Mono Kamera - Gain für RGB Kanäle

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TigerClaw35

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Guten Morgen Zusammen,

trotz extremer Wolkenschicht wollte ich heute endlich die neue Mono-Kamera testen. Dazu habe ich meinen Newton 12" auf eine EQ Plattform gepackt, auch wenn etwas überladen. Nun habe ich aber ein paar Fragen und würde mich freuen, wenn sie jemand beantworten könnte:

- sollte man den Gain für jeden Kanal (R,G,B sowie L (z.B. IR Passfilter)) anpassen? Rot und Grün waren in Ordnung. Blau und IR Passfilter waren etwas dunkel. Bei einem anderen Passfilter musste ich von 250 auf 370 den Gain aufdrehen. Alternativ die Belichtungszeit. Wie macht ihr das?

- Jupiter sah in jedem Kanal sehr brauchbar aus und mit vielen Details. Bei der Auswertung der je 60s langen Videos kamen aber maximal 20% der besten Frames ab einer Qualität von 50 zustande. 20% sind nicht viel, aber wenn ich die Farben übereinander lege, wird die Qualität im Endeffekt wesentlich besser, ähnlich wie beim Stacken. Oder sehe ich das falsch?

Anbei eine Aufnahme (RGB-L wobei L ein Astronomik 742 IR Passfilter ist). Nicht derotiert und nur auf die schnelle mit Fitswork bearbeitet, da ich hierzu auch Fragen habe:
- muss in AutoStakkert "Sharpness" aktiviert sein, um Jupiter später besser derotieren zu können?
- wenn ich in Registax nur leicht die Schärfe anhebe, erhalte ich merkwürdige Muster kreuz und quer. Das hatte ich bei Farbaufnahmen zwar auch, aber nicht so ausgeprägt. Woran könnte das liegen?
- führt man bei Mono-Aufnahmen mit L-RGB auch eine Farbkalibrierung durch? Ich habe das mal gemacht, finde aber beide Farben ganz gut.

04_19_30_pipp_lapl5_ap501_Drizzle30_22.jpg04_19_30_pipp_lapl5_ap501_Drizzle30_23.jpg

Die Bilder sind jetzt nicht wirklich sehenswert, aber für die Wetter-Verhältnisse und dem ersten Versuch ist das ok.

Vielen Dank,
Raul
 
Was mir auch auffält: Die einzelnen Bilder der Kanäle sind sogar bei 50% Stacking bereits bei wenig nachschärfen sehr verrauscht und farblich passt das auch nicht ganz.
 
Zuletzt bearbeitet:
Jetzt ist mir noch etwas eingefallen. Was ist der Unterschied zwischen L-RGB-Bild kombinieren und Bild addieren?

Wenn ich mein IR Passfilter Bild mit dem RGB Bild addiere, ist es wesentlich detaillierter als wenn ich L-RGB-Bild kombinieren nutze.
 
Hi,
die kurze Antowrt ist: jeder entwickelt bzw. betreibt dazu hier seinen eigenen Voodoo :) . Es gibt wohl die einen od. anderen Erfahrungswerte, aber die variieren natürlich auch stark je nach Equipment (Kameraempfindlichkeit, Pixelgrösse, Öffnung, Aufwand, den man beim Postprocessing treiben will, etc. etc.)
Bei RGB Aufnahmen stelle ich für jeden Kanal entsprechend angepasste BZ/Gain Settings ein. I.d.R. versuche ich BZ über 40-50ms zu vermeiden, was bei nur 6"Öffnung ld. nicht immer geht (v.a. wenn Trübung durch Schleierwolken vorliegt). Ebenso versuche ich Gain über 70-80% zu vermeiden, wird dann schon sehr noisy. Histogramm sollte so bis zw. 60u 70% reichen (habe ich auch nur irgendwo aufgeschnappt). Farbkalibrierung ist ein Fass ohne Boden, man kann zwar grob bei der Aufnahme die relativen Helligkeiten der Kanäle abschätzen, aber mir hat das bislang nicht viel gebracht, am Ende mische ich die Farben in den letzten Bearbeitungsschritten (z.B. in Gimp) so ab, dass es einigermassen "gut aussieht", bzw. auch dem visuellen Eindruck entspricht. Kommt auch darauf an, was man bezwecken will, z.B. für Dunst/Wolken auf dem Mars muss man oft den Blau-Kanal etwas 'pimpen', um sie im RGB Composite noch 'rüberzubringen.
Die Qualitätsangaben der Stacking-Programme (z.B: AS3) sind mit Vorsicht zu geniessen, manchmal sind Ausreisser drin, oft bekommt auch ein total vermurkster Frame (z.B. Planet halb abgeschnitten) 100%, und dann erscheint der Rest des Streams Müll, was aber in Realität genau umgekehrt ist.
U.U. hilft ein Preprocess mit PIPP, aber das kann auch wd. Daten vermurksen. Die Qualität eines Stacks zeigt sich dann schonungslos beim Schärfen, da muss man einfach viel Jonglieren mit verschiedenen Algorithmen. Im Laufe der Zeit gewinn man aber einen Blick dafür, was jetzt Stacking-Artefakt ist und was real. Z.B: spielt auch Position und Zahl der Alignpoints ein grosse Rolle, mit vielen kleinen, aber ordentlich überlappenden APs kann man nochmal mehr Detail rausholen, läuft aber auch schnell in die Gefahr, sich Artefakte einzufangen.
Last but no least, L-RGB ist ein Trick, um Farbbilder knackiger aussehen zu lassen. Man nimmt die Luminanzinfo z.B. aus einem scharfen IR-Bild (weniger Seeing-anfällig) und färbt das dann ein mit dem RGB Bildern, od. z.B. mit einer RGB Aufnahme einer Color Cam. Das wird z.B. bei Mars-Bildern oft gemacht. Allerdings muss man wd. aufpassen, manche Info wird dadurch auch wd. unterdrückt (z.B. Blau/Grün).

