Gesichtsfelddurchmesser nicht viel, doch für Galileo war es immerhin der Durchbruch, ach- für die Menschheit...unfassbar, das machen heute 8 Jährige mit einem Plastikfernrohr der Marke Kick nun besser. Ich meditierte darüber und dachte mir, ich lade nun einfach den Herrn Galileo ein mit samt seinen betuhlichen Herren und lasse die mal alle durch meinen 10ner Dobs schauen, mein 6er FH ist gerade krank, leider, diesem Klassiker hätten sie rein äusserlich mehr abgewinnen können-Ferrari - und Männer und Äusserlichkeiten (smile)....
Es geschah in der nächsten Nacht gegen 23h, die Herren kamen und bekamen durch alle Farbfilter die ich hatte einen Blick auf Saturn, wobei wir uns am Ende für den Gelben als dem Objektivsten entschieden. Sie alle wunderten sich allerdings, wieso der Planet einen simplen Strich durch die Mitte der Kugel hatte und wo die beiden kleineren Kugeln links und rechts nun seien? Hm, meinte ich, dass sei der berühmt Strich durch die Rechnung, weil die Sache mit den Kugeln und den drei zusammenhängenden Planeten nun mal nicht stimme.....da der Mond leider für die Herren und Gott sei es gedankt für mich, noch nicht aufgegangen war, zeigte ich denen dann mal den M3.....mit Vorfreude auf den M 13, den ich erstmals in diesem Jahr wieder erblickte und wie immer mit Herzklopfen, er kam klar aufgelöst ins 5er Baader Hyp und versetzte mich in tiefe Dankbarkeit und Schweigen.......ich wollte den aufgebrachten und ungeduldigen Herren dann so gar nichts erklären und so begriffen sie auch nicht, was das Ding namens Needle Galaxy im Coma Haufen zu sein hätte, die entdeckte ich erstmals wie auch M85 und noch einiges Gewusel, also da ist was los, vor allem der Missle Sternhaufen im Coma Berenice hat mich entzückt. Ich muss den das nächste mal unbedingt zeichnen. Needle zeigte sich tatsächlich ihrem Namen alle Ehre machend wie eine langgestreckte Nadel im Gesichtsfeld bei 42mm Weitfeld von oben rechts nach unten links diagonal. Schummerig zwar aber doch gut erkennbar. Ich habe mich sehr gefreut, ohne Telrad-Skyatlas hätte ich die nie gefunden. Leos Triplett war komplett drinn im Gesichtsfeld, aber sehr, sehr schummerig.
Die Whirlpool, wenn auch im Zenit kam komischerweise flau und mau rüber, sah diese schon wesentlich besser, gerade mal die beiden Kerne konnte ich erahnen. Die Herren und Galileo haben sich zurück ins Mittelalter gemacht, sie machten sich Gedanken um den Strich....waren alles in allem enttäuscht......also ehrlich, hätte ich das Galileo Teleskopo letztes Jahr erfunden, dann wären die nicht so enttäuscht gewesen, da man immerhin verstanden hätte, das Saturn einen Ring hat....mir war klar, lassen wir Leute da wo sie sind, Frühaufklärung hat noch nie was gebracht........ich aber dankte dem lieben Gott, dass ich als normal Sterbliche über so unglaublich viel Ausrüstung verfüge, die nun auch noch um ein Galileo-Teleskop erweitert wurde......dies zur Demonstration für Leute, die undankbar sind.....wenn sie nicht kapieren, was sie da sehen!
Grüssle von Anette
 
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Hallo Anette,

ja ja, uns geht es wirklich gut. So ähnlich habe ich mich gefühlt bei dem first Light eines Pappdeckel-Newtons aus dem gleichen Hause (glaub ich). Herr Newton hatte an diesem Abend leider keine Zeit.
Der Zusammenbau war genauso fummelig aber gelernt habe ich dabei auch was. Im Regal macht sich das Teil aber in jedem Fall sehr gut.
Schöner Bericht!

Gruß und klaren Himmel
Andreas
 
Hallo Annette, Hallo Andreas


das mit dem Öffnungswahn ist schon so eine Sache.
Ich hatte seinerzeit den obligatorischen, parallaktisch montierten 60 mm Apollo-Refraktor mit 900 mm Brennweite und habe damit (zusammen mit Herrn Fraunhofer) über 130 Objekte beobachtet.
Naja was man so beobachten nennt.
Herr Fraunhofer lästerte gelegentlich über Lichtwölkchen am Rande der Wahrnehmbarkeit.
Das Teleskop hatte damals übrigens federleicht die 400,- Markgrenze geknackt....
(Tasko hatte seinerzeit einen parallaktischen 4 Zöller Fraunhofer f15 mit elektrischer Nachführung (Modell: Observatory-Refraktor) für unerreichbare 3995,- DM im Programm).
Das verknickte und durch das regelmäßige, staunende Studium stark in Mitleidenschaft gezogene Prospekt, fiel erst Jahre später dem Recycling anheim.
Was kosten eigentlich die chinesischen Apos heute?
Was sagt eigentlich Herr Apo und sein Kollege Chromat dazu? ;)

CS und bis denne denn#

Reiner
 
Hi Reiner,
in den Anfang Siebziger hatte ich einen 60/700 Refraktor von Weltblick (Tasko) auf azimutaler Montierung. Ich träumte immer von dem, den du da beschrieben hast, den 60/900 auf parallaktisch mit Teilkreisen. Den gab es im Katalog gleich daneben, doch für eine 11 jährige war der Preis einfach zu astronomisch. Letztes Jahr schoss ich 30 Jähre später das Ding dann für 25 Euro bei Ebay ab, ich war total begeistert, es hat mir Spass gemacht und lernte gleich, was doch ein wenig mehr Brennweite so ausmacht. Die Spielerei mit den Teilkreisen hat mich sehr gereizt und es hat sogar funktioniert. Auch den 4 Zöller, den hatte ich auch von Ebay. Ich habe einfach all meine unerfüllten Träume einfach nachgeholt, sie dann entweder sehr günstig verkauft oder verschenkt an Kinder, die wie ich davon träumen........ach ich wäre mir dabei am liebsten selbst begegnet, so eine Tante die hätte mich damals gebrauchen können. Aber Ebay und die Dimension Zeit machens möglich, man muss nur Geduld haben.
In 10 Jahren kommt dann auch so ein Apo an die Reihe.
Grüssle von Anette
 
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