Mond vom 31.08.09 mit neuer Kamera

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Gerhard_Rausch

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Hallo zusammen,
heute möchte ich Euch das erste Bild das mit einer neuen Industriekamera aufgenommen wurde vorstellen. Es ist noch kein Referenzbild, weil die äußeren Bedingungen sehr bescheiden waren. Seeing am 31.08.09 geschätzt 4-5 von 10 und das Teleskop war noch nicht ausgekühlt. Im Sternwartencontainer herrschten am Tag 43°C. Als ich anfing kurz vor Sonnenuntergang aufzubauen hatte der Spiegel immer noch eine Temperatur von 38°C. Also als erstes den Lüfter am Teleskop eingeschaltet um den Tubus schneller auskühlen zu lassen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme hatte der Spiegel noch nicht Umgebungstemperatur erreicht. Ich fing also an zu fotografieren weil das Seeing zusehends immer schlechter wurde und um 23:00 Uhr war es total unbrauchbar, deshalb auch keine vorzeigbaren Jupiterbilder.
Zur Kamera: Es ist eine ½“ Kamera mit großen 8,3 mü Pixeln und 12 bit Wandler. Die Daten können wahlweise über die USB-Schnittstelle in 8 bit (JPG, BMP,TIFF) oder 10 und 12 bit als 16 bit TIFF übertragen werden. Die Kamera verfügt über einen internen Bildspeicher und Prozessor so daß ROI (Bildausschnitt) in der Kamera festgelegt wird und nur dieser über die Schnittstelle zum Rechner übertragen wird. Verstärkung ist von 0 bis 20dB stufenlos einstellbar. Leider ist die mitgelieferte Demosoftware nur bedingt astrotauglich und ich ließ mir nach meinen Vorstellungen ein Plugin erstellen. Zum Preis: Die Kamera kostet das 4 fache einer DMK21, also für einige hier im Board nicht erschwinglich und ich bin mir nicht sicher ob der Bildgewinn die Anschaffung rechtfertigt. Denn um die 16 bit Bilder mit 25B/s zum Rechner zu übertragen, musste auch noch ein neuer Laptop her, mein alter konnte max. nur 12B/s speichern. Die Kamera kann 50B/s bei einer Belichtungszeit von 1/50s liefern, der Rechner aber nicht speichern. Die Kamera kann bei kleinerem Bildausschnitt und entsprechender Belichtungszeit natürlich auch 500 B/s übertragen, aber welcher Rechner kann das schon.
Hier nun die technischen Daten der Kamera:

Link zur Grafik: http://www.urlaub-in-espana.eu/Astronomie/Kameradaten.jpg
Kameradaten

Und hier endlich auch das Bild dazu:
Link zur Grafik: http://www.urlaub-in-espana.eu/Astronomie/Mond_090831_204439.jpg
Ca. 600 Bilder in AviStack gemittelt, in Giotto mit Mexican Hat Filter geschärft und zum Schluss noch in PS mit unscharfer Maske 50% und 5 Pixel geschärft, mehr wurde am Bild nicht gedreht.
MN14“ mit FFC 3fach, Gain: 2,0, Belichtung 1/25s (39985mü Sekunden)
Sollte Interesse über mehr Infos der Kamera bestehen, lasst es mich wissen.

Viele Grüße
Gerhard
 
Hallo Gerherd,

gratuliere zum Firstlight!
Und denk dir nichts, die Ergebnisse werden noch besser,
hängt ja vor allem vom Seeing ab und der Mond stand ja auch noch sehr tief dazu.
Der zweite verbessernde Faktor ist die zunehmende Erfahrung mit der Kamera.
Allerdings weiß ich tatsächlich nicht, ob die Kamera trotz 12 oder 16 Bit überlegen sein wird, die reichen beim Mond nämlich meines Erachtens bei weitem nicht aus.
Ich habe zu testzwecken mal Aristarchus mit 8, dann mit 16 Bit aufs Korn genommen, also ich konnte da keinen Unterschied beim Ausbrennen des Kraters erkennen.
Das andere ungünstige sind die großen Pixel. Vorteil ist die größere Empfindlichkeit, dafür mußt du aber wegen der Auflösung von Details die Brennweite mehr verlängern, als bei einer DMK21,
mußt dann wieder länger belichten, also wie gewonnen so zeronnen.
Meine DMK31 hat schon verflixt kleine Pixel, was arg an der Empfindlichkeit nagt, dafür hab ich aber mit f/20 schon mein Maximum an Auflösung erreicht.
Wie deine Kamera an Planeten sich schlägt, bin ich aber gespannt, da könnten die 12 oder 16 Bit sich schon deutlich bemerkbar machen.
Bin schon auf deinen ersten Jupiter gespannt!

