Motorenwartung Meade ETX125

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Ehemaliges Mitglied 75764

Hallo Forum,

ich habe ja letztens ein gebrauchtes älteres Meade ETX125 erstanden, es ist so von ca. 2009. Den Motoren hat man schon angehört, dass sie so langsam aber sicher auf den Tod warten... Da ich aber ein Mensch des Erhaltens bin, dachte ich mir, ich schau mal was ich so machen kann. Leider bin ich aber auch eher ein Mann der Feder und nicht der Axt, weshalb ich handwerklich leider wenig begabt bin.

Davon hab ich mich aber nicht abhalten lassen und mal 4-5 Stunden Zeit in das Teleskop investiert, dazu eine Flasche Bremsenreiniger und Allzweckfett. Ich möchte hier meine Arbeit dokumentieren, da ich wirklich Freude am Zerlegen und Warten hatte. Und vielleicht hilft es ja jemandem, der seinem Meade "Backpack Observatory" einen Gefallen tun will.

WICHTIG: Es werden zöllige (USA) Innensechskantschlüssel benötigt! Wie es bei den neueren ETX aussieht, weiß ich nicht.

Ziel ist folgendes: ETX zerlegen und durch Reinigung und Schmieren aller beweglichen Teile einen erneuten reibungslosen und verschleißarmen Betrieb herstellen.

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So sieht das gute Stück im zusammengebauten Zustand aus. Ich hab es schon mal vom Tripod abgenommen. Es ist die LNT Version mit dem Leuchtpunktsucher. Um den Tubus aus der Montierung zu entfernen, müssen wir vier Innensechskantschrauben hinten entfernen. Diese sind rot markiert, es gibt auf der anderen Seite noch zwei. Klingt komisch, aber das ist alles, was den Tubus in der Montierung hält.

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Sind die Schrauben locker, können wir durch leichtes aufspreizen der Arme (es braucht nicht viel Kraft, keine Sorge) den Tubus nach hinten aus der Montierung ziehen. Davor gibt es aber noch etwas zu beachten. Der Leuchtpunktsucher muss vor dieser Aktion entfernt werden, da er mit einem Kabel per Steckverbindung mit der Montierung verbunden ist und durch eine Schraube am Tubus gehalten wird. Das Kupplungsrad für den ALT Motor drehe ich ganz heraus

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Zack, schon ist der Tubus raus! Zeitaufwand ca. 20 Minuten, wenn man sehr bedacht und mit Vorsicht vorgeht.
Jetzt müssen wir 5 Kreuzschrauben an der Innenseite des Armes lösen und den Tubushalter, an welchem die Steckverbindung für den Leuchtpunktsucher angetaped ist, raus ziehen.
Bitte auf das Kabel aufpassen, welches durch den Tubushalter geführt wird!

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Wenn das geschafft ist, können wir uns in Ruhe die Schnecken und Zahnräder angucken. Man sieht bei meinem ETX gleich, warum es nicht mehr ganz so rund lief, die Motoren kreischten und "mal langsam, mal schnell" waren.

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Metallspäne und Schmodder überall! Gleich mal den Bremsenreiniger raus geholt und alles gesäubert... Auf der anderen Seite auch, jedes Zahnrad vorsichtig mit Lappen und Tuch gesäubert, dabei immer den Motor von Hand langsam durch gedreht, um auch wirklich jeden Klumpen Dreck zu erwischen...

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Alles sauber gemacht, gut neu eingefettet und von Hand durch gedreht, Fett bestmöglich verteilt. Davon habe ich jetzt keine Fotos gemacht, wie man was säubert und einfettet dürften die meisten wissen :D






Weiter im nächsten Beitrag!
 
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Auch an der Kupplung habe ich das alte Fett und die Metallspäne entfernt und großzügig neu eingefettet. Hier war auch richtig der Knaster dran.
Damit wären wir dann aber mit der ALT Seite fertig. Jetzt widmen wir uns mal dem AZ Motor...

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Unter drei Gumminupsis sind Schrauben versteckt, diese drehen wir heraus und entfernen die Batterien.
Dann können wir die untere Abdeckplatte abnehmen und sind quasi schon am Ziel.

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Hier auch wie man schön sehen kann alles voll mit altem Fett. Die Schnecke ist hier etwas unzugänglich. Ich hab mich nicht getraut, die auszubauen. Also alles so gut es geht mit Q-Tip und Bremsenreiniger gesäubert und behutsam neu eingefettet.

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Das wars! Jetzt haben wir alles schön sauber gemacht und neu geschmiert.
Alles rückwärts wieder zusammen bauen. Ich habe nachdem ich beim ALT Motor fertig war diesen Teil schon mal wieder zusammen gebaut und hab mich dann dem AZ Motor zugewandt.

Die Montierung wieder wie vorher zusammen setzen. Geht dann auch wirklich schnell. Jetzt muss nur der Tubus wieder rein. Diesen kann man genau wie er raus kam auch wieder rein bringen. Sicherstellen, dass die Tubushalter richtig einrasten.

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Das ist etwas Fummelei.
So ist es noch nicht richtig, es muss so aussehen:

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Ist das geschafft, einfach die vier Schrauben wieder festschrauben, den Leuchtpunktsucher anschrauben und mit der Steckverbindung verbinden. Fertig!
Ich hab es dann gleich mal angeschaltet und getestet.
Kein "Jaulen" der Motoren mehr. Kein Gekreische. Leiser, geschmeidiger Lauf.
Läuft echt Tip Top das Schätzchen.

