Mono-Projekte - Filterwechsel wann?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

growers

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

mich würde mal interessieren, wie ich Mono-Projekte aufnehmt. Im Wesentlichen gibt es ja zwei Möglichkeiten:
- Serie mit einem Filter komplett durchziehen, dann Wechsel auf den nächsten oder
- Filterwechsel alle paar Aufnahmen

Wie macht ihr das und warum?

MIt der alten EQ8 habe ich alle 2 Aufnahmen den Filter gewechselt. Der Hauptgrund: Die brauchte recht lange fürs Dithern (besonders in DEC dauert es immer eine Weile, bis sich alles wieder stabilisiert hatte). Mit dem neuen Mount geht dithering jetzt affenschnell, daher bin ich jetzt darauf umgestiegen die komplette Serie pro Filter durchzuziehen und erst dann den Filter zu wechseln. Das macht es in NINA auch einfacher, zu sehen wie sich die Fokusqualität ändert. Denn mit unterschiedlichen Filtern und Belichtungszeiten war es immer etwas schwierig, einen Trend zu sehen.

Mich würde mal interssieren, was eure Argument für oder gegen die eine oder andere Variante sind.

CS, Daniel
 
Hallo,

bei mir ziehe ich den jeweiligen Filter immer am Stück durch. Das hat natürlich den Nachteil, das je nach Änderung vom Wetter, das Projekt unvollständig ist. Beim Filterwechsel nach allen paar Aufnahmen hat man dann schon relativ kurz alle Infos, und wenn das Wetter schlecht wird, kann man dann trotzdem was zusammenstacken. Da das für mich aber keine Prio hat, ziehe ich lieber den Filter am Stück durch, und warte halt je nach dem zur nächsten Gelegenheit, eine Session mit dem nächsten Filter anzugehen. Meine Filter sind zwar alle Homofokal, aber ich traue dem ganzen nie so wirklich und fokussiere bei jedem Filter neu, das würde natürlich mit dem regelmäßigen Filterwechsel nicht gehen. Hinzu kommt, das ich mir einbilde, dass potentieller Staub auf den Filtern bei regelmäßigen Wechsel vielleicht wandert. Wobei ich mir noch unsicher bin, ob die Filter auch immer ausreichend präzise positioniert werden, oder ob sich die Vignette möglicherweise minimal unterscheidet, was bei mehrere unterschiedlichen Positionen, wenn auch minimal, vielleicht zum Nachteil werden könnte.

Das ist wohl eine persönliche Sache, aber ich sehe da eher mehr potentielle Nachteile bei einem ständigen Wechsel der Filter. Aber ich lasse mich da gerne auch eines Besseren belehren. Weswegen ich da gerne auch die anderen Meinungen hier verfolgen werde.
 
Wobei ich mir noch unsicher bin, ob die Filter auch immer ausreichend präzise positioniert werden, oder ob sich die Vignette möglicherweise minimal unterscheidet, was bei mehrere unterschiedlichen Positionen, wenn auch minimal, vielleicht zum Nachteil werden könnte.
Meiner Erfahrung nach ist das ZWO Filterrad ziemlich genau. Da habe ich mit den Flats keine Probleme mit der Passgenauigkeit, zumal ich vor den Flataufnahmen eigentlich immer diverse Filterwechsel durch habe. Es gibt aber wohl durchaus Filterräder, die in der Hinsicht problematischer sind.

In einer einzigen Nach bin ich eh mit poraktisch keinem Projekt durch.
 
Also meine aktuelle Rotation ist
3 x L
1 x R / G / B jeweils in Folge.

dithering dann alle 6 Bilder.
 
Ich gehe da einen Mittelweg. Meine Projekte laufen in der Regel auch über mehrere Nächte. Ich schaue nun, wie lange das Ziel mit vernünftiger Höhe erreichbar ist, ob Ha und/oder OIII Sinn machen und baue dann eine Sequenz bei der ich in einer Nacht alle Filter durchbekomme. Mit Ha/OIII dann meist 30/10/10/10/20/20% für LRGBHaOiii. Je nach Objekt gewichte ich ggf. Ha/OIII anders, lasse sie komplett weg oder nehme bei Galaxien nur Ha dazu. In der Session wird dann jeder Filter "durchgängig" belichtet.

Nächste Nacht dasselbe von vorn.
So habe ich immer einen kompletten Satz aus jeder Nacht - wenn das Wetter nicht unerwartet umschlägt.

Bei "exotischen" Motiven bei denen ich vorab nicht sicher bin ob sich Ha/OIII lohnen bzw. wie stark das Signal ist wechsele ich auch Mal Nächte mit LRGB und Nächte mit Schmalband und entscheide dann nach 2 Nächten wie ich weiter mache.

Ciao, Udo
 
Meiner Erfahrung nach ist das ZWO Filterrad ziemlich genau. Da habe ich mit den Flats keine Probleme mit der Passgenauigkeit, zumal ich vor den Flataufnahmen eigentlich immer diverse Filterwechsel durch habe. Es gibt aber wohl durchaus Filterräder, die in der Hinsicht problematischer sind.

