Mond am Tag: heller Teil zeigt nicht zur Sonne

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wbjosef

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Hallo,

Wenn man am Tag den Mond und die Sonne gleichzeitig sieht, sollte eigentlich jener Teil des Mondes hell erleuchtet sein, der zur Sonne zeigt.

Dies ist aber nicht der Fall.

( zur Erklärung siehe beiliegendes Bild )

Hat jemand eine Erklärung dafür ??
 

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Hallo "wbjosef",

Willkommen auf Astronomie.de. :)

Du unterliegst da einer optischen Täuschung. Die helle Seite des Mondes zeigt Richtung Sonne, aber diese Sichtlinie folgt einer geodätischen Gerade auf der Innenseite der (gedachten) kugelförmigen Himmelskuppel.

Das ist wie auf einem Globus. Die kürzeste Verbindungslinie von Hamburg nach New York ist keine Linie die "gerade" den Breitengraden folgt. Spanne mal einen Faden über die Oberfläche zwischen den beiden Orten. Du wirst erstaunt sein, wie "schief" der Faden zu laufen scheint und wie weit er nach Norden abweicht. Aber geometrisch handelt es sich um eine Gerade auf einer Kugeloberfläche.

Mit der Sichtlinie zwischen Sonne und Mond verhält es sich genauso. Unser instinktives Verständnis von "gerade" ist mit euklidischer Geometrie auf einer Kugeloberfläche nur schwer in Einklang zu bringen.

Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.
Marcus
 
Wenn du das nächste Mal diesen 'Effekt' siehst, halte eine Schnur mit ausgestreckten Armen so gespannt, dass sie (von dir aus gesehen) Sonne und Mond verbindet. Du wirst feststellen, dass die Schnur genau im rechten Winkel auf die Mondsichel trifft, wie es von der Beleuchtung her ja auch sein muss. Es ist also alles in Ordnung...

Der Fehlwahrnehmungs-Effekt ist besonders ausgeprägt zur Halbmondszeit. Dann ist der Abstand zwischen Mond und Sonne schon groß genug, so dass man die Krümmung der Himmelskugel berücksichtigen muss, während man aber intuitiv an einen Strahlenverlauf wie in einer Ebene denkt. So kommt es z.B. bei Sonnenuntergang oft vor, dass die beleuchtete Seite des Halbmondes zweifelsfrei nach 'rechts oben' zeigt (wie auf deinem Bild), während die Sonne gerade untergeht, also zweifellos tiefer als der Mond steht. Man kann nachrechnen, dass die 'gerade Line' (mathematisch: der Großkreis), welche Mond und Sonne verbindet, tatsächlich den Mond zunächst nach 'rechts oben' verlässt, dann aber der Krümmung der Himmelskugel folgend nach unten abbiegt und exakt die Sonne trifft. Unsere an der ebenen Schulgeometrie trainierte Vorstellung stellt diese Krümmung nicht in Rechnung.

Die 'Krümmung' der Verbindunglinie wird um so ausgeprägter, je größer der Abstand zwischen Mond und Sonne ist, nimmt also nach dem ersten Viertel noch zu. Dann wird aber der Mond auch rundlicher und seine 'Verkippung' fällt dem Auge weniger auf.

Tschau,
Thomas
 
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