Ich hab danach zwei mal eine Alignment Routine durch laufen lassen, damit die Motoren ne Weile laufen und das Fett schön verteilen. Hat alles super geklappt und ich denke das Teleskop ist wieder für viele Jahre gut. Über einen amerikanischen Shop habe ich noch ein original Ersatzkabel für den Handcontroller ordern können, da meins verschlissen war und einen Riss hatte. Auch ein originales 12V Zigarettenanzünderkabel konnte ich erstehen. Jetzt fehlt mir noch der Halter für den Handcontroller, der ist leider verschollen gegangen über die Jahre!

So steht es nun in meinem Wohnzimmer und wartet auf den nächsten Einsatz!

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Danke fürs Lesen und Anteilhaben an meiner kleinen Geschichte, freue mich über Kommentare oder wenn ich helfen konnte.
BTW: Meade ETX70 und ETX125 sind von der Montierung her baugleich. Es kann hier also genau so verfahren werden.

Wenn ihr ein gebrauchtes "Backpack Observatory" kauft, gebt ihm ein bisschen Liebe, es wird es euch danken!
 
Hallo Simon,

Dein schöner Bericht kommt gerade richtig - auch ich habe ein ETX-125 gebraucht erstehen können.
Wohl noch ein bisschen älter. Und mit begnadet guter Optik.
Wie sieht es bei Deinem mit dem Spiel in den Achsen aus? Das ist bei meinem ziemlich groß und
müsste eigentlich eingestellt werden.

Viele Grüße Michael
 
Hallo Michael,

das freut mich sehr für dich! Das ETX ist bei mir mit einem Handgriff raus getragen, komplett montiert, und tobt sich dann an Planeten aus.

Was das Spiel angeht. Beim Durchdrehen der Motoren hab ich beobachtet, dass sich alles erst nach 2-3 Zähnen Drehung in Bewegung setzt, ALT wie AZ. Ich sehe das also als normal / Toleranz bei dieser Montierung an. Leichtes bis mittleres Spiel ist also vorhanden. Ist mir aber egal weil meine Erfahrung zeigte auch mit dem verkorksten Fett und Gerümpel noch drin führte mein ETX nach dem ersten Spiel bis die Zahnräder griffen so genau nach, dass ich es nicht mehr anfassen musste.

Allerdings wenn du dir meine Bilder so anschaust und die Montierung eh offen ist, überprüfe doch gleich auch den Sitz der Kreuzschrauben an den Schnecken (diese Metallschuhe in denen die Schnecken sitzen) und die Schrauben an der Besteigung der Motoren. Vielleicht ist da ja was stark locker bei dir oder hat sich los vibriert und muss nur etwas angezogen werden wieder, wenn du wirklich sehr starkes Spiel erfährst.

Ansonsten denk dran, auch als handwerkliche Null weiß ich:

Nach fest kommt ab!

Würd mich sehr freuen wenn du hier in den thread auch Bilder postest damit wir mal vergleichen können wie bei dir das Fett aussieht und ob du auch so viele Metallspäne hast etc., rein aus Interesse für mich.
Danke!

Ach ja und was ich noch sagen will: trau dich einfach, es ist wirklich wesentlich weniger komplizierte Technik als es aussieht und ich hab wirklich zwei linke Hände.
 
Hallo Simon,
vielen Dank für den ausführlichen Wartungsbericht.
Berichte mit vielen anschaulichen Bildern finde ich immer gut.
Bildunterlegt sind sie viel verständlicher, und animieren zum Nachmachen.

Mittlerweile dürften einige in die Jahre gekommene ETXe einen Wartungsbedarf entwickelt haben.
Und nach Deinem Bericht werden vielleicht ein paar von denen nun ihre verdiente Wartung bekommen.

Ich mag das ETX125 sehr, war es doch für mich in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts der „Türöffner“ für die Astronomie.
Zwar war ein eigenes Teleskop noch für lange Zeit nur ein Traum, aber eben dieses ETX125, das ich einst im Schaufenster eines Optikers sah, ist für mich die Initialzündung für eine schöne Hobbyentwicklung gewesen. Es hat einfach nicht mehr losgelassen.....
Heute habe ich tatsächlich auch ein ETX125. Aber eigentlich nur aus sentimentalen Gründen.
Zum ernsthaften Beobachten benutze ich es äußerst selten.

CS

Dietmar
 
Ich mag das ETX125 sehr, war es doch für mich in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts der „Türöffner“ für die Astronomie.
Zwar war ein eigenes Teleskop noch für lange Zeit nur ein Traum, aber eben dieses ETX125, das ich einst im Schaufenster eines Optikers sah, ist für mich die Initialzündung für eine schöne Hobbyentwicklung gewesen.
Und siehst du mal, als du dieses Teleskop im Schaufenster gesehen hast, wurde ich gerade geboren. So weit liegen wir auseinander, aber trotzdem verbindet uns das Gleiche.

Du hättest wahrscheinlich laut gelacht, wenn dir jemand vor Jahrzehnten von diesem Bericht hier erzählt hätte und dass du sogar darauf antwortest.

Was ist Zeit? Lass uns die faszinierenden Dinge erhalten.

Ich könnte wahrscheinlich vom Alter her auch dein Sohn sein.
Nachdenkliche Grüße
S
 
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