MWP1 & ALV1 — Der Methuselah Nebel und sein Begleiter (Cygnus)

pmneo85

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Dieses Weitwinkel-Schmalband-Bild zeigt eine ziemlich unbekannte Ecke der Sommermilchstraße: zwei extrem schwache planetarische Nebel, die knapp 1° südlich von υ (Ypsilon) Cygni liegen, einem 4,4-mag-Stern.

MWP1 – der "Methuselah-Nebel" (die große, helle bipolare Blase mitten im Bild) trägt die schicken Katalognamen PK 080-10.1 bzw. PN G080.3-10.4 (RA 21h17m08,3s, Dec +34°12'27", J2000). Entdeckt wurde er 1987 von Alain Maury auf einer Palomar-Schmidt-Platte, quasi nebenbei. 1992/93 haben dann Christian Motch, Klaus Werner und Manfred Pakull den Nebel mit der schwachen Röntgenquelle RX J2117.1+3412 in Verbindung gebracht – und daher auch der Name: M-W-P, nach ihren Initialen. Der Zentralstern (auch bekannt als WD 2115+339 bzw. Veränderlicher V2027 Cyg) ist ein echtes Exemplar: ein PG1159-Vorweißer Zwerg, wasserstoffarm, pulsierend, ein sogenannter GW-Vir-Stern mit einer geschätzten Oberflächentemperatur von 130.000 bis 170.000 K – der sitzt quasi auf der kurzen Brücke zwischen Wolf-Rayet- und Weißer-Zwerg-Phase. Ziemlich lustig: Der Stern hockt nicht mal in der Mitte der Hülle, sondern deutlich daneben. Laut Gaia-Parallaxe ist das System nur 502 ± 12 pc entfernt (~1.640 Lichtjahre) – also viel näher, als die alten Vor-Gaia-Werte von rund 4.500 Lichtjahren vermuten ließen. Richtig spannend wird's beim Alter: Das dynamische Expansionsalter liegt bei schätzungsweise 150.000 Jahren – damit ist das einer der ältesten noch sichtbaren planetarischen Nebel überhaupt, während die meisten PNe schon nach 10.000–20.000 Jahren verblassen. Rausgekommen ist eine riesige (~13' groß), diffuse bipolare Struktur mit hauchdünnen filamentartigen Schockfronten am Rand, die vor allem im [OIII]-Licht rauskommen.

ALV1 (die kleine, runde Blase weiter unten im Bild) ist der deutlich schwächere Nachbar, katalogisiert als PN G079.8-10.2 (RA 21h15m06,7s, Dec +33°58'19", J2000). Entdeckt hat den im November 2009 der portugiesische Amateurastronom Filipe Alves – rein zufällig, während er eigentlich MWP1 mit seinem 8-Zoll-Astrografen ablichten wollte. Eine echte Amateur-Entdeckung, später bestätigt und veröffentlicht (Acker, Boffin, Outters, Miszalski, Sabin, Du & Alves, 2012, Rev. Mex. Astron. Astrofis.). Er ist nur etwa 3,5' groß und hat einen sehr blauen, ~18,2 mag hellen Kandidaten für einen Zentralstern, der ebenfalls außermittig sitzt – ob der wirklich die Ionisationsquelle ist, ist aber noch nicht bestätigt. Deshalb gibt's für ALV1 auch keine verlässliche Entfernungsangabe.
Beide Objekte leuchten hauptsächlich im [OIII] und sind extrem schwach vor dem Hintergrund der Cygnus-HII-Region – kein Wunder also, dass sie trotz der gut durchfotografierten Himmelsregion erst so spät entdeckt wurden.
Aufnahme & Bearbeitung

KanalBelichtungszeit
L2,45 h
R1,2 h
G1,2 h
B1,25 h
32,0 h
[OIII]26,42 h
Gesamt64,52 h

Bearbeitet in der Foraxx-(HOO)-Palette – einer knalligen Hα/[OIII]-Kombi – mit natürlichen RGB-Sternfarben drüber, damit sowohl die helle bipolare Schale von MWP1 als auch die viel schwächeren Schockfilamente und die Begleitblase ALV1 rauskommen, ohne dass es nach einem knallharten Zweifarb-Look aussieht.

Quellen

Groß auf Astrobin: https://app.astrobin.com/u/pmneo?i=83xlpe

CS Philip
 
hallo Philip,
warum schreibst du-wo du doch sonst alles so genau beschreibst-und das ist höchst interessant!!!;keine Daten zur Optik Kamera e.c.t. dazu-das wäre das I-Tüpfelchen zum Foto, was ich grossartig finde!?
LG Heinrich
 
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