Nachteile eines katadioptrischen - Newton Teleskop

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Patricia

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Hallo Zusammen,

Ich steh mal wieder gewaltig auf der Leitung und suche nun bei euch kompetente Hilfe... :)

Nun ja, momentan versuch ich mich ja an meinem Celestron Nexstar 114 GT, das klappt ja ganz gut, wenn da nicht immer die entäuschende Optik wär...diese jedoch, veranlasste mich dazu mal genauer nachzulesen und ich wollte nun mal so für mich ganz allein pro/contra katadioptrische bauweise aufstellen...

Doch jetzt, nachdem ich mich ne stunde durchs www. gegoogelt hab,versteh ich gar nix mehr.

Einmal les ich das genau diese Bauweise die schäftsten Optiken erzielt, dann schreibt einer genau das Gegenteil...

Kann mir mal von euch einer vielleicht die 2 wichtigsten Punkte nennen, warum man kein katadioptrisches Newton Teleskop kaufen soll???

Und wozu is denn diese integrierte Barlow nun gedacht, die wollt ich schon ausbauen, doch das bringt nix, hab ich gelernt:-)

Über Antworten wäre ich sehr sehr dankbar!!!

Liebe Grüße
Patricia
 
Hi Patricia,

also da muss man einfach unterscheiden.
Katadioptrischer Newton, dass kann ja alles sein. Folgende Mainstream-Optiken würde ich unter diesem Begriff sehen:

1. "Cat-Newton", Kugelspiegel mit Jones-Bird Korrektor (meist fälschlich Barlow genannt). Der Korrektor sitzt im Okularauszug oder vor dem Fangspiegel.
2. Mak-Newton, Kugelspiegel mit Meniskus-Korrektor vor der Öffnung.
3. Schmidt-Newton, Kugelspiegel mit Schmidt (ähnlichem) Korrektor vor der Öffnung.
Darüber hinaus gibt es sicher noch einige "Exoten".

Was Du im 114 GT hast ist das Ding unter "1.", also ein Newton mit Kugelspiegel und Jones-Bird-Korrektor, in diesem Falle im Okularauszug eingebaut. Der Korrektor bewirkt in etwa eine Verdoppelung der Brennweite des Hauptspiegels, daher ist so ein Newton nur grob halb so lang, wie die Brennweite. Daher auch "Short Tube Newton", und daher passt der Überhaupt in diese Goto-Spielzeuge.

Diese Bauert 1 hat folgende Probleme:
- Justageproblematik:
Die normale Justagepraxis für Newtons baut darauf, durch den Okularauszug in das Gerät zu schauen und die Spiegel einzujustieren. Der Korrektor im Okularauszug verkleinert aber das Bild und die Abmessungen sind alle so knapp, dass man im Fangspiegel nicht den ganzen Hauptspiegel erkennen kann. Man muss mit anderen Tricks arbeiten, zum Beispiel mit einem Justierlaser. Es gibt aber noch andere Techniken.
- Qualitätsproblematik:
Ja, man muss es so direkt sagen, diese Optiken laufen mit unter dem billigsten wo gibt, es gibt keine günstigeren 114mm Spiegeloptiken als diese am Markt, und somit gibt es einfach eine Serienstreuung. Ob der Spiegel schlecht ist, oder der Korrektor, es gibt Vollgurken unter diesen Geräten.
- Tubusstabilität:
Das Gerät ist so justierempfindlich wie ein f/5 bis f/4 Newton, aber der Tubus ist nicht nur klein und niedlich, sondern auch nur gefalzt und durch zu fest angezogene Schrauben der Rohrschellen wird der eirig gedrückt, wodurch die Justage bestimmt nicht mehr stimmt. Das Ding verzieht sich. Auch die oft gesehene Einarm-Plastik-Fangspiegelhalterung wird so einen Eiertanz nicht unbeeindruckt mitmachen, alles verstellt sich.
- Allgemeine "Billigproblematik"
Die gibt es auch noch, billige Okulare, billige Verarbeitung, vielleicht mal ein zu fest in den Klammern sitzender Hauptspiegel, ein aufgeklebter Fangspiegel in einer kalten Nacht - Verspannung, Astigmatismus, dreieckige Sterne, Mars dreifach und durcheinander tanzend, das sind so die Effekte.

Was ist gut an der Optik? Nur, dass sie kurz und leicht ist und natürlich billig, so dass mehr Geld in die Spielzeug-Goto-Elektronik gesteckt werden kann, und die Hoch-Plastik-Anteil-Montierung das Ding auch trägt.

(Jepp, das war eine Ohrfeige...)

