Mondaufgangszeiten

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Jorg1

Neues Mitglied
Hallo Astro-Experten,
ich bin neu hier und habe als Anfänger folgende Frage:
wenn ich die täglichen Mondaufgangszeiten im Laufe des Jahres in einer Excel-Tabelle vergleiche, dann fällt mir auf, dass der Mond in einem siderischen Monat (ca. alle 27 Tage) von einem Minimum von 14 Minuten bis zu einem Maximum von 1,5 Std. täglich immer später aufgeht als am Vortag und dann vom Maximum wieder zurück zum Minimum (im Schnitt tägl. 50 Min.). Wodurch wird dieser große Unterschied erzeugt? Ändert der Mond bei seiner Bahn um die Erde so erheblich seine Geschwindigkeit?

Außerdem fällt mir auf, dass vom Minimum bis zum Maximum nur 9 Tage vergehen, aber vom Maximum zum Minimum 18 Tage. Wie kommt das? Ich habe schon überall im Internet gesucht, aber keine Erklärungen gefunden.

Gruß
Jorg
 
Dies gilt nur für einen bestimmten Ort. Ich vermute mal, du hast es für einen Ort in Deutschland gewählt. Es liegt zum größten Teil daran, dass der Mond jeden Tag einen anderen Deklinationswert aufweist und dann je nach Stellung der Ekliptik der Aufgangszeitpunkt sich mehr oder weniger verschiebt. Wenn man noch weiter nördlich kommt, kann es sogar vorkommen, dass der Mond am nächsten Tag eher aufgeht, als am Vortag (wenn seine Deklination stark steigt).

Beispiel: Mond geht heute um 20.00h auf, hat eine Deklination von +16° und steigt morgen auf +21°, so geht er vielleicht um 20.15h auf. Ist der Mond auf dem absteigenden Pfad, hat heute -10° und morgen -15° Deklination, so geht er locker eine Stunde später auf.
 
Der Mond wandert ja - ähnlich wie die Sonne - ständig zwischen nördlicher und südlicher Himmelshälfte hin und her. Wenn er weit nördlich steht, liegt der größere Teil seiner täglichen Bahn oberhalb des Horizonts, er ist daher lange sichtbar (im Fall der Sonne führt das zu den langen Sommertagen). Wenn der Mond weit südlich steht, liegt nur ein kurzer Teil seiner Bahn oberhalb des Horizonts, er ist daher nur kurz sichtbar (bei der Sonne führt das zu den kurzen Wintertagen).

Nur durchläuft der Mond dieses ständige Auf und Ab jeden Monat, während die Sonne ein Jahr dafür braucht. Entsprechend ist die Zu- und Abnahme seiner "Tages"länge (=seiner Sichtbarkeitsdauer) wesentlich ausgeprägter als bei der Sonne. Er muss in zwei Wochen vom Minimum aufs Maximum kommen. Ebenso wie sich der Sonnenaufgang in den Sommer hinein immer mehr verfrüht, so 'verfrüht' sich auch der Mondaufgang, wenn er Richtung Norden unterwegs ist. Allerdings ist auf die Aufgangszeiten noch die im Mittel fünfzig Minuten betragende Verspätung zu addieren, die aus seiner Umkreisung der Erde resultiert.
Zusammenaddiert ergeben die mittlere Verspätung von 50 Minuten und die aus der Verlängerung des Tagbogens resultierende Verfrühung eine nur relativ geringe Verspätung gegenüber dem Vortag (weniger als 50 Minuten).

Wenn der Mond wieder nach Süden wandert, werden seine "Tage" (=Sichtbarkeitsdauer) kürzer, seine Aufgänge erfolgen immer später, so wie auch die Sonne in den Winter hinein immer später aufgeht. Zu diesen Verspätungen ist ebenfalls noch die generelle Verspätung von 50 Minuten zu addieren, so ergeben sich Gesamtverspätungen von mehr als 50 Minuten pro Tag.

Zu all dem addiert sich dann noch die variable Geschwindigkeit des Mondes auf seiner elliptischen Bahn.

