Ehemaliges Mitglied 77903
Hallo Sternfreunde,
anlässlich einer Diskussion hier im Forum, bei der es um die Ermittelung der Zeitpunkte ging, zu denen die Sonne eine bestimmte Tiefe unter Horizont erreicht, zog ich meine selbstgebaute drehbare Sternkarte wieder einmal heraus. Die Karte funktioniert ähnlich wie die mittelalterlichen Astrolabe und verwendet die stereographische Projektion. Mit 2 Himmelsblättern Nord und Süd und 9 verschiedenen Einlagescheiben (geographische Breite in 10°-Schritten) erreiche ich die Anwendbarkeit für den gesamten Himmel und auf der ganzen Erde außer den Polen.
Die historischen Astrolabe bildeten den Himmel "Blick auf die Himmelskugel von außen" ab und sie verwendeten an Stelle durchsichtiger Folien als Sternmarkenträger durchbrochene Metallscheiben, die die Sternorte als Zungenspitzen markieren. Ich gebe das Bild eines historischen Astrolabs aus meiner papiergebundenen Anleitung (H. Mucke, Internationales Fachabendpapier "Das Astrolabium", Wien, 2003) und benenne 10 Zungen mit den heute üblichen Namen. Einige Tierkreissternbilder sind ebenfalls in Klarschrift übersetzt. Man kann das Bild um eine der Betrachtungsblickrichtung parallelle Achse drehen solange man will: Man erhält nie den tatsächlichen Himmelsanblick von innen, den wir heute voraussetzen. Um diesen zu erreichen, müsste man das Bild von hinten betrachten.

Bei der Herstellung meiner Karte stellte ich durch geeignete Wahl der Zuwachsrichtung der Rektaszensionen meine 2 Himmelsfolien auf "von innen" um und wählte nicht um die 30, sondern einige hundert Sterne eines modernen Katalogs (2000.0). Auf diesem Weg gelangte ich zu intuitiv erkennbaren Sternbildern und brauche keine Beschriftung. Die blaue Linie ist die Ekliptik mit Unterteilung in 10°-Schritten (unbeschriftet - abzählen ab den Marken, die 0h, 6h, 12h oder 18h RA entsprechen). Innen beginnend umgeben die Sternfolien eine 24h-Skala (Rektaszensionen), eine Datumsskala wahre und eine mittlere Sonne. Außerhalb der Folie auf der Basisplatte kommt eine zweite 24h-Skala (MOZ = Stundenwinkel der mittleren Sonne +/- 12h). Für den übergang von MOZ auf eine Zonenzeitsystem addiere ich die Längendifferenz Zonenzeitmeridian/Ortsmeridian unter Beachtung der angenommenen Vorzeichenkonvention.
Nach Einlage der gewünschten Breiten-Einlagescheibe in der gewünschten Ausrichtung (Himmelspol und Erdbreite gleich- oder gegennamig; hier im Bild links gegen-, rechts gleich-namig) stellt man die Karte ein, indem man durch Drehung der Himmelsfolie z.B. ein Datum "mittlere Sonne" mit einer MOZ paart. Man kann auch einen Stern in den Horizont stellen und erfährt, wann er am Ort aufgeht. Oder man macht sich den Sonnenort klar (Linie Pol-Datum auf "wahre Sonne"-Skala), stellt den Ort auf 18° unter Horizont (hier West) und erfährt die MOZ des Endes der astronomischen Abenddämmerung (das war das Problem der eingangs erwähnten Diskussion hier im Forum). Im großen Teilbild sind eingestellt Ende der astronomischen Abenddämmerung am FEB10 an einem geograpischen Ort +50°N, im kleinen dasselbe bei Geo-Breite -20°S. Im ersten Fall deckt der Südhorizont den Himmels-S-Pol ab, im zweiten steht letzterer über Horizont und ist sichtbar.