Mal zum Mak Newton, den ich unter 2 genannt habe. Das sind Geräte die man für gewöhnlich aus russischer Produktion von Intes Micro kennt. Ob STF welche baut, weiß ich gerade nicht. Jedenfalls diese Geräte entstammen einer anderen Qualitätsklasse und sind dementsprechend hochwertiger und sorgfältiger gebaut. Sie sind als Planetengeräte sehr beliebt und dementsprechend meist auf kleinen Fangspiegel optimiert, zumal der Fangspiegel am Meniskus befestigt ist, was die Fangspiegelstreben und deren Spikes abschafft.
Die Planetenoptimierung bringt auch ein paar Probleme mit, die Optiken sind meist so ausgelegt, dass der Fokus sehr nah am Tubus liegt. Der Okularauszug muss deshalb sehr flach sein und manchmal kommt man mit bestimmten Okularbauarten nicht weit genug in den Tubus.
Die Justage läuft nicht ganz so ab, wie beim Newton, da braucht man schon andere Werkzeuge, um den Meniskus zu justieren. Es gibt da aber Möglichkeiten, und andererseits werden die Geräte mechanisch so robust aufgebaut, dass die Werksjustage lange durchhält. Hervorragende Geräte, wenn man sie für den richtigen Zweck einsetzt.

Zum 3. dann Schmidt Newtons. Die sind nicht zu verwechseln mit den bis Anfang der 90er verkauften Catadioptrischen 114mm Newtons, die auch so eine Korrektorplatte vorne vor hatten, das war aber wohl kein Schmidt-Korrektor, aber egal.
Die von Meade bekannten Schmidt-Newtons sind schnelle Newtons mit einem Korrektor, der schon eine deutlich sichtbare Feldkorrektur zustande bringt. Die Korrektur ist allerdings noch nicht richtig perfekt für Astrofotografie. Ich habe selber kein solches Gerät, aber einerseits habe ich aussagekräftige Fotos gesehen von einem SN, dem man mit einem MPCC Komakorrektor eine reichlich perfekte Feldabbildung beigebracht hat, und andererseits habe ich auch gehört, dass man mit Justage des Hauptspiegelabstandes zum Korrektor auch noch etwas verbessern kann. Mit meist f/4 sind diese Geräte sehr "anstrengend" für Okulare, die meisten Okus kommen mit f/4 nicht klar. Es sind eben Fotomaschinen. Fotografisch haben sie leider das Problem des "Schmidt-Ghostings", Doppelreflexe von der Vergütung der Schmidtplatte können bei langen Belichtungen sehr helle Sterne als blaue Flatschen spiegelverkehrt ins Bild bringen. Bei den Plejaden kann einem das sehr leicht (und sehr übel) passieren.
Die SNs von Meade sind recht günstig, aber optisch doch eine andere Klasse als die ganz billigen Short-Tube-Newtons. Anfangs wurden die Geräte mit Plastik-Okularauszügen geliefert, und das zeigt eigentlich ganz gut, wo man sie in etwa positionieren muss, was die Qulität angeht. Immerhin, derweil gibt es Metall-Auszüge, wobei ich mit bei der Basis der Auszüge nicht 100% sicher bin.

Also, Du müsstest die Berichte erstmal danach sortieren, welche Cat-Newtons gemeint sind.
Und was die "Barlow" bringt: Der Jones-Bird-Korrektor bewirkt, dass der Abbildungsfehler des Kugelspiegels behoben wird. Der Spiegel müsste eigentlich eine Parabolform haben, er hat aber eine Kugelform. Das korrigiert der Jones-Bird und dabei verlängert er die Brennweite kräftig. Eine normale Barlow kann das nicht, sonst würde die in "normalen" Teleskopen völligen Bildmüll produzieren.
Sollte bei Deinem Gerät also der Jones-Bird schlecht geraten sein, dann kannst Du den nicht einfach ersetzen. Einen anderen Hauptspiegel (mit gleicher Brennweite) kannst Du zwar einsetzen, aber bei so einem Gerät bedeutet eine schlechte Optik - sorry - im Prinzip nur eines: Ausschlachten, wegwerfen!
Natürlich erst, wenn alle Fehlerquellen ausgeschlossen wurden. Justage und Spiegelverspannung wären zu überprüfen (in genau umgekehrter Reihenfolge, macht sonst doppelte Arbeit...)

Clear Skies
Sven
 
Hallo Patricia,

die Antort ist recht einfach.
Ein solches System funktioniert theoretisch sehr gut und kann folglich auch mit hervorragender Leistung praktisch umgesetzt werden, wenn man die hohen Anforderungen an die Qualität der einzelnen Bauteile erfüllt.
Was auf dem Markt ist, ist mehrheitlich billig zusammengeschustert, schau Dir die Preise an.
Von kathadioptrischen Newtons in der Preislage eines ähnlich funktionerenden SC könnte man auch mehr erwarten.

