Mobile Ausrüstung für Beobachtung und Fotografie

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PeBo75

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Hallo Leute,


hier möchte ich nun einmal meine Ausrüstung vorstellen, wie ich sie für meinen beruflichen Einsatz in Kenia und Tansania hergerichtet habe. Die Eigenbauten sehen noch nicht sehr schön aus, dafür bitte ich um Nachsicht. Ich war mitten in der Vorbereitung als plötzlich die Mail kam mit der ich hierher beordert wurde. Ich hatte damit erst Anfang Januar gerechnet.

Zielsetzung war folgendes:
1) Die Ausrüstung muss transportabel bleiben, sowohl bei der Anreise als auch während des Aufenthalts.
2) Sie muss simpel auf- und abzubauen sein, dem Kabel-Chaos wurde der Krieg erklärt.
3) Für Fotografie sollte es unbedingt eine parallaktische Montierung sein, deswegen war das Problem mit der Polhöhe in Äquatornähe zu lösen.

Bei den Komponenten fiel die Wahl auf den TS Triplet-APO 90/600 im Carbontubus, getragen von einer Celestron CAM.

Visuell habe ich Zenitspiegel, 3fach-Barlow (Meade) und verschiedene Okulare mit 11, 14 (beide ES N2 82°), 19 (TS Edge On FF) sowie 32mm (TS SWA) dabei.

Fotografisch kommen der TS 2,5" Flattener, der OAG9, ein ATIK EFW2 mit LRGB und die ATIK 320E zum Einsatz.

Für Stromversorgung und Steuerung habe ich mir einen Alukoffer so umgebaut, dass mit wenigen Handgriffen alles einsatzbereit ist, er dennoch als Zubehörkoffer taugt und ich via Laptop die Aufnahmen steuern kann.

Im Unterteil befindet sich eine kleine abgeteilte Box mit Verkabelung, stabilisiertem DCDC-Wandler, Sicherungen und seitlichen Anschlüssen. Links daneben ist genug Platz für alles was direkt damit zu tun hat, also alle Kabel, ein USB-Hub, die Handsteuerung der CAM und die nötigsten Werkzeuge.

Im Deckel habe ich einen Barebone-PC untergebracht welcher die Teleskop- und Kamerasteuerung übernimmt. Kommuniziert wird über WiFi, die Antenne ist extern damit es auch mit der Reichweite klappt.

Zuletzt noch ein Blick auf die Anschlussseite. Die Stromversorgung läuft über Stecker von Neutrik, Typ Powercon. Die gibt es in 2 Ausführungen, einmal Stromeingang (blau) und zweimal Stromausgang (grau). Links davon ist noch eine Neutrik USB-Einbaubuchse (schwarz).

Forsetzung folgt...
 

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Verkabelt sieht das dann aus wie auf dem 4. Bild. Rechts die Batterie (hier nicht verbunden), dann die Stromversorgung zur Montierung sowie links Strom und USB für Filterrad und Guider. Der USB-Hub sitzt auf dem Teleskop, von da gehen die Kabel in Richtung OAZ.

Das nächste Bild zeigt den visuellen Aufbau. Die CAM steht mit einem speziellen Adapter auf einem WILD-Vermessungsstativ. Das ist eine schwere Ausführung die mir hier in Kenia zur Verfügung steht. Dadurch konnte ich das schwere Stahlstativ der CAM zuhause lassen. Die Gegengewichte gab es in der Sportabteilung eines hiesigen Supermarktes. 4x1kg Hantelgewichte. Derzeit sind sie noch auf Panzertape geklemmt was mir noch nicht gefällt. Eine andere Lösung dafür suche ich noch. Herunterfallen oder verrutschen können sie jedenfalls nicht.

Zuletzt noch der vermutlich wichtigste Teil. Ein 10° geneigter Adapter der an der Oberseite die CAM aufnimmt und an der Unterseite das passende Gewinde für das Stativ besitzt. An der CAM wurde das Lager der "nördlichen" Polhöhenschraube entfernt. Dadurch kann man sie bis auf ca. 5° justieren. Das genügt am Äquator natürlich nicht, darum habe ich den Adapter mit der Neigung anfertigen lassen. Er ist zweiteilig gefertigt. Zuerst schraubt man das Oberteil an die Montierung, dann werden beide Teile fest verschraubt und so zusammen gebaut kommt er auf's Stativ.
 