Der Nordhimmel ist hier nicht im Bild. Um eine vergleichbare Illustration zu erzeugen, hätte ich ein Datum wählen müssen, an dem die Sonne in der nördliche Ekliptikhälfte steht. Auf der N-Himmelsfolie ist der Zuwachsdrehsinn der RA umgekehrt.
Also das wars aus der Ecke der Astro-Geschichts-Spinner, ihr könnt jetzt wieder Euer Stellarium anwerfen und mir nachweisen, dass man dort astronomische Dämmerungstermine genauer und einfacher bekommt, außerdem nicht 2 Jahre endlos überlegen, Formeln überprüfen und umstellen, sich Drehsinne klarmachen, geeignete Sterne auswählen, mit Farb- und Tuschestiften und Papiermesser herumdatteln muss.
Bis demnächst, R.M.
anlässlich einer Diskussion hier im Forum, bei der es um die Ermittelung der Zeitpunkte ging, zu denen die Sonne eine bestimmte Tiefe unter Horizont erreicht, zog ich meine selbstgebaute drehbare Sternkarte wieder einmal heraus. Die Karte funktioniert ähnlich wie die mittelalterlichen Astrolabe und verwendet die stereographische Projektion. Mit 2 Himmelsblättern Nord und Süd und 9 verschiedenen Einlagescheiben (geographische Breite in 10°-Schritten) erreiche ich die Anwendbarkeit für den gesamten Himmel und auf der ganzen Erde außer den Polen.
Die historischen Astrolabe bildeten den Himmel "Blick auf die Himmelskugel von außen" ab und sie verwendeten an Stelle durchsichtiger Folien als Sternmarkenträger durchbrochene Metallscheiben, die die Sternorte als Zungenspitzen markieren. Ich gebe das Bild eines historischen Astrolabs aus meiner papiergebundenen Anleitung (H. Mucke, Internationales Fachabendpapier "Das Astrolabium", Wien, 2003) und benenne 10 Zungen mit den heute üblichen Namen. Einige Tierkreissternbilder sind ebenfalls in Klarschrift übersetzt. Man kann das Bild um eine der Betrachtungsblickrichtung parallelle Achse drehen solange man will: Man erhält nie den tatsächlichen Himmelsanblick von innen, den wir heute voraussetzen. Um diesen zu erreichen, müsste man das Bild von hinten betrachten.

Bei der Herstellung meiner Karte stellte ich durch geeignete Wahl der Zuwachsrichtung der Rektaszensionen meine 2 Himmelsfolien auf "von innen" um und wählte nicht um die 30, sondern einige hundert Sterne eines modernen Katalogs (2000.0). Auf diesem Weg gelangte ich zu intuitiv erkennbaren Sternbildern und brauche keine Beschriftung. Die blaue Linie ist die Ekliptik mit Unterteilung in 10°-Schritten (unbeschriftet - abzählen ab den Marken, die 0h, 6h, 12h oder 18h RA entsprechen). Innen beginnend umgeben die Sternfolien eine 24h-Skala (Rektaszensionen), eine Datumsskala wahre und eine mittlere Sonne. Außerhalb der Folie auf der Basisplatte kommt eine zweite 24h-Skala (MOZ = Stundenwinkel der mittleren Sonne +/- 12h). Für den übergang von MOZ auf eine Zonenzeitsystem addiere ich die Längendifferenz Zonenzeitmeridian/Ortsmeridian unter Beachtung der angenommenen Vorzeichenkonvention.
Nach Einlage der gewünschten Breiten-Einlagescheibe in der gewünschten Ausrichtung (Himmelspol und Erdbreite gleich- oder gegennamig; hier im Bild links gegen-, rechts gleich-namig) stellt man die Karte ein, indem man durch Drehung der Himmelsfolie z.B. ein Datum "mittlere Sonne" mit einer MOZ paart. Man kann auch einen Stern in den Horizont stellen und erfährt, wann er am Ort aufgeht. Oder man macht sich den Sonnenort klar (Linie Pol-Datum auf "wahre Sonne"-Skala), stellt den Ort auf 18° unter Horizont (hier West) und erfährt die MOZ des Endes der astronomischen Abenddämmerung (das war das Problem der eingangs erwähnten Diskussion hier im Forum). Im großen Teilbild sind eingestellt Ende der astronomischen Abenddämmerung am FEB10 an einem geograpischen Ort +50°N, im kleinen dasselbe bei Geo-Breite -20°S. Im ersten Fall deckt der Südhorizont den Himmels-S-Pol ab, im zweiten steht letzterer über Horizont und ist sichtbar.

Der Nordhimmel ist hier nicht im Bild. Um eine vergleichbare Illustration zu erzeugen, hätte ich ein Datum wählen müssen, an dem die Sonne in der nördliche Ekliptikhälfte steht. Auf der N-Himmelsfolie ist der Zuwachsdrehsinn der RA umgekehrt.
Also das wars aus der Ecke der Astro-Geschichts-Spinner, ihr könnt jetzt wieder Euer Stellarium anwerfen und mir nachweisen, dass man dort astronomische Dämmerungstermine genauer und einfacher bekommt, außerdem nicht 2 Jahre endlos überlegen, Formeln überprüfen und umstellen, sich Drehsinne klarmachen, geeignete Sterne auswählen, mit Farb- und Tuschestiften und Papiermesser herumdatteln muss.
Bis demnächst, R.M.