CS
*entfernt*

PS: Was da integriert ist, ist eigentlich keine Barlow sonden ein barwowähnlich funktionierendes Korrekturelement für einen sphärischen(?) Hauptspiegel der wohl etwa F/3 hat, durch das Korrekturelement kommt dann ca. F/10 am Okular an. Daher bringt es nichts, das Element auszubauen.

Ohoups, hallo Sven, da war dann der Bessere sogar schneller. ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Sven, hallo Günther


Danke...für die hilfreichen Antworten.
Tja, Patricia lernt es noch:

" Erst informieren, dann kaufen"

Großer techn. Aufwand für wenig Geld, dafür guter Optik, das gibt s wohl nicht, hätt ich mir ja vorher denken können!!!Aber nein, hab mich mal wieder zu wenig informiert, dafür zuviel belabbern lassen.

Gute Nacht( für mich wirds ne schlechte)

Gruß
Patricia

PS:
(Aber mit dem Ausschlachten Sven...warte ich noch...)





 
Hallo Patricia,

ich bin vor Jahren auch auf das Nexstar 114GT reingefallen, also keine Sorge, Du bist nicht allein. :huhu:
Ich hatte mir "werbeferngesteuert" eingebildet, gegenüber dem alten 114/900er eine enorme Leistungsexplosion zu erleben. :mauer:

Zunächst Mal konnte ich damit sehr gut beobachten, ein 114er Newton zeigt schon Einiges, also war ich leidlich zufrieden (Internet und Sternenfreunde vor Ort waren damals noch nicht aktuell).
Schwierig wurde es dann, als das Gerät die "Werksjustierung" langsam verlor. Ich kam mit der Justierung nicht klar, da gibt es aber heute Abhilfe, die "barlowed laser" Methode (gab es damals auch noch nicht) ist auch bei Kath.-Newtons zuverlässig und Präzise anwendbar (Ekkehard "Pteng" hat da reichlich Infos auf seiner HP.
Ich bin dann einen anderen Weg gegangen, habe einen echten 114/450er Parabolnewton auf die GT gesetzt.
Wenig (Planeten)Brennweite, großes Feld, zickig in der Justierung aber machbar und als großen Pferdefuß mit F/4 sehr okularkritisch, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen. Auch so waren dann schöne Beobachtungen möglich bis dann der 8" F/6 Dobson eine ganz neue "Welt" öffnete.

Nur Mut und CS :)
*entfernt*
 
Hi Patricia,

Sven hat es verdammt detailiert erklärt (sollte man mal bookmarken). Es bleiben wenn man ehrlich mit sich selbst ist nur zwo Möglichkeiten, bei beiden steht am Anfang der weg der Optik zu ebay mit natürlich Verlusten die du hinnehmen müsstest, wobei ebay auch immer für Überraschungen gut ist (solche und solche).

Du kannst entweder nur die Optik verkaufen und gegen einen "richtigen" Newton tauschen, da käme eigentlich nur ein 114/450 mit Parabolspiegel in Frage, kostet so um die 100€, ist dann aber auch alles andere als ein Allroundgerät und hat seine Probleme durch das schnelle Öffnungsverhältnis...

Oder alles weg (du musst dich fragen, ob du das Goto wirklich brauchst, die meisten sagen nach einiger Zeit:Nein), und gleich was kaufen womit du mal länger zufrieden bist, ob das nun parallaktisch oder Dobson wählst sei dahin gestellt, da musst du wohl erstmal in Ruhe über die Finanzen und anderen Parameter nachdenken ;)

CS Benny
 
Hallo Patricia,

hm, also schlecht schlafen musst Du deshalb nicht. Natürlich ärgert die Sache, aber es gibt ja eben vor dem Ausschlachten noch ein paar Möglichkeiten.
Zunächst mal sollte man dem Ding zu Leibe rücken. Ich schlage folgenden Plan vor (der jemanden mit Justierlaser beinhaltet):

1. Spiegelzelle/Rückwand vom Teleskop abmontieren.
2. Mittenmarkierung anbringen (ich würde anstelle eines Lochrand-Verstärkers einen Edding-Punkt empfehlen). Bitte sorgfältig die Mitte ausmessen, ggf. für die Schablone den Schul-Zirkel wieder auspacken. Schablone um nen Hauch kleiner als den Spiegelrand machen, damit man sieht, ob man sie auch wirklich mittig drauf hat.
3. Spiegel in den Klemmen überprüfen, ob der nicht verspannt ist. Ggf Klemmen lockern, bei Schwierigkeiten vielleicht mit etwas dünnem Filz oder einem Stückchen Velours-Klebefolie abpuffern. Der Spiegel darf nicht lose in der Zelle eiern, aber er muss sich ganz leicht bewegen lassen, so ein Zehntel-Millimeter Spiel braucht der, und wenn es zwei Zehntel sind, ist es auch nicht schlimm.
4. Das Ding wieder zusammenbauen und eine saubere Justage von Grund auf machen, am besten mit Chesire und Justierlaser, wie bei www.pteng.de unter Barlowed-Laser beschrieben. Trick dabei: Der Korrektor wirkt ähnlich wie die Barlow und durch den feinen Edding-Punkt als Mittenmarkierung ist die Markierung auch im relativ kleinen "Laserfleck" zu sehen, so dass man eventuell auch ohne zusätzliche Barlow mit der "Barlowed-Laser-Methode" klar kommt.
5. Am Stern gucken, ob das Ding nun taugt.
Und davon hängt dann ab, ob man zu dem Schluß kommt, dass man eine Gurkenoptik hat, oder dass die Optik OK ist und entweder guten Gewissens und guten Preises verkauft werden kann, oder doch noch eine Weile als Dein eigenes Teleskop dienst tun soll.
Im Falle der Gurkenoptik kann man so ehrlich sein, und die Gurkenoptik als "Dreingabe" zur kleinen Goto-Montierung zu verkaufen, oder eben eine andere Optik zur Montierung kaufen. Der 114/450 Parabol-Newton. Achtung: Wenn Parabol nicht dabei steht, ist es bestimmt die schlechte Kugelspiegel-Version, quasi das was übrig bleibt, wenn Du von dem jetzigen Gerät den Korrektor rausnimmst. Jepp, das wird als "Teleskop" verkauft, die Welt ist böse, aber ungerecht. Man nennt das dann "Wide Field Teleskop", was versteckt andeuten soll, dass das Ding nur für schwache Vergrößerung taugt, weil das Bild ansonsten zu grottig ist. (Es gibt sicher auch optisch gute Wide-Field Teleskope.)

Ja, dann noch was zum Thema "belabern". Sollte diese Belaberung von einem Händler ausgegangen sein, strafe diesen doch einfach durch nachhaltigen Umsatzentzug.

Clear Skies
Sven
 
Ich könnte mir gut vorstellen, daß die "Belaberung" durch uns hier in den Foren stattfand. War damals (noch nicht so lange her) ein recht langer Thread mit vielen divergierenden Meinungen. Das hat Patricia vielleicht verunsichert und wenn man so ein "Ding" nun einfach mal will, dann kauft man was, was in den finanziellen Rahmen paßt.

Am Ende merkt man dann doch: Lehrgeld bezahlt...

Aber, wie wir immer sagen, dies ist ein Langzeithobby und vielleicht gehst Du ja mal mit Deinem Freund an das Gerät und ihr schraubt nach Sven`s Vorgaben. Ggf. kann man noch was retten, wenn nicht, dann eben als Fehlinvestition abtun. E-bay freut sich, den jeden Morgen steht auch dort ein Dummer auf, der es als hochgeproiesenen Gerät teuer ersteigert...

CS
Winfried
 
Hallo Winfried,

nö, so nich! :neinnein:
Die Position zu diesen Teilen (nichtnur) in diesem Forum ist sehr eindeutig.
Finger weg!
Nur wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen und keine Rückgabe möglich ist versuchen wir, die Leute zu animieren, zunächst damit so gut es machbar ist zu beobachten und dann eine durch Praxis gestützte Entscheidung über die weiteren Schritte im Hobby zu treffen.

CS
*entfernt*
 
Hallo,


@ Günther:
[Ich bin vor Jahren auch auf das NexStar 114GT reingefallen also keine Sorge du bist nicht allein]Das tut gut...sowas zu hören...!!!

@ Benny: [sollte man mal bookmarken]

Ja ,da haste Recht, Sven bringt es mal wieder total auf den Punkt.

@ Sven:

Danke dir ganz besonders für deine ausführlichen Antworten/Anleitungen...

Und nun möchte ich nochmal erwähnen, dass die "Belaberung" wie ich es nannte nicht im Forum stattfand. Hab mich telefonisch beraten lassen und wie schon mal erwähnt hab ich auf das Gerät 50% Nachlass bekommen, da es ein Jahr als Ausstellungsstück diente...

Mir war von Anfang an klar, dass es nur als Übergangsteleskop dienen wird, war aber trotzdem entäuscht, als ich nach versch. Beobachtungen keine Steigerung in der Optik feststellen konnte, hätte einfach mehr erwartet...aber jetzt bin ich dank euch, n ganzes Stück schlauer... :)

Liebe Grüße
Patricia
 
Status
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