Gruß Wolf manfred
 
Danke Manfred,

die Erfahrung das trotz 12bit die hellen Krater immer noch ausbrennen musste ich leider auch schon machen. Nehme ich die Faustformel für f=3p müsste ich mit einer Brennweite von 8854 mm und einem f von 24,9 arbeiten. Ich müsste also mit dem FFC 5,53 fach verlängern. Das Bild ist mit 4800 mm Brennweite und einem f von 13,5 entstanden.
Für Sonne im H-Alpha oder Planeten sollte die Kamera aber sich ganz gut machen, ist aber bisher nur Spekulation und Wunschdenken. Bei 12(16)bit Bildern muss man die Rechnerleistung ganz schön hoch schrauben um die Daten auch vernünftig auf die Festplatte zu bringen.

Gruß
Gerhard
 
Hallo Gerhard,

die von Dir angegebenen Daten passen sehr gut zu den Kameramodellen "Marlin" und "Stingray" von Allied Vision Technologies.

Diese Firma hatte mir freundlicherweise 2004 eine Marlin F046B für Testzwecke zur Verfügung gestellt. Mit dieser Kamera bekam ich trotz - oder WEGEN! - der relativ großen Pixelweite von 8,3 µm aus meinem FH 6" f/20 im Primärfokus überraschend gute Ergebnisse, so insbesondere - zum Vergleich - auch die Gassendi-Gegend und den Jupiter links im Adressfeld.

Über den Zusammenhang zwischen Pixelweite und Öffnungsverhältnis hatten wir hier im Forum verschiedene, ausgiebige Diskussionen - siehe z.B. hier .

Gruß, Jan
 
Hallo Jan,

die Diskussion hab ich auch mit Interesse verfolgt. In der Kamera werkelt als Sensor ein ICX415AL von Sony. Hier der Link zum Hersteller/Vertrieb der Kamera, es ist die UK1117.

http://www.kameras.abs-jena.de/home_de.html

Ab dem 26. Sept. schlag ich für 2,5 Monate mein Zelt in Spanien auf, der Unigraph für die Sonnenbeobachtung geht natürlich mit. Und Planeten kann man mit dem 4" Wachter f15 auch ablichten. Mal sehen wie sich die Kamera dort schlägt. Ich werde berichten, aber erst später da ich dort kein Internet habe.

Gruß
Gerhard
 
Hallo Gerhard,

Dank für die Information bezüglich der Kamera. Die arbeitet tatsächlich mit dem gleichen Chip wie die Marlin.

Hast Du auch schon mal eine andere Software als die mitgelieferte ausprobiert? Ich frage das, weil ich inzwischen eine Chameleon von Point Grey besitze und noch gewisse Probleme mit der Auslesesoftware habe. Mit AMCap läuft es auch nicht optimal ...

Meine Bemerkungen hinsichtlich der Kameraanpassung an das Teleskop waren eigentlich eher durch den Kommentar von Wolf Manfred ausgelöst worden:

Meine DMK31 hat schon verflixt kleine Pixel, was arg an der Empfindlichkeit nagt, dafür hab ich aber mit f/20 schon mein Maximum an Auflösung erreicht.
Den Abbildungsmaßstab kann man doch in gewissen Grenzen durch Nachvergrößerung der Summenbilder gewinnen, wie die von mir zitierten Beispiele zeigen, d.h., man muss den Maßstab nicht unbedingt allein durch optische Nachvergrößerung gewinnen.

