Morpheus, Omegon NightStar, APM-Gabel & Leuchtpunktsucher - Erfahrungsbericht

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Kerste

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Hallo allerseits,

ausnahmsweise mal keine Frage, sondern ein kleiner Erfahrungsbericht.

Wir haben im Verein das Omegon NightStar 20+40x100 Fernglas mittlerweile auf einer APM-Gabel mit Nexus Digitalen Teilkreisen auf einem Berlebach Report im Einsatz.

Das Fernglas hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel und wurde bislang immer mit den beiliegenden Okularpärchen verwendet – schon sehr nett, auch wenn das Bildfeld recht klein ist. Störend ist eigentlich nur, dass es keinen Sucherschuh gibt und es nur dann in den Koffer passt, wenn die kleineren, höher vergrößernden Okulare im Bino eingesetzt sind – sonst geht der Deckel nicht zu. Die Okulare für 20x sind zu lang. Das heißt natürlich, dass man gleich mit 40x anfängt, wenn man keine Okulare wechselt. Luxusproblem...

Die ursprüngliche Montierung dafür war die Leonardo von 10Micron. Das hat auch wunderbar funktioniert, nachdem wir das Fernglas mit einer Prismenschiene ausgestattet hatten, um es bequemer auf die (optionale) Prismenklemme der Leonardo zu setzen. Die Fotogewindeschraube des Fernglases ist nämlich nicht im Schwerpunkt, sodass die Montage sonst echt übel war – triff mal die kleine Schraube mit dem großen Fernglas... aber wenn das Fernglas mal auf der Montierung war, war das ganze sehr komfortabel:
Leonardo-P1330779.jpg

10Micron Leonardo mit 100mm Großfernglas
Es gab eigentlich nur zwei Probleme: Den fehlenden Sucher, und dass das Ganze doch nicht ganz so transportabel ist, wie man es von einem Fernglas erwartet – allein die Gegengewichte... Für die Öffentlichkeitsarbet ist die Leonardo klasse, aber so ein ungewohntes Großfernglas ist dafür weniger geeignet (entweder traut sich keiner, den Augenabstand einzustellen, oder ein Kind zieht das Gerät so begeistert zu sich, dass das Objekt nicht mehr drin ist), sodass wir die Leonardo für die Öffentlichkeit mittlerweile meist mit einem 80/600-Refraktor kombinieren. Das ist auch mit den Gästen kompatibler, die nur schnell reinschauen wollen, gerade bei einem Stand auf Kinderfesten oder in der Fußgängerzone nimmt sich kaum einer die Zeit...

Die transportablere Alternativ-Montierung war dann die APM-Gabelmontierung auf einem Berlebach Report, zusammen mit den digitalen Teilkreisen von Nexus DSC. Das ist auf dem Berlebach noch okay (für bis zu 40x auf jeden Fall, und für Hochvergrößerung ist es eh nicht ausgelegt), auch wenn noch ein Stativ mit höhenverstellbarer Mittelsäule her soll – für mehr Komfort, die Einblickshöhe variiert doch ein wenig. Schade, dass es für die Montierung keine fertige Tasche gibt. Die Aufnahme der Montierung für das Fernglas mit zwei Schrauben am Fernglas und großen Befestigungsschrauben ist wesentlich praktischer als eine einfache Fotoschraube; ich hoffe nur, dass wir die beiden Befestigungsschrauben für das Fernglas nie verlieren...

Die digitalen Teilkreise funktionieren auch ganz gut, aber das Einstellen der Referenzsterne ist der berühmte Pain in the Ass – dank des bequemen 45°-Einblicks des Binos ist Peilen nicht ganz trivial, vor allem Richtung Zenit. Ein Sucher muss her...

