Mond - Stackingprogramm - einzelne AP seperate Einzelbilder ? | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Mond - Stackingprogramm - einzelne AP seperate Einzelbilder ?

komposer

Mitglied
Hallo,

ich stacke meine Mond-Avis mit Autostakkert. Nach der Analyse werden die Einzelbilder ja nach Qualität sortiert und man kann das im rechten Vorschaufenster ansehen. (oben den Regler verschieben)

Nun setze ich die Alignmentspoints (Ap) und dazu meine Fragen. Wie arbeitet da ein Stackingprogramm ?
Nehmen wir als Ausgangslage 1000 Frames von denen ich 40% stacken möchte.
Die Analyse hat nun die Einzelbilder nach Qualität angeordnet und die 400 besten liegen vorne.

1. Werden dann beim Stacken mit den Aps nur diese vorderen 400 Einzelframes berücksichtigt ?
2. Wird für jede AP die Qualität der Bilder seperat analysiert ?

zu 2)
Das klingt sehr aufwendig aber das würde am meisten Sinn machen. Durch das Seeing ist die Qualität in jedem Einzelbild meist nicht gleichmäßig verteilt.
Da sind vielleicht beim besten Bild Nr1 nach der Analyse die meisten Ap Bereiche auch schön scharf aber z.B. bei einer AP (z.B. AP Nr1) ist alles vom Seeing verwaschen. Dafür ist dieser Bereich bei Bild Nr. 401 viel besser.

Erkennt das nun das Stackingprogramm und verwendet für diese Ap Bild 401 und lässt Bild 1 aus ?

Gruß,
Holger
 

komposer

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Hallo Steffen,

ja, ein Programmierer selbst kann da natürlich am besten weiterhelfen.

Vielleicht teste ich das mal mit eine Avi mit 100 Frames. Manuell 40 Einzelbilder selektieren und dabei auf zwei unterschiedliche Bereiche konzentrieren. Die beiden Avis dann zu 100% stacken.
Anschließend das AusgangsAvi mit 40% stacken und die Summenbilder vergleichen.

Gruß,
Holger
 
Hallo Holger,

ich zersäge meine .SER (früher .AVI) Videos mit PIPP und speichere ca.35-50% der Frames als .FITS Dateien ab. PIPP kann die Qualtity (als % Wert) mit an den Dateinamen anhängen.


Danach lade ich aus diesem Verzeichnis alle Bilder mit >= 80% Qualität in den Stacker (AVIstack). Das Stacken geht schneller, wenn die Bilder nicht mehr vom Stacker ausgesiebt werden müssen und mit dem Resultat war ich immer zufrieden. PIPP arbeitet recht schnell.

Wenn man dem Stacker beim Stacken zuschaut (verlangsamt aber den Prozeß beträchtlich), so bekommt man den Eindruck, daß das Endresultat aus Segmenten der verschiedenen Frames zusammengeschraubt wird, was Deine Vermutung #2 nahelegt. Ob AutoStakkert das auch so macht weiß ich nicht.

Gruß Gerd
 

komposer

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Hallo Gerd,

pipp verwende ich auch, habe es aber noch nicht zur Qualitätsanalyse und zum Aussortieren benutzt.
Avistack hatte ich früher auch angetestet aber es dauerte mir gegenüber autostakkert immer zu lang, allerdings ohne Deine Optimierungen. Ich erinnere mich aber noch an das Puzzle was sich da langsam zusammensetzte.

Einen ersten Test konnte ich gerade fertigstellen. Allerdings mit kaum aussagekräftigen Ergebnissen.
Vielleicht sind 100 Frames zu wenig oder das Ausgangsavi war zu gleichmäßig.
Hier das komplette Bild:
Moon_290620_211844test1_g4_ap252_3.jpg


40% von 100 war hier rechts und links eigentlich genauso gut wie die einzelnen Avis.
Beim linken Bereich war Avi-Links besser als Avi-Rechts.
Moon_290620_test-links.gif

Beim rechten Bereich war dies aber nicht umgekehrt zu erkennen, da waren dennoch beide Avis ähnlich gut.
Moon_290620_test-rechts.gif

Alle Summenbilder hatte ich einmal gleich geschärft.