Tschau,
Thomas
 
Hallo Jorg,

Ist eigentlich gar nicht so kompliziert, wie es scheinen mag:

Der Schlüssel zum qualitativen Verständnis der enormen Variabilität der Auf- und Untergangszeiten des Mondes (im Vergleich mit denen der Sonne) ist die Einsicht, dass der Mond für einen vollen Umlauf eben nur einen Monat braucht, dabei aber (im Gegensatz zur Sonne, die dafür ein ganzes Jahr braucht) innerhalb dieser kurzen Zeit einen ähnlich großen Bereich von Deklinationen durchwandert. Wegen der Neigung der Mondbahn gegenüber der Ekliptik von ca. 5°, reicht dieser Deklinationsbereich je nach der Orientierung der Bahnebene von (-23.5 +- 5) bis (+23.5 +- 5) Grad.

Die Deklination bestimmt aber die maximale Höhe, die ein Himmelsobjekt über dem Horizont erreichen kann und auch die Länge des Bogens zwischen Aufgang und Untergang und die Zeitspanne dazwischen. Im Winter hat der Vollmond die maximale Höhe und den längsten Bahnbogen über dem Horizont. Neumond kommt hingegen, ähnlich wie die Sonne, nur für kuze Zeit über den Horizont. Im ersten und im letzten Viertel steht der Mond im Winter, ähnlich wie die Sonne im März und September, nahe am Himmelsäquator und hält sich dann ebenfalls zu gleichen Teilen über und unter dem Horizont auf.

So viel zum lunaren 1x1. Ich hoffe, dass es jedenfalls zum qualitaiven Verständnis beiträgt.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter


 
Hallo Comety, Thomas und Peter,

vielen Dank für Eure ausführlichen Erklärungen. Da habe ich jetzt erst einmal etwas daran zu knabbern; vor allem habe ich bis jetzt noch gar nicht an die Deklination gedacht. Ich versuche gerade mit Hilfe einer Lampe (Sonne), einer großen Holzkugel (Erde) und einer kleinen Holzkugel (Mond) auf dem Tisch die Mondbahn nachzuführen. Gar nicht so einfach. Da wäre eine Animation im Internet hilfreich, aber ich bin nicht fündig geworden. Auch bei meinem Besuch im Deutschen Museum in München in der vergangenen Woche konnte ich kein entsprechendes Modell entdecken, nur über Vollmond-Neumond und natürlich über Sonnen- und Mondfinsternis.
Also, nochmals vielen Dank für Eure Hinweise.

Gruß
Jorg
 
Hallo Jorg,

selbst wenn der Mond sich auf einer exakte Kreisbahn mit konstanter Geschwindigkeit bewegen würde, würde der Effekt auftreten, zumindest in unseren Breiten.

Ich versuche mal eine Erklärung:

Betrachten wir zunächst einmal die Sonne:
Im ersten Halbjahr werden die Tage zunehmend länger. So wächst die Tageslänge im März innerhalb von nur zwei Wochen um fast eine Stunde (In höheren Breiten sogar noch mehr). Umgekehrt verkürzt sich die Tageslänge im September innerhalb von zwei Wochen um 1 Stunde.

Nun zurück zum Mond:

Der Mond kulminiert (= höchste Stellung im Süden einnehmen) jeden Tag etwa 50 Minuten später. Diese 50 Minuten entsprechen der durschnittlichen Verzögerung des Mondaufgangs pro Tag, die du selbst erwähnt hast.
Der Mond rückt in der Eklyptik innerhalb eines Tages genauso so viel vor wie die Sonne in zwei Wochen. Das bedeutet:
Wandert der Mond gerade durch die Region, in der sich die Sonne im März befindet, dann vergrößert sich die Zeit zwischen Mondaufgang und Monduntergang innerhalb eines Tages um eine Stunde. Die Zeitspanne zwischen Mondaufgang und Kulmination vergrößert sich dann um eine halbe Stunde. Die Verzögerung des Mondaufgangs im Vergleich zum Vortag beträgt demnach 50 min - 30 min = 20 min .

Wandert der Mond dagegen gerade durch die Region, in der sich die Sonne im Septenber befindet, dann verkleinert sich die Zeit zwischen Mondaufgang und Monduntergang innerhalb eines Tages um eine Stunde. Die Zeitspanne zwischen Mondaufgang und Kulmination verkleinert sich dann um eine halbe Stunde. Die Verzögerung des Mondaufgangs im Vergleich zum Vortag beträgt demnach 50 min + 30 min = 80 min .


Ich hoffe, die Erklärung hat weitergefolfen.

Gruß
Martin
 
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