In einer einzigen Nach bin ich eh mit poraktisch keinem Projekt durch.

Ich vermute auch, dass es hier keine Probleme gibt, und ich da einfach nur eher vorsichtig bin. Jedenfalls habe ich von ZWO Filterrädern so etwas noch nicht gelesen, und es gibt wohl einige, welche es so machen, wie hier von Alex beschrieben. Bei den ganzen Problemen welche ich ja teilweise hier berichte, versuche ich meine Prozesse möglichst so zu gestalten, dass keine Probleme entstehen können. Und da ich meine Projekte meist sowieso über mehrere Nächte durchführe, passt das ganz gut, dass ich einfach bei einem Filter bleibe und gut ist.

Auf der anderen Seite sehe ich auch keinen wirklichen Vorteil, immer alle Filter am Stück durchzuziehen. Also abgesehen von oben erwähnten Punkt, das man schon nach einer Nacht alle Daten hat. Aber mein Ziel wäre es auch nicht, die Daten aus einer Nacht dann auch einzusetzen, da es sowieso mehrere Nächte werden. Also spielt das für mich persönlich keine Rolle. :)
 
Auf der anderen Seite sehe ich auch keinen wirklichen Vorteil, immer alle Filter am Stück durchzuziehen.
Sparts halt Zeit für Dithern. Bei meiner EQ8 gingen da gerne mal 20 Sekunden für drauf (i.d.R. mit 4 Sekunden Belichtungszeiten für den Guider). Wenn man dann kurzbelichtete Einzelaufnahmen macht, dann möchte man nicht alle 2 Minuten 20 Sekunden fürs Dithern verbrauchen. Da ist halt ein Filterwechsel schneller. Ein 10 Micron dithert ähnlich schnell wie ein Filterrad den Filter wechselt, da macht das dann weniger aus. Auch bei HD-Montierungen mit kurzen Belichtungszeiten dürfte das Dithern schneller gehen.
 
So habe ich das noch gar nicht gesehen, und müsste ich mir bei mir mal genauer anschauen, wie viel Zeit bei mir genau drauf geht, und wie viel ich mir hierbei sparen könnte. Vielleicht ergibt sich ja dann doch für mich noch einen spürbaren Vorteil über die Nacht. :y:

Wobei ich bei mir aber auch nebenbei ehrlich gestehen muss, dass die Mono Kamera bei mir primär bei Schmalband zum Einsatz kommt. Und vielleicht für Luminanz. Und RGB bei mir einfach mit einer OSC auf einen Schlag eingefangen wird.
 
Hi Dane,

Wobei ich bei mir aber auch nebenbei ehrlich gestehen muss, dass die Mono Kamera bei mir primär bei Schmalband zum Einsatz kommt. Und vielleicht für Luminanz. Und RGB bei mir einfach mit einer OSC auf einen Schlag eingefangen wird.
Interessanter Ansatz. D.h. bspw. du belichtest in einer Nacht mit der Mono Luminanz und Schmalband und in der anderen RGB mit der OSC Cam?

Viele Grüße,
Tobias
 
Hallo!
Interessanter Ansatz. D.h. bspw. du belichtest in einer Nacht mit der Mono Luminanz und Schmalband und in der anderen RGB mit der OSC Cam?
Das ist nicht sehr ungewöhnlich und wird schon lange so gemacht, wenn man die Möglichkeit hat.
Die Farbaufnahmen werden oft gebinnt aufgenommen oder später zur Entrauschung stark unscharf gemacht. Ich will nicht sagen, dass man das so machen soll, es zeigt aber, dass die Quelle der Farbinformationen oft sogar von reduzierter Qualität sein kann, um dennoch ein ansprechendes Bild zu erhalten. Da ist die Verwendung einer OSC eine sehr gute Lösung, selbst wenn man die Auflösung noch anpassen muss.

Grundsätzlich versuche ich die Filter nicht allzu häufig zu wechseln. Wenn sich doch mal ein Staubteil oder sogar Fussel durch ständige Wechselei löst und wandert, hat man nur zusätzlichen Ärger. Auch die Fokuslage ändert sich ja manchmal sehr, je Filter und selbst homofokale Filter passen manchmal nicht so ganz genau. Das könnte man noch mit voreingestellten Korrekturen mit dem Fokusmotor auffangen. Das ist aber eine mögliche Fehlerquelle. Außerdem bemühe ich mich, gute Nächte oder Positionen nahe dem Meridian nicht mit den Farbkanälen zu verschwenden. Da ist "Luminanz only" angesagt.
Ansonsten plane ich die Farbkanalnächte eher so, dass ich die Nacht in Blöcke für R, G und B aufteile, sodass ich am Ende ein Farbbild zusammensetzen kann. Klappt das mal nicht, wegen Wolken oder was sonst so dazwischen kommt, dann ergänze ich in der nächsten Beobachtungsnacht eben das Fehlende und erweitere den Rest.
Auch bei Schmalband richte ich mich immer etwas nach den Gegebenheiten. Mondlose Nächte gehen schon mal komplett für OIII drauf, während ich bei gutem Seeing gerne mal bei Ha bleibe.
Ich kann verstehen, dass man gerne schnell eine Vorschau auf das Ergebnis haben möchte, aber mir ist am Ende ein eventuell besseres Bild lieber, auch wenn es nur ein bisschen besser sein sollte. Das ist aber natürlich Geschmackssache.