Gruß,
Holger
 
Zuletzt bearbeitet:

komposer

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Hallo,

noch ein Nachtrag, jetzt 20 von 200 Bildern, dafür natürlich beim Gesamtavi nur 10% gestackt.
Alle Bilder habe ich wieder einmal etwas geschärft, damit man eventuelle Unterschiede besser erkennen kann.

Die Auschnitte zeigen auch genau den Bereich auf den ich mich beim manuellen Selektieren konzentriert hatte.
Moon_290620_211844-20links.gif

Moon_290620_211844-20rechts.gif


ist immer noch schwierig zu beurteilen. Mir fällt noch auf, dass bei der Analyse des Avis ja noch gar keine Aps gesetzt werden, sondern erst danach. Spricht das dann eher für Variante 1 ?

Gruß,
Holger
 
Hallo Holger,

die Unterschiede sind nicht sehr groß, sind sie aber bei mir auch nicht, nach dem Stacken. Der Hauptsinn des Stackens ist es ja ein möglichst rauscharmes und verzerrungsfreies Summenbild zu erzeugen, dem man dann in den folgenden Bearbeitungsschritten mit Dekonvolutionen, Wavelets oder anderen Schärfungsalgorithmen zu Leibe rücken kann, ohne das Rauschen zu verstärken oder Artefakte zu erzeugen.

Ich habe am Mond mit Dekonvolutionen und anschließendem Schärfen (AstroArt) die besten Erfolge erzielt - beim Jupiter hat das gar nicht hingehauen. Da fuhr ich mit Wavelets anstelle Dekonvolution wesentlich besser.

Ich sitze gerade am Dienstrechner auf der Sternwarte. Wenn ich heute Nacht wieder zu Hause bin stelle ich mal Vergleichsbilder von einem recht brauchbaren Mondphoto ein, in den verschiedenen Stufen der Bearbeitung.

Grüße, Gesundheit und weiter viel Spaß auf dem Mond,

Gerd
 

komposer

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Hallo Gerd,

danke für Deine Antwort. Die weitere Nachbearbeitung, da hat jeder so seine Vorlieben. Ich z.B. komme mit Deconvolution-Filter einfach nicht klar. In fitswork verwende ich beim Mond meist Gauss und Wavelets. Aber das ist hier ja nicht mein Anliegen.

Es geht ja ums Stacken und wie da nach der Analyse mit den nach Qualität sortierten Bildern verfahren wird.
Bei der Analyse wurden noch keine APs gesetzt sonders erst danach wenn die Reihenfolge schon festgelgt ist.
Ich kann mir ja mit Hilfe des Reglers die Frames ansehen. Danach entscheide ich auch meist ab wie viel % es mir zu schlecht wird und welchen Wert ich dann für das Stacken benutze.
Gerade bei größeren Mondbildern sind die Bereiche vom Seeing stark beeinträchtigt. Aber da sind dann auch weiter hinten in der Reihenfolge einige Frames mit scharfen Teilbereichen und natürlich auch umgekehrt. Im Stack sind auch Frames mit teils unscharfen Bereichen.
Da wäre es ja praktisch wenn die Qualitätsanalyse nicht auf das gesamte Bild angewendet wird sondern nach den Ap-Bereichen.

Aber ich bin kein Programmierer, weiß nicht ob das so möglich wäre oder schon angewendet wird.

Gruß,
Holger
 

sushidelic

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Hallo Holger,
ich war der Meinung, dass die Qualität nach den APs bemessen wird, und zwar innerhalb des Qualitätsbereiches, der mit ALT-Klick im Graph (der ja die Qualität des Gesamtbildes anzeigt) festgelegt wird. Wenn mann also gar keine Schwelle setzt, sucht AS sich die besten APs aus allen Frames. Man kann dieses Verhalten ändern, indem man beim Quality Estimator auf "Global" umstellt, dann nimmt er das ganze Bild als Grundlage, und die Ergebnisse sind entsprechend sichtbar schlechter.
Nagel mich nicht 100% darauf fest, aber ich bin mir ziemlich sicher.
LG Michael
 
Hallo Holger,

über die interne Arbeitsweise der Stackerprogramme weiß ich zu wenig, um Deine Frage beantworten zu können. Ich habe einen Thread in unserem AVV-Forum eingestellt, da ich dort Bilder einfacher einstellen kann. Dort kannst Du an zwei Beispielen (Aristoteles und Fracastorius) den Unterschied zwischen meinen Roh-, Stack- und Endbildern sehen:


Grüße, Gerd
 
Zuletzt bearbeitet:

Rolf_Hempel

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Hallo Freunde,

erst gerade habe ich ins Forum geschaut und diese intensive Diskussion gefunden.