Du hattest wohl mit "Faustformel" die von Peter Müller gemeint und - offenbar nur versehentlich - f statt f/D hingeschrieben. Ein Öffnungsverhältnis f/D von 13,5 erscheint demnach schon recht knapp bei 8,3 µm Pixelweite. Andererseits hattest Du mit fast 5 m Brennweite ein deutlich größeres Bild auf dem Chip als ich mit meinen 3 m Brennweite, aber nach Deiner Beschreibung gewiss auch mehr Turbulenzen vor der Optik ...

Die Frage, ob man wirklich mehr als 8 Bit Graustufen übertragen muss, kann wohl nur anhand von geschickt ausgeführten Vergleichsaufnahmen diskutiert werden. Denn durch das spätere Stacken gewinnt man ja ohnehin eine erhebliche Differenzierung der Graustufen.

Bin sehr gespannt auf weitere Ergebnisse von Dir mit der neuen Kamera ...

Gruß, Jan
 
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Hallo Jan,

sorry, meinte natürlich das Öffnungsverhältnis f/D. Bei der Installation wurden auch ein TWAIN- und DirectShow-Treiber installiert. Die Kamera wird unter Giotto, MaximDL und PS erkannt. Möglicherweise auch noch von anderen Programmen, die ich aber nicht auf dem Rechner habe. Leider unterscheiden sich die genannten Treiber doch erheblich vom Funktionsumfang des originalen Treibers. Größtes Mango ist, dass sie nur 8 bit unterstützen. Nachgefragt bei ABS wurde mir mitgeteilt das diese Treiber allgemein nur 8bit unterstützen. Auch die "Verpackung" *.avi kann nur 8 bit, da ich nicht so tief in der Materie stecke, muss ich es einfach glauben.
Mal sehen wie sich das Wetter heute weiterentwickelt. Ich werde dann heute Nacht noch einmal den Mond aufs Korn nehmen. Er geht spät auf, steht sehr hoch, das Teleskop hat genügend Zeit zum auskühlen, also gute Bedingungen für einen Test. Wenn es klappt werde ich auch den Vergleich mit der DMK21 machen.

Viele Grüße
Gerhard
 
Hallo Jan,
heute nun die versprochenen Bilder. Mondbilder von der Nacht vom Montag auf Dienstag und Jupiter von letzter Nacht. Leider war gestern das Seeing nicht so gut wie am Montag. Beim Jupiter sieht man ganz deutlich Überschwinger in den Bildern. Mond wurde mit Giotto gestackt und mit Mexican-Hat-Filter geschärft, Gradationskurven und leichte unscharfe Maske in PS. Jupiter wurde in AviStack gestackt und in MaximDL zum LRGB-Farbbild verarbeitet. Es wurde keine weitere Bildbearbeitung angewandt. Als L-Kanal wurde eine Bilderserie mit IR-Pass-Filter eingesetzt. RGB-Filtersatz von Astronomik 1. Serie, also uralt.
Link zur Grafik: http://www.urlaub-in-espana.eu/Astronomie/Mond_090908_010724.jpg

Link zur Grafik: http://www.urlaub-in-espana.eu/Astronomie/Mond_090908_010954.jpg

Link zur Grafik: http://www.urlaub-in-espana.eu/Astronomie/Mond_090908_012322.jpg

Link zur Grafik: http://www.urlaub-in-espana.eu/Astronomie/Jupiter-Einzelbild-rot.jpg
Einzelbild im Rotkanal

Link zur Grafik: http://www.urlaub-in-espana.eu/Astronomie/Jupiter-LRGB-mit-Ueberschwinger.jpg
LRGB-Bild mit Halo

Link zur Grafik: http://www.urlaub-in-espana.eu/Astronomie/Jupiter-LRGB.jpg
LRGB-Bild bereinigt

Wie man sieht, bin ich beim Jupiter noch Meilenweit von guten Bildern entfernt.

Teleskop war ein MN14“ mit FFC 3fach , Gesamtbrennweite 4800 mm, f/13,5.

Gruß
Gerhard
 
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