Einschätzung Leistungsfähigkeit einer Primäroptik
Hallo Immo,
der Vergleich ist das einzige, was bleibt, wenn man nicht mit Gerät und optischen Verfahren messen kann. Erfahrungsberichte müssen sehr sorgfältig angefertigt werden, denn wenn sie einschätzen helfen sollen, müssen sie zwangsläufig viele schwer faßbare, individuelle und situationsabhängige Einflußfaktoren nennen.
Einiges läßt sich aber auch schon mit Amateurmitteln und trickreichen Verfahren machen, beispielsweise den Sterntest als empfindlicher "geometrischer Gesamttest". Hier läßt sich auch der Justagezustand beurteilen. Eventuell kann man mit verbreiteter Webcam aufzeichnen und dann am Rechner mit 2 Fenstern Vergleiche anstellen. Auch läßt sich so das Seeing quantifizieren - neulich noch gabs hier einen feinen Link zu "Seeing-Aufzeichnungen" (Pickering-Skala). Natürlich muß man auch den Höhenwinkel des Objekts dabei beachten. Die Webcam-Seeing-Clips könnte man in regelmäßigen Zeitintervallen während des Auskühlens machen und auch am besten gleich die Temperatur(en: Boden, Tubusende...) messen. Je nach Aufwand und "Freakigkeitsgrad" könnte ich mir noch vorstellen: Windbedingungen, Luftfeuchte und Taupunkt ("objektivierung kritischer Taubildungsbedingungen), Helligkeit des Himmelshintergrundes (eventuell per Digicam: Abschätzung von Streulichteinflüssen)... Allerdings können auch Einflußfaktoren für den Amatuer unmeßbar sein (am Boden alles takko, aber Höhenwinde wie Hölle!), daher braucht man für wirklich verläßliche Aussagen auch viele Nächte...
Weiter könnte man enge Doppelsterne anvisieren oder die fst des Geräts für unterschiedliche Objektklassen und Himmelshintergrundhelligkeiten bestimmen.
Durch den Einsatz von Webcams sind die Einflüsse von Okularen natürlich ausgeschlossen. Auch kann man sich mit den Webcam-Clips anderer gewiß brauchbar vergleichen. Ob Okularprojektions-Aufzeichnungen sinnvoll sind, halte ich für eher fraglich. Vermutlich muß bei Okularen das Auge ran, letztlich muß es - sofern es um visuelle Nutzung/Geräte geht - ja auch gefallen. Ich würde bei solchen Vergleichen sowieso sehr aufpassen: trotz aller Zahlen gehts doch um Freude und Zufriedenheit.
@ Thomas Stelzmann:
Ich glaube nicht, daß die Qualitäts-Determinanten einer Primäroptik über die Serie normalverteilt sind. Wir haben es gewiß mit schiefen Verteilungen zu tun. Oder sozusagen: "mager" mal "mager" gibt nur selten "klasse"...
Topgeräte und Topbedingungen wünscht
Matthias.