Also, wie AviStack, AutoStakkert und Registax arbeiten, weiß ich natürlich nicht. Die Autoren haben ihre Algorithmen ja geheimgehalten. Bei PSS könnt Ihr aber selbst in der Algorithmenbeschreibung nachsehen. Dort stehen alle Details, so dass man im Prinzip danach PSS komplett nachprogrammieren könnte.

So, jetzt zu der Frage: Die Qualitätssortierung am Anfang arbeitet global auf den ganzen Frames. Der einzige Sinn dieses Arbeitsschritts besteht darin, geeignete Frames zur Berechnung des "Referenz-Frames" zu finden, an dem später die Alignment-Point-Patches ausgerichtet werden können. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass man im interaktiven Modus sich hier die Frames nach Qualität sortiert anschauen kann, harte Artefakte (z.B. von Übertragungsfehlern) finden kann, und einen Eindruck von der Seeingqualität bekommt.

Wenn man dann später die Alignment-Points gesetzt hat und das Stacking vorbereitet wird, sucht PSS tatsächlich an jedem Alignment-Point aus allen Frames die dort lokal shärfsten aus und stackt diese. Es wird also an jedem Alingment Point ein anderes Frame-Set verwendet. Das ist auch unbedingt nötig (vor allem bei großflächigen Objekten wie dem Mond), weil Seeing ein sehr lokaler Effekt ist und in einem Frame oft einzelne Gebiete total scharf, andere hingegen völlig unscharf sind. Eine Vorsortierung (z.B. mit PIPP), gefolgt von einem 100%-Stacking würde also gar keinen Sinn ergeben.

Was den Rechenzeitaufwand angeht, so kommt es darauf an, ob man genug RAM zur Verfügung hat. Bei Buffering Level 0 muss die Qualitätsberechnung tatsächlich zweimal für jedes Frame durchgeführt werden. Ab Level 1 aber werden der "Laplacian of Gaussian" (LoG) für jedes Frame zwischengespeichert und daher nur einmal berechnet. Das Qualitätsmaß ist dann die Varianz des gewählten Ausschnitts (bzw. des ganzen Frames). Eine deutliche Rechenzeitreduktion habe ich übrigens dadurch erzielt, dass die LoGs auf einem um den Faktor zwei reduzierten Gitter berechnet werden. Für das Qualitäts-Ranking hat sich das als völlig ausreichend erwiesen.

Alles klar?

Schöne Grüße
Rolf
 

komposer

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Hallo Rolf,

danke für die Info. Hatte schon gehofft, dass Du das hier zumindest für Dein Programm erklären kannst.

Gruß,
Holger
 
Hallo Rolf,

auch von mir Danke für die Erläuterung.Werde also PIPP/AVIstack ausrangieren und PSS verwenden.

Grüße und schönes Wochenende,

Gerd
 

Rolf_Hempel

Mitglied
Hallo Gerd,
Hallo Rolf,

auch von mir Danke für die Erläuterung.Werde also PIPP/AVIstack ausrangieren und PSS verwenden.

Grüße und schönes Wochenende,

Gerd
AviStack würde ich wirklich ausrangieren, es ist einfach zu lange nicht mehr gepflegt worden und ist softwaretechnologisch veraltet. Was schade ist, weil ich AviStack2 lange Zeit mit großer Freude verwendet habe. Man merkte, dass der Autor bei der Entwicklung des Programms den Mond im Kopf hatte, während AS!3 eindeutig für Planeten entwickelt wurde.

PIPP andererseits finde ich nach wie vor sehr nützlich, zum Beispiel zur Konversion von Videoformaten. Chris Garry ist ein großer Experte für Videoformate, und PIPP kommt mit erstaunlich vielen verkorksten Videos zurecht.

Schöne Grüße
Rolf
 

komposer

Mitglied
Hallo Rolf,

ja Pipp ist da wirklich hilfreich, auch bei sehr unruhigen Avis zur Stabilisierung.

Gruß,
Holger
 
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