Hi Patricia,
also da muss man einfach unterscheiden.
Katadioptrischer Newton, dass kann ja alles sein. Folgende Mainstream-Optiken würde ich unter diesem Begriff sehen:
1. "Cat-Newton", Kugelspiegel mit Jones-Bird Korrektor (meist fälschlich Barlow genannt). Der Korrektor sitzt im Okularauszug oder vor dem Fangspiegel.
2. Mak-Newton, Kugelspiegel mit Meniskus-Korrektor vor der Öffnung.
3. Schmidt-Newton, Kugelspiegel mit Schmidt (ähnlichem) Korrektor vor der Öffnung.
Darüber hinaus gibt es sicher noch einige "Exoten".
Was Du im 114 GT hast ist das Ding unter "1.", also ein Newton mit Kugelspiegel und Jones-Bird-Korrektor, in diesem Falle im Okularauszug eingebaut. Der Korrektor bewirkt in etwa eine Verdoppelung der Brennweite des Hauptspiegels, daher ist so ein Newton nur grob halb so lang, wie die Brennweite. Daher auch "Short Tube Newton", und daher passt der Überhaupt in diese Goto-Spielzeuge.
Diese Bauert 1 hat folgende Probleme:
- Justageproblematik:
Die normale Justagepraxis für Newtons baut darauf, durch den Okularauszug in das Gerät zu schauen und die Spiegel einzujustieren. Der Korrektor im Okularauszug verkleinert aber das Bild und die Abmessungen sind alle so knapp, dass man im Fangspiegel nicht den ganzen Hauptspiegel erkennen kann. Man muss mit anderen Tricks arbeiten, zum Beispiel mit einem Justierlaser. Es gibt aber noch andere Techniken.
- Qualitätsproblematik:
Ja, man muss es so direkt sagen, diese Optiken laufen mit unter dem billigsten wo gibt, es gibt keine günstigeren 114mm Spiegeloptiken als diese am Markt, und somit gibt es einfach eine Serienstreuung. Ob der Spiegel schlecht ist, oder der Korrektor, es gibt Vollgurken unter diesen Geräten.
- Tubusstabilität:
Das Gerät ist so justierempfindlich wie ein f/5 bis f/4 Newton, aber der Tubus ist nicht nur klein und niedlich, sondern auch nur gefalzt und durch zu fest angezogene Schrauben der Rohrschellen wird der eirig gedrückt, wodurch die Justage bestimmt nicht mehr stimmt. Das Ding verzieht sich. Auch die oft gesehene Einarm-Plastik-Fangspiegelhalterung wird so einen Eiertanz nicht unbeeindruckt mitmachen, alles verstellt sich.
- Allgemeine "Billigproblematik"
Die gibt es auch noch, billige Okulare, billige Verarbeitung, vielleicht mal ein zu fest in den Klammern sitzender Hauptspiegel, ein aufgeklebter Fangspiegel in einer kalten Nacht - Verspannung, Astigmatismus, dreieckige Sterne, Mars dreifach und durcheinander tanzend, das sind so die Effekte.
Was ist gut an der Optik? Nur, dass sie kurz und leicht ist und natürlich billig, so dass mehr Geld in die Spielzeug-Goto-Elektronik gesteckt werden kann, und die Hoch-Plastik-Anteil-Montierung das Ding auch trägt.
(Jepp, das war eine Ohrfeige...)
Mal zum Mak Newton, den ich unter 2 genannt habe. Das sind Geräte die man für gewöhnlich aus russischer Produktion von Intes Micro kennt. Ob STF welche baut, weiß ich gerade nicht. Jedenfalls diese Geräte entstammen einer anderen Qualitätsklasse und sind dementsprechend hochwertiger und sorgfältiger gebaut. Sie sind als Planetengeräte sehr beliebt und dementsprechend meist auf kleinen Fangspiegel optimiert, zumal der Fangspiegel am Meniskus befestigt ist, was die Fangspiegelstreben und deren Spikes abschafft.
