%@$,; - Nebel... Beobachtungsbericht 9. 1. 2006

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SchwarzerPrinz

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Datum: 26.12.2005
Beobachtungsbeginn: 20:28 Uhr Ortszeit (20:01 Uhr UTC)
Standort: Beelen
Temperatur: -5°C
Bortle-Skala: 3
Pickering-Skala: 6
Bewölkung: 0/8, leichter Bodennebel, extreme Taubildung, Vereisung.
Beobachtungsende: 22:25 Uhr Ortszeit

Verwendetes Gerät:
114mm/900mm Newton, 32mm Plössl, 9mm Plössl, 2xBarlow, schwaches Gelbfilter, Graufilter

Änderung der Beobachtungsbedingungen:
Bodennebel verstärkt sich schnell, Sichtweite unter 50m.

Beobachtete Objekte:
M42
M44
M45
Mond
Saturn

Der heutige Abend stand unter zwei Stichwörtern: M42 und Nebel.
Binnen 30 Minuten war aus einem leichten Dunst über den Feldern eine Waschküche mit Sichtweite von weniger als 50 Metern geworden. Saturn stand noch so gerade eben über dem schlimmsten Dunst, ansonsten war Zenitbeobachtung angesagt. Gut für mich, daß sowohl Orion als auch Mond fast im Süden und schön weit überm Horizont standen. Wirklich schlimm war aber die Taubildung durch Nebel, die sich stante pede zu Vereisung verschlimmbesserte. Schon erstaunlich, daß man bei -5°C überhaupt noch Nebel entstehen kann (Aber da haben andere hier im Forum ja noch extremere Erfahrungen gemacht). Im Verlauf des Abends gewöhnte ich mir einen Viertelstundentakt an, bei dem immer ein Okular in der Hand auftaute, während das andere im OAZ zutaute. Wirklich unangenehm war aber die starke Auskühlung durch den Nebel, ich fühlte mich nur zu deutlich an das Prüfungstauchen im Lingener Speicherbecken vorletztes Jahr erinnert. Nunja. Der wirklich gute Teil des Abends war ohnehin das Testen verschiedenster technischer Merkmale.

Technik - Einnordung
Nach dem Aufbauen konnte ich zum ersten Mal eine präzise Einnordung durch die Polachse vornehmen: Endlich war Polaris auch wirklich mal zu sehen, sonst verschwand er immer hinter Wolken! Einen Polsucher habe ich noch nicht, deshalb wurde der Fadenkreuzeinsatz der Polachse zu Hilfe genommen. Trotzdem ließ sich das Ergebnis durchaus sehen, die Nachführung auf der Deklinationsachse war passé.

M42
Nachdem nun das Teleskop betriebsbereit war, wurde als erstes M42 angefahren, der mich letztes Mal so enttäuscht hatte. Dieses Mal war bereits bei 28x ein schwacher Fleck um die Sterngruppe herum zu erkennen. Der AHA-Effekt kam aber erst, als ich (neugierig wie ich bin) andere Sterne im Blickfeld betrachtete: Plötzlich sprangen mich durch das indirekte Sehen wunderschöne Strukturen an! Damit war klar, der Abend würde sich lohnen. Schnell mit der Barlowlinse auf 56x hochgegangen und ich war eine gute Viertelstunde nur mit dem Unterschied zwischen direktem und indirektem Sehen beschäftigt. Ein späterer Vergleich mit dem Karkoschka zeigte mir, daß ich die Strukturen des großen Nebels vollständig erfaßt habe. Schade nur, daß man keine Farben sehen kann, aber was soll man auch anderes erwarten bei 114/900? M43 war hingegen nicht auszumachen, aber das schiebe ich auf den im ersten Viertel stehenden Mond und den starken Dunst durch Nebel.

Saturn
Es ist unglaublich, wie sehr mich die Ringe faszinieren können. Schon das Bild bei 28x schlägt mich jedes Mal in Bann. Allerdings wurde es heute eher zu einer Stippvisite, im Laufe des Abends wurde Saturn drei Mal angefahren, um einfach den schönen Anblick kurz zu genießen. Schließlich wartete ja das Hauptobjekt noch auf seinen Auftritt.

M44
Beim Aufsuchen des Saturns erinnerte ich mich daran, daß der "Herr der Ringe" derzeit direkt südöstlich von M44 steht. Sobald ich Saturn gefunden und kurz bewundert hatte, wurde ein Schwenk gemacht, der mich präzise in einen kleinen See von Lichterpunkten schleuderte. Ich konnte über 50 Sterne identifizieren, wobei ich mich auch nur auf die helleren konzentrierte. Auf jeden Fall war es ein wirklich interessanter Anblick, der einen tollen Kontrapunkt zum Saturn darstellte.