Ein erster Test, ob ein Leuchtpunktsucher vom Platz überhaupt passen würde, war vor einiger Zeit ganz vielversprechend:
Bino-mit-Sucher.jpg

Bino mit Schubs-To und Leuchtpunktsucher – Maßarbeit

Fertig gibt's natürlich nichts, aber wozu leben wir im Zeitalter des 3D-Druckers? Also ließ ich mir eine Platte mit Schwalbenschwanz für einen schmalen Leuchtpunktsucher drucken, der hat gerade noch Platz neben dem Bino. Drucken ließ ich bei Online 3D-Druck Service | i.materialise, zusammen mit ein paar Filterschachteln – auf Freunde zurückzugreifen wäre zwar billiger gewesen, dauert aber auch länger... Neulich Nachmittags konnte ich ihn dann endlich montieren, auch wenn ich nur eine Schraube mit Mutter und passenden Unterlegscheiben zur Hand hatte:
APM-Leuchtpunktsucher.jpg

Endlich ein Leuchtpunktsucher!
Für ein Vereinsgerät muss natürlich alles beschriftet sein, daher der Aufkleber am Ein/Ausschalter... mit der Größe der Schraublöcher habe ich mich etwas vertan, aber der erste Test hat wunderbar funktioniert: Der Mond am Taghimmel war prima zu finden, auch wenn das Fernglas ein wenig in das Feld vom Sucher reinragt.

Und wenn ich schon am Rumprobieren war: Um wieder Up-to-Date zu sein, hatten wir uns vor einiger Zeit für unseren 150/2250 Coudé-Refraktor ein paar Morpheus-Okulare gegönnt – die 17,5er als Pärchen, dazu noch zwei 36mm Hyperion für den Überblick. Was lag da näher, als die Morpheus einmal in das NightStar zu stecken und zu schauen was raus kommt? Tja, es bewahrheitet sich mal wieder – das Okular ist die halbe Optik. Träumchen. In den Fokus bin ich gerade noch gekommen, viel Luft war nicht mehr, aber es hat auch noch gut gelangt – mit den anderen Morpheus dürfte es noch mehr Luft geben, weil die Bildebene weiter innen liegt. Mit 32x (bei 560mm Brennweite vom Fernglas) gibt es ein schön großes Bildfeld mit sehr bequemen Einblick. Macht echt noch einmal deutlich mehr Spaß als mit den Beipackokularen. Sehr chic.
Morpheus-Nightstar.jpg

Morpheus am NightStar

Tja, und dann ließ ich den nächsten Beobachter ran, mit kleinerem Pupillenabstand: "Ich krieg meine Nase nicht rein". Aha. Und das bei Okularen, die ja auch für's Bino gedacht sind? Kann doch gar nicht sein. Es hatte tatsächlich einen Moment gedauert, bis ich die Lösung hatte – wir haben die mitgelieferte Verlängerungshülse aus Metall an den Okularen verschraubt und die Augenmuscheln umgeklappt, damit die Okulare im Führungsbetrieb nicht ganz so schnell verschmutzen. Am Bino ist das für einige Beobachter allerdings problematisch – aber nachdem ich die Verlängerungshülse entfernt und die runde Augenmuschel aufgesetzt hatte, war der Einblick dann nicht nur für mich unproblematisch. Aber da muss man auch erst mal drauf kommen ;)

Fazit: Ein Leuchtpunktsucher ist Gold wert, selbst wenn es nur um Referenzsterne geht, und gute Okulare darf man nicht unterschätzen! Das Upgrade lohnt sich, und ich werde das Bino gewiss noch öfter mit den Morpheus kombinieren. Allerdings nicht in der anschließenden Nacht: Da steckten sie rund zwei Stunden im Bino-Ansatz am 150/2250-Refraktor, wo sie mit 1,7x Glaswegkorrektor knapp 220x liefern – viel mehr ging wegen der Luftunruhe in dieser Nacht auch nicht, aber das hat auch gelangt, um den Terminator einmal richtig intensiv abzugrasen und Krater zu identifizieren. Wow. Macht man ja eigentlich auch viel zu selten. Aufziehende Wolken verhinderten dann leider eine noch längere Beobachtungsnacht. M13 war im Bino nicht zu sehen, und der Blick raus aus der Kuppel zeigte dann auch die Wolken, die daran schuld waren.

Beste Grüße,
Alex
 
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