Hallo zusammen!
Kurz nach 22h war der Mond von meinem Garten aus so halbwegs über Nachbars Gärten und Häuser. Tagsüber hatte ich mir das im Stellarium mal etwas genauer angesehen, aber nun, wo ich anfing zu beobachten, kam ich mir vor wie ein blutiger Anfänger, weil ich so hemdsärmelig ohne detaillierte Plejadenkarte und ohne genaue Zeitpunkte beobachten wollte, wie die Sterne an der dunklen Seite wieder aufblitzten. So kniete ich also vor meinem 12" Dobson und blickte konzentriert auf die Kante des Mondes Schattenseite. Bloß nichts verpassen! Aber unbequem war es. Ein paar Meter entfernt stand ein Campingstuhl. Ich riskierte es. Ahhhh! Viel bequemer. So lies es sich lange, konzentriert am Okular aushalten. 22h15 hatte ich grob im Kopf, sollte vielleicht ein Stern auftauchen. Ich hatte wenigsten den Karkoschka dabei. Aber sollte ich ihn bemühen? Wenn man einen Augenblick nicht am Okular hängt, verpasst man es bestimmt. Ich bemühte den Karkoschka. Besonders detailliert sind die Plejaden dort nicht, aber immerhin. Ich sah wieder ins Okular. Alles ok, alles wie zuvor. Wie lang würde es wohl dauern? Wie groß sind die Abstände im Karkoschka. Kontrollblick ins Buch. Blick ins Okular. [fluch] Verpasst. Vermasselt. Merope, wie ich jetzt weiß, war aufgetaucht. Warum gehe ich wie ein Anfänger an die Sache??? Es nutzte nichts. Ich musste jetzt da durch. Noch mal rein, um den PC anzuwerfen, würde zu viel Zeit kosten. Alcyone würde bald auftauchen. Ich schaute wieder hochkonzentriert. Immer wenn ich dann langsam anfing Gespenster zu sehen, schubste ich ein bisschen am Teleskop, riskierte auch mal einen Blick auf den Mond selbst. Schön sah er aus. So oft hab ich ihn ja noch nicht gesehen mit so großer Öffnung. Wieder Konzentration. Aber was ist das? Die Sicht wurde schlechter. Wolken? Nein. Bäume! [riesenfluch] Der Mond war schon lange in den Zweigen verstrickt. Ein Wunder, dass ich überhaupt noch etwas sah. Jetzt noch Standort ändern? Würde zu lange dauern. Ich hielt tapfer durch und tatsächlich überwand der Mond das Wipfelchen ohne mir etwas vorzuenthalten. Weiter Konzentration. Da! Neeee, das ist aber dünn, das Ding. Das kann nicht Alcyone sein. Oh, da, schon wieder einer! Aber auch so schwach auf der Brust. Ah! Aber jetzt! Ich verglich die Helligkeit mit den anderen Sternen. Nö, viel zu schwach. Da muss noch etwas kommen. Nochmal ein kurzer, sinnloser Blick in den Karkoschka. Ein paar Sekunden nur und... wieder vermasselt. Tja, Pech gehabt. Nochmal warten würde ich jetzt nicht mehr. Ich hatte doch immerhin drei kleiner Sternchen aufblitzen sehen. Ich ging dann ein bisschen auf dem Mond spazieren und noch und noch und noch und dann sah ich auf die Uhr und dann sah ich auf die grobe Karte. Vielleicht sollte ich doch noch warten. Ich klappte den Campingstuhl nach hinten, legte mich lang und langsam trieben Herz und Seele in die unendlichen Weiten des Raumes ab. Zum Glück, kann ich sagen, denn wenn das Herz noch in dem kläglichen Rest dort auf der Liege gewesen wäre, so wäre es einen jähen Tod gestorben, als plötzlich unsere Katze Eddi mir auf den Bauch sprang. Der Schlingel hatte sich angeschlichen und schnurrte und knatterte nun auf meiner Brust wie ein Moped. Er ist ja noch so klein (halbes Jahr) und liebebedürftig (wir haben ihn als Baby nach nächtelangem, mutterlosem Klagen aus einem Mauerloch befreit und bei uns aufgenommen) und so kuschelten wir ein bisschen. Sternegucken kann ganz schön einsam sein. Langsam wurde es aber Zeit wieder auf den Mond zu blicken. Atlas und Pleione standen an. Ich konzentrierte mich und Eddi kletterte derweil auf mir herum, sprang mir auf den gekrümmten Rücken, setzte sich auf die Schulter und knatterte mir seine Liebesbotschaften ins Ohr. Ich kam mir vor, wie die Hexe bei Hänsel und Gretel. Nun wollte er aufs Rohr klettern. Nein, da hörte der Spaß auf. Atlas und Pleione lass ich mir nicht verderben. Diesmal sollte es klappen. ... und was soll ich sagen. Es klappte bei allen beiden. Pling! und Plong! Da waren sie. Doch noch alles gut am Ende. Zufrieden buckelte ich alles wieder ins Haus und kuschelte mich glücklich ins warme Bett meiner Frau.
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Schöne Grüße sendet euer Sternenfreund
Frank