Die Planetenoptimierung bringt auch ein paar Probleme mit, die Optiken sind meist so ausgelegt, dass der Fokus sehr nah am Tubus liegt. Der Okularauszug muss deshalb sehr flach sein und manchmal kommt man mit bestimmten Okularbauarten nicht weit genug in den Tubus.
Die Justage läuft nicht ganz so ab, wie beim Newton, da braucht man schon andere Werkzeuge, um den Meniskus zu justieren. Es gibt da aber Möglichkeiten, und andererseits werden die Geräte mechanisch so robust aufgebaut, dass die Werksjustage lange durchhält. Hervorragende Geräte, wenn man sie für den richtigen Zweck einsetzt.
Zum 3. dann Schmidt Newtons. Die sind nicht zu verwechseln mit den bis Anfang der 90er verkauften Catadioptrischen 114mm Newtons, die auch so eine Korrektorplatte vorne vor hatten, das war aber wohl kein Schmidt-Korrektor, aber egal.
Die von Meade bekannten Schmidt-Newtons sind schnelle Newtons mit einem Korrektor, der schon eine deutlich sichtbare Feldkorrektur zustande bringt. Die Korrektur ist allerdings noch nicht richtig perfekt für Astrofotografie. Ich habe selber kein solches Gerät, aber einerseits habe ich aussagekräftige Fotos gesehen von einem SN, dem man mit einem MPCC Komakorrektor eine reichlich perfekte Feldabbildung beigebracht hat, und andererseits habe ich auch gehört, dass man mit Justage des Hauptspiegelabstandes zum Korrektor auch noch etwas verbessern kann. Mit meist f/4 sind diese Geräte sehr "anstrengend" für Okulare, die meisten Okus kommen mit f/4 nicht klar. Es sind eben Fotomaschinen. Fotografisch haben sie leider das Problem des "Schmidt-Ghostings", Doppelreflexe von der Vergütung der Schmidtplatte können bei langen Belichtungen sehr helle Sterne als blaue Flatschen spiegelverkehrt ins Bild bringen. Bei den Plejaden kann einem das sehr leicht (und sehr übel) passieren.
Die SNs von Meade sind recht günstig, aber optisch doch eine andere Klasse als die ganz billigen Short-Tube-Newtons. Anfangs wurden die Geräte mit Plastik-Okularauszügen geliefert, und das zeigt eigentlich ganz gut, wo man sie in etwa positionieren muss, was die Qulität angeht. Immerhin, derweil gibt es Metall-Auszüge, wobei ich mit bei der Basis der Auszüge nicht 100% sicher bin.
Also, Du müsstest die Berichte erstmal danach sortieren, welche Cat-Newtons gemeint sind.
Und was die "Barlow" bringt: Der Jones-Bird-Korrektor bewirkt, dass der Abbildungsfehler des Kugelspiegels behoben wird. Der Spiegel müsste eigentlich eine Parabolform haben, er hat aber eine Kugelform. Das korrigiert der Jones-Bird und dabei verlängert er die Brennweite kräftig. Eine normale Barlow kann das nicht, sonst würde die in "normalen" Teleskopen völligen Bildmüll produzieren.
Sollte bei Deinem Gerät also der Jones-Bird schlecht geraten sein, dann kannst Du den nicht einfach ersetzen. Einen anderen Hauptspiegel (mit gleicher Brennweite) kannst Du zwar einsetzen, aber bei so einem Gerät bedeutet eine schlechte Optik - sorry - im Prinzip nur eines: Ausschlachten, wegwerfen!
Natürlich erst, wenn alle Fehlerquellen ausgeschlossen wurden. Justage und Spiegelverspannung wären zu überprüfen (in genau umgekehrter Reihenfolge, macht sonst doppelte Arbeit...)
Clear Skies
Sven