Mond
Dieses Mal war ich gewarnt: Der Mond wurde grundsätzlich nur mit Graufilter angefahren, bei Vergrößerungen unter 100x kam außerdem noch ein leichtes Gelbfilter dazu. Damit hielt sich der Blendeffekt gut in Grenzen, so daß auch bei späterem Anfahren M42 immer noch gut sichtbar blieb. So wurde die Kraterjagd zu einem genußvollen Spiel: Clavius, Platon, Theophyl und Tycho waren die Hauptattraktionen.
Platon mit seiner imposanten Zentrumserhebung war schon ein spektakulärer Anblick, auch der relativ spitzwinklige Lichteinfall tat das seine dazu. An allen Kratern ließ sich wunderbar die stark erhellte sonnenferne Kraterwand erkennen.
Den Monsterkrater Clavius mit seinen über 30.000 km² Durchmesser habe ich über eine Viertelstunde abgegrast und irgendwann beim 40. Unterkrater die Übersicht verloren. Ohnehin sieht das umgebende Areal wirklich arg mitgenommen aus, dieser Teil des Mondes wurde geradezu bombardiert. Man kann es wirklich nicht anders sagen.

M45
Da der Mond derzeit genau südwestlich der Plejaden steht und der Nebel um 21:15 Uhr schon richtig dicht war, waren diese mit dem bloßen Auge überhaupt nicht ausmachbar. Der Sucher war trotz aller Bemühungen nicht zum Auftauen zu bewegen, so blieb nur ein kalkuliertes Ratespiel mit dem 32mm-Okular. Trotzdem gelang es mir nach drei Minuten, die Plejaden aufzuspüren. Hier war außer den Hauptsternen und vielleicht zwei Dutzend Untersternen allerdings nicht so viel zu sehen. Der Anreiz war ohnehin das Finden gewesen und insofern war ich es auch zufrieden.

Technik - Fadenkreuzokular
Nachdem mein Fadenkreuzokular drei Tage zuvor fertig geworden war, mußte es natürlich auch getestet werden. (Selbstbau auf 10mm Plössl von Bresser, bei Interesse kann ich gerne Details zur Konstruktion posten.) Hierzu mußte als erstes Saturn herhalten, der dies auch dankenswerter Weise klaglos über sich ergehen ließ. ;-) Die Dreiecks-Konstruktion erwies sich hierbei als echter Glücksgriff: Egal wie groß das Ziel ist, punktförmiger Stern oder Ringgebilde bei 90x oder 180x, man kann durch die Winkelgeometrie das Zielobjekt immer genau in die Zange nehmen und dadurch sofort erkennen, ob es auswandert. Natürlich fehlt mir der Vergleich mit anderen Fadenkreuzokularen, aber ich bin der Meinung, daß es die beste Lösung vor Allem für Planeten- oder Mondphotos darstellt.
Ein zweiter Test am Mond bestätigte das. Zudem zerstreute er eine meiner Hauptsorgen: Der ausgefranste Rand der Papierblende macht sich überhaupt nicht störend bemerkbar, da man ja fast immer auf das Zentrum des Okulars konzentriert ist. Somit kann ich diesen Konstruktionsfehler im Prinzip abhaken, obwohl ich vermutlich dafür irgendwann noch eine bessere Lösung anstreben werde. Vielleicht eine Blende aus Kunstoffolie?
Genauso klar wurde aber auch, daß außer am Mond (oder vielleicht noch am Jupiter) eine wirklich präzise Nachführung ohne Beleuchtung nicht machbar sein wird. Damit ist der Anreiz, den ungleich kniffligeren Einbau der Fadenkreuzbeleuchtung anzugehen, gegeben.

Technik - Sterntest
Zum Abschluß des Abends wollte ich mir auch endlich einmal an Polaris einen Sterntest gönnen. Leichter gesagt als getan - aufgrund kältebedingter mangelnder Geduld bekam ich Polaris nicht bei 200x ins Gesichtsfeld. Also wurde Capella (da zenitnah) in die Pflicht genommen.
Hier spielte mir zunächst die Vereisung üble Streiche, defokussiert sah der Stern nach Pickery-Skala 0,5 aus... dennoch ließen sich zumindest einige grundlegende Beobachtungen machen. So zum Beipsiel die befriedigende Erkenntnis, daß Koma nicht zu erkennen war. Die Justage des Newtons scheint also zumindest für die nächste Zeit kein Thema werden zu müssen.Spannender ist die Frage, ob der Spiegel möglicherweise einen Ringzonenfehler hat. Da ich aber unter den gegebenen Umständen (bibbernd, in Gedanken schon beim Fußbad und nicht zuletzt unerfahren beim Sterntest) mein Urteil nicht gerade als verläßlich ansehen kann, werde ich mich um die Meinung eines erfahrenen Sternfreunds bemühen, sobald ich erstmal einen in der Umgebung gefunden habe.
 
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