Gruß
Sebastian
 
Interessanter Ansatz. D.h. bspw. du belichtest in einer Nacht mit der Mono Luminanz und Schmalband und in der anderen RGB mit der OSC Cam?
Hallo Tobias,

ja so ist mal der Plan. Aber abgesehen vom Wetter, hatte ich noch mit technischen Problemen zu kämpfen. Aber ja, meine Idee ist, das ich nun mit einer OSC und einer Mono zusammen an den Objekten arbeite, und Mono primär für Schmalband und vielleicht noch L zum Einsatz kommt. Zu diesem Luxus hätte ich aktuell sogar nochzwei 6" Apos, also ich könnte ganz frech in einer Nacht auch noch zweigleisig fahren...

Aber das ist ja auch kein wirklich neuer Ansatz, und wird jetzt aber nicht der große Gewinn sein, ob man nun eine Nacht RGB per OSC aufnehme, oder eine Nacht per Mono über RGB-Filter. Da spielen für mich persönlich auch so kleine Punkte mit hinein, dass ich am Morgen nur einen Satz an Flats machen muss, anstatt drei mit jeweils der Berücksichtigung von unterschiedlichen Belichtungszeiten. Bei der OSC musste ich mir nie Sorgen um Halos bei doch etwas grellen Sternen machen, während ich es bei Filterssystemen doch hin und wieder geschafft habe. Aber das sind wieder persönliche Ansichten.

Die Farbaufnahmen werden oft gebinnt aufgenommen oder später zur Entrauschung stark unscharf gemacht. Ich will nicht sagen, dass man das so machen soll, es zeigt aber, dass die
Hallo Sebastian,

was der Ansatz bezüglich Binning bei Farbaufnahmen angeht, so habe ich mir das von einem Video mal so eingeprägt, dass das heute eigentlich keinen Vorteil mehr hat. Zu Zeiten von CCD Kameras konnte man ja durch das Binning die Empfindlichkeit steigern, und somit die Farbaufnahmen schneller einfangen. Aber bei den heutigen CMOS Kameras bringt das nichts mehr, da das Binning dort nicht diesen Vorteil der gesteigerten Empfindlichkeit mit sich bringt. Und ich dachte es wäre da noch ein weiteres Argument in Bezug der geringen Auflösung der gebinnten Farbaufnahmen, dass durchaus bei feinen Strukturen/Sternen das doch irgendwie zum Nachteil werden könnte, aber da bin ich nicht mehr sicher. Aber ich lasse mich da gerne von anderen Ansichten aufklären.
 
Aber bei den heutigen CMOS Kameras bringt das nichts mehr
Hi Dane,
genau so ist es. Es bringt jedenfalls viel weniger Zeitersparnis. Es ging mir darum, dass man eben schon immer bei den Farbbildern nicht so ganz exakt gearbeitet hat.

Die geringere Auflösung hat eben den Nachteil, dass nicht für jedes Pixel im Luminanzbild eine eigene Farbinfo zur Verfügung steht. Da das Luminanzbild aber allein für die Detaildarstellung verantwortlich ist, fällt das nicht so auf, zumal in der Astrofotografie im Rohmaterial sowieso selten scharfe Kanten zu sehen sind. Da kann man das zusammenlegen von ein paar Pixeln akzeptieren.
Wenn man sich aber mal auf YouTube umsieht, wie grob unscharf die Farbbilder manchmal gemacht werden, bevor sie als Farbquelle an die Luminanz gegeben werden, kann an sich kein Zweifel bestehen, dass das fertige Bild zwar vielleicht nicht ästhetisch, aber doch in seiner Funktion als Abbildung der Wirklichkeit leidet.
Ich bearbeite die RGB Bilder nicht so sorgfältig, wie die Luminanz, aber achtlos sollte man auch nicht sein, denke ich. Zumal es nicht nötig ist. Rauschreduzierung ist heute sehr gut machbar ohne Bilder grob zu verunstalten.
Aber das führt ja vom Thema weg. Ich wollte damit nur sagen, dass ich bei der Filterwahl die Luminanz bei guten Bedingungen bevorzuge. Bei RGB mag man dann mit kurzen Filterwechseln vorgehen oder Filter für Filter abarbeiten. Da ist dann schon eher Geschmackssache, wenn man nicht gar zu kleinlich ist.

Gruß
Sebastian
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben