Hallo Harald, hallo allerseits,
ein schöner Link, vielen Dank. Die Liste umfaßt nicht weniger als etwa 2700 Einträge für max. 100 Lichtjahre Entfernung.
Auf
http://www.chara.gsu.edu/RECONS/TOP100.htm sind ziemlich aktuell die sonnennächsten 100 nach Parallaxe sortiert gelistet (= Entfernung). [Entfernung in Parsec: Kehrwert der Parallaxe]
Mittlerweile sind da ja rund 350 Objekte und der 100nächste von der Sonne ist gerademal knapp 6,7 Parsec (21,7 Lj) weit weg. Ich hatte mal gelesen, daß noch vermutlich min. 20% mehr zu entdecken sein werden, so daß für eine gedachte Kugel um die Sonne mit 21,7 Lj. Radius rund 420 Objekte anzunehmen sind. Das Volumen einer 100-Lj.-Kugel ist ca. 98mal größer, so daß bei gleicher Objektdichte von insgesamt rund 41000 Objekten auszugehen ist. [Durchschnittliche Entfernung rund 2,3 Lj., was mit Vorsicht zu genießen ist, da Mehrfachsysteme nicht in dieser ganz platten Überschlagsrechnung berücksichtigt sind.]
Die allermeisten dieser Objekte sind kleine, kühle, rote Zwergsterne der Spektralklasse M, die neueren Entdeckungen häufig als späte M-Klasse-Objekte mit Absoluthelligkeiten von 15mag und mehr. Braune Zwerge sind auch dabei. Was noch so alles zu entdecken ist, hängt bezogen auf das wann wohl ziemlich davon ab, ob viele schwache Objekte in tiefen Feldern astrometriert werden.
Würde Wolf 359 [der Stern des drittnächsten Systems] mit seiner Absoluthelligkeit von 16.55mag [rote M6-Funzel] nicht 7,8 Lichtjahre weit entfernt sein, sondern 100, dann wäre er scheinbar für uns hier bloß rund 19 mag schwach. Die Wahrscheinlichkeit, unter allen Sternen 18,5mag-19,5mag in einem Feld am Himmel nahe Zwerge zu sehen, ist außerordentlich gering. Die allermeisten werden entferntere Sterne sein - unter Vernachlässigung von Spektralklasse und Farbe mal ganz knapp überschlagen: Sonnen"kopien" in Entfernungen um 24000 Lichtjahren Entfernung, Sterne von rund 3 Sonnenmassen (100mal so lichtstark wie unsere Sonne) entsprechend 240000 Lichtjahre, was bereits am Rande oder jenseits unserer Galaxie liegt. Ein Stern wie Deneb mit seinen Abs. rund -7,2mag wäre in 80.000 Lichtjahren bereits 9,7 mag hell und leicht im Amateurfernrohr sichtbar. Allerdings vernachlässigt diese extreme Betrachtung völlig die Lichtabschwächung durch Staub und Gas. Zudem müßte man von solch fernen Sternen überhaupt eine verläßliche Entfernungsangabe haben, was aktuell nicht über Parallaxenbestimmungen möglich wäre. Bei Cepheiden aber zum Beispiel wäre eine Absoluthelligkeitsabschätzung möglich.
Um also tatsächlich alle Objekte bis 100 Lichtjahren Sonnenentfernung zu finden, müßten Parallaxenbestimmungen von sehr sehr vielen Punktquellen durchgeführt werden. Erst letztes Jahr wurde in die RECON-Liste ein Stern aufgenommen, der immerhin an unserem Himmel 12,74mag hell ist und tatsächlich nur 21 Lichtjahre von uns entfernt (GJ 1128, M4,5V, abs. Helligkeit 13,66mag, 0,15 Sonnenmassen, 0,43% der Sonnenleuchtkraft). Bis da mal alle noch schwächeren Sterne vermessen sind... Was wir also über unsere nächsten 100 Lichtjahre wissen, ist noch eher WENIG. Eben wegen der vielen anzunehmenden leuchtschwachen roten Zwergsterne (braune Zwerge etc.).
Wer als visueller Beobachter mal einen nahen Zwergstern in hochbestirntem Gebiet einstellt, wird unter den zahlreichen anderen im selben Bildfeld womöglich einen fernen (Über)riesen sehen. Dabei kann dann durchaus der nähere Zwerg heller erscheinen als der ferne Riese. Das zeigt auf, mit welcher Spannbreite die Leuchtkräfte und die Entfernungen variieren. Vielleicht ist ja sogar ein solches konkretes Feld am Himmel bekannt?
Klare Himmel und Top-Bedingungen wünscht
Matthias.