Soviel mal kurz aus dem Nähkästchen. Happy Frickling :)
-cb
 
Hallo Raul,

hier mal als Gif Animation die Filter-Aufnahmen. Das addierte IR&Grün Bild ist nochmal etwas nachgeschärft.
Jup_180621_044633-filterani.gif


Was ist der Unterschied zwischen L-RGB-Bild kombinieren und Bild addieren?
Beim L-RGB werden die Details komplett vom L-Bild verwendet, nur die Farbinformation bleibt vom RGB erhalten.
Beim Addieren werden auch die Details beider Bilder zu 50% erhalten bleiben. Da das IR Bild ja S/W ist, wird dann das Ergebnis erst einmal ziemlich blass.
Klar, kann man mit der Farbsättigung anpassen.

Bei meinen Venus-Aufnahmen fällt das besonders auf. Aus 2 S/W Bildern (IR & UV) wird durch Addition der Grünkanal generiert. Aus den dann 3 Bildern ein RGB erstellt. Da sind dann die Informationen aus dem IR und dem UV Bild vorhanden.

Meist zeigt UV viel mehr Details, so dass ich daraus nochmal ein L-RGB erstelle. Aber das enthällt dann nur noch die Details des UV Bildes. Die schwachen IR Strukturen sind weg.
Wenn das IR Bild doch mal mehr Strukturen zeigt, mische ich das manchmal auch mit in das Luminanzbild rein.

Gruß,
Holger
 
Hier mal mein Bild: Links das IR Bild, Mitte das L+Grün und rechts das Grün+L.

L_LG_GL.jpg


Keines der Bilder wurde durch die Addition detaillierter als das IR-Bild ohne Addition.

Dann wäre die Frage, ob ich das L-Bild einfach zum RGB addiere oder die Funktion L-RGB kombinieren in Fitswork verwende. Je nach dem entsteht ein anderes Bild. Bisher habe ich die L-RGB-Funktion genutzt und dann nochmal ein Rot-Anteil dazuaddiert.

Jetzt musste ich auch noch feststellen, dass WINJUPOS bei manchen Aufnahmen Artefakte in Form von Rändern macht, insbesondere dann, wenn ich als Gesamtreferenzzeit die in der Mitte der Aufnahmen wählen. Wenn ich die L-RGB Combine Funktion in WINJUPOS nehme, sieht der Jupiter aber gut aus. Alternativ habe ich herausgefunden, dass beim derotieren der einzelnen Aufnahmen zu jeder Datei ein RV_Wert angegeben ist. Mit dem habe ich etwas herumgespielt und es passt jetzt.

Viele Grüße,
Raul
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Raul,

Verstehe ich nicht, nur andere Reihenfolge ?
Keines der Bilder wurde durch die Addition detaillierter als das IR-Bild ohne Addition.
Klar das IR Bild zeigt ja auch mehr Details als der Grünkanal aber bei mir sind die Bänder zu blass und da ist die Addition mit grün für mich ein guter Kompromiss.

Gruß,
Holger
 
Moin,
Schlechtwetterphasen haben auch 'was Gutes, da hat man mal Zeit für etwas Analyse und Überdenken des Workflows. Zur Illustration des 'Luminanzproblems' habe ich mal -vorläufige -Mono-Versionen meiner letzten Aufnahme vom 03.07. morgens noch vor der RGB-Derotation nebeneinandergestellt. Man sieht gut, wie unterschiedlich R,G und B erscheinen. Egal welchen man davon als L-Basis nimmt, man würde das Endergebnis doch stark verfälschen.
Was mich übrigens wundert in Holgers IR/G Vergleichsanimation ist der stark unterschiedliche Level of Detail. Gut, ich nehme nicht im IR, sondern nur R auf, aber ob das jetzt so viel ausmacht? Im wesentlichen ist der LOD in allen Kanälen ähnlich, nur B schwächelt bekanntermassen immer etwas.

Am 03.07. waren die Bedingungen leider merklich schlechter als bei mn. vorigen Aufnahme vom 18.06., aber sie waren immer noch OK. Auffällig auch die deutlich dunklen kleinen Ovale auf der Nordhalbkugel. Auf anderen Bildern sind mir die schon aufgefallen, ich hatte zuerst an zu starke Schärfung gedacht :)
Auch NEB/SEB sehen komplett anders aus als üblicherweise gewohnt. Nachdem ich letztes Jahr Jupiter gar nicht aufgenommen hatte, wird er dieses Jahr wd. richtig interessant.
jupiter_2021-07-03-prelim.jpg

-cb
 
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