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Beim Bau der Stromversorgung setzte ich auf den DCDC-USB, das ist ein steuerbarer Wandler der aus 6-34V Eingang stablie 6-24V Ausgangsspannung bei bis zu 100W liefert. Er verfügt über einige clevere Features wie zum Beispiel die Überwachung einer Zündungsleitung (KFZ). So steuere ich auch das Ein- und Ausschalten des Barbone. Wird der seitlich angebrachte Schalter eingeschaltet so vergeht zunächst eine Wartezeit von 15 Sekunden. Ist dann immernoch das Einschaltsignal da so wird der Ausgang zum Barebone aktiviert und dieser bekommt einen Einschaltimpuls. Dazu habe ich den Powerbutton per Kabel zum Spannungswandler verbunden.

Beim Ausschalten passiert etwas ganz ähnliches. Der Schalter, nun auf aus, setzt einen Timer in Gang der erst nach 15 Sekunden den Powerbutton des Barbone "drückt". Danach vergehen weitere 120 Sekunden bevor die Spannung abgeschaltet wird. Das genügt zum Herunterfahren.

Der Brabone selbst ist ein Jetway mit Intel Atom, 2x1,8 GHz, 4GB RAM und 128GB SSD. Er ist sehr sparsam und dennoch schnell genug auch für größere Aufgaben bei Aufnahme, Plate-Solving, Guiding und anderes. Bildverarbeitung soll er nicht übernehmen. Die mache ich mit dem Laptop. Die Steuerung des Barebone erfolgt via Windows RDP. So laufen alle aufnahmerelevanten Anwendungen direkt und es muss nicht permanent eine WiFi-Verbindung bestehen.

Das gesamte Setup inkl. Montierung, Filterrad und Kamera belastet die Batterie mit max. 2,5A bei GoTo und Filterwechsel. Im Normalbetrieb messe ich ca. 1,5A. Somit kann ich alles zusammen eine ganze Nacht mit einer 40Ah-Autobatterie betreiben und muss mir wegen Tiefentladung nicht zuviele Sorgen machen.

Nun kann ich es nicht erwarten, endlich von Nairobi aus zu unseren Projekten zu fliegen damit sich das alles auch irgendwie gelohnt hat. Ein Testlauf gestern war vielversprechend aber der Himmel in der Metropole und mein Balkonausschnitt lassen weder gute Beobachtungen noch Fotografie zu.

Das soll für heute mal genügen. Ich hoffe es gefällt Euch ein wenig und vielleicht kann der Eine oder Andere ein par Anregungen daraus entnehmen. Fragen dazu? Immer her damit.

 
Hallo Peter,


über so einen Alukoffer habe ich auch schon einmal nachgedacht. Ich finde die Idee durchaus nachahmenswert und werde mich mal in einer abgewandelten Form dran machen. Ich betreibe meine Sternwarte auch auf 100% mobiler Basis und kenne daher die Problematik mit den vielen Kabeln.

Bislang baue ich immer alles schön auf (6" Newton bzw. 5" ED APO auf HEQ5), mache dann meine Liveübertagungen und baue anschließend alles wieder schön ab. Wenn der Auf- und Abbau schneller gehen würde, hätte ich auch nichts dagegen. Ich werde mich mal in den kommenden Tagen dran machen, so eine Kofferlösung umzusetzen.

Viel Spaß in Afrika!


Gruß
Joachim
 
Hallo Joachim,

ein Hauptgrund für den Koffer war der Barebone-PC über den ich die Aufnahmesequenzen steuere. Da muss man sich halt überlegen ob es ein einfacher Verteiler tut, z.B. wenn man sowieso mit dem Laptop daneben sitzt, oder eben eine integrierte Lösung.

Der Spaß in Afrika hält sich leider noch in Grenzen. Trotzdem danke! In Nairobi bzw. in dem Vorort in dem ich zur Zeit bin ist es zur Zeit häufig bewölkt. Gestern hatte ich aufgebaut weil es gegen Abend sehr vielversprechend aussah, dann kamen aber Cirren herein und das Aufbauen wurde zur reinen Übung.
 
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