Nachtrag zum Fujinon 7x50 und andere Gläser

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Bernhard_Loos

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Hallo zusammen,

ich möchte noch einen Nachtrag zu meinem kleinen „privaten“ Fernglastest machen.

Mir ist aufgefallen, dass ich das CZJ 8x30 Deltrintem wirklich etwas „in die Ecke“ gestellt habe. Deswegen möchte ich hier auch seine Vorzüge herausstellen:

Das Glas ist enorm handlich und leicht (knapp 500 gr.) Durch die Porro-Bauweise liefert das CZJ ein plastisches Bild. Die kleinste Naheinstellungsentfernung liegt bei 3 Metern und genau in diesem Punkt habe ich für mich eine Domäne des Deltrintem ausgemacht: Die Tier und Pflanzenbeobachtung auf kurze Distanzen. Auf kurze Entfernungen mit einem Beobachtungsobjekt in der Mitte stört die Randunschärfe nicht und auch die Streulichtempfindlichkeit kommt hier nicht so zum Tragen wie etwa beim Blick in die Landschaft mit tiefstehender Sonne.

Ich habe meine Ferngläser auf Dejustierung überprüft (nach FrankZ) ( Eine kleine Taschenlampe in einer Entfernung von ca. 12 Metern Entfernung im Dunkeln aufgestellt, dann eine Seite des Fernglases scharfstellen und die andere unscharf. Nun sollte sich der scharfe Lichtpunkt zentrisch im unscharfen Lichtpunkt befinden).

Ergebnis: Das CZJ Deltrintem ist kräftig dejustiert (der scharfe Punkt liegt aber noch im unscharfen). Mein Zeiss 7x42 Dialyth ebenfalls, wenn auch bei weitem nicht so stark.

Es ist also klar, dass meine Beurteilung der Schärfeleistung dieser Ferngläser keinesfalls Allgemeingültigkeit haben kann.

Ergänzen möchte ich meinen Erfahrungsbericht mit der Beurteilung über das Dämmerungsverhalten meiner Ferngläser:

Fujinon 7x50 FMT-SX

Die Streulichtbeurteilung in meinem ersten Bericht bezieht sich auf die Beobachtung bei Tageslicht (tiefstehende Sonne, Gegenlicht etc.).

In Extremsituationen wie der Beobachtung im Dunkeln mit einer starken Lichtquelle (Straßenlampe-Weißlicht) knapp außerhalb des Sehfeldes zeigt auch das Fujinon 7x50 FMT Reflexe, die aber keinesfalls zu einer Gesamteintrübung des Bildes führen. Befindet sich die Lichtquell im Sehfeld, zeigt sich das Fujinon außerordentlich resistent gegen Reflexe.

Die Dämmerungsleitung des Fujinon hält, was das scharfe und klare Bild und die AP von 7,14 mm versprechen. Die „Nachtgläser“ kommen gegenüber den Gläsern mit den kleineren AP`s dann in einen deutlichen Vorteil, wenn die Szenerie nicht durch Beleuchtung erhellt ist - mit anderen Worten: Wenn es wirklich finster ist und die Pupillen größtmöglichst geöffnet sind.

Als nicht sehr praktisch erweist sich die Einzelokularverstellung des Fujinon 7x50 und des Zeiss 6x42 „Skipper“ in der Dämmerung, wenn die Zahlen und die Indexmarkierung auf dem Okular nicht mehr zu erkennen sind (ist aber nur relevant wenn sich die Beobachtungsdistanzen gravierend ändern), vor allem wenn man in die normale „Grundeinstellung“ zurück möchte. Am Tage hingegen finde ich es bei diesen beiden Gläsern wunderbar vorab zu wissen, dass es in einer bestimmten Einstellung wirklich keine Verbesserung der Schärfe mehr gibt (eine wirklich scharfe Optik ist hier Voraussetzung) – der routinemäßige Dreh am Mitteltrieb und das Suchen nach noch mehr Schärfe fallen weg.

Zeiss 6x42 „Skipper“ T* P*

Dieses Glas (gekauft 1990) ist dem Fujinon in vielen Belangen ähnlich (vom Äußeren natürlich abgesehen): Ein helles, klares und scharfes Bild bei Tag und in der Dämmerung, das scheinbare Sehfeld ist etwas kleiner (1,5°) als beim Fujinon. Allerdings ist das Bild durch die schmale Dachkant-Bauweise auf Nah- und Mitteldistanz - vor allem wenn diese beim Blick in die Ferne im Bildvordergrund liegen, bei weitem nicht so plastisch wie das des 7x50 FMT.

Bezüglich Streulicht und mit kleinen Abstrichen bei Geisterbildern liegt das Zeiss 6x42 auf Fujinon-Niveau.

Sehr gerne benütze ich das 6x42 an trüben Tagen, weil durch die geringe Vergrößerung die Atmosphäre nicht so stark verdichtet wird (Oh weh! richtig ausgedrückt?).

Zeiss 7x42 Dialyth T*

Das Zeiss 7x42 ohne P*-Vergütung, kann den drei anderen „Großen“ in diesem Vergleich leider das Wasser nicht mehr ganz reichen. Wie bereits oben erwähnt, scheint es auch leicht dejustiert zu sein. Mein Fachwissen reicht nicht aus, um zu beurteilen, ob sich das auch auf die Anfälligkeit für Streulicht auswirkt – ich glaube eher nicht! Denn beim Streulicht hat mein 7x42 wirkliche Schwächen. Wie schon bei Tage, aber erst recht in der Dämmerung mit Fremdlichteinfall zeigt das Zeiss wirklich fast alles, was man sich an Reflexen vorstellen kann. In dieser Hinsicht wird es nur vom Deltrintem weit übertroffen.

Nichts desto trotz ist das Zeiss 7x42 Dialyth für mich das „Idealglas“ wenn man nur ein Fernglas haben möchte (kann). Die Gründe: 7fach – für mich die Allround-Vergrößerung, 6mm AP – für eigentlich alle Fälle ausreichend, großes Sehfeld, angenehmer Einblick, geringes Gewicht, schlanke Bauform und das herrliche klassische Design (die neuen Victory FL sind doch ...!). Sie merken schon – ich bin ein bisschen verliebt!

Bevor ich mir 1984 das 7x42 gekauft habe, hatte ich 6 Jahre lang ein Leitz „Trinovid“ 10x40, musste es aber verkaufen um mir das Zeiss zu leisten. Zum Leitz möchte ich hier aus der Erinnerung nichts schreiben (Ferngläser zu vergleichen ist schon schwer, wenn man sie direkt vor sich hat), aber ich hätte mir das Zeiss damals nicht gekauft, wenn es mich, auch optisch, nicht überzeugt hätte. Als ich mir das Leitz gekauft habe, war ich noch ziemlich jung und habe geglaubt, dass eine hohe Vergrößerung generell besser ist. Sicher ist die 10fache Vergrößerung ideal wenn man Vögel und Insekten beobachtet, aber wenn ich mit dem Leitz im Wald war, hatte ich, im übertragenen Sinn, immer nur ein Baumstamm im Bild – ich mag den Überblick. Vielleicht wäre es heute ein schönes Glas für mich, bei meinem jetzt aufkommenden Interesse für den Himmel.

Zeiss 8x56 „Design Selection“

Das 8x56 ist von den Daten her das typische Jagdglas für den Ansitz, wo auch das hohe Gewicht nicht so stört. Das Glas ist wunderbar geeignet zur Tierbeobachtung; man fühlt sich nicht aus der Distanz beobachtend sondern ist gleichsam mit dabei. Auch die relativ starken Verzeichnungen im Randbereich fallen hier nicht negativ auf. Zu diesen Verzeichnungen habe ich folgende Anmerkungen aus dem Fernglastest der Zeitschrift „Pirsch“ entdeckt:


<img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/gruebel.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/gruebel.gif" alt="" />Möglicherweise das Wohlbefinden des Betrachters beeinträchtigend sind auch optische Verzeichnungsfehler, wenn auch nicht so wichtig wie bei Kameras. Bei guter Jagdoptik wird durch eine kissenförmige Sollverzeichnung verhindert, dass Sehfeld durchlaufende Objekte beim Glasschwenk merklich größer oder kleiner erscheinen, zum Beispiel, wenn ein Stück Wild vor einer Waldkulisse betrachtet wird (Ausschaltung des „Globuseffekts“).

Ich glaube hier soll aus der Not eine Tugend gemacht werden! Aber wenn es jemand besser weiß, lasse ich mich gerne belehren.

Das Zeiss 8x56 „Design Selection“ zeigt eine hervorragende Dämmerungsleistung auf dem gleich hohen Niveau wie das Fujinon 7x50 FMT und dem Zeiss 6x42 „Skipper“ (unabhängig von der Vergrößerung). Allerdings sollten keine Lichtquellen im Sehfeld liegen, denn darauf reagiert das „Design Selection“ mit starken Reflexen. Liegen diese außerhalb des Sehfeldes verhält es sich ungefähr so wie das Fujinon und das 6x42 von Zeiss.

Pentax 8x32 DCF-SP

Für ein Fernglas das bestimmt nicht explizit für den Gebrauch in der Dämmerung gebaut wird, schlägt sich das Pentax hier sehr wacker. Liegen Lichtquellen im Sehfeld verhält es sich wesentlich besser als das Zeiss „Design Selection“, liegen diese außerhalb, verhält es sich gleichgut.

Das Pentax fällt in der starken Dämmerung gegen die Lichtriesen ab, aber das wird hier auch niemanden wundern. Die Dunkelheit überläuft das Bild von außen nach innen (bildhaft ausgedrückt), wahrscheinlich ein Indiz dafür, dass die Pupillen größer geöffnet waren als die AP des Fernglases.

Carl Zeiss Jena 8x30 Deltrintem

Das Deltrintem ist ein reines Tagesglas. Ist die Streulichtempfidlichkeit schon bei Tage ein Problem, so kann man das „Fernglasgucken“ in der Dämmerung vergessen wenn Lichtquellen in der Nähe sind. Vielleicht kann man ja noch irgendein Objekt idendifizieren, aber der Spaß hat dann schon lange aufgehört.

Gruß - Bernhard










Möglicherweise das Wohlbefinden des Betrachters beeinträchtigend sind auch optische Verzeichnungsfehler, wenn auch nicht so wichtig wie bei Kameras. Bei guter Jagdoptik wird durch eine kissenförmige Sollverzeichnung verhindert, dass Sehfeld durchlaufende Objekte beim Glasschwenk merklich größer oder kleiner erscheinen, zum Beispiel, wenn ein Stück Wild vor einer Waldkulisse betrachtet wird (Ausschaltung des „Globuseffekts“).
 
(...) Das Deltrintem ist ein reines Tagesglas. Ist die Streulichtempfidlichkeit schon bei Tage ein Problem, so kann man das „Fernglasgucken“ in der Dämmerung vergessen wenn Lichtquellen in der Nähe sind. Vielleicht kann man ja noch irgendein Objekt idendifizieren, aber der Spaß hat dann schon lange aufgehört.
(...)

;-) ... n´abend ... man könnte auch sagen, das Deltrintem ist kein Dämmerungsglas. Denn bevor man gänzlich ohne Hilfsmittel in den nächtlichen Himmel schaut, liefert doch das 8x30 einen ordentlichen astronomischen Mehrwert.

Ich habe schon Gläser vor den Augen gehabt, die am Mond schlechter abschnitten. Und auch wenn das große Sehfeld leider nicht randscharf ist, so macht es doch Spass, mal den Himmel zu durchstreifen.


Carsten
 
Mir ist aufgefallen, dass ich das CZJ 8x30 Deltrintem wirklich etwas „in die Ecke“ gestellt habe. Deswegen möchte ich hier auch seine Vorzüge herausstellen ...

Hallo Bernhard,

mal eine Frage am Rande: wie alt ist denn Dein Deltrintem? Seriennummer? Ältere Exemplare leiden nach meiner Erfahrung weniger unter Streulicht als jüngere. Um das Streulicht zu reduzieren, hatte man in den 50-er und 60-er Jahren zwischen Objektiv und objektivseitigem Porroprisma noch eine "Tüte" aus Metall mit einem wirklich gut geschwärzten Antireflex-Profil eingebaut. Später hat man an dieser Stelle gespart und die "Tüte" wurde aus mehr oder weniger glänzendem, schwarzen Plastik gefertigt. Wenn Du durch die Objektive ins Fernglas blickst, dann wirst Du das Profil sehen. Die alten Ferngläser zeigen zwar oft einen leichten Farbstich in Richtung Gelb, dafür leiden sie weniger unter Streulicht - insbesondere in der Dämmerung.

Davon abgesehen bleiben natürlich die übrigen Schwachpunkte bestehen: erhebliche Randunschärfe und je nach Alter mehr oder weniger störende Reflexe von hellen Lichtquellen, welche sich innerhalb oder außerhalb des Sehfeldes befinden. Diese Schwachpunkte fallen zudem in dem Moment recht unangenehm auf, wenn man ein gutes, altes Deltrintem abwechselnd mit einem Zeiss Dialyt oder einem Fujinon Fernglas verwendet. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> Auch ein jüngeres Deltrintem ist ein Kind seiner Zeit, also der Zeit, in der es letztmalig entscheidend verbessert wurde. Das Fernglas geht in seinem Konzept auf die 20-er oder 30-er Jahre zurück, die neuen (Erfle-) Okulare wurden 1946 konstruiert und später wurde eigentlich nur noch die Vergütung verbessert. Das heißt: mit Einführung einer recht guten MC-Vergütung etwa zu Ende der 70-er Jahre hatten diese Ferngläser praktisch ihren Höhepunkt erreicht. Man sollte also keine Wunder erwarten. Trotzdem kann ein Deltrintem ein schönes Zweitglas sein, wenn man es überwiegend bei Tag oder auch mal auf Reisen für die Himmelsbeobachtung nutzt. Auf ebay gibt es diese schnuckeligen Porrogläser mitunter für erstaunlich wenig Geld und gemessen an einem finanziellen Einsatz von vielleicht 60 oder 80 Euro kann man durchaus viel Freude an einem gut erhaltenen Exemplar haben.


Ich habe meine Ferngläser auf Dejustierung überprüft (nach FrankZ) ( Eine kleine Taschenlampe in einer Entfernung von ca. 12 Metern Entfernung im Dunkeln aufgestellt, dann eine Seite des Fernglases scharfstellen und die andere unscharf. Nun sollte sich der scharfe Lichtpunkt zentrisch im unscharfen Lichtpunkt befinden).

Zwei Anmerkungen dazu: die Kollimation (Justage) sollte man an einem möglichst weit entfernten Objekt prüfen und den "Sterntest" (mit der auf einer Seite unscharf gestellten Lichtquelle) würde ich mit Vorsicht genießen. Vor einiger Zeit hatten wir das Thema schon mal diskutiert und ich hatte damals und habe heute noch meine Bedenken, ob der "Test" immer seinen Zweck erfüllt. Mit ein und demselben Fernglas lieferte mir der "Test" am Stern schon desöfteren unterschiedliche Ergebnisse. Das eine mal würde ich meinem Fernglas eine sehr gute Justage bescheinigen, ein anderes mal würde ich es zum Service schicken. Schau Dir doch mal an, was Herbert an dieser Stelle in einer zum Thema passenden Diskussionsrunde geschrieben hat.

Nun aber erstmal ein großes Dankeschön für Deine detailierten, interessanten und lesenswerten Berichte! Du hast da ein paar wunderschöne Ferngläser, zu denen man Dich nur beglückwünschen kann! Beim Lesen Deines ersten Beitrages mußte ich etwas schmunzeln:


Zeiss 6x42 „Skipper“ T* P* ... Das Fernglas wird von Zeiss nicht mehr hergestellt!
...
Zeiss 7x42 Dialyth T* ... Das Fernglas wird von Zeiss (leider) nicht mehr hergestellt!
...
Zeiss 8x56 „Design Selection“ ... Das Fernglas wird von Zeiss nicht mehr hergestellt!

Ja, die alten Zeiss Gläser hatten was. Hier stimmten die Qualität der Optik, die Qualität der Mechanik und die Qualität der Verarbeitung. Das Auge hatte viel Spaß beim Durchsehen, aber auch beim Ansehen und beim Benutzen der Ferngläser. Diese Liebe fürs Detail und der Hang zur Perfektion - etwas, was man bei alten Zeiss Gläsern noch richtig spüren kann - finde ich bei manch modernem Glas nicht mehr. Klar gibt es große Fortschritte bei der optischen Leistung, aber mit dem Charme eines alten Dialyt kann es mein 8x42 FL nicht aufnehmen und ein 8x40 Conquest noch viel weniger ...


Nichts desto trotz ist das Zeiss 7x42 Dialyth für mich das „Idealglas“ wenn man nur ein Fernglas haben möchte (kann). Die Gründe: 7fach – für mich die Allround-Vergrößerung, 6mm AP – für eigentlich alle Fälle ausreichend, großes Sehfeld, angenehmer Einblick, geringes Gewicht, schlanke Bauform und das herrliche klassische Design (die neuen Victory FL sind doch ...!). Sie merken schon – ich bin ein bisschen verliebt!

Keine Einwände (*) und volle Zustimmung!

(*) doch ein Einwand: <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> ich glaube, Dialyt schreibt man ohne "h".

Nun habe ich noch eine Frage zu Deinem ersten Bericht. Du schreibst dort:


... Das Zeiss 8x56 „Design Selection“ hat die stärksten Verzeichnungen im Randbereich. Das Glas liefert ein wesentlich plastischeres Bild als meine anderen Dachkantgläser ohne aber an das Fujinon heranzureichen. ...

Hast Du eine Erklärung, warum das so ist? Ist der Objektivabstand beim 8x56 größer als bei den anderen Dachkantgläsern? Das räumliche (plastische) Bild beim 7x50 Porroglas ist doch zu einem großen Teil dem erweiterten Objektivabstand zu verdanken. Das ist ein Vorteil, den keines der Dachkantgläser mitbringt. Vergleicht man nun verschiedene Dachkantgläser (ohne signifikante Unterschiede beim Objektivabstand), so würde ich mit Blick auf eine möglichst gut erkennbare Tiefenstaffelung (Plastik) eigentlich beim 6x42 das beste Bild erwarten. Bei der kleinen Vergrößerung schlägt der Kulisseneffekt noch nicht so stark zu wie bei einem 8-fach oder gar noch stärker vergrößernden Fernglas. Je höher ich vergrößere, desto größer erscheinen die Objekte (in der Breite und in der Höhe) und desto mehr schrumpfen ihre Ausdehnungen und die Abstände in der räumlichen Tiefe (Kulisseneffekt). Daher kommt auch meine Vermutung, dass das 6x42 eine bessere Plastik der beobachteten Szene liefern sollte. Kann es sein, dass bei Deiner Einschätzung zum plastischeren Bild des 8x56 die großen Unterschiede bei den scheinbaren Sehfeldern eine Rolle spielen? Im Vergleich zum 8x56 mit seinen Weitwinkelokularen könnte man beim 6x42 ja beinahe einen "Tunnelblick" vermuten.

Viele Grüße, Frank.
 
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Hallo Frank,

vielen Dank für Deine Informationen!

Die Seriennummer meines Deltrintem lautet: 559 15 53
So wie es aussieht sind die Tuben meines Deltrintem nicht aus Kunststoff.

Hier die Objektivabstände meiner Gläser (Mitte-Mitte) bei 70 mm Augenabstand:

Fujinon 7x50 FMT-SX – 147 mm
CZJ 8x30 „Deltrintem“ – 124 mm
Zeiss 8x56 „Design Selection“ – 80 mm
Zeiss 6x42 „Skipper“ – 80 mm
Zeiss 7x42 „Dialyt“ – 80 mm
Pentax 8x32 DCF-SP – 70 mm

In dieser Reihenfolge nimmt auch die Eigenschaft zur räumlichen Abbildung ab.

Wenn man sich die Objektivabstände anschaut ist das ja alles ziemlich logisch. Nur müsste das 8x56, aufgrund der Vergrößerung, theoretisch an dritter Stelle der Zeiss-Gläser stehen – tut es aber nicht (jedenfalls bei mir).

Deine Frage, ob das etwas mit den scheinbaren Sehfeldunterschieden zu tun haben könnte, kann ich leider nicht beantworten. Die Frage: „hängt die Räumlichkeit eines im Fernglas erzeugten Bildes nur von den beiden „Eckdaten“ Vergrößerung und Objektivabstand ab, oder auch vom Sehfeld oder der optischen Konstruktion?“ könnte uns jemand beantworten, der mit der Entwicklung von Fernoptiken zu tun hat.

Auch die Frage, ob es so etwas wie eine mit Absicht hineinkonstruierte kissenförmige Verzeichnung bei Jagdoptiken gibt, Stichwort: Globuseffekt, könnte uns so jemand wahrscheinlich beantworten.

Gruß,
Bernhard
 
Hallo Bernd,
für den Sterntest zur Justierung solltest Du ein Objekt in möglichst großer Entfernung nutzen. In 12m Entfernung erscheint eine Strecke von 65mm (entspricht etwa dem Augeabstand) unter einem Winkel von etwa 19 Bogenminuten. Dieser Abstand wird noch durch die Vergrößerung des Fernglases vergrößert. Deutlich wird dieser Effekt, wenn man mit einem justierten Fernglas ein sehr weit entferntes Objekt und ein Objekt in etwa 5m Entfernung beobachtet. Wenn man ein entferntes Objekt in einem Rohr in die Bildfeldmitte stellt, dann befindet es sich auch im anderen Rohr etwa in Bildmitte (kann man überprüfen, wenn man wechselseitig jeweils ein Auge schliest). In etwa 5m Entfernung ist ein Objekt in einem Rohr in der Bildmitte - im anderen Rohr am Bildfeldrand (falls sich das Glas nicht mehr scharfstellen läßt - der Effekt ist auch deutlich am unscharfen Objekt). Wie ich auf meiner Homepage geschrieben habe, ist die Methode scharfer-unscharfer Stern eine Bastelmethode zum Justieren. Ich habe meine Gläser bisher mit dieser Methode immer ordentlich justiert bekommen. Offensichtlich gibt es aber auch Sternfreunde, bei denen diese Methode versagt. Um die Justierung eines Glases beurteilen zu können, ist ein geeichtes Messinstrument erforderlich - zumal die zulässigen Toleranzen zur Fusion recht hoch sind.

CS. Frank
 
Re: Globus- und andere Effekte

Die Seriennummer meines Deltrintem lautet: 559 15 53
So wie es aussieht sind die Tuben meines Deltrintem nicht aus Kunststoff.

Hallo Bernhard,

das würde mich sehr wundern. Bisher hatte ich noch kein Deltrintem mit SN > 4,2 Mio. in den Händen, welches die alten Tuben aus Metall besitzt. Bei Deiner Seriennummer würde ich schon auf eins der jüngeren, besonders streulichtempfindlichen Exemplare tippen.


Nur müsste das 8x56, aufgrund der Vergrößerung, theoretisch an dritter Stelle der Zeiss-Gläser stehen – tut es aber nicht (jedenfalls bei mir).

Ich vermute mal, bei einem subjektiven Vergleich ist es recht schwierig, die Eigenschaft der "plastischen Abbildung" zu objektivieren. Ob das scheinbare Sehfeld da eine Rolle spielt, das weiß ich nicht. Auch hier kann ich nur vermuten, dass man sich bei einem subjektiven Vergleich mit seiner Einschätzung durchaus irren kann. Wir hatten hier im Forum schon oft die Schärfentiefe als Gegenstand diverser Diskussionen. Auch da gab es Meinungen, dass Ferngläser mit unterschiedlichen Okularkonstruktionen bei gleicher Vergrößerung eine unterschiedlich große Schärfentiefe zeigen. Von mehreren Fachleuten wurde mehr als einmal (für mich) plausibel nachgewiesen, dass dem nicht so ist. Vielleicht verhält es sich mit der räumlichen Abbildung ähnlich?

Auch die Frage, ob es so etwas wie eine mit Absicht hineinkonstruierte kissenförmige Verzeichnung bei Jagdoptiken gibt, Stichwort: Globuseffekt, könnte uns so jemand wahrscheinlich beantworten.

Sicher gibt es das. Beispiele für Ferngläser mit geringer kissenförmiger Verzeichnung und einem recht auffälligen Globuseffekt sind wohl die Nikon HG Modelle. Ich nutze selbst seit kurzem das 8x20 HG L und schon da sieht man den Globuseffekt recht deutlich. Zeiss und Leica verfolgen eine andere Philosophie, mit einer stärkeren kissenförmigen Verzeichnung wird diesem Effekt entgegengewirkt. Die Nikon HG Ferngläser zeigen eine bessere Randschärfe, dafür finde ich es angenehmer, mit einem Zeiss FL oder Leica Trinovid durch die Landschaft zu schwenken. Mit dem kleinen Nikon 8x20 habe ich immer den Eindruck, die Landschaft wird auf einer Kugel "abgerollt". Schau mal ins Jülich-Forum (Rubrik Tagbeobachtung), da findet sich zum Thema Globuseffekt und Verzeichnung viel Lesenswertes - z.B. hier.

Frank.
 
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Re: Globus- und andere Effekte

Hallo Frank,

Du hast recht! Die Tuben sind aus Kunststoff. Ich habe sie mal rausgeholt und die Prismen provisorisch mit einem schwarzen dünnen Gummimaterial abgedeckt. Die Streulichtempfindlichkeit hat sich dadurch schon wesentlich gebessert. Ich frage mich nur, wie man so eine Verschlimmbesserung bei CZJ betreiben konnte, die hatten doch einen Namen zu verlieren.

Dein Link zu dem Beitrag von Herrn Walter E. Schön war übrigens sehr aufschlußreich. Der Mann hat was drauf! Ich kann bei mir, egal welches meiner Gläser ich benutze, keinen Globuseffekt feststellen.

Vielen Dank! Gruß - Bernhard
 
Re: Globus- und andere Effekte

> Die Streulichtempfindlichkeit hat sich dadurch schon wesentlich gebessert.

Hallo Bernhard,

die Optimierung so eines alten Fernglases ist doch eine schöne Freizeitbeschäftigung für verregnete Tage. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> Mit etwas Geduld kann man die alten Schmuckstücke in ihrer optischen Leistung deutlich verbessern und am Ende vielleicht sogar sinnvoll nutzen.

> Ich frage mich nur, wie man so eine Verschlimmbesserung bei CZJ betreiben konnte, die hatten doch einen Namen zu verlieren.

Die Firma CZJ lag eine Zeit lang in der DDR und da konnte man das. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" /> Die sozialistische Planwirtschaft machte auch vor den Toren des Zeiss Werks in Jena nicht halt. Für Rationalisierungsmaßnahmen (wenn man etwas günstiger produzieren konnte, egal ob in besserer oder schlechterer Qualität) gab es in der DDR ein dickes Lob. Aber diese Art Verschlimmbesserung findet sich zum Glück nicht allzu oft bei optischen Geräten aus Jena.

> Dein Link zu dem Beitrag von Herrn Walter E. Schön war übrigens sehr aufschlußreich. Der Mann hat was drauf!

Ja, über Walter's Fachwissen kann ich auch nur staunen. Man glaubt gar nicht, was man so alles über Fernoptik lernen kann, wenn man sich dafür interessiert